{"id":3441,"date":"2021-04-11T09:49:08","date_gmt":"2021-04-11T07:49:08","guid":{"rendered":"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/?p=3441"},"modified":"2021-04-11T11:51:58","modified_gmt":"2021-04-11T09:51:58","slug":"josef-schuesslburners-plaedoyer-fuer-eine-liberale-demokratie-des-westens-in-der-bundesrepublik-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2021\/04\/11\/josef-schuesslburners-plaedoyer-fuer-eine-liberale-demokratie-des-westens-in-der-bundesrepublik-deutschland\/","title":{"rendered":"Josef Sch\u00fc\u00dflburners Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine liberale Demokratie des Westens in der Bundesrepublik Deutschland"},"content":{"rendered":"\n<p>In meinem Blogbeitrag vom 6.4.2021 habe ich unter dem Titel <a href=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/2021\/04\/06\/verfassung-oder-ueberverfassung\/\">Verfassung oder \u00dcberverfassung?<\/a> Josef Sch\u00fc\u00dflburner widersprochen. Aus meiner Sicht ist im Grundgesetz keine &#8222;\u00dcberverfassung&#8220; angelegt, die bis heute die politische oder verfassungsrechtliche Agenda auf links polt. Die Legitimit\u00e4t des Grundgesetzes sollte nicht in Zweifel gezogen, sondern seine Freiheitsrechte gegen linke Uminterpretationen verteidigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich halte es f\u00fcr ein Gebot guten Stils und der Fairne\u00df, dem von mir Angegriffenen Gelegenheit zu geben, seine Ansichten hier zu verteidigen. Diese waren auch von <a href=\"https:\/\/jungefreiheit.de\/kultur\/literatur\/2021\/afd-und-verfassungsschutz\/\">Ulrich Vosgerau am 21.2.2021<\/a> heftig kritisiert worden. Sein nachstehender Blogbeitrag entspricht darum seiner, nicht unbedingt meiner Meinung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">Klaus Kunze<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\"><strong>Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine liberale Demokratie des Westens in der Bundesrepublik Deutschland<\/strong><\/h1>\n\n\n\n<h4 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">von Josef Sch\u00fc\u00dflburner<\/h4>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Erwiderung zur Stellungnahme von Klaus Kunze<\/strong><a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><strong> zu meiner Schrift: Scheitert die AfD? Die Illusion der Freiheitlichkeit und die politische Alternative<\/strong><a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a><\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Schuesslburner-16-1024x684.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3464\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Schuesslburner-16-1024x684.jpg 1024w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Schuesslburner-16-300x200.jpg 300w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Schuesslburner-16-768x513.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Schuesslburner-16-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Schuesslburner-16-2048x1367.jpg 2048w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Schuesslburner-16-900x601.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Schuesslburner-16-1280x854.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Josef Sch\u00fc\u00dflburner<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zu Beginn meiner Erwiderung m\u00f6chte ich dem Juristen-Kollegen Kunze danken f\u00fcr sein Angebot, auf seiner Website eine Erwiderung zu seiner Kritik an meiner Brosch\u00fcre und seiner dabei von meinem Ansatz abweichenden Meinung abgeben zu k\u00f6nnen. Es geht uns beiden (und wohl auch anderen) um die Fortexistenz der Oppositionspartei Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD) schon im Interesse der Sicherstellung des politischen Pluralismus, also von Demokratie und Rechtsstaat in der Bundesrepublik Deutschland. Zu diesem Zweck ist ein sachlicher Austausch von Meinungen zur Erkenntnisfindung unbedingt erforderlich. Eine insbesondere <em>ad personam<\/em> ausgerichtete herabsetzende Polemik wie sie ein Vosgerau in seiner sog. Rezension<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> wohl im Auftrag des Chefredakteurs einer Wochenzeit, die sich ebenfalls dem \u00dcberleben der besagten Partei verpflichtet sieht, ist hier fehlt am Platze und zwar selbst dann, wenn der Rezensent mit seiner Kritik recht haben sollte; auch dann h\u00e4tte eine widerlegte Brosch\u00fcre zur Entscheidungsfindung schon eine positive Wirkung erzielt \u2013 womit aber von mir nicht zugestanden wird, da\u00df Vosgerau richtig liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Klarstellend mu\u00df ich darauf hinweisen, da\u00df meine Brosch\u00fcre sich bewu\u00dft nicht zur eigentlichen (verfassungs-)rechtlichen Problematik ge\u00e4u\u00dfert hat, sondern als verfassungspolitisch einzustufen ist. Ich habe deshalb mit der Brosch\u00fcre keine Proze\u00dfstrategie beschrieben, was aber nicht bedeutet, da\u00df ich deshalb von der Beschreitung des Rechtsweges abgeraten h\u00e4tte, sondern habe allenfalls bedauert, da\u00df man auf diesen angewiesen ist und anders als nach der Weimarer Reichverfassung unter dem Grundgesetz nicht die M\u00f6glichkeit eines Volksbegehrens zur \u00c4nderung der Rechtsgrundlagen des sog. \u201eVerfassungsschutzes\u201c hat. Dies habe ich in meiner Erwiderung<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> auf die Polemik von Vosgerau mit zugegebenerma\u00dfen ironischem Unterton klargestellt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Um zu belegen, da\u00df ich nicht von der Beschreitung des Rechtswegs abrate, habe ich nachtr\u00e4glich Ausf\u00fchrungen zu Proze\u00dfzielen formuliert, die bei gerichtlichen Vorgehen (es geht dabei um mehrere Ebenen) angestrebt werden sollten.