{"id":3732,"date":"2021-05-23T18:14:38","date_gmt":"2021-05-23T16:14:38","guid":{"rendered":"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/?p=3732"},"modified":"2021-05-24T08:04:54","modified_gmt":"2021-05-24T06:04:54","slug":"der-transzendente-wald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2021\/05\/23\/der-transzendente-wald\/","title":{"rendered":"Der transzendente Wald"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der gr\u00fcne Gott<\/h2>\n\n\n\n<p>In ohnm\u00e4chtiger Wut verteidigen linke Rodungsgegner Forsten wie den Hambacher Forst und vormals manchen anderen. F\u00fcr n\u00fcchtern rechnende Planer schlagen sie ihre Schlachten gegen die Polizei ohne Sinn und Verstand.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei haben sie einen rechten literarischen Vorg\u00e4nger. Der ostpreu\u00dfische Kriegsheimkehrer Ernst Wiechert hatte 1922 in der Romangestalt des Henner Wittich sein Alter Ego geschaffen. Hauptmann Wittich war im Felde ein harter Hund. Er kehrt der modernen Welt mit ihrer mechanisierten Menschenvernichtung den R\u00fccken und zieht sich in seinen ostpreu\u00dfischen Urwald zur\u00fcck. Wer sich unbefugt hineinwagt, riskiert sein Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist der st\u00e4dtische B\u00fcrokrat Dr. Plurr. Durchdrungen von Machtgier und egalit\u00e4rem Sendungsbewu\u00dftsein will er den Wald f\u00fcr alle \u00f6ffnen, Teile roden und arbeitslose St\u00e4dter ansiedeln. Wie in der Legende von Avalon erreicht man Wittichs Haus im Wald rudernd \u00fcber einen gro\u00dfen See. Von weitem sieht man die staatliche &#8222;Kommission&#8220; schon kommen. Der Konflikt entl\u00e4dt sich im dramatischen Finale eines Waldes, den Wittich lieber ansteckt als ihn entweihen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hundert Jahre vor der modischen Schnapsidee des Konstruktivismus sah der Dichter Ernst Wiechert im Wald nicht nur beliebig zusammenstehende B\u00e4ume: Er sah den Wald wie eine beseelte Kraft: seinen \u201egr\u00fcnen Gott\u201c.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Er hielt die Totenwacht f\u00fcr den gestorbenen Wald. Er hatte nicht sein Bruder sein k\u00f6nnen, er wu\u00dfte nicht, ob er sein Herr sein w\u00fcrde, er stand nur wie vor der Leiche eines K\u00f6nigs, das blanke Schwert in &nbsp;der Hand, und er wu\u00dfte, da\u00df er niemals das steinerne Antlitz aus seinem Leben verlieren w\u00fcrde. Er wu\u00dfte auch, da\u00df niemand die Leiche rauben w\u00fcrde, solange er lebte. Und wenn er sie verbrennen m\u00fc\u00dfte, aber keine Menschenhand sollte an die heiligen Z\u00fcge r\u00fchren. Es w\u00fcrde sein, als ob er seinen Gott t\u00f6tete, aber \u00fcber dem Tode w\u00fcrde heiligend das Wort des Franziskus stehen: \u201eH\u00fcte &nbsp;den Wald!\u201c, und der Tod war besser als die Tempelsch\u00e4ndung. Und er wu\u00dfte, da\u00df die Erde blieb, die den Wald trug, da\u00df er aus dem sterbenden Walde den Samen des gr\u00fcnen Gottes hinausnehmen konnte in seinen H\u00e4nden, ihn s\u00e4en und pflanzen in andere Erde. &nbsp;<\/p><cite>Ernst Wiechert, Der Wald, 1922, <a href=\"https:\/\/lindenbaum-verlag.de\/produkt\/der-wald-ernst-wiechert\/\">2.Auf.2021, Lindenbaum-Verlag, ISBN: 978-3-938176-91-7<\/a>, S.137.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wie heute gr\u00fcne Rodungsgegner lieber am Wald herums\u00e4gen und aus seinem Holz Baumh\u00e4user oder Barrikaden bauen, zerst\u00f6rt auch Henner Wittig zuletzt lieber, was er liebt, als es \u201esch\u00e4nden\u201c zu lassen. Modernen \u201egr\u00fcnen\u201c Rodungsgegnern d\u00fcrfen wir nicht einfach unterstellen, sich \u00fcber die tiefsten seelischen Gr\u00fcnde ihres Hasses auf Rodung, Staat und Gesellschaft klar zu sein. Ihre Verachtung speist sich aber aus denselben Motiven wie Henner Wittichs: Die Gesellschaft erscheint krank, und der gesunde, nat\u00fcrliche Wald ist ihr Gegenentwurf.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/2021-05-23-28-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3733\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/2021-05-23-28-768x1024.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/2021-05-23-28-225x300.jpg 225w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/2021-05-23-28-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/2021-05-23-28-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/2021-05-23-28-900x1200.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/2021-05-23-28-1280x1707.jpg 1280w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/2021-05-23-28-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Der Wald ist biologisch ein zusammenh\u00e4ngendes Gef\u00fcge; aus transzendenter Sicht Ernst Wiecherts ein &#8222;gr\u00fcner Gott&#8220;<a href=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-admin\/post.php?post=3732&amp;action=edit#_ftn1\">[1]<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mythos Wald<\/h2>\n\n\n\n<p>In ihm verdichten sich namenlose Wirkkr\u00e4fte. Mit Kategorien unserer n\u00fcchternen Moderne sind sie nicht zu fassen. Doch wer selbst oft und gern im Wald ist, wird sich ihnen schwer entziehen k\u00f6nnen. Der blo\u00dfe Anblick von W\u00e4ldern und H\u00fcgeln stimmt uns feierlich. Gr\u00fