{"id":3501,"date":"2021-04-16T19:53:10","date_gmt":"2021-04-16T17:53:10","guid":{"rendered":"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/?p=3501"},"modified":"2021-04-18T10:05:53","modified_gmt":"2021-04-18T08:05:53","slug":"mit-ernst-juenger-den-schmerz-hinter-sich-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2021\/04\/16\/mit-ernst-juenger-den-schmerz-hinter-sich-lassen\/","title":{"rendered":"Mit Ernst J\u00fcnger den Schmerz hinter sich lassen"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Geschichte ist tot<\/strong> &#8211; wir auch?<\/h3>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Die Geschichte ist tot; das erleichtert den historischen R\u00fcckblick und h\u00e4lt ihn von Vorurteilen frei; jdenfalls f\u00fcr jene, die den Schmerz erlitten und hinter sich gebracht haben.<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/p><cite>Ernst J\u00fcnger (1895-1998), Eumeswil, 1977, S.382.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Hohes Alter bildet eine gute Vorbedingung f\u00fcr Altersweisheit. Es reicht aber allein nicht hin: Der Schmerz mu\u00df hinzutreten. Es ist ein Verlustschmerz:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Oh weh, wohin sind verschwunden alle meine Jahr\u2018?<br>Hab ich mein Leben getr\u00e4umet, oder ist es wahr?<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a><\/p><cite>Walter von der Vogelweide um 1227<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>\u201eLeute und Land,\u201c empfand schon der alte Minnedichter, wie er von &#8222;Kindesbeinen erzogen&#8220;, waren ihm fremd geworden, \u201erecht als sei es gelogen.\u201c Sein \u201eUngl\u00fcck wurde gro\u00df\u201c, denn er fand seine gewohnte, normale Welt nicht wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie kehrte auch niemals wieder, ebensowenig wie f\u00fcr Ernst J\u00fcnger. F\u00fcr Kaiser und Reich war er 1914 ausgezogen. Sein Widerstand in der Weimarer Zeit war vergebens: Sie blieben unwiderbringlich verloren. Im 2. Weltkrieg zog er siegreich in Paris ein, doch wieder brach am Ende alles zusammen.  Statt sich greinend in seine Ecke zu setzen, hinterlie\u00df er uns seine innere Haltung: Sie kann jeden schmerzfrei machen, der sie einnimmt.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Ich habe einmal einen Eid geschworen, einmal \u00bbWiderstand\u00ab geleistet; Volk und K\u00f6nig haben keinen Anspruch mehr auf mich.<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a><\/p><cite>Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, S.414.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"919\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/20210416_124236-1024x919.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3507\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/20210416_124236-1024x919.jpg 1024w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/20210416_124236-300x269.jpg 300w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/20210416_124236-768x689.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/20210416_124236-1536x1378.jpg 1536w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/20210416_124236-2048x1838.jpg 2048w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/20210416_124236-900x808.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/20210416_124236-1280x1149.