{"id":1101,"date":"2020-01-01T18:18:56","date_gmt":"2020-01-01T17:18:56","guid":{"rendered":"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/?p=1101"},"modified":"2020-01-01T18:18:58","modified_gmt":"2020-01-01T17:18:58","slug":"hohe-tannen-wiesen-die-sterne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2020\/01\/01\/hohe-tannen-wiesen-die-sterne\/","title":{"rendered":"Hohe Tannen wiesen die Sterne"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Was eine Gemeinde des Kreises <\/strong><strong>Ohlau in schwerer Zeit erlebte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">von Fritz Langner<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Jahre 1945 begann f\u00fcr uns eine schwere Zeit. Es war, als wenn \u201eetwas in der Luft l\u00e4ge.\u201c Da\u00df die Erlebnisse jener Tage und Monate nicht verloren gehen, zur Erinnerung, zum Mahnen und zum Bedenken, sollen sie festgelegt werden. Das Geschick war in allen Gemeinden des Kreises \u00e4hnlich. Die Januar-Tage waren unfreundlich und kalt, die Stimmung der Bewohner recht gedr\u00fcckt. Bei all dem sonst so Schweren der langen Kriegszeit war es zudem bekannt geworden, da\u00df die \u201eR\u00e4umung des Kreises\u201c [<a href=\"http:\/\/klauskunze.com\/ohlau\/kreisohlau.jpg\">siehe Landkarte des Kreises<\/a>] in Erw\u00e4gung gezogen war. Der ganze Kreis mit 54.433 Einwohnern, 14.713 Haushalten, 24.120 Rin\u00addern, 8.316 Schafen und 1.580 Gespannen sollte nach dem Kreise Waldenburg gebracht werden. Diese Pl\u00e4ne lagen seit Ende Dezember 1944 auf der NSV-Stelle vor. Am 19. Januar 1945 &#8211; es war schlechtes Wetter mit Schnee\u00adtreiben &#8211; trafen die ersten Fl\u00fcchtlinge aus den Kreisen Namslau und Kreuzburg in <a href=\"http:\/\/klauskunze.com\/ohlau\/orte\/ohlau.htm\">Ohlau <\/a>ein. Das brachte allgemeine Unruhe in die Stadt. Monate vorher waren fl\u00fcchtige Batschka-Deutsche usw. bereits im Kreise untergebracht. Ein banges Gef\u00fchl stieg in der beunruhigten Bev\u00f6lkerung auf: \u201eWann werden wir an der Reihe sein?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der 21. Januar war der letzte Sonntag in der lieben\nHeimat. Am Nachmittag waren alle Haushaltungs-Vorst\u00e4nde zu einer gemeinsamen\nBesprechung und zur genauen Einteilung \u00fcber die &#8211; nun wohl unvermeidliche &#8211;\nAusreise im Gasthaus ver\u00adsammelt. Hoffen paarte sich mit Bangen! Ger\u00fcchte\nmancher Art tauchten auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Da kamen am Montag Fl\u00fcchtlinge von Kreuzburg und Namslau auch nach <a href=\"http:\/\/klauskunze.com\/ohlau\/orte\/dsteine.htm\">Deutschsteine<\/a>, blieben \u00fcber Nacht und zogen am folgenden Tage wieder weiter. Am sp\u00e4ten Nachmittag des fol\u00adgenden Dienstag, dem 23. Januar, traf nun der \u201eR\u00e4umungsbe\u00adfehl der Kreisleitung\u201c ein. Nach den getroffenen Ma\u00dfnahmen und Einteilungen sammelten sich die mit der notwendigsten Habe beladenen, mit Planen \u00fcberdeckten Wagen der Gemein\u00adde an der Stra\u00dfe. S\u00e4mtliches Gro\u00df- und Kleinvieh mu\u00dfte zu\u00adr\u00fcckgelassen werden. Gegen 5.30 Uhr setzte sich der \u201eTrauer\u00adzug\u201c Richtung Ohlau in Bewegung, den vereisten H\u00fchnerbach entlang nach Rosenhain. Es war eine beschwerliche Fahrt, die Wagen mu\u00dften auf dem Landwege viersp\u00e4nnig vorgebracht werden. Mit viel M\u00fche endlich in Rosenhain angelangt, traf uns der Befehl der Kreisleitung: \u201eDa sich die Lage wesentlich gebessert hat, haben sich auf Anordnung des Gauleiters alle sofort zur\u00fcckzubegeben!\u201c Schwach flackerte in den verzwei\u00adfelten Herzen ein Hoffen auf.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"958\" height=\"662\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/AK-Deutsch-Steine-um-1910.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1107\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/AK-Deutsch-Steine-um-1910.jpg 958w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/AK-Deutsch-Steine-um-1910-300x207.jpg 300w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/AK-Deutsch-Steine-um-1910-768x531.