<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> Diese \u00dcberlegungen sind nicht aus dem \u00c4rmel gesch\u00fcttelt, sondern sind Ergebnis jahrelanger Reflexionen zur bundesdeutschen Demokratiesituation, wobei weiteres dazu auf meiner Website <a href=\"http:\/\/www.links-enttarnt.de\">www.links-enttarnt.de<\/a> vertiefend nachgelesen werden kann. Im \u00dcbrigen sehe ich mich nicht im Gegensatz zum geehrten Professor Murswiek, dessen Ver\u00f6ffentlichungen zum Komplex \u201eVerfassungsschutz\u201c ich voll zustimme.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir geht es jedoch vor allem um die (verfassungs-)politische Dimension, auch weil ich meine, da\u00df sich eine politische Partei mehr um Rechtsetzung, also konkret um ein alternatives Staatsschutzkonzept, als um Rechtsstreitigkeiten k\u00fcmmern sollte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Grundgesetz begr\u00fcndet keine liberale Demokratie des Westens<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Nach diesen wohl notwendigen Klarstellungen m\u00f6chte ich entsprechend den in meiner Brosch\u00fcre vertretenen verfassungspolitischen Ansatz meine zentrale Kritik am Grundgesetz formulieren und zwar mit einem Zitat eines in der Sache durchaus kundigen SPD-Politikers, n\u00e4mlich von Mathias Brodkorb:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Grundgesetz der (sic! <em>Anm<\/em>.) Bundesrepublik Deutschland ist keine liberale, also wertneutrale Verfassung im amerikanischen Sinne, sondern eine \u00b4wertgebundene Ordnung` (BVerfG 2, 12). Im internationalen Vergleich ist dies `Novum` und `Unikum` zugleich (Hinweis auf Streinz<a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a> in einem GG-Kommentar, <em>Anm<\/em>.) Auch das Bundesverfassungsgericht betont in seiner Verbotsentscheidung gegen die KPD daher, da\u00df die deutsche Verfassung sich in diesem Punkt von klassisch liberalen Verfassungen fundamental unterscheidet und begr\u00fcndet diesen Unterschied mit der historischen Erfahrung des Nationalsozialismus (BVerfG 5, 137ff).\u201c<a href=\"#_ftn7\">[7]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte jetzt davon absehen, weitere Belege aus der verfassungsrechtlichen Literatur vorzulegen, die diesen Standpunkt untermauern, sondern nur darauf hinweisen, da\u00df sich diese von Brodkorb sicherlich begr\u00fc\u00dfte, von mir aber abgelehnte Abweichung des bundesdeutschen Demokratiekonzepts von den \u201eliberalen Demokratien des Westens\u201c (Formulierung des Bundesverfassungsgerichts)<a href=\"#_ftn8\">[8]<\/a> vor allem mit der Parteiverbotskonzeption zum Ausdruck bringt und durch das, was aus dieser Konzeption als (von der Rechtsprechung als solches nicht anerkanntes) Parteiverbotssurrogat (Einsatz des \u201eVerfassungsschutzes\u201c, politische Diskriminierung im \u00f6ffentlichen Dienst etc.) in einer rechtlich zweifelhaften Weise abgeleitet und praktiziert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Brosch\u00fcre stellt insoweit einen Appell an die AfD dar, sich hinsichtlich dieser Situation keine Illusionen zu machen. So wie eine sch\u00f6nheitliche Frau nicht unbedingt sch\u00f6n sein mu\u00df, so mu\u00df eine freiheitliche Demokratie nicht unbedingt eine freie sein (ideologisch schon, aber nicht unbedingt faktisch). Und hinsichtlich der Parteiverbotskonzeption bleibt der Freiheitsgrad der BRD doch sogar hinter dem Grad der Bismarckschen Reichsverfassung zur\u00fcck:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eZ.B ist das Parteienrecht des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates (gemeint der BRD, Anm.) unter dem Gesichtspunkt der rechtlichen Freiheit betrachtet, schlechter als dasjenige der Sozialistengesetze im Bismarckreich \u2026 Dem monarchisch-autorit\u00e4r verfa\u00dften Bismarckreich ist es demgegen\u00fcber nicht in dem Sinn gekommen, wegen der Unvereinbarkeit politischer Zielsetzungen der Sozialdemokratischen Partei mit seiner eigenen Wertgrundlage \u00fcber das Verbot der Parteivereine, ihrer Versammlungen und Druckerzeugnisse hinaus auch die Freiheit der Stimmabgabe f\u00fcr sozialdemokratische Kandidaten, ihre Teilnahme an den politischen Wahlen aufzuheben oder gar errungene Reichstagsmandate zu kassieren.\u201c<a href=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-admin\/post.php?post=3441&amp;action=edit#_ftn9\"><sup>[9]<\/sup><\/a><\/p><cite>S. E.-W. B\u00f6ckenf\u00f6rde, Staat, Gesellschaft, Freiheit. Studien zur Staatstheorie und zum Verfassungsrecht, 1976, S. 91, Fn 77<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Zusammengefa\u00dft ist die bundesdeutsche Demokratiesituation im Unterschied zu liberalen Demokratien des Westens in der immer noch aktuellen Studie von Boventer aus dem Jahr 1984,<a href=\"#_ftn10\">[10]<\/a> wonach die liberalen Demokratien beim Staatsschutz (in der BRD als \u201eVerfassungsschutz\u201c fehlbezeichnet) eine Gewaltgrenze ziehen, die BRD und wenige andere Staaten &#8211; Boventer konnte als weiteren Fall seinerzeit nur die damalige Verfassungsschutz-diktatur S\u00fcd-Korea<a href=\"#_ftn11\">[11]<\/a> nennen &#8211; eine sog. Wertgrenze. Zur Problematik derselben als zentrales Problem, die zur \u201e\u00dcberverfassung\u201c f\u00fchrt, gleich im \u00fcbern\u00e4chsten Absatz.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Verfassungsalternative<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Hierbei stellt sich f\u00fcr den Verfasser der Brosch\u00fcre die zentrale verfassungspolitische Frage. Er pl\u00e4diert daf\u00fcr, die Demokratie zu verwirklichen in Sinne der liberalen Demokratie des Westens in der Bundesrepublik Deutschland. Diese Demokratie soll, falls erforderlich, auch durchgesetzt werden gegen Verfassungsgericht und Grundgesetz. Dies ist mit der von Vosgerau, aber selbst noch von Kunze skandalisierten Aussage gemeint. Dies impliziert die Befassung des Verfassungsgerichts &#8211; weshalb es wirklich grotesk ist anzunehmen, der Verfasser der Brosch\u00fcre h\u00e4tte sich mit dieser Aussage gegen die Beschreitung des Rechtswegs ausgesprochen (so aber Vosgerau) &#8211; aber dabei kann man es nicht belassen, sondern soll dann &#8211; selbstverst\u00e4ndlich mit legalen Mitteln (da\u00df man dies explizit wegen Unterstellungen im Sinne der VS-Methodik betonen mu\u00df, ist wirklich eine Schande f\u00fcr die Dialogkultur im Bereich der AfD) &#8211; auch entsprechend dem Anspruch der Partei, um die es geht, eine Alternative anstreben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies mag durch eine vom Verfasser der Brosch\u00fcre ebenfalls schon mehrfach vorgeschlagene Grundgesetz\u00e4nderung erfolgen etwa durch Rezeption von \u00a7 78 Abs. 2 der Verfassung des freien K\u00f6nigreichs D\u00e4nemark<a href=\"#_ftn12\">[12]<\/a> im Norden der nur freiheitlichen BRD, aber eben auch durch eine alternative Verfassungskonzeption,<a href=\"#_ftn13\">[13]<\/a> wof\u00fcr die Weimarer Reichsverfassung (WRV) mit ihrer Freiheitskonzeption<a href=\"#_ftn14\">[14]<\/a> nur ein Beispiel w\u00e4re. F\u00fcr diese spricht allerdings neben anderem, da\u00df damit etwa die Republik \u00d6sterreich gut gefahren ist, wo eine mit der WRV kongeniale Verfassung von 1920 in der Fassung von 1929 (womit die Angleichung des \u00f6sterreichischen Regierungssystems an die WRV erfolgte) auch im Jahre 2021 noch immer gilt. Auf diese mit der WRV kongeniale Verfassung \u00d6sterreichs ist es zentral zur\u00fcckzuf\u00fchren, da\u00df sich eine FP\u00d6 etablieren konnte, die keinen (Quasi-)Verbotsforderungen ausgesetzt ist, wie sie im Rahmen des Grundgesetzes gegen die AfD vorgebracht<a href=\"#_ftn15\">[15]<\/a> werden. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine gut begr\u00fcndete Verfassungsalternative entfaltet auch eine politische Wirkung, wenn sie formal nicht umgesetzt wird. Anhand der Verfassungsalternative k\u00f6nnen dann n\u00e4mlich verfassungsgerichtliche und andere Fehlentscheidungen etwa nach den Grunds\u00e4tzen der liberalen Demokratie des Westens bewertet werden, was sich auf eine ge\u00e4nderte Verfassungspraxis unter der bestehenden Verfassung auswirken k\u00f6nnte. Gerade um zu erreichen, da\u00df das Grundgesetz so praktiziert wird, wie dies etwa Kunze meint, da\u00df es praktiziert werden m\u00fc\u00dfte, kann das Angebot einer Verfassungsalternative geboten sein. Ansonsten \u00fcberl\u00e4\u00dft man Verfassungspolitik der politischen Linken, was dann daf\u00fcr sorgt, da\u00df der politische Kompromi\u00df jeweils links vom jeweiligen Verst\u00e4ndnis des Grundgesetzes sich bewegt und die Verfassungsrealit\u00e4t immer linksgerichteter wird. Umgekehrt k\u00f6nnte eine rechte Verfassungsalternative dazu beitragen, da\u00df das Grundgesetz doch noch im Sinne einer liberalen Demokratie des Westens praktiziert wird und sich dann eine f\u00f6rmliche Grundgesetz\u00e4nderung oder gar eine Grundgesetzabl\u00f6sung er\u00fcbrigt, um eine normale Demokratie in der BRD zu praktizieren. Es soll hier nur noch darauf hingewiesen werden, da\u00df es einen Art. 146 GG gibt (warum wohl?), der insbesondere der bislang einzigen etablierten Rechtspartei der Bundesrepublik Deutschland mit Beteiligung an der Bundesregierung, n\u00e4mlich der Deutschen Partei (DP), ein Anliegen war, die im \u00fcbrigen gegen das Grundgesetz gestimmt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ge\u00e4u\u00dferte Bef\u00fcrchtung, da\u00df eine derartige Position f\u00fcr beamtete Parteimitglieder ein Verfolgungsrisiko darstellen k\u00f6nnte, spricht &#8211; berechtigter Weise?<a href=\"#_ftn16\">[16]<\/a> &#8211; nicht unbedingt f\u00fcr ein Vertrauen in den Freiheitsgrad der Bundesrepublik Deutschland und deren Rechtsstaat. Handelt es sich bei Bef\u00fcrwortung einer liberalen Demokratie des Westens etwa um eine rechtsextremistische Position? Gut, bei der Irrationalit\u00e4t, die mit Ziehung einer Wertegrenze einhergeht, ist auch diese \u201eBewertung\u201c m\u00f6glich (die \u201eArgumentation\u201c d\u00fcrfte sein, da\u00df eine liberale Demokratie den Rechtsextremismus mehr Raum geben w\u00fcrde, so da\u00df mit der Forderung nach einer liberalen Demokratie nur die F\u00f6rderung des Rechtsextremismus beabsichtigt sein k\u00f6nne, insbesondere wenn die Forderung von rechts kommt und nicht demokratisch von links oder von der \u201eMitte\u201c).