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Anla\u00df zu Schmerzen haben heute Millionen Deutscher. Unverge\u00dflich wirkt der Schmerz \u00fcber den Verlust der Heimat f\u00fcr 12 Millionen vertriebene und gefl\u00fcchtete Ostdeutsche. Unvergessen in den Herzen der Anst\u00e4ndigen sind die Millionen Gefallenen, im Bombenhagel Vergl\u00fchten, zu Tode Vergewaltigten und massakrierten Zivilisten. Kaum aus den Ruinen gekrabbelt, schufen die \u00dcberlebenden sich eine neue Normalit\u00e4t, die bereits wieder zerbr\u00f6selt: die Wehrpflicht zugunsten einer Operettenarmee abgeschafft, die Zensur bl\u00fcht, Korruption wird zum System, Perversit\u00e4ten und Kinderfeindlichkeit treten anstelle heiler Familien, Rechtsstaat und Meinungsfreiheit wanken, T\u00fcre und Tore stehen offen, nach der Rechtschreibung wird die deutsche Sprache verhunzt, und hinter allem erheben sich machtvoll die Fratzen eines gr\u00fcn lackierten Verbots-Sozialismus und eines bunt \u00fcbert\u00fcnchten globalen Finanz-Kapitalismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicherlich kann jeder nach seinen M\u00f6glichkeiten versuchen, zu retten, was zu retten ist. Aber k\u00f6nnen wir uns wirklich unser Deutschland wiederholen, sind wir stark genug, wiederherzustellen, was unsere Normalit\u00e4t bildete? Besteht nicht gerade im steten Wechsel die historische Normalit\u00e4t? Die konservative &#8222;<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/konservatismus-sein-ruf-ist-schlecht-sein-potential-gewaltig-ld.1611895\">Fixierung auf das angeblich Zeitlose ist ein ideologischer Klotz am Bein. Selbstverst\u00e4ndlich sind kollektive Identit\u00e4ten, soziale Rollen oder kulturelle Normen menschliche Konstruktionen. Das macht sie aber nicht weniger wertvoll.<\/a>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wer diesen Kampf nicht aufgibt, mu\u00df nicht leiden. Er kann seine schmerzliche Empfindsamkeit durch eine andere Haltung ersetzen und andere Perspektiven einnehmen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der erste Schritt<\/h2>\n\n\n\n<p>Sein erster Schritt f\u00fchrt ihn davon weg, in seinen pers\u00f6nlichen Idealen objektive Gestirne zu sehen, die unbedingt f\u00fcr alle Menschen leuchten sollen. Philosophen und Dichter weisen ihm diesen Weg. Ein mitf\u00fchlendes Wesen wie die preu\u00dfische K\u00f6nigin Luise litt uns\u00e4glich unter Schicksalsschl\u00e4gen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Wenn die Wissenschaft und das Wissen weniger empfindsam machten, w\u00fcrde ich alle B\u00fccher in die Havel werfen, denn die echte Empfindsamkeit ist das erste Gut des Menschen.<\/p><cite>K\u00f6nigin Luise von Preu\u00dfen am 27.11.1803 an die Frau von Kleist.<a href=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-admin\/post.php?post=3501&amp;action=edit#_ftn4\">[4]<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/a-880x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3509\" width=\"440\" height=\"512\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/a-880x1024.jpg 880w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/a-258x300.jpg 258w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/a-768x893.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/a-1321x1536.jpg 1321w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/a-900x1047.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/a-1280x1489.jpg 1280w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/a.jpg 1594w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 100vw, 440px\" \/><figcaption>Ein empfindsames Herz: K\u00f6nigin Luise von Preu\u00dfen<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Wissenschaft und Wissen verm\u00f6gen uns aber aufzukl\u00e4ren, da\u00df die Welt nicht einst\u00fcrzt, wenn wir unsere Ideale als das erkennen, was sie sind: nur unsere Gedanken und W\u00fcnsche. Einem Mann wie Ernst J\u00fcnger blieb das bereits in den Stahlgewittern des 1. Weltkriegs nicht verborgen. Er verabschiedete sich von jeder Form der Transzendenz<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a>, um im Hier und Jetzt einen sicheren Beobachtungsposten zu beziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von diesem aus erkannte er alle Ideale als blo\u00dfe Traumgebilde.