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/AK-Deutsch-Steine-um-1910-900x622.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 958px) 100vw, 958px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Noch einmal ging ein Teil &#8211; nachdem in R. Quartier\nbezogen war &#8211; zu Fu\u00df nach dem lieben Heimatort, ins verlassene Heim.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war eine klare, kalte Mondnacht. In der Ferne h\u00f6rte\nman Gesch\u00fctzdonner. Am fr\u00fchen Morgen des 23. Januar begab ich mich zum\nDominium, wo noch s\u00e4mtliche Leute anwesend wa\u00adren. Als eine Granate im Park\neinschlug, wurde da eiligst an den Abzug gedacht. Es war ein furchtbarer\nAnblick, den das ger\u00e4umte Dorf machte! Die Tore standen auf, das Vieh in den\nSt\u00e4llen br\u00fcllte, herrenlose Hunde liefen umher &#8211; sonst alles ausgestorben!<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten verwundeten Soldaten &#8211; von Linden kommend &#8211;\ngingen nach Ohlau.<\/p>\n\n\n\n<p>In Rosenhain war alles unruhig durcheinander, niemand wu\u00df\u00adte,\nwas zu tun sei, als gegen 9.00 Uhr durch Lautsprecher\u00adwagen die sofortige\nR\u00e4umung des Ortes angeordnet wurde. Welch eine arge Entt\u00e4uschung! Das Zutrauen\nzu den Ank\u00fcndi\u00adgungen der Gauleitung hatte einen argen Ri\u00df erhalten! \u201eDie Lage\nhatte sich wesentlich gebessert!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Goy &#8211; wo uns der sogenannte \u201eVolkssturm in Zivil\u201c be\u00adgegnete,\nder bem\u00fcht war, mit Wagen, Nachrechen usw. \u201ePan\u00adzersperren\u201c zu legen &#8211; und\nW\u00fcstebriese kamen wir bis Runzen, wo primitivst \u00fcbernachtet wurde. Am 30.\nJanuar langte der Zug in Freiburg an, die Schule bot erb\u00e4rmliche Unterkunft,\nnicht einmal Lagerstroh. Die Unruhe, die vielen Beschwerden, die Hetze lie\u00dfen\nein Nachdenken nicht zu. Man sehnte sich nach 11 Tagen eines Lebens auf der\nLandstra\u00dfe bei diesem winterlichen Wetter nur nach einer Bleibe und war\ngl\u00fccklich, als man am 2. Februar gegen Mittag im bestimmten Rothenbach landete.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die NSV erfolgte eine zufriedenstellende\nUnterbringung in Privatquartieren, und die Einwohner waren durchaus gut und\nzuvorkommend und versuchten, das schwere Los leichter zu machen. So vergingen\ndrei \u201efriedliche Wochen.\u201c Zwei Ereignisse f\u00fchrten die Leidensgenossen eng\nzusammen: Die Beerdigung des \u201eAltb\u00fcrgermeisters\u201c Olawsky am 15. Ja\u00adnuar und die\nKonfirmation am 18. Januar. Es war mir eine besondere Freude und ein Bed\u00fcrfnis,\nzu den \u201eBr\u00fcdern im Leid\u201c, die mir besonders in den schweren Wochen ans Herz\ngewachsen waren, am Friedhof und im Gotteshaus zu sprechen. Schon lag neue\nUnruhe \u00fcber allen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sollte weiter gewandert werden &#8211; erneut auf die\nLandstra\u00dfe hinaus! Am 20. Februar standen die mit der notwendigsten Habe\nbepackten Wagen wieder zum Abmarsch bereit. Schwe\u00adre Last, aber weit schwerer\nwaren die Herzen belastet! Ziel: Tschechei. So gings bei wenigstens\nbefriedigendem Wetter \u00fcber G\u00f6rtelsdorf, Hauptmannsdorf, Braunau, Hronow \u00fcber\nden schwierigen Pa\u00dfweg (die Wagen ohne Bremsen!) nach Nachold, Skalitz,\nTrebischau, wo den braven Pferden ein Ruhetag ge\u00adg\u00f6nnt wurde. Der 25. Februar\nwar ein herrlicher Sonntag-Mor\u00adgen, als es erneut weiter ging \u00fcber Jermir bis\nJosefstadt. In einer Kaserne wurde Unterkunft bezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Haltung der tschechischen Bev\u00f6lkerung war vorsichtig\nab\u00adwartend, aber nicht feindlich, Verpflegung wurde (von \u201eamtli\u00adchen\nStellen&#8220;) geboten. Da am Montag ein unfreundlicher Tag mit Regen-Schnee\nwar, erfolgte die Weiterreise erst am fol\u00adgenden Tage. Also schon wieder eine\nWoche auf der Landstra\u00ad\u00dfe! Von K\u00f6niggr\u00e4tz (wo auf den Stra\u00dfen schon\nPanzersperren errichtet waren) gings bis Kuklen, wo im Kino eine erb\u00e4rmli\u00adche\nMassenunterkunft geboten wurde. Endlich am Mittwoch, dem 28. Februar, landeten\nwir in dem einige Kilometer von Chlumetz gelegenen kleinen tschechischen Dorf\nLischitz. Hier wurden die \u201eWanderer&#8220; in den S\u00e4len der beiden Gasth\u00e4u\u00adser\nund den beiden Klassenzimmern der Schule notd\u00fcrftig un\u00adtergebracht. Bei dem\nwirklich knappen Wohnraum der Einhei\u00admischen war ein Unterkommen in\nPrivatquartieren nur in ganz geringem Ma\u00dfe m\u00f6glich. Die Gespanne wurden bei den\nLand\u00adwirten eingestellt. Die Haltung der Bev\u00f6lkerung war auch hier in Ordnung.\nAls nach bestimmtem Plan die Mithilfe in den Wirtschaften mit Gespannen\neinsetzte, wurde das Verh\u00e4ltnis durchaus zufriedenstellend, und zu der\nerhaltenen Verpflegung f\u00fcr Menschen und Pferde kam dadurch mancher Zuschu\u00df. Der\nB\u00fcrgermeister hat nach M\u00f6glichkeit geholfen. Nach einer erfolgten Besichtigung\nder Massenquartiere konnte ich erlan\u00adgen, da\u00df zur \u201eAuflockerung&#8220; etwa die\nH\u00e4lfte der Vertriebenen im Nachbarort Luschetz, wo die tschechische\nPolizeistation lag, in die Schule und einige Privatquartiere verlegt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war erfreulich, da\u00df aus der Mitte der Leidensbr\u00fcder\nselbst an mich die Bitte kam, Andachtsstunden zu halten. Die bittere Not hatte\nsegensreich gewirkt. Das Massenquartier war von lieben Frauenh\u00e4nden zur\nAndachtsst\u00e4tte umgewandelt, und wir suchten durch Lied, Ansprache und Gebet die\nkranken Herzen zu st\u00e4rken. Ich m\u00f6chte besonders unsere Karfreitags-, Oster- \u00adund\nWaldandacht in dankbarer Erinnerung festhalten. Zwei Kinder, die der Herr in\nsein himmlisches Reich holte, haben wir auf dem Friedhof zu Chlumetz und\nLauschitz zur letzten Ruhe gebettet, und ich konnte den Angeh\u00f6rigen Trost aus\nGot\u00adtes Wort bieten. So wurden alle durch die Not und die Schwe\u00adre der Zeit\nrecht zusammen gebunden. Die Kranken fanden in dem unter Dr. Larisch (Oppeln)\nstehenden Fl\u00fcchtlings-Kran\u00adkenhaus Aufnahme. &#8211; Weh war uns allen ums Herz, als\nim sch\u00f6nen Fr\u00fchjahr die Gedanken ostw\u00e4rts in die verlorene Hei\u00admat eilten, wo\njetzt auch der Fr\u00fchling einzog. Mitte April tauchten neue beunruhigende\nNachrichten von neu\u00adem Wandern auf. Neue Furcht vor der Landstra\u00dfe! Bei einer\nBesprechung in der Bezirksstadt Chlumetz (24.4.) wurde der Abzug wieder\nabgeblasen. Auffallend war dabei die absolute Unsicherheit der \u201ema\u00dfgeblichen\nStellen&#8220;, keiner wu\u00dfte recht Bescheid, und eine gewisse Aufregung der\n\u201eVerantwortlichen&#8220; war unverkennbar. Was sollten wir \u201eKleinen&#8220; da\ndrau\u00dfen tun, denen doch immerhin eine erhebliche Verantwortung oblag?\nNachrichten von den gro\u00dfen Ereignissen kamen \u00fcberhaupt nicht zu uns. Man merkte\neine gewisse Spannung und Unruhe unter den Ortseinwohnern. Ein Besuch\nmeinerseits in K\u00f6niggr\u00e4tz bei der zust\u00e4ndigen NSV-Stelle brachte keinerlei\nguten Rat. \u00dcberall dieselbe Unsicherheit und Unruhe! Auf der Bahn war das\nbesonders zu merken. Am 5. Mai kam auch am Ort eine \u201ebegeisterte Stimmung&#8220;\nder Tschechen zum Ausdruck. Ihre Lautsprecher schrien unerm\u00fcdlich ihre Berichte\nbei offenen Fenstern den an der Stra\u00dfe lagernden Tschechen zu. Wir &#8211; rat- und\nhilflos! Am folgenden Sonntag zog der kommu\u00adnistische Teil der Einwohner im\nOrte umher und verlangte eine Durchsuchung ihrer G\u00e4ste nach Waffen, der nach\nVer\u00admittlung durch den tschechischen Ortslehrer zugestimmt wur\u00adde. In meinem\nBeisein wurden alle Quartiere