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wertegrenze als Inkorporation der \u00dcberverfassung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das Ziehen einer Wertgrenze beim Staatsschutz (Parteiverbot, Verbotsersatzregime) im Sinne der Einstufung von Boventer l\u00e4uft in der Tat, methodisch wohl unvermeidbar, auf eine Ideologiegrenze hinaus wie auch die zentralen Vorw\u00fcrfe des sog. Verfassungsschutzes gegen die AfD belegen. So werden der AfD in dem schlaumeierisch der Linkspresse zugespielten internen \u201eGutachten\u201c des Verfassungsschutzes folgende Vorw\u00fcrfe<a href=\"#_ftn17\">[17]<\/a> gemacht:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Kulturdeterministische Geschichts- \/ Gesellschaftsinterpretation<\/li><li>Abstufungen der Wertigkeit von Kulturen<\/li><li>Nicht zielf\u00fchrende Kritik am Parlamentarismus durch massive Kritik an gegnerischen Parteien<\/li><li>Kritik an der Vergangenheitsbew\u00e4ltigung, insbesondere \u201eSchuldkult\u201c<\/li><li>Zweifel an bundesdeutscher Souver\u00e4nit\u00e4t<\/li><li>Islamfeindlichkeit<\/li><li>V\u00f6lkische Staatsauffassung<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Derartige Vorw\u00fcrfe haben in der Tat mit der vom \u201eVerfassungsschutz\u201c (VS) zu sch\u00fctzenden Verfassung nichts oder kaum etwas zu tun. \u201eGesch\u00fctzt\u201c wird damit etwa, was der Verfasser der Brosch\u00fcre dem Bereich \u201e\u00dcberverfassung\u201c zugeordnet hat (\u201eungeschriebener Teil des Grundgesetzes\u201c wird dies h\u00e4ufig genannt).<\/p>\n\n\n\n<p>Kunze hat mit seiner Kritik, da\u00df es eine \u201e\u00dcberverfassung\u201c nicht gibt, bei einer ausschlie\u00dflich normativen Betrachtung v\u00f6llig recht. Dann wird es aber auch einfach sein, die entsprechenden Rechtsstreitigkeiten zu gewinnen, weil der VS rechtswidrig handelt, wenn er einer Partei als \u201everfassungsfeindlich\u201c etwas vorwirft, was gar nicht Bestandteil der Verfassung ist. Der Begriff \u201e\u00dcberverfassung\u201c h\u00e4tte dann seinen Sinn gehabt, weil dann damit klargestellt wird, da\u00df die Integrit\u00e4t der Verfassung, also des Grundgesetzes, gegen\u00fcber der Anma\u00dfung einer ideologischen, zivilreligi\u00f6sen und auch andersartigen \u00dcberverfassung gesch\u00fctzt werden mu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Welchen Wettbetrag ist jedoch jemand bereit f\u00fcr die Behauptung einzusetzen, da\u00df die Gerichtsbarkeit dies so sehen wird, indem sie einfach die Irrelevanz der aufgez\u00e4hlten Vorw\u00fcrfe des VS gegen die AfD feststellt? Die genannte Wertgrenze, die als sehr ideologisierbar eingestuft werden mu\u00df, l\u00e4\u00dft einem wohl doch von einem zu riskanten Wetteinsatz zur\u00fcckschrecken. Vielleicht spielt so etwa wie eine Verfassungsideologie, die damit verbundene und vom Verfasser der Brosch\u00fcre kritisierte Umwertung des Grundgesetzes zu einem religi\u00f6sen Dokument &#8211; wovor schon Adenauer<a href=\"#_ftn18\">[18]<\/a> gewarnt hat! &#8211; bei der Gerichtsbarkeit doch eine zentrale Rolle? Vielleicht ist dann im Zweifel doch so etwas wie eine \u00dcberverfassung ausschlaggebend?&nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wo ist die \u00dcberverfassung geregelt?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Existenz von Normen, die \u00fcber der Verfassung stehen, zumindest die Art und Weise der Praktizierung der Verfassung oder das Verfassungsverst\u00e4ndnis pr\u00e4gen, ist dort zu erwarten, wo kein souver\u00e4ner Staat vorliegt. Nun hat der jetzige Bundestagspr\u00e4sident Wolfgang Sch\u00e4ubleauf einer Veranstaltung des Europ\u00e4ischen Bankkongresses am 18.11.2011 festgestellt, da\u00df Deutschland \u201eseit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souver\u00e4n gewesen\u201c<a href=\"#_ftn19\">[19]<\/a> sei. Dies hat sich dahingehend zum Ausdruck gebracht, da\u00df das Grundgesetz strukturell zumindest zun\u00e4chst nichts anderes sein konnte als \u201edie deutsche Gemeindeordnung h\u00f6chster Stufe mit der Tendenz, Verfassung eines Staates zu werden, in dem das Staatsvolk die alleinige Machtgrundlage ist &#8230;&nbsp; F\u00fcr die jetzige Ordnung der Herrschaft (von 1950, <em>Anm<\/em>.) in den drei Zonen ist die Urkunde von Bonn <em>nicht<\/em> das Grundgesetz, die <em>lex fundamentalis<\/em>; denn sie ruht auf fremdherrschaftlicher Grundordnung; <em>deren<\/em> Gesetze bilden den Grund.