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Er ist dahin, der s\u00fc\u00dfe Glaube<br>An Wesen, die mein Traum gebar,<br>Der rauhen Wirklichkeit zum Raube<br>Was einst so sch\u00f6n, so g\u00f6ttlich war.<a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a><\/p><cite>Friedrich Schiller<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Schiller-pepe.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3512\" width=\"248\" height=\"248\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Schiller-pepe.jpg 992w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Schiller-pepe-300x300.jpg 300w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Schiller-pepe-150x150.jpg 150w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Schiller-pepe-768x768.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Schiller-pepe-88x88.jpg 88w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Schiller-pepe-900x900.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 248px) 100vw, 248px\" \/><figcaption><strong>Friedrich Schiller<\/strong>: Die Ideale sind zerronnen.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Mit diesen Worten schlie\u00dft Schiller sein Gedicht \u00fcber die Ideale. Es tr\u00f6stete auch die K\u00f6nigin Luise, wie sie der Frau von Berg am 15.9.1803 schrieb.<a href=\"#_ftn7\">[7]<\/a> Ob einer an die Humanit\u00e4t als Ideal glaubt, an ein ideales Deutschland oder an eine ideale Gerechtigkeit: Er wird immer schmerzlich von der Wirklichkeit eingeholt werden. Irgendwann wird er aufh\u00f6ren, Idealen zu dienen.<a href=\"#_ftn8\">[8]<\/a> Damit beginnt sein Weg zur Schmerzfreiheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Er wei\u00df: Im bacchantischen Treiben der Betroffenheits-Besoffenen mu\u00df n\u00fcchtern bleiben, wer nicht mit einem dicken Kopf erwachen will: \u201eEs wurde viel getrunken; ich bin der einzig N\u00fcchterne.\u201c<a href=\"#_ftn9\">[9]<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der zweite Schritt<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie ein Insektenforscher das kleine Gewimmel betrachtet, ohne an ihm emotionalen Anteil zu nehmen, so schaut der Historiker auf die Weltgeschichte. Er ben\u00f6tigt viel professionelle Distanz.<a href=\"#_ftn10\">[10]<\/a><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>An der Feuern der Geschichte kann man sich die H\u00e4nde w\u00e4rmen, allerdings in geb\u00fchrendem Abstande. [\u2026] Schmerz ist die Mitgift des Historikers.<a href=\"#_ftn11\">[11]<\/a><\/p><cite>Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, S.353.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Er empfindet ihn, wenn er sich zu stark mit seinem Beobachtungsobjekt identifiziert. Professionelle Distanz ben\u00f6tigen auch der gute Arzt und der Rechtsanwalt: Sie m\u00fcssen die fremden Gef\u00fchle intuitiv verstehen, d\u00fcrfen sie aber keinesfalls teilen. Nach seinem eigenen Gang durch die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts stellte Ernst J\u00fcnger ern\u00fcchtert fest:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Die Geschichte ist tot; das erleichtert den historischen R\u00fcckblick und h\u00e4lt ihn von Vorurteilen frei; jedenfalls f\u00fcr jene, die den Schmerz erlitten und hinter sich gebracht haben.<\/p><cite>Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, S.382.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Emotional unbelangbar nimmt Ernst J\u00fcnger einen metahistorischen Standpunkt ein.<a href=\"#_ftn12\">[12]<\/a> Er f\u00fchlt sich weder der politischen Gegenwart noch der \u00dcberlieferung verpflichtet.<a href=\"#_ftn13\">[13]<\/a> \u201eEin Mensch ohne Geschichte ist einer, der den Schatten verlor.