von einer Kom\u00admission durchsucht &#8211; ohne\nZwischenf\u00e4lle und Erfolg. Am 8. Mai nachts wurde nun auf Anraten des\ntschechischen Lehrers der Beschlu\u00df gefa\u00dft, am folgenden Vormittag mit den\nGespannen abzur\u00fccken, um zu versuchen, evtl. \u00fcber Prag nach dem Westen zu\nkommen. \u00dcber den \u201eZusammenbruch\u201c wu\u00dften wir nichts Genaues. Der gebildete\nOrts-Ausschu\u00df, bestehend aus dem B\u00fcrgermeister, dem Lehrer und F\u00f6rster des\nOrtes, benahm sich korrekt. Auf meine ausdr\u00fcckliche Bitte war durch den\nB\u00fcrgermeister der Teil der Vertriebenen aus dem Nach\u00adbarort Luschetz unter\nBegleitung von tschechischer Polizei zum Treck gebracht worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun waren wir wieder auf der Landstra\u00dfe in dieser so\nunruhi\u00adgen Zeit! Der Zusammenbruch war bekannt geworden und trug zur\nverzweifelten Stimmung bei. In einem der n\u00e4chsten Orte kamen wir nicht weiter,\nda ein Milit\u00e4r-Transport (vom Laza\u00adrett K\u00f6niggr\u00e4tz) von tschechischem Mob\nangehalten und \u201eer\u00adleichtert&#8220; wurde. Sonderbarerweise wurden wir ohne\nBel\u00e4sti\u00adgung durchgelassen. Ich nehme an, da\u00df durch Boten von Luschetz aus \u00fcber\nuns berichtet worden war. Kurz bevor wir in die Hauptstra\u00dfe (K\u00f6niggr\u00e4tz &#8211; Prag)\nkamen, hielten uns tsche\u00adchische \u201ePartisanen\u201c an, durchsuchten einige Wagen,\ndie sie z. T. beraubten, und nahmen uns s\u00e4mtliche Fahrr\u00e4der weg. Mit dem\nsogenannten \u201eF\u00fchrer\u201c war nicht zu verhandeln, da er viehisch betrunken war. Auf\nder Hauptstra\u00dfe zog ein nicht endenwollender Zug von russischen Soldaten &#8211;\ngr\u00f6hlend und schreiend -, so da\u00df wir nicht weiterkonnten. Auf der anderen Seite\nder Stra\u00dfe lagen \u201eentwaffnete deutsche Soldaten\u201c. Das alles dr\u00fcckte uns tief\ndanieder! Ein Teil der armen Landser hatte sich zu unserem Treck geschlagen,\nwar auch schnell in \u201eZivil\u201c. Wir standen eine lange Zeit eng an der\nStra\u00dfenseite &#8211; die Wagen mit wei\u00dfen F\u00e4hnchen versehen. Dem Vernehmen nach\nsollte in Prag eine \u201eSiegesfeier\u201c statt\u00adfinden. Aus all den Gr\u00fcnden entschlo\u00df\nich mich, umzukehren, um &#8211; auf unserem Herweg \u00fcber K\u00f6niggr\u00e4tz &#8211; nach der Heimat\nzu kommen, vor allem von dem Gedanken geleitet, nicht zum \u201eSiegesfest der\nTschechen und Russen\u201c zu kommen. Wie gut und richtig es war, beweist die\nSchilderung von Father Reichen\u00adberger \u00fcber jene Tage in Prag und das grausige\nGeschick der dort gesichteten fl\u00fcchtigen Deutschen. (Vergleiche Reichen\u00adberger:\nOstdeutsche Passion: \u201eDie Prager Revolution&#8220;, Seite 101 ff.)<\/p>\n\n\n\n<p>Auf meine Bitte riet mir ein tschechischer Partisan in Uni\u00adform, zun\u00e4chst nach K\u00f6nigsst\u00e4dtl zu fahren, um dort weitere Weisungen entgegenzunehmen. Hier erhielt ich beim Narodny vybor, &#8211; die wohl die vorl\u00e4ufige Gewalt in H\u00e4nden hatten &#8211; eine Bescheinigung, die heute noch in meinen H\u00e4nden ist, die f\u00fcr uns alle auf dem so schweren Weg nach der Heimat von so gro\u00dfer Bedeutung war und uns vor vielem \u201eUnangenehmen&#8220; bewahrt hat. Nun gings nach Bydzow zu. Die kalte Nacht verbrachten wir, da mir die Stimmung in den tschechischen Orten nicht verlockend erschien, an der Stra\u00dfe, scharf am Grabenrand. Milit\u00e4rautos fuhren nachts an uns vorbei, in ent\u00adgegengesetzter Richtung &#8211; wohl ohne Ziel, scheinbar in die H\u00e4nde der \u201eSieger\u201c. Ein Partisanen-Panzerwagen weckte uns fr\u00fchzeitig. Den entstiegenen, als \u201ePartisanen\u201c sichtbar gekenn\u00adzeichneten bewaffneten Tschechen wies ich mich mit der er\u00adhaltenen Bescheinigung aus, und sie fuhren nach einigen Fra\u00adgen wieder zur\u00fcck, hatten uns unbehelligt gelassen. Fr\u00fchzeitig setzten wir unsere Reise