\u201c<a href=\"#_ftn20\">[20]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Bis 1955 mu\u00dfte man deshalb die zentrale Vorschrift von Art. 82 GG \u00fcber das Inkrafttreten von Gesetzen des Bundes in Verbindung mit Art. 5 des Besatzungsstatuts wie folgt lesen: \u201eDie nach den Vorschriften dieses Grundgesetzes zustande gekommenen Gesetze werden vom Bundespr\u00e4sidenten nach Gegenzeichnung ausgefertigt und im Bundesgesetzblatte verk\u00fcndet, sofern sie nicht vorher, einstweilig oder endg\u00fcltig von den Besatzungsbeh\u00f6rden abgelehnt worden sind. Die Besatzungsbeh\u00f6rden werden ein Gesetz nicht ablehnen, es sei denn, da\u00df es nach ihrer Ansicht mit dem Grundgesetz, einer Landesverfassung, den Gesetzen oder sonstigen Anordnungen der Besatzungsbeh\u00f6rden selbst oder mit den Bestimmungen dieses Statuts unvereinbar ist, oder es eine schwere Bedrohung der Grundziele der Besetzung darstellt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Zu diesen Grundzielen der Besatzungspolitik z\u00e4hlte das Meinungsforschungsinstitut der Hohen Kommission, Reaction Analysis Branch, eine Einrichtung der alliierten, auf die psychologische Kriegsf\u00fchrung zur\u00fcckgehenden Geheimdienststellen, drei Kriterien, um den Erfolg der Besatzungspolitik gegen\u00fcber den Deutschen festzustellen, n\u00e4mlich<a href=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-admin\/post.php?post=3441&amp;action=edit#_ftn21\">[21]<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\"><li>Ablehnung von Nationalismus und Rechtsextremismus<\/li><li>Anerkennung der deutschen Kriegsschuld und<\/li><li>Beteiligung der Bev\u00f6lkerung am politischen Leben,<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>also irgendwie Demokratie (Punkt 3), die allerdings unter dem Vorbehalt steht, da\u00df keine Rechtsparteien gew\u00e4hlt werden (Punkt 1) und die alliierten Werte verwirklicht werden (Punkt 2). Nichts anderes steht in VS-Berichten zum \u201eRechtsextremismus\u201c \u2013 unter Bezugnahme auf das Grundgesetz oder von woher sonst \u00fcbernommen?<\/p>\n\n\n\n<p>Wohl noch bis zum Erla\u00df der Notstandsverfassung im Jahr 1968 h\u00e4tte man Art. 20 Abs. 2 S. 1 GG bei dem insoweit nach dem Deutschlandvertrag noch fortwirkenden Besatzungsvorbehalt wie folgt lesen m\u00fcssen: \u201eAlle Staatsgewalt geht vom Volke aus, es sei denn die Besatzungsbeh\u00f6rden \u00fcbernehmen die Aus\u00fcbung der vollen Gewalt ganz oder teilweise wieder, wenn sie dies als wesentlich ansehen f\u00fcr die Sicherheit oder die Aufrechterhaltung der demokratischen Regierung in Deutschland.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Zeit sind die ma\u00dfgeblichen Vorschriften zum Verfassungsschutzrecht und zum politischen Strafrecht neuer Art<a href=\"#_ftn22\">[22]<\/a> erlassen worden, die eine Abweichung vom klassisch-liberalen Staatsschutzrecht darstellen.<a href=\"#_ftn23\">[23]<\/a> Die Parteiverbotskonzeption ist von vornherein von dieser Machtlage gepr\u00e4gt, was man so vorstellen kann: Die Alliierten wollten die \u201erechte\u201c SRP verbieten, was sie deutlich gemacht haben, indem sie dieser Partei in West-Berlin, wo der Lizenzzwang noch l\u00e4nger galt, keine Lizenz gegeben haben. Da nach den Standards einer liberalen Demokratie ein derartiges Verbot nur schwer m\u00f6glich war (es lagen ja nur Ideenbekundungen vor), wurde das Parteiverbot als repressive Fortsetzung des pr\u00e4ventiven alliierten Lizenzierungssystem ausgestaltet (also eher ideologisch ausgerichtet); dies hat in \u00dcbereinstimmung mit dem neuen politischen Strafrecht zu einem konzeptionellen, d.h. tendenziell schon ideologischen Verst\u00e4ndnis des Schutzgutes eines Parteiverbots, n\u00e4mlich von \u201efreiheitlicher demokratischer Grundordnung\u201c gef\u00fchrt. Dies war wohl auch deshalb notwendig, weil f\u00fcr eine auf Art. 91 GG gest\u00fctzte notstandsrechtliche Betrachtung<a href=\"#_ftn24\">[24]<\/a> die vorbehaltene Zust\u00e4ndigkeit der Alliierten f\u00fcr den Notstand zu beachten war. Mit dem KPD-Verbot mu\u00dfte man dann bis zur Aufhebung des Besatzungsstatuts warten, weil die USA gegen ein derartiges Verbot<a href=\"#_ftn25\">[25]<\/a> waren (und bis 1955 nicht auszuschlie\u00dfen gewesen w\u00e4re, da\u00df die Besatzungsbeh\u00f6rden ein entsprechendes Urteil des Verfassungsgerichts h\u00e4tten suspendieren k\u00f6nnen).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Alliierten haben deshalb die Geltungserstreckung des KPD-Verbots nach West-Berlin auf die SEW verhindert, daf\u00fcr aber dann die vom Bundesverfassungsgericht nie verbotene NPD bis 1989 einem besonderen Verbotsregime<a href=\"#_ftn26\">[26]<\/a> unterworfen, womit sie der deutschen politischen Klasse klarmachten wie sie das besondere deutsche Parteiverbot verstanden wissen wollten: als \u201eKampf gegen rechts\u201c.<a href=\"#_ftn27\">[27]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Machtpolitisch wirkt dies noch immer nach wie fr\u00fchzeitig bekanntgemachte Dokumente im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung belegen und als ma\u00dfgebliche Ursache f\u00fcr die Diskriminierung der Republikaner ausgemacht werden k\u00f6nnen: Als Politik und Medien im Sommer 1989 den REP-Erfolg bei den Europawahlen als \u201ebraune Gefahr\u201c d\u00e4monisierten, beschwichtigte Kanzler Kohl seine westlichen Freunde am Telefon. Zu US-Pr\u00e4sident Bush: \u201eDie Republikaner seien keine Nazis. Sie w\u00fcrden jedoch hart bek\u00e4mpft\u201c <a href=\"#_ftn28\">[28]<\/a>&nbsp; &#8211; wieso eigentlich, wenn sie keine \u201eNazis\u201c sind? Zu seinem franz\u00f6sischen Freund und Feind der deutschen Wiedervereinigung Mitterrand meinte Kohl: \u201eF\u00fcr die kommende Zeit m\u00fcsse man die Republikaner im Auge behalten. Diese seien im Grunde keine Nazis. In der F\u00fchrung gebe es einige Rechtsextreme, die mit der Richtung von Le Pen in Frankreich vergleichbar seien <strong>&#8230;<\/strong>\u201c. Die drei Punkte nach dem Zitat sind mit der Fu\u00dfnote versehen: \u201eZwei S\u00e4tze nicht freigegeben\u201c.