\u201c<a href=\"#_ftn14\">[14]<\/a> Erkennt man aber die ganze Geschichte und nicht nur nach ideologischem Bedarf ausgew\u00e4hlte Jahre, findet man ihren unsteten Wellenschlag als konstantes Merkmal. \u201ePanta rhei\u201c<a href=\"#_ftn15\">[15]<\/a>, alles flie\u00dft. Wie k\u00f6nnte sich irgendein Staat, irgendein System davon ausnehmen? Es gibt einen ewigen<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Wechsel der Staatsformen. Da\u00df Dynastien und Diktaturen sich endlos abl\u00f6sen, erkl\u00e4rt nicht ihre Unvollkommenheit allein. Eine peristaltische Bewegung mu\u00df dazu beitragen. Sie f\u00fchrt nicht aufw\u00e4rts, sondern die Summe des Leides bleibt sich gleich.<a href=\"#_ftn16\">[16]<\/a><\/p><cite>Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, S.194 f.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Es gebe eine quasi gesetzm\u00e4\u00dfige \u201eEntwicklung\u201c zu Staaten oder Systemen, die ihren B\u00fcrgern ein h\u00f6heres Ma\u00df an Zufriedenheit und Gl\u00fcck garantierten als fr\u00fchere, ist eine Legende. Sie hat im 19.Jahrhundert durch Karl Marx die antike Idee eines Goldenen Zeitalters abgel\u00f6st, auf welches ein Silbernes und zuletzt ein Eisernes gefolgt seien. Geschichtsmetaphysik ist J\u00fcngers Sache nicht.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Politisch gesehen folgen sich Systeme, von denen eines das andere verzehrt. Sie leben von der stets vererbten und stets entt\u00e4uschten Hoffnung, die nie verglimmt.&nbsp; Allein ihr Funke bleibt lebendig, der sich durch die Z\u00fcndschnur fri\u00dft.<a href=\"#_ftn17\">[17]<\/a><\/p><cite>Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, S.192 f.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Es gibt keine idealen Staatsformen, keine dauernden moralischen Gewi\u00dfheiten, und folgt nicht auf Wellenkamm des bis freiesten Staats auf deutschem Boden ein Wellental der autoritativer Entm\u00fcndigung? Wer sich allzusehr mit dem Zeitgeist verbindet, kann schnell zum trauernden Hinterbliebenen werden. Ernst J\u00fcnger h\u00e4lt geb\u00fchrenden Abstand.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der dritte Schritt<\/h2>\n\n\n\n<p>Jeder bildet in sich selbst nicht durch das Ausfalltor f\u00fcr jugendgemute Eroberungen, sondern auch seine letzte Bastion. Sie ist uneinnehmbar.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Wenn der P\u00f6bel aller Sorte<br>Tanzet um die goldnen K\u00e4lber,<br>Halte fest: du hast vom Leben<br>Halte fest: du hast vom Leben<br>Doch am Ende nur dich selber.<a href=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-admin\/post.php?post=3501&amp;action=edit#_ftn18\">[18]<\/a><\/p><cite>Theodor Storm<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"345\" height=\"335\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/b.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3511\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/b.jpg 345w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/b-300x291.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 345px) 100vw, 345px\" \/><figcaption><strong>Theodor Storm<\/strong>: Du hast am Ende nur dich selber!<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Wer im R\u00fcckzug auf das pers\u00f6nliche Ich den folgerichtigen letzten Schritt in die Schmerzfreiheit sieht, kommt an Max Stirner nicht vorbei.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Was sind nun die Kardinalpunkte oder die Axiome von Stirners System, wenn man von einem solchen sprechen will? Es sind deren nur zwei, doch sie gen\u00fcgen zu gr\u00fcndlicher meditation: 1. Das ist nicht meine Sache. 2. Mir geht nichts \u00fcber Mich. Das bedarf keiner Zus\u00e4tze.<\/p><cite>Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, S.366.