fort. In Bydzow wurde ich von bewaffneten Posten zum Polizei-Chef gebracht, der nach Einsicht des erhaltenen Passierscheins uns auf Nebenwegen Richtung K\u00f6niginhof weiterleitete. Im Orte Mircejewo war Sie\u00adgesfeier der Russen und Tschechen. Der Abend war herange\u00adkommen, wir konnten schwer vorw\u00e4rts, da vor uns ein mit Rindern bespannter Treck zog. <\/p>\n\n\n\n<p>Mit Bangen dachten wir daran, hier in dem Ort bleiben zu m\u00fcssen. Ein junger Polizist, dem ich mich unter Vorlage meiner Bescheinigung auswies, brach\u00adte uns mit zwei Mann aus dem furchtbaren Ort. Am 12. Mai landeten wir (nach unruhig au\u00dferhalb des Ortes an der Land\u00adstra\u00dfe verbrachter Nacht) in K\u00f6niginhof, wo eine Kontrolle durch russisches Milit\u00e4r erfolgte. Auf Betreiben eines tsche\u00adchischen Beraters wurden die M\u00e4nner unter 50 Jahren &#8211; auch 2 unseres Ortes (Herrn. Knispel und Oskar Weigt) &#8211; mit fort\u00adgenommen. Nach langem Warten kamen unsere Leute gottlob wieder zur\u00fcck. Das Schicksal der \u00fcbrigen &#8211; wohl hinzugekom\u00admenen Soldaten &#8211; ist ungewi\u00df. In Friedland hielt uns ein russischer Posten an und wies mir den Weg durch das an der Stra\u00dfe liegende Lager (fr\u00fchere Judenlager) an. Nach R\u00fccksprache mit dem Leiter dieses Lagers, einem russischen Offizier, bekam ich nach Einsicht meines Passierscheines die Erlaubnis der direkten Weiterfahrt &#8211; am Lager entlang. Welch ein furchtba\u00adres Bild bot sich uns! Alles wild durcheinander, Gefangene, Soldaten, Zivilisten, M\u00e4nner und Frauen, Wagen und Pferde usw. Unser Gl\u00fcck konnten wir erst recht ermessen! Unerm\u00fcd\u00adlich schnell setzten wir die Reise fort, nur heraus aus diesem Land &#8211; ins Schlesierland.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 14. Mai landeten wir nach 6 schweren Tagen in Rothen\u00adbach.\nGro\u00df war die Freude der bekannten Schlesierfreunde, die wir damals im Januar\nverlassen hatten. Hier war russische Besatzung. Der Kommandant gab 2 Tage\nRuhepause, und mit neuem Passierschein wurden wir nach Deutschsteine weiter\u00adgesandt.\nWie sah doch die Heimat aus! \u00dcberall Kriegssch\u00e4\u00adden, zerst\u00f6rte Orte, teils ohne\nBewohner, an Kadavern, Lei\u00adchen und Gr\u00e4bern vorbei. Welch wonniges Gef\u00fchl, als\nwir von Ferne unser Rosenhainer Kirchlein sahen! Heimat &#8211; endlich daheim! Am\nH\u00fchnerbach lagerten wir auf einer Wiese gegen\u00ad\u00fcber dem Kirchstegel in der Nacht\nvom 18. zum 19. Mai. Vor uns lag unser Deutschsteine, es schien unber\u00fchrt von\nder Kriegs\u00adfurie. Rauch stieg aus den Schornsteinen &#8211; also \u201ebewohnt\u201c. So nahe\nund doch noch fern! Zwei Kundschafter stellten fest, da\u00df Russen im Ort, der\nkaum zerst\u00f6rt war, lagen. Am folgenden Morgen begab ich mich mit einem Polen,\nder als Gespannf\u00fchrer mit ausgezogen und wieder zur\u00fcckgekom\u00admen war, nach\nOhlau, um vom polnischen Starosten die Ge\u00adnehmigung zum Einzug ins Heimatdorf\nzu erlangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der stellvertretende Landrat schien recht informiert zu\nsein und die Genehmigung wurde &#8211; ohne da\u00df wir durch die in der Kaserne\nbefindliche \u201eKontrollstelle\u201c gehen mu\u00dften &#8211; erteilt. Ich wurde zum \u201eB\u00fcrgermeister\u201c\nernannt. Am Pfingstsonnabend gegen Mittag zogen wir im lieben Heimatort ein.