<a href=\"#_ftn29\">[29]<\/a> Als Grund f\u00fcr die Pflege des Staatsgeheimnisses an dieser marginal wirkenden Stelle wird wohl sein, da\u00df Kanzler Kohl erkl\u00e4rt hat, mit welchen Mitteln, vermutlich mit den Instrumentarien des Verbotsersatzsystems des \u201eVerfassungsschutzes\u201c \u201eman\u201c den REP-Aufstieg, m\u00f6glicherweise bei Mitwirkung des US-Geheimdienstes<a href=\"#_ftn30\">[30]<\/a> zu sabotieren gedenke.<\/p>\n\n\n\n<p>Am deutlichsten hat sich die fortwirkende Machtlage, die mit Fortentwicklung des Europarechts bez\u00fcglich der Deutschen als \u00dcberverfassung ausgestaltet werden soll, in den als ideologische Warnung an die Deutschen gerichteten \u00d6sterreichsanktionen<a href=\"#_ftn31\">[31]<\/a> mit den ma\u00dfgeblichen USA im Hintergrund zum Ausdruck gebracht: Den Deutschen ist nicht einmal eine national-liberale Partei erlaubt! Dies korrespondiert mit dem Verbot der FDP (DPS) in der franz\u00f6sisch beherrschten Demokratur des Saarlandes,<a href=\"#_ftn32\">[32]<\/a> was mit \u201eeurop\u00e4ischen Interessen\u201c begr\u00fcndet wurde und reflektiert die Tatsache, da\u00df die seinerzeit noch \u00fcberwiegend nationalliberale FDP von den lizenzierten Parteien die gr\u00f6\u00dfte Schwierigkeit hatte, eine solche alliierte Demokratiebescheinigung zu bekommen.<a href=\"#_ftn33\">[33]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dies m\u00fc\u00dfte noch detaillierter ausgef\u00fchrt werden und etwa die Frage diskutiert werden, ob mit dem Begleitbrief der Au\u00dfenminister von BRD und DDR<a href=\"#_ftn34\">[34]<\/a> zum 2+4-Vertrag den ehemaligen Besatzungsm\u00e4chten die Zusicherung der Aufrechterhaltung eines Parteiverbotsregimes insbesondere gegen nationalsozialistische Bestrebungen gemacht worden ist und was darunter genau zu verstehen ist (etwa schon das Singen der 1. Strophe des Deutschlandliedes wie von einer Polizeibeh\u00f6rde in Wien einmal angenommen?).<\/p>\n\n\n\n<p>Aber deutlich werden sollte damit, da\u00df es f\u00fcr die AfD um mehr gehen mu\u00df als Gerichtsprozesse zu gewinnen. Genauer: Selbst diese Prozesse sind vielleicht nur zu gewinnen, wenn sich die auf das Verst\u00e4ndnis des deutschen Verfassungsrechts einwirkende Machtlage \u00e4ndert oder diese politisch zumindest neutralisiert wird. Es geht in der Tat ma\u00dfgeblich um die politische Alternative, deren \u00fcberzeugende Vertretung gestattet, zumindest die politische Auswirkung auch negativer Gerichtsurteile zu neutralisieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Auch diesem \u00fcbergeordneten Machtkomplex gegen\u00fcber gilt es, f\u00fcr eine liberale Demokratie des Westens in der Bundesrepublik Deutschland einzutreten; man mu\u00df diesem insoweit nur seine eigene Melodie vorsingen, um die Verh\u00e4ltnisse zum Tanzen zu bringen (so das Motto der hiermit verteidigten Brosch\u00fcre gem\u00e4\u00df Karl Marx). Die Bundesrepublik ist sicherlich der am wenigsten freie Staat in West-Europa. Dies findet sich gelegentlich in kritischen \u00c4u\u00dferungen, wenn etwa eine f\u00fchrende britische Zeitschrift vom \u201eGerman way of democracy\u201c<sup> <a href=\"#_ftn35\"><sup>[35]<\/sup><\/a><\/sup> &nbsp;schreibt mit \u201edemocracy agencies\u201c (Demokratiebeh\u00f6rden, gemeint Verfassungsschutz\u00e4mter), die den W\u00e4hlern und Gerichten den Schutz der Verfassung abnehmen. Bei Berichten \u00fcber Geheimdienst\u00fcberwachung der politischen Opposition denkt man nicht an die wegen Demokratiedefizite kritisierten Staaten Polen und Ungarn, sondern dies findet eben in der Bundesrepublik Deutschland statt (und welchen anderen Staaten noch?).<\/p>\n\n\n\n<p>Sollte sich diese liberale Demokratie des Westens im Wege von Gerichtsstreitigkeiten in der Bundesrepublik Deutschland bei Auslegung des Grundgesetzes verwirklichen lassen, dann gut so! Dies d\u00fcrfte zur Voraussetzung haben, da\u00df in der Tat alle gedanklichen Verbindungen zur (gewisserma\u00dfen) \u201e\u00dcberverfassung\u201c gekappt werden und rein normativ entschieden wird. Was passiert aber, wenn selbst das Verfassungsgericht den vom \u201eVerfassungsschutz\u201c behaupteten sog. rechtsextremen, verfassungsfeindlichen Charakter der AfD etwa wegen eines Geschichtsrevisionismus best\u00e4tigen sollte? Wartet man dann auf das f\u00f6rmliche Parteiverbot oder l\u00f6st sich dann die Partei von selbst auf? Vielleicht dr\u00e4ngt sich wenigstens dann die Verfassungsalternative auf, die von vornherein verhindert, da\u00df wegen Meinungs\u00e4u\u00dferungen ein Geheimdienst- und Verbotsproblem f\u00fcr eine Oppositionspartei besteht. K\u00f6nnte man sich diesem Problem aber nicht schon fr\u00fcher widmen?