<a href=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-admin\/post.php?post=3501&amp;action=edit#_ftn19\">[19]<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Im Romantypus des Anarchen umrei\u00dft Ernst J\u00fcnger den nur in sich selbst ruhenden Menschen, den Stirner als Eigner<a href=\"#_ftn20\">[20]<\/a> seiner selbst bezeichnet hatte. Ihm allein geh\u00f6ren seine Gef\u00fchle und Hoffnungen, seine Moral, seine Ideale, seine G\u00f6tter. Darum kann er auch mit ihnen anstellen, was immer er will. Sie binden ihn nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Er dient nichts und niemandem mehr, nur sich selbst. Seine innere Emanzipation von der Gesellschaft ist unumkehrbar. \u201eIn einer vom Ordnungsrahmen her falschen Existenz gewinnt ein nach innen orientierter Lebensstil an Plausibilit\u00e4t, gepr\u00e4gt durch den Abstand von der Politik und R\u00fcckzug aus einer Gesellschaft, die man zunehmend als Irrenhaus wahrnimmt.\u201c<a href=\"#_ftn21\">[21]<\/a> Ihre moralischen Normen sind nicht seine Sache.<\/p>\n\n\n\n<p>Ernst J\u00fcnger demonstriert das gen\u00fc\u00dflich ad exemplum, wenn sein \u201eAnarch\u201c sich bei Freudenm\u00e4dchen vergn\u00fcgt. Jede Moral ist Fremdbestimmung, da stimmen J\u00fcnger und Stirner \u00fcberein.<a href=\"#_ftn22\">[22]<\/a> Aber Moral hat 2021 wieder Hochkonjunktur. Als zentraler Wertbegriff trat seit der Renaissance der Mensch an die Stelle Gottes, und zwar nicht irgendein wirklicher Einzel\u00admensch oder viele bestimmte Einzelmen\u00adschen, sondern eine abstrakte Idee vom Wert des <em>Menschen an sich<\/em>. &#8222;Weil diese zur <em>Menschlichkeit<\/em> vollen\u00addete Sittlichkeit mit der Re\u00adli\u00adgi\u00adon, aus der sie geschichtlich hervorge\u00adgangen, sich v\u00f6llig aus\u00adein\u00adan\u00adder\u00adgesetzt hat,&#8220; formulierte Stirner, &#8222;so hinderte sie nichts, auf eigene Hand Religion zu werden.&#8220; Dazu komme es, wenn dem Menschen der Mensch das h\u00f6ch\u00adste We\u00adsen sei: &#8222;Hat man da nicht wieder den Pfaf\u00adfen? Wer ist sein Gott? <em>Der<\/em> Mensch? Was ist das G\u00f6ttliche? Das Mensch\u00adliche!&#8220;<a href=\"#_ftn23\">[23]<\/a> Wenn Stirner die Humanit\u00e4t 1844 als die Staatsreligion des freien Staates bezeichnete<a href=\"#_ftn24\">[24]<\/a>, kommt er unserer Gegenwart auff\u00e4llig nahe. Es wird wieder verg\u00f6tzt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Beim Schachspiel gibt es keine Feinde<\/h2>\n\n\n\n<p>Meine Ideen geh\u00f6ren aber vollst\u00e4ndig mir, auch was ich \u201ehuman\u201c finde. Meine Ideale habe ich mir auf den eigenen Leib zugeschnitten. Im Ringen um gesellschaftlichen Einflu\u00df sind sie meine Machtinstrumente. Dabei scheitere ich zuletzt mit Notwendigkeit, weil andere Menschen andere Ideen haben, andere Ideale, andere Ziele. Wer erkannt hat, da\u00df Menschen so sind, leidet nicht mehr darunter. Er begr\u00fc\u00dft fasziniert das Schauspiel aller menschlichen Bestrebungen in der Geschichte: Machtk\u00e4mpfe werden auch unter moralischen Fahnen ausgetragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es kein reales Gut und B\u00f6se mehr gibt, verwandelt sich selbst die Verhandlung eines Staatsanwalts gegen einen Angeklagten zu einem Spektakel f\u00fcrs Auge:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Verteidiger und Kl\u00e4ger sind dann nicht mehr Gegner, sondern Mitwirkende am Bilde, das aus Licht und Schatten entsteht.<\/p><cite>Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, S.297.