Forschungsgruppe Kreis Ohlau

Forschungsgruppe Kreis Ohlau, Schlesien, der Arbeitsgemeinschaft ostdeutscher Familienforscher
Klaus Kunze, Stegwiese 35, 51067 Köln

Marschwitz

Grundherrschaft:

1250: Ritter von Walch (Gallici); 1253: Vinzenzkloster Breslau (Zehntansprüche); 1322: Ritter Henczo aus dem wallonischen Geschlecht der Gallici; 1360: von Prittwitz; 1360. 1472: von Pogarell; 1599 Heinrich von Schenk; 1620: Friedrich von Hengel; 1783: „Marschwiz, gehöret jetzt dem Herrn von Hubrich“; 1819: von Rosenberg-Lipinskysche Erben; 1830: Königlicher Regierungsrat von Heinen; 1845: Adam Friedrich von Eicke; „Dominium zinst dem Rent-Amt Ohlau“.

Namen: Marschwitz, 1253 Marsonici, 1321 Marschowicz, 1322 Marsow, 1362 Marschowicz, 1783 Marschwitz; 1830 auch Marszeris
Polnisch: nach 1945: Marszowice
Ortsgründung: wohl vor 1250 durch Marson aus dem Geschlecht der Gallici/Walch gegründet; 1310 deutsches Recht nachgewiesen
Dorfform: Angerdorf mit rechteckigem Anger
Amtsbezirk: Marschwitz; 1885 Goy
Standesamtsbezirk: Göllnerhain (= Goy)
evangelische Kirche: Marschwitz, 1335 erstmals erwähnt, seit 1530 evangelisch
katholische Kirche: Würben
Entfernung von Ohlau: 6,5 km
Eisenbahnstation: Leisewitz (Stadtbahn), Marschwitz (Kleinbahn)
Koordinaten (Marschwitz I): 50° 54’ 38,7444’’ N; 17° 12’ 10,7570’’ Ö
dgl. (Marschwitz II): 50° 56’ 49,1741’’ N; 17° 14’ 21,0081’’ Ö
dgl. (Kirchturm): 50° 55’ 46,6535’’ N; 17° 12’ 54,7886’’ Ö
Höhe über Meeresspiegel: Trig. Punkt: Pfeiler 150,05 m, Platte 149,16 m
dgl. (Marschwitz II): Trig. Punkt: Pfeiler 132,38 m, Platte 131,48 m
dgl. (Kirchturm): Kirchturmknopf 168,46 m

 