<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> S. <a href=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/2021\/04\/06\/verfassung-oder-ueberverfassung\/\">http:\/\/klauskunze.com\/blog\/2021\/04\/06\/verfassung-oder-ueberverfassung\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> S. <a href=\"https:\/\/antaios.de\/buecher-anderer-verlage\/aus-dem-aktuellen-prospekt\/106996\/studie-39-scheitert-die-afd\">https:\/\/antaios.de\/buecher-anderer-verlage\/aus-dem-aktuellen-prospekt\/106996\/studie-39-scheitert-die-afd<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> S. <a href=\"https:\/\/jungefreiheit.de\/kultur\/literatur\/2021\/afd-und-verfassungsschutz\/\">https:\/\/jungefreiheit.de\/kultur\/literatur\/2021\/afd-und-verfassungsschutz\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> S. <a href=\"https:\/\/sezession.de\/64014\/junge-freiheit-und-politische-romantik\">https:\/\/sezession.de\/64014\/junge-freiheit-und-politische-romantik<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> S. <a href=\"https:\/\/sezession.de\/64134\/missbrauch-des-verfassungsschutzes\">https:\/\/sezession.de\/64134\/missbrauch-des-verfassungsschutzes<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> N\u00e4mlich Rudolf Streinz, Das Parteiverbot als Auspr\u00e4gung der \u201ewehrhaften Demokratie\u201c, in: Christian Starck (Hg.), Das Bonner Grundgesetz, Kommentar, S. 386 ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> S. Mathias Brodkorb, Metamorphosen von rechts. Eine Einf\u00fchrung in Strategie und Ideologie des modernen Rechtsextremismus, 2003, S. 113.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a> S. BVerfGE 5, 85, 135 (KPD-Verbot): \u201eEs ist also kein Zufall, da\u00df die liberalen Demokratien des Westens ein Parteiverbot entsprechend Art. 21 Abs. 2 GG nicht kennen, wie es auch der deutschen Reichsverfassung von \u2026 1919 fremd war.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\">[9]<\/a> S. E.-W. B\u00f6ckenf\u00f6rde, Staat, Gesellschaft, Freiheit. Studien zur Staatstheorie und zum Verfassungsrecht, 1976, S. 91, Fn 77.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\">[10]<\/a> Gregor Paul Boventer, Grenzen der politischen Freiheit im demokratischen Verfassungsstaat \u2013 Das Konzept der streitbaren Demokratie in einem internationalen Vergleich, Berlin 1984<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\">[11]<\/a> S. zu einem noch j\u00fcngeren Parteiverbot in diesem Land:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Parteiverbotskritik-Teil-20.pdf\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\">[12]<\/a> \u00a7 78 Abs. 2 der d\u00e4nischen Verfassung lautet: \u201eVereine (unter Einschlu\u00df von politischen Parteien, <em>Anm<\/em>.), die sich unter Anwendung von Gewalt bet\u00e4tigen oder ihre Ziele durch Gewaltanwendung, Anstiftung zu Gewaltanwendung oder \u00e4hnliche strafbare Beeinflussung Andersdenkender zu erreichen suchen, werden durch Gerichtsurteil aufgel\u00f6st.\u201c S. dazu: <a href=\"https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/AfDvsVSfin.pdf\">https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/AfDvsVSfin.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref13\">[13]<\/a> S. erg\u00e4nzend zu Sinn und Zweck einer Verfassungsdiskussion:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/VfgDisk-0-Einltg.pdf\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref14\">[14]<\/a> S. dazu: <a href=\"https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Verfassungsdiskussion_Teil-2.pdf\">https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Verfassungsdiskussion_Teil-2.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref15\">[15]<\/a> S. dazu: <a href=\"https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Surrog25-Verbotsvorwirkg.pdf\">https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Surrog25-Verbotsvorwirkg.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref16\">[16]<\/a> S. zum diesbez\u00fcglichen Beamtenrecht<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Surrog4-Beamtdiskr.pdf\">https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Surrog4-Beamtdiskr.pdf<\/a> im Unterschied zu den liberalen Demokratien: <a href=\"https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Surrog26-Beamtdiskrint.pdf\">https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Surrog26-Beamtdiskrint.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref17\">[17]<\/a> S. dazu: <a href=\"https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/PrueffallVSPPtx.pdf\">https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/PrueffallVSPPtx.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref18\">[18]<\/a> \u201eDas Grundgesetz ist nicht mit den Zehn Geboten zu vergleichen!\u201c s. bei Jochen Lober, Beschr\u00e4nkt souver\u00e4n. Die Gr\u00fcndung der Bundesrepublik Deutschland als \u201eWeststaat\u201c \u2013 alliierter Auftrag und deutsche Ausf\u00fchrung, 2020, auf S. 6 als Motto zitiert.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref19\">[19]<\/a> Zitiert bei Karl Albrecht Schachtschneider, Die Souver\u00e4nit\u00e4t Deutschlands. Souver\u00e4n ist, wer frei ist, 2012, S. 11.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref20\">[20]<\/a> So Hermann Jahrreiss, Demokratie. Selbstgef\u00e4hrdung &#8211; Selbstschutz, in: Festschrift f\u00fcr R. Thoma 1950, S. 71 ff., S. 83.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref21\">[21]<\/a> S. Caspar von Schrenck-Notzing, Charakterw\u00e4sche. Die Politik der amerikanischen Umerziehung in Deutschland, 1993, S. XV.