\nWer ermi\u00dft das Gl\u00fcck? Wie dankbar mu\u00dften wir unserem Gott sein f\u00fcr die\nwunderbare F\u00fchrung \u201edurch so viel Angst und Plagen, durch Zittern und durch\nZagen\u201c. Durch den russ. Kommandanten und den anwesenden stellv. Landrat\nerhielten wir die Erlaub\u00adnis, die nicht besetzten Geh\u00f6fte und H\u00e4user zu\nbeziehen. In der Schule lag die Kommandantur. Zerst\u00f6rt waren durch Brand nur\nzwei Scheunen und ein Wohnhaus. Im Dominium waren russische Posten, die das\nVieh \u201ebetreuten\u201c. Nun galt es, die Geh\u00f6fte und H\u00e4user zu r\u00e4umen und s\u00e4ubern,\ndas war arge Arbeit. Wie sind diese in den paar Monaten zugerichtet worden! Die\nWohnungen waren zum gro\u00dfen Teil ausger\u00e4umt, die M\u00f6bel teils zerst\u00f6rt, verschleppt,\nW\u00e4sche, Klei\u00adder,\nHausrat ausgeraubt. Hier und da waren bei den H\u00e4usern Aschenhaufen, als Reste\nverbrannter Gegenst\u00e4nde. In dem rest\u00adlos ausgeraubten Klassenzimmer war das\nB\u00fcro der Komman\u00addantur\neingerichtet, in der\nLehrerwohnung hauste das Perso\u00adnal. Furchtbar sah es im Schlo\u00df aus! Alles\nmachte einen schrecklichen Eindruck, aber das Gef\u00fchl, daheim zu sein, half \u00fcber\nalles hinweg, und der Glaube, wieder aufbauen zu k\u00f6n\u00adnen, gab Mut und Kraft.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Pfingstmontag begann schon die Arbeit im Ort. Mit allem Hochdruck wurden die Aufr\u00e4umungsarbeiten im Haus, Hof und im Ort fortgesetzt. Der Kommandant, ein russischer Offi\u00adzier, war durchaus in Ordnung. Beim landwirtschaftlichen Be\u00adzirks-Offizier im Dremling hatte ich schon am 25. Mai eine Besprechung wegen sofortiger Bebauung der Felder, zun\u00e4chst mit Kartoffeln. Die Wintersaat stand gut. Teils war die Feld\u00admark von ausgeworfenen Sch\u00fctzengr\u00e4ben, die aber ganz ge\u00adwi\u00df nie bezogen waren, durchzogen. Die vielen Kartoffelgruben am Dominium lagen noch voll da, wurden aber durch die Rus\u00adsen in kurzer Zeit abgeholt, da die Schnapsbrennereien (Heidau u. a.) mit Hochdruck arbeiteten. Der Ort bot bald ein deutsches Bild, die Felder waren in uner\u00adm\u00fcdlichem Flei\u00df fast restlos bestellt, das noch lagernde Ge\u00adtreide gedroschen, die G\u00e4rten in Ordnung gebracht. Schon am 30. Mai war die erste Zusammenkunft der deutschen B\u00fcrger\u00admeister &#8211; meist deutsche R\u00fcckgef\u00fchrte &#8211; mit dem Starosten im Beisein des russischen Kreisoffiziers in Ohlau im Sitzungssaal des Rathauses, die sich wiederholte. Bald wurden die ersten Einwohner durch polnische Miliz nach Ohlau geholt, einige blie\u00adben l\u00e4nger in Haft. Fr\u00fcher im Ort gewesene Polen hatten wohl Berichte nach \u201eoben&#8220; gegeben. Gefragt und geh\u00f6rt wurde nie\u00admand. &#8211; <\/p>\n\n\n\n<p>Bereits am 20. Juni wurde der Pole, der am Dominium war, in die Teichmann-Wirtschaft eingewiesen, zun\u00e4chst im Nebenraume wohnend. Am folgenden Tage zogen die Russen ab &#8211; nahmen mit, was irgend m\u00f6glich war. Am 27. Juni kamen weitere Polen nach unserem Ort. Fast in jede Wirtschaft wurde eine polnische Familie eingewiesen, die zun\u00e4chst im Auszug\u00adhause wohnte. Bald wurden auf h\u00f6here Weisung die Rollen vertauscht. Die deutschen Besitzer mu\u00dften den Polen, von de\u00adnen wenige Landwirte waren, die Wirtschaft mit allem, auch Wohnung mit M\u00f6bel, Hausrat usw. abtreten. Diese wurden die Herren, jene die Arbeitskr\u00e4fte. Dem Deutschen blieb nur so viel, wie er dringendst zum Leben gebrauchte, die neuen Inha\u00adber verkauften und verschoben, was nur m\u00f6glich war. Bald tauchte die sogenannte \u201epolnische Miliz\u201c auf. Damit begann ein neuer Leidensweg. Dauernd wurden, unter den nichtigsten Vorw\u00e4nden (Suche nach Waffen, Radios, usw.), die Wohnun\u00adgen durchst\u00f6bert und beraubt. Mit Schauern denken wir an jenen \u201eNacht-Appell\u201c am Sonntag, 14. Juli. S\u00e4mtliche Deut\u00adsche wurden mitten in der Nacht mit Gel\u00e4rm und Krach nach dem Hof des polnischen Soltys beordert, wo betrunkene Poli\u00adzisten warteten, und stundenlag dort festgehalten. Infolge Un\u00adeinigkeit der Horde kam der Plan des Ausr\u00e4umens der Woh\u00adnungen nicht zur Verwirklichung. Daf\u00fcr wurden einige Jungen und M\u00e4del nach Ohlau zur Miliz gebracht, wo sie eine schwe\u00adre Nacht hatten. Die gestohlenen Sachen konnte man \u00fcbrigens meistens am folgenden Tage auf dem \u201eschwarzen Markt\u201c, der am Friedrichsplatz in