<a href=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-admin\/post.php?post=3501&amp;action=edit#_ftn25\">[25]<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Vor der Kamera malte J\u00fcnger einmal den Anblick zweier im Tournier gegeneinander reitender Ritter: f\u00fcr ihn ein \u00e4sthetischer Anblick. Einander im Typus so \u00e4hnlich, bilden sie im Kampf eine Einheit h\u00f6herer Art. Wenn man gesellschaftlichen Kampf und politisches Ringen so auffa\u00dft wie ein Tournier oder ein Schachspiel, das nur Gegner und keine Feinde kennt, geh\u00f6ren auch kontr\u00e4re Meinungen dazu. Gef\u00fchle wie Ha\u00df oder Schmerz haben in diesem Weltbild keinen Boden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die emotionale Unbelangbarkeit<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach dem Abschied vom Schmerz finden wir es \u201eaufregend und spannend\u201c, da\u00df wir geistige Produkte in der \u201eganzen Vielfalt ihrer Formen\u201c<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>erzeugen und uns am liebsten mit Hilfe von Glaubenss\u00e4tzen und Theorien gegenseitig vernichten. Solche Beobachtungen und \u00dcberlegungen k\u00f6nnen aber nur parasit\u00e4ren Feinschmeckern Anla\u00df zu spekulativen Gen\u00fcssen bieten. Immerhin bieten sie in keinem Fall zwingende Argumente gegen den Selbstmord aus Langeweile.<\/p><cite>Panajotis Kondylis, Macht und Entscheidung, 1984, S.129.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ein Wechsel unserer Perspektive ist uns jederzeit m\u00f6glich. Im aktiven Leben beteiligen wir uns selbst daran, Konstrukte zu entwickeln und Theorien anzubieten, in deren Kern unsere Interessen und innersten Sehns\u00fcchte stecken. Denken wir geb\u00fchrend \u00fcber sie nach, erkennen wir in ihnen unsere eigenen Gedankengebilde. Wir benutzen sie im politischen Kampf.<\/p>\n\n\n\n<p>Ernst J\u00fcnger hat sich vom hochdekorierten Kombattanten der Weltgeschichte zu ihrem geistigen Feinschmecker geformt. Sein Weg steht jedem von uns offen. Niemand mu\u00df auf diesem Weg auf Teilnahme am gro\u00dfen Schachspiel der Weltgeschichte verzichten. Er wird weiterhin f\u00fcr das k\u00e4mpfen, was seine Identit\u00e4t ausmacht. Aber er wird nicht darunter leiden, wenn er mal eine Partie verloren geben mu\u00df. Und immer wei\u00df er: <\/p>\n\n\n\n<p>Sein Stern, der ihm den Weg weist, leuchtet in ihm selbst &#8211; irrlichert nicht im Ideenhimmel. Er fordert keine Pilgerreise und keine Opferkerzen. Wer den Schmerz \u00fcber die Verg\u00e4nglichkeit hinter sich gelassen und sich selbst als Herrn und Meister seiner Ideale erkannt hat, in dem werden sie<a href=\"https:\/\/www.amicitia.ch\/kantuspruegel\/58-weitere-kantusse\/324-zieht-der-bursch-die-strass-entlang\"> stets lichterloh, doch nie zuende brennen<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, 1977, S.382.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Walter von der Vogelweide:<\/p>\n\n\n\n<p>Ouw\u00ea war sint verswunden alliu m\u00eeniu j\u00e2r?<br>ist mir m\u00een leben getroumet, oder ist ez w\u00e2r?<br>daz ich ie w\u00e2nde, daz iht w\u00e6re, waz daz iht?<br>dar n\u00e2ch h\u00e2n ich gesl\u00e2fen und enweiz es niht. &#8211;<br><br>Nu bin ich erwachet, und ist mir unbekant,<br>daz mir hie vor was k\u00fcndic als m\u00een ander hant.<br>liut unde lant, d\u00e2 ich von Kinde bin erzogen,<br>die sint mir fr\u00f6mde worden reht als ez s\u00ee gelogen.<br><br>Die m\u00eene gespilen w\u00e2ren, die sint tr\u00e6ge und alt,<br>vereitet ist daz velt, verhouwen ist der walt:<br>wan daz daz wazzer fliuzet, als ez w\u00eelent fl\u00f4z<br>f\u00fcr w\u00e2r ich w\u00e2nde, m\u00een ungel\u00fccke wurde gr\u00f4z.<br><br>mich gr\u00fcezet maneger tr\u00e2ge, der mich bekande \u00ea wol.<br>diu werlt ist allenthalben ungen\u00e2den vol.<br>als ich gedenke an manegen wunnecl\u00eechen tac,<br>die mir sint enpfallen gar als in daz mer ein slac,<br><br>iemer m\u00eare ouw\u00ea.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, 1977, S.414.