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref22\">[22]<\/a> S. dazu Hans Copic, Grundgesetz und politisches Strafrecht neuer Art, 1967.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref23\">[23]<\/a> S. dazu G\u00fcnther Wilms, Staatsschutz im Geiste der Verfassung, 1962.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref24\">[24]<\/a> Art. 91 (1) GG lautet: \u201eZur Abwehr einer drohenden Gefahr f\u00fcr den Bestand oder die freiheitliche demokratische Grundordnung des Bundes oder eines Landes kann ein Land Polizeikr\u00e4fte anderer L\u00e4nder sowie Kr\u00e4fte und Einrichtungen anderer Verwaltungen und des Bundesgrenzschutzes anfordern.\u201c Damit mu\u00df \u201efreiheitliche demokratische Grundordnung\u201c etwas sein, das durch erh\u00f6hten Polizeieinsatz gesch\u00fctzt werden kann, was f\u00fcr Verfassungsprinzipien nicht zutrifft; damit kann nur das legale Funktionieren des Staatsapparats gemeint sein, was es bei Aufst\u00e4nden mit erh\u00f6htem Polizeieinsatz zu sch\u00fctzen gilt und erst dann erst w\u00e4re auch an ein Parteiverbot zu denken.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref25\">[25]<\/a> \u201eCIA warb f\u00fcr die KPD\u201c interpretiert Der Spiegel (2\/2018, S. 25) gar neu ver\u00f6ffentlichte Dokumente.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref26\">[26]<\/a> S. <a href=\"https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Parteiverbotskritik-Teil-25.pdf\">https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Parteiverbotskritik-Teil-25.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref27\">[27]<\/a> S. zusammenfassend: <a href=\"https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Parteiverbotskritik-Teil-15.pdf\">https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Parteiverbotskritik-Teil-15.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref28\">[28]<\/a> S. bei <em>Hanns K\u00fcsters \/ Daniel Hofmann, (bearb<\/em>.<em>)<\/em>: Dokumente zur Deutschlandpolitik. Deutsche Einheit. Sonderedition aus den Akten des Bundeskanzleramtes 1989\/90,1998, S. 314 dieses offizi\u00f6sen Werkes.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref29\">[29]<\/a> S. ebenda, S. 305 f. Fn. 3.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref30\">[30]<\/a> S. zu dem Versuch der Unterwanderung der Republikaner durch den US-Geheimdienst den Beitrag von Bernd Kallina im Alternativen Verfassungsschutzbericht: Die Deutschen als Zielgruppe: Einflu\u00dfnahme, Steuerung oder was? Das Einwirken westlicher Nachrichtendienste auf die Bundesrepublik<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Die-Deutschen-als-Zielgruppe.pdf\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref31\">[31]<\/a> S. dazu: <a href=\"https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/EuropKritik6-VS.pdf\">https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/EuropKritik6-VS.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref32\">[32]<\/a> S. dazu <a href=\"https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Parteiverbotskritik-Teil-26.pdf\">https:\/\/links-enttarnt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Parteiverbotskritik-Teil-26.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref33\">[33]<\/a> Dies ist etwas verschleiernd ausgedr\u00fcckt im Buch des langj\u00e4hrigen Parteivorsitzenden Erich Mende, Die FDP, Daten, Fakten, Hintergr\u00fcnde, 1972, S. 15: \u201eIn der Franz\u00f6sischen Besatzungszone lagen die Verh\u00e4ltnisse noch schwieriger, da die Voreingenommenheit gegen\u00fcber einer nationalliberalen Partei dort am gr\u00f6\u00dften waren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref34\">[34]<\/a> S. Bulletins Nr. 109 des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung vom 14. September 1990, au\u00dferdem ver\u00f6ffentlicht in: Vertr\u00e4ge zur deutschen Einheit &#8211; Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung, S. 91-93.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref35\">[35]<\/a> S. <em>Economist <\/em>vom 29.04.1995 auf S. 36.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00fc\u00dflburner studierte nach dem Abitur am Humanistischen Gymnasium in Straubing Rechtswissenschaften an der Universit\u00e4t Regensburg und der Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel. Im Anschlu\u00df war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der juristischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t des Saarlandes in Saarbr\u00fccken.<br>Er war von 1985 bis 2018 im h\u00f6heren Verwaltungsdienst des Bundes (Bundesverkehrsverwaltung, insbesondere Bundesverkehrsministerium) eingestellt, unterbrochen durch eine Beurlaubung f\u00fcr T\u00e4tigkeit beim Generalsekretariat der Vereinten Nationen, New York, im Referat f\u00fcr V\u00f6lkerrechts-Kodifikation von 1987 bis 1989 und einer Abordnung als nationaler Experte f\u00fcr Rechtsfragen des Luftverkehrs mit Schwerpunkt Gesetzgebung zur Europ\u00e4ischen Kommission in Br\u00fcssel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinem Blogbeitrag vom 6.4.2021 habe ich unter dem Titel Verfassung oder \u00dcberverfassung? Josef Sch\u00fc\u00dflburner widersprochen. 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