Ohlau stattfand, zum Kauf angeboten finden. Es war dauernd ein Gef\u00fchl der Unsicherheit und Unruhe, n\u00e4chtliche Schie\u00dfereien waren eine Selbstverst\u00e4ndlich\u00adkeit. Bestohlen wurden \u00fcbrigens die Polen auch selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben all der vielen Feldarbeit f\u00fcr die Polen wurden die\nDeut\u00adschen (auch mit Gespannen) f\u00fcr die polnischen und russischen Stellen in\nOhlau beordert &#8211; ohne jeden Lohn. <\/p>\n\n\n\n<p>Ab Anfang August war die M\u00f6glichkeit gegeben, in Ohlau an\nden in der erhaltenen lutherischen Kirche stattfindenden Got\u00adtesdiensten, die\nP. Kluge hielt, teilzunehmen, sp\u00e4ter auch ab und zu in der Kirche zu Rosenhain,\ndie zun\u00e4chst Diakon Neun\u00adherz aus Frauenhain hielt. \u00dcber die erfolgten\nSterbef\u00e4lle und Beerdigungen f\u00fchrte ich Buch (bis zur Ausweisung im Juni 1946\n10). Die Beerdigungen hielten P. Kluge, Ohlau, P. Wahlich, Ohlau, und zuletzt\nich. Geboren wurde in dieser Zeit nur ein Kind. Wieder auf Bitten der Frauen\nhielt ich ab 16. Sept. Sonntag nachmittags &#8211; mit Zustimmung des Soltys &#8211;\nAndachtsstunden in der Schule ab, die immer gut besucht wa\u00adren. Wir tr\u00f6steten\nuns in dieser schweren Zeit mit Gottes Wort, und auch an den Gr\u00e4bern der\nHeimgegangenen fanden wir uns and\u00e4chtig zusammen. Nach einem pers\u00f6nlichen\nBesuch des stellvertr. Superintendenten von Brieg\/Ohlau, P. Schmidt v.\nPuskas-Mollwitz, am 08.11.1945 wurde ich von ihm beauf\u00adtragt, in der\nKirchengemeinde Rosenhain \u201eLesegottesdienste und Predigten zu halten und\nbesonders auch in Deutschsteine kirchliche Amtshandlungen zu vollziehen\u201c. Es\nwar mir eine besondere Freude, gerade in unserem Heimatkirchlein, in dem meine\nEltern getraut, in dem ich getauft wurde, meiner Ge\u00admeinde, in der ich seit\n1912 gewirkt hatte, so in dieser schwe\u00adren Zeit dienen zu k\u00f6nnen. Dieser\nAuftrag wurde unterm 08.12. von der evang. Kirchenleitung f\u00fcr Nieder- und\nOberschlesien erneut gegeben. Unser erster Gottesdienst war am Totensonn\u00adtag\n(25.11.), dem ein Adventsgottesdienst, die Christnachtfeier, Weihnachts-,\nSilvester- und Neujahrsgottesdienste folgten. Wie oft und viel haben wir Gott\ngedankt f\u00fcr diese Stunden, f\u00fcr seine oft so sichtbare Hilfe, seinen Schutz! Und\nimmer wieder sind wir gest\u00e4rkt in den rauhen Alltag gegangen. Besonders sei\nhier an die treue Mithilfe unseres Kirchvaters Gr\u00fcnig und seiner Frau gedacht.<\/p>\n\n\n\n<p>In regelm\u00e4\u00dfigem Wechsel mit Diakon Neunherz wurde nun\nalle 8 Tage in Rosenhain Kirche gehalten. Immer waren diese &#8211; trotzdem so oft\ngerade an Sonntagen von Polen \u201eArbeit&#8220; angesetzt war -, recht gut besucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Jugend sammelte ich nachher zur \u201eKinderlehre&#8220;\n(Vorbe\u00adreitung zur Konfirmation). Nach der von mir gef\u00fchrten Perso\u00adnenstandliste\nwaren am 05.10.1945 ca. 284 Personen in Deutschsteine anwesend. Von diesen\nwurden am 18.09. die seinerzeit zu uns Evakuierten, die mit uns auszogen und\nwie\u00adder zur\u00fcckkamen, auf polnische Anordnung nach ihrer Heimat &#8211; Rheinland und\nBerlin &#8211; zur\u00fcckgesandt.<\/p>\n\n\n\n<p>Deutsche Schule durfte nach erneutem Verbot nicht\ngehalten werden. F\u00fcr die polnischen Kinder war am 30. August eine \u201epolnische\nLehrerin\u201c gesandt worden, die mit uns im Schul\u00adhaus wohnte. Sie war &#8211; das sei\nausdr\u00fccklich festgelegt &#8211; Deut\u00adschen gegen\u00fcber nicht feindlich, ja sie hat oft\nvermittelt und uns zum Vorteil gehandelt. Das Klassenzimmer wurde not\u00add\u00fcrftig\nmit Schulm\u00f6beln ausgestattet und sogenannter \u201eSchul\u00adunterricht\u201c gehalten. Es\ngab auch einen sogen. \u201eSchulinspektor\u201c in Ohlau.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Hohe Tannen weisen die Sterne<br> An der Iser wildsch\u00e4umender Flut.