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> K\u00f6nigin Luise von Preu\u00dfen, Briefe und Aufzeichnungen 1786-1810, M\u00fcnchen 1985, S.228.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> &#8222;Herzinger war es dann, der mit einem brillanten Portrait Ernst J\u00fcngers einen H\u00f6hepunkt der Tagung lieferte. Er entwickelte aus den <em>Marmorklippen<\/em> das Bild eines hochintelligenten Heiden, der nur Gesetzen folgt, die er selber schuf, und keinen Bezug \u00fcber die jeweils Handelnden hinaus sucht oder herstellt. Tats\u00e4chlich f\u00e4llt bei J\u00fcnger &#8230; der Mangel an Transzendenz auf, an Ausrichtung nach einem nicht disponiblen Wertesystem..&#8220;, Sabine Brandt FAZ 9.12.1993 \u00fcber einen Vortrag des Berliner Litaraturwissenschaftlers Richard Herzinger.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> Friedrich Schiller:<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Ideale<\/strong><br>So willst du treulos von mir scheiden<br>Mit deinen holden Phantasien,<br>Mit deinen Schmerzen, deinen Freuden,<br>Mit allen unerbittlich fliehn?<br><br>Kann nichts dich, Fliehende, verweilen,<br>O meines Lebens goldne Zeit?<br>Vergebens, deine Wellen eilen<br>Hinab ins Meer der Ewigkeit.<br><br>Erloschen sind die heitern Sonnen<br>Die meiner Jugend Pfad erhellt;<br>Die Ideale sind zerronnen,<br>die einst das trunkne Herz geschwellt;<br><br>Er ist dahin, der s\u00fc\u00dfe Glaube,<br>An Wesen, die mein Traum gebar,<br>Der rauhen Wirklichkeit zum Raube<br>Was einst so sch\u00f6n, so g\u00f6ttlich war.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> \u201eDen zweiten Band der Gedichte Schillers genie\u00dfe ich seit Beginn dieses Monats, es sind g\u00f6ttliche Sachen darin, aber sie lassen mich nicht den ersten Band vergessen, in welchem sich <em>Die Ideale<\/em> befinden; <em>So willst Du treulos von mir scheiden<\/em> usw., das ich bewundere, besonders den Schlu\u00df, der mehr als alles andere den Wunsch in mir erregte, mich zu bilden.\u201c K\u00f6nigin Luise von Preu\u00dfen, Briefe und Aufzeichnungen 1786-1810, M\u00fcnchen 1985, S.224.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a> \u201eDer <em>Dezi\u00adsionist<\/em> ist dagegen Realist: Er dient keinen Idealen. Die f\u00fcr ihn gel\u00adten\u00adden moralischen Normen schafft er sich selbst &#8222;vo\u00adlun\u00adtaristisch&#8220;: al\u00adso kraft seines Willens. Er h\u00e4lt sie sich unterworfen und be\u00adnutzt sie. Ord\u00ad\u00adnung findet er n\u00fctzlich, glaubt aber nicht an ein allem Sein innewohnendes, darum universal verbindliches Sollen. Je\u00adde ge\u00adsell\u00adschaft\u00adliche Wer\u00adteord\u00ad\u00ad\u00adnung bedarf einer Person, die sie stiftet. Der Dezisionist h\u00f6rt auf keine Gebote aus einem Jenseits und f\u00fchlt sich keiner &#8222;Natur sei\u00ad\u00adnes Seins&#8220; un\u00adter\u00adwor\u00adfen\u201c, <a href=\"http:\/\/klauskunze.com\/heikun\/mut\/m01w.htm\">Klaus Kunze, Mut zur Freiheit, 1995, S.9<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\">[9]<\/a> Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, S.422.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\">[10]<\/a> Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, S.240: Ich werde zu den Dingen und Personen die rechte Distanz finden.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\">[11]<\/a> Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, S.353.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\">[12]<\/a> Hier in Eumeswil ist die Masse ahistorisch, eine Elite ist metahistorisch, die meisten vegetieren dahin, einige denken..\u201c, Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, S.325, 280.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref13\">[13]<\/a> Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, S.280.