1357:
Dominium (7 Hufen) und Scholtisei (3 Hufen) erwähnt.
1652:
über 10 Bauern (mit je 1½ - 2 Hufen).
1743:
13 Bauernstellen.
1783:
1 evangelische Kirche und [1664 gegründete] Schule, 1 herrschaftliches Vorwerk, 1 Mühle, 12 Bauern- und 33 andere Stellen, 299 Einwohner, „welche polnisch und deutsch reden und evangelisch sind“.
1819:
1 lutherische Mutterkirche, 1 herrschaftliches Schloß, 1 Kretscham, 11 Bauergüter, 14 Freigärtner-, 6 Dreschgärtner- und 2 Freihäuslerstellen, 1 Müllerhaus, 1 Schmiedewohnung, 17 sonstige Feuerstellen, insgesamt 54 Haushalte; 331 Einwohner (147 männlich, 184, weiblich; 308 Lutheraner, 23 Katholiken).
1830:
50 Häuser, 1 herrschaftliches Schloß und Vorwerk, 357 Einwohner (kath. 26), 1 evangelische Mutterkirche, 1 evangelische Schule, 1 Lehrer, katholische Kirche zu Würben. 1 Brauerei und Brennerei, 1 Windmühle.
1845:
1 herrschaftliches Schloß und Vorwerk, 1 evangelische. Pfarrkirche, 1 evangelische Schule, 1 Windmühle, 1 Brauerei, 1 Brennerei, 1 Wirtshaus; 57 Häuser, 404 Einwohner (22 katholisch); 10 Handwerker, 3 Händler; 1600 Merinoschafe, 189 Rinder; Tabak-, Flachs- und Rapsbau, auch Bienenzucht.
1871:
Landgemeinde: 44 Wohngebäude, 100 Haushaltungen, 429 Einwohner (davon 226 ortsgebürtig; 203 männlich, 226 weiblich; 373 evangelisch, 56 katholisch). Gutsbezirk: 6 Wohngebäude, 24 Haushaltungen, 82 Einwohner (davon 23 ortsgebürtig; 37 männlich, 45 weiblich; 65 evangelisch, 17 katholisch); auf den Nebenwohnplatz Waldwärterhaus entfallen 1 Wohngebäude und 4 Einwohner.
1895:
Landgemeinde: 46 Wohnhäuser, 81 Haushaltungen, 342 Einwohner (davon 152 männlich, 190 weiblich; 316 evangelisch, 26 katholisch). Gutsbezirk: 4 Wohnhäuser, 31 Haushaltungen, 117 Einwohner (davon 53 männlich, 64 weiblich; 92 evangelisch, 25 katholisch)
1885:
Landgemeinde: Flächeninhalt 402 ha, davon Ackerland 356 ha, Wiesen 23 ha, Holzungen 2 ha; Grundsteuer-Reinertrag vom Ackerland 34,47 Mark/ha, von Wiesen 23,50 Mark/ha, von Holzungen 11,75 Mark/ha. 1 Wohnplatz mit 50 Wohngebäuden, 90 Haushaltungen und 386 Einwohnern (davon 189 männlich, 197 weiblich; 343 Evangelische, 43 Katholiken). - Gutsbezirk: Flächeninhalt 209 ha, davon Ackerland 181 ha, Wiesen 21 ha, Holzungen 2 ha; Grundsteuer-Reinertrag vom Ackerland 29,77 Mark/ha, von Wiesen 23,89 Mark/ha, von Holzungen 10,97 Mark/ha. 1 Wohnplatz mit 7 Wohngebäuden, 26 Haushaltungen und 94 Einwohnern (davon 44 männlich, 50 weiblich; 70 Evangelische, 24 Katholiken).
1905:
Landgemeinde: 43 Wohnhäuser, 70 Haushaltungen, 323 Einwohner (Muttersprache: deutsch 321, polnisch 2); Gemarkungsfläche 402,2 ha; Grundsteuer-Reinertrag 31,78 Mark/ha. Gutsbezirk: 9 Wohnhäuser, 24 Haushaltungen, 114 Einwohner (Muttersprache: deutsch 112, polnisch 2); Gemarkungsfläche 209,4 ha; Grundsteuer-Reinertrag 27,59 Mark/ha.
1925:
61 Wohnhäuser, 109 Haushaltungen, 423 Einwohner (davon 196 männlich, 227 weiblich; 371 evangelisch, 38 katholisch); Flächengröße 1931: 606,7 ha, Grundsteuer-Reinertrag 30,25 RM/ha.
1935:
405 Einwohner
1939:
98 Haushaltungen, 373 Einwohner

Rittergutsbesitzer 1894:

Rittergüter Marschwitz mit Peltschütz und Freigut Goy: Siegfried von Eicke und Polwitz.

Im Einwohnerbuch 1935 genannte Haushaltungsvorstände (Anzahl):


Ackermann, Baudis, Bienas, Böhm (3), Brandt (2), Dotschkal (2), von Eicke und Polwitz (2), Fischer (2), Fronober, Garisch, Gruß (5), Günzel, Hahn (3), Hachke (2), Hayn (2), Heilmann (2), Heit, Hentschel, Hermann (3), Hoche, Hoppe (2), Horn, Howanitz, Jäckel, Jeltsch (2), Jeschor (2), Kohlisch, Krause, Liske (2), Möbert, Mohaupt, Mücke, Müller, Nikisch (2), Nowack, Paul, Peschke (2), Pflaume, Philipp, Pohl, Priebus (2), Proske, Püschel, Quellmelz, Quitschalle, Reisig, Renelt, Rother, Scheunert, Schindler (4), Schirmack, Schmirgel (2), Scholz (2), Schröter, Speer, Steinert, Sternagel, von Strampf, Uttikal (3), Wahl, Waßner (2), Warkus, Wenzel, Wiehle, Wuttke (4), Zappe.

Ritter- und Bauergutsbesitzer 1937:

Rittergut: Landwirt Dietrich von Eicke und Polwitz (Familienbesitz seit 1833); Güter: Ernst Schindler; Arthur Schindler; Fritz Gruß; Ernst Gruß.

Literatur:

Parochie Marschwitz; in: F. G. Eduard Anders, Statistik der Evangelischen Kirche in Schlesien, Glogau 1848, S. 224.

F. von Strampf, Die Kirche zu Marschwitz; in: Heimatkalender für Stadt und Kreis Ohlau 1927.

Würben, Marschwitz, Mellenau [im] Meßtischblatt Nr. 2956; in: Herbert Knothe, Beispiele schlesischer Dorfformen, Breslau 1938, Tafel XXV, Abbildung 53.

