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.... Ärger wegen Gewaltdarstellung?
 
§ 131 StGB
Gewaltdarstellung
 
Allgemeine Hinweise
Einzelfragen
(1) Wer Schriften (§ 11 Abs. 3), die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt,
1.
verbreitet,
2.
öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht,
3.
einer Person unter achtzehn Jahren anbietet, überläßt oder zugänglich macht oder
4.
herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist, einzuführen oder auszuführen unternimmt, um sie oder aus ihnen gewonnene Stücke im Sinne der Nummern 1 bis 3 zu verwenden oder einem anderen eine solche Verwendung zu ermöglichen,

wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

 

(2) Ebenso wird bestraft, wer eine Darbietung des in Absatz 1 bezeichneten Inhalts durch Rundfunk, Medien- oder Teledienste verbreitet.

(3) Die Absätze 1 und 2 gelten nicht, wenn die Handlung der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte dient.

(4) Absatz 1 Nr. 3 ist nicht anzuwenden, wenn der zur Sorge für die Person Berechtigte handelt; dies gilt nicht, wenn der Sorgeberechtigte durch das Anbieten, Überlassen oder Zugänglichmachen seine Erziehungspflicht gröblich verletzt.

 

 
Der Straftatbestand soll die Allgemeinheit vor sozialschädlicher Aggression schützen und einem Klima der Gewalttätigkeit vorbeigen.
Er ist vor allem relevant für jeden, der in Medien wie zum beispiel dem Internet Texte und Bilder verbreitet oder der Tonträger oder Computerspiele verbreitet.
 
 
 
 
 

Der Tatbestand erfordert:

Schriften: Darunter ist nach § 11 StGB Ton- und Bildträger, Datenspeicher, Abbildungen und andere Darstellungen gleich.
Menschen: Gewalttätigkeiten gegen fiktive menschenähnliche Wesen in Computerspielen sind nicht gemeint, BGH NStZ 2000, 308.
Grausame oder unmenschliche Gewalttätigkeiten: Zufügung besonderer Schmerzten und Qualen. Das gewöhnliche Ermorden eines menschen wie in einem beliebigen Kriminalfilm ist nicht gemeint.

Gewalttätigkeiten: Gemeint sind nur grausame Handlungen, siehe

OLG Stuttgart Urteil vom 24.4.2006 -1 Ss 449/05-:
"... Schilderung einer Gewalttätigkeit im Sinne dieser Vorschrift. Zwar ist unerheblich ist, ob ein reales, realitätsnahes oder fiktives Geschehen dargestellt wird (BGH NStZ 2000, 307, 308). Im Rahmen der Schilderung muß ein Täter jedoch in unmittelbarer Weise physisch auf sein Opfer einwirken. Nicht ausreichend ist die Darstellung allein der Wirkungen von Gewalttätigkeiten (Miebach/Schäfer aaO § 131 Rn 19; Tröndle/Fischer aaO § 131 Rn 5). Tatbestandsmäßig im Sinne einer die Menschenwürde verletzenden Darstellung sind nur exzessive Gewaltschilderungen, die in allen Einzelheiten und unter Ausklammerung sonstiger menschlicher Bezüge die geschundene menschliche Kreatur in widerwärtiger Weise in den Vordergrund rücken, um dem Betrachter Nervenkitzel besonderer Art, genüßlichen Horror oder sadistisches Vergnügen zu bieten (OLG Koblenz NStZ 1998, 40, 41).

 

Schilderung in einer Art, die eien Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt:
Bei wörtlicher Auslegung des Gesetzes müßte man das Abendprogramm vieler Fernsehsender sperren. Die Juristen retten sich hier in eine "Tatbestandsrestriktion infolge anerkannter Adäquanz bei Einhaltung der im Film-Genre allgemein anerkannten Grenzen": Im Film ist das eben so und wird allgermein anerkannt.
Das Tatbestandsmerkmal "in einer die Menschenwürde verlet­zenden Weise" in genügt dem Bestimmt­heitsgebot, soweit darunter Darstellungen von grausamen oder unmenschlichen Gewalttätigkeiten verstanden werden, die darauf angelegt sind, beim Betrachter eine Einstellung zu erzeugen oder zu verstärken, die den jedem Menschen zu­kommenden fundamentalen Wert- und Achtungsanspruch leug­net, BVerfG B.v. 20.10.1992.