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref14\">[14]<\/a> Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, S.278.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref15\">[15]<\/a> Vgl. das Kapitel \u201ePanta rhei\u201c, in: Klaus Kunze, der totale Parteienstaat, Abschied vom idealen Staat, 1994, S.90 ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref16\">[16]<\/a> Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, S.194 f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref17\">[17]<\/a> Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, S.192 f..<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref18\">[18]<\/a> Theodor Storm:<br><strong>F\u00fcr meine S\u00f6hne<\/strong><br>Hehle nimmer mit der Wahrheit!<br>Bringt sie Leid, nicht bringt sie Reue;<br>Doch, weil Wahrheit eine Perle,<br>Wirf sie auch nicht vor die S\u00e4ue.<\/p>\n\n\n\n<p>Bl\u00fcte edelsten Gem\u00fctes<br>Ist die R\u00fccksicht; doch zu Zeiten<br>Sind erfrischend wie Gewitter<br>Goldne R\u00fccksichtslosigkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wackrer heimatlicher Grobheit<br>Setze deine Stirn entgegen;<br>Artigen Leutseligkeiten<br>Gehe schweigend aus den Wegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo zum Weib du nicht die Tochter<br>Wagen w\u00fcrdest zu begehren,<br>Halte dich zu wert, um gastlich<br>In dem Hause zu verkehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Was du immer kannst, zu werden<br>Arbeit scheue nicht und Wachen;<br>Aber h\u00fcte deine Seele<br>Vor dem Karrieremachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn der P\u00f6bel aller Sorte<br>Tanzet um die goldnen K\u00e4lber,<br>Halte fest: du hast vom Leben<br>Doch am Ende nur dich selber.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref19\">[19]<\/a> Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, S.366<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref20\">[20]<\/a> Nach Max Stirner, siehe Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, S.367.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref21\">[21]<\/a> G\u00fcnter Scholdt, Blicke von der Abraumhalde, Tumult 1\/2021 S.90 ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref22\">[22]<\/a> \u2026 und, nebenbei bemerkt: Klaus Kunze, Mut zur Freiheit, 1995.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref23\">[23]<\/a> Max Stirner, Der Einzige und sein Eigentum, Reclam, S.62.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref24\">[24]<\/a> Max Stirner, Der Einzige und sein Eigentum, Reclam, S.193.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref25\">[25]<\/a> Ernst J\u00fcnger, Eumeswil, S.297.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Lesen Sie gern mehr \u00fcber Ernst J\u00fcnger:<\/h2>\n\n\n\n<p><blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"RYlmMWdMPe\"><a href=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/2021\/04\/12\/es-waer-so-schoen-anarch-zu-sein\/\">Es w\u00e4r\u2018 so sch\u00f6n, Anarch zu sein<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Es w\u00e4r\u2018 so sch\u00f6n, Anarch zu sein&#8220; &#8212; Klaus Kunze\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/2021\/04\/12\/es-waer-so-schoen-anarch-zu-sein\/embed\/#?secret=W59NyOzk2i#?secret=RYlmMWdMPe\" data-secret=\"RYlmMWdMPe\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte ist tot &#8211; wir auch? Die Geschichte ist tot; das erleichtert den historischen R\u00fcckblick und h\u00e4lt ihn von Vorurteilen frei; jdenfalls f\u00fcr jene, die den Schmerz erlitten und hinter sich gebracht haben.[1] Ernst J\u00fcnger (1895-1998), Eumeswil, 1977, S.382. Hohes Alter bildet eine gute Vorbedingung f\u00fcr Altersweisheit. 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