A. M. von Eicke geb. Gräfin von Pfeil, Der alte Fritz in Marschwitz; in: Heimatblatt Strehlen/Ohlau 4/1955, Beilage „Schlesischer Beobachter“, S. 25.

Rudolf Gleiß, Herkunft und Werden des Schlesierstammes im Lichte seiner Ahnenkunde [Marschwitz]; Heimatblatt Strehlen/Ohlau 3/1958, S. 7 f., 4/1958, S. 2.

F. v. Strampf; Die Kirche zu Marschwitz; Heimatblatt Strehlen/Ohlau 6/1958, S. 18, und 7/1958, S. 9.

Erich Quester, Der Kreis Ohlau in Urkunden der Jahre 1331 – 1398; [Artikelreihe in:] Heimatblatt Strehlen/Ohlau 11/1965-8/1966; Marschwitz 6/1966, S. 13 f.

Karl Buschbeck, Die evangelischen Kirchen und Gemeinden im Ohlauer Land, Ulm 1968, S. 18

F. von Strampf, Die Kirche zu Marschwitz; Heimatblatt Strehlen/Ohlau 7/1979, S. 9 f.

Fritz Schmidt, Die Leiden der Deutschen in Marschwitz, Kr. Ohlau, 1945/46; Heimatblatt Strehlen/Ohlau 9/1985, S. 4, 10/1985, S. 18B, 11/1985, S. 4.

Eberhard Bittner, Die evangelische Kirche zu Marschwitz; Heimatblatt Strehlen/Ohlau 5/1991, S. 25-27.

Heinz Quester, Predigergeschichte des Kirchenkreises Ohlau in Schlesien. In: Jahrbuch für Schlesische Kirchengeschichte, Band 76/77 (1997/98), S. 401-404

Heinz Quester, Ergänzungen zur Predigergeschichte des Kirchenkreises Ohlau in Schlesien; in:Jahrbuch für schlesische Kirchengeschichte, Neue Folge, Band 79, Stuttgart 2000, S. 168.

Marschwitz [Haushaltungsvorstände um 1937]; Heimatblatt Strehlen/Ohlau 8/2003, S. 32.

Heinz Quester, Zur Geschichte der evangelischen Kirchengemeinden des Kirchenkreises Ohlau in Schlesien; in: Jahrbuch für Schlesische Kirchengeschichte, Band 83, Stuttgart 2004, S. 69-126. Darin: Marschwitz S. 78-84.

Werner Reisig, Marschwitz [Kirche]; Heimatblatt Strehlen/Ohlau 4/2004, S. 27 f.

[Georg] Fronober, Dorfplan Marschwitz Krs. Ohlau um1942; Heimatblatt Strehlen/Ohlau 4/2005, S. 26 f., 5/2005, S. 29.

Ursula und Werner Gruß, Über die Verwandtschaft der Marschwitzer Familien „Gruß“; Heimatblatt Strehlen/Ohlau 6/2005, S. 27 f.

[Friedrich von Strampf], Die Kirche zu Marschwitz, Heimatkalender für Stadt und Kreis Ohlau von 1927; Heimatblatt Strehlen/Ohlau 7/2006, S. 24.

Heinz Quester, Ortslexikon des Kreises Ohlau/Schlesien, Alfter 2007, S. 106 f.

Werner Reisig, [Aus dem Tagebuch 1945 des Kantors Fronober]; Heimatblatt Strehlen/Ohlau 1/2007, S. 28 f.; 2/2007, S. 21; 3/2007, S. 26; 4/2007, S. 20 f.; 5/2007, S. 21 f.; 6/2007, S. 24; 7/2007, S. 25; 8/2007, S. 34; 10/2007, S. 28 f.; 11/2007, S. 30; 1/2008, S. 24 f., 2/2008, S. 21 f., und 3/2008, S. 23. – Marschwitzer Personenliste ebd. 11/2008, S. 28; 1/2009, S. 26.

F. von Strampf, Die evangelische Kirche in Marschwitz [1927]; in: Heinz Quester, Aus der Geschichte von Kreis und Stadt Ohlau in Schlesien, Alfter 2010 (Beiheft 3 zu Günther/Quester, Kreis und Stadt Ohlau in Schlesien von den Anfängen bis 1945, 3 Bände: 1982, 1988, 2003), S. 305-525; hier S. 408-410.

Kirchenbücher:

[nicht bekannt].