<br> Liegt die Heimat auch in weiter Ferne,<br> Doch du, R\u00fcbezahl, h\u00fctest sie gut.<\/p><p>Hast dich uns zu eigen gegeben,<br> Der die Sagen und M\u00e4rchen erspinnt,<br> Und im tiefsten Waldesleben,<br> als ein Riese Gestalt annimmst.<\/p><p>Komm zu uns an das lodernde Feuer,<br> In die Berge bei st\u00fcrmischer Nacht.<br> Sch\u00fctz die Zelte, die Heimat, die teure,<br> Komm und halte bei uns treu die Wacht.<\/p><p>H\u00f6re, R\u00fcbezahl, la\u00df dir sagen:<br> Volk und Heimat die sind nicht mehr frei.<br> Schwing die Keule wie in alten Tagen,<br> Schlage Hader und Zwietracht entzwei.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Tage, Wochen und Monde gingen dahin unter Unruhe, Be\u00addr\u00fcckung, mancherlei Not leiblicher und seelischer Art. Wir trugen aber mit Stolz die wei\u00dfe Armbinde und die F\u00e4hnchen an unseren H\u00e4usern, die uns schon \u00e4u\u00dferlich als Deutsche kenn\u00adzeichneten. Viel Hoffen und Glauben kam und blieb. \u00dcber das Geschick unseres Vaterlandes bekamen wir keinerlei Nach\u00adrichten. Post kam nur wenig durch, diese wurde vom sogen. \u201eAmtsvorsteher\u201c, der in Rosenhain sein Amt, in Odersteine die Wohnung hatte, meist vorenthalten. Dieser war ein ausge\u00adsprochener Deutschhasser. Ger\u00fcchte aller Art tauchten hier und da auf. \u201eBotschaften\u201c, die angeblich von Flugzeugen geworfen waren, wurden verbreitet. Wie klammerte sich alles an solche Tr\u00f6stungen. Die geliebte Heimat zu halten das war aller Wunsch, daf\u00fcr trug man all das schwere Leid. Da tauchten Nachrichten auf, da\u00df die \u201eAussiedlung\u201c (Ausweisung) erfol\u00adgen sollte. Welch niederschmetternde Botschaft! Anfang Juni 1946 best\u00e4tigten es Aush\u00e4nge in Ohlau. \u201eIn den n\u00e4chsten Ta\u00adgen werden nach der englischen Okkupations-Zone Transporte mit der Eisenbahn geleitet\u201c. So stand es tats\u00e4chlich da &#8211; mit n\u00e4heren Ausf\u00fchrungen. Die Unruhe wuchs aufs neue! Da kam am 14. Juni nachmittags die Anordnung, da\u00df am Sonn\u00adtag, 15. Juni, fr\u00fch ab 5.00 Uhr die bestimmten Familien mit dem notwendigsten Gep\u00e4ck &#8211; d. h. soviel jeder tragen kann &#8211; zum Abmarsch anzutreten haben. Etwa 150 Personen waren es, der Rest mu\u00dfte zur Arbeit bei den Polen zur\u00fcckbleiben. Mit schwerem Herzen wurde gegen 11.00 Uhr der liebe Hei\u00admatort unter polnischer Zivilbegleitung (f\u00fcr das Gep\u00e4ck waren kurz vor Abmarsch noch Wagen gestellt) in Richtung Lager Markst\u00e4dt verlassen. Nach erfolgter \u201eRevision\u201c und \u201eErleich\u00adterung\u201c des Gep\u00e4cks gings am folgenden Tag nach dem Bahn\u00adhof, von wo aus in G\u00fcterwagen der Abtransport erfolgte. Sollte man noch glauben und hoffen? Alles umsonst? Voll\u00adkommen zerm\u00fcrbt, verzweifelt, gebrochen kamen die v\u00f6llig Heimatlosen in der Westzone an. Was erwartet uns hier? &#8211; das war die bange Frage!\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/2020-01-01-41-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1103\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/2020-01-01-41-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/2020-01-01-41-300x225.jpg 300w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/2020-01-01-41-768x576.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/2020-01-01-41-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/2020-01-01-41-2048x1535.jpg 2048w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/2020-01-01-41-900x675.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/2020-01-01-41-1280x960.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Hohe Tannen weisen die Sterne &#8211;<br>ein schlesisches Schicksalslied<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was eine Gemeinde des Kreises Ohlau in schwerer Zeit erlebte von Fritz Langner Mit dem Jahre 1945 begann f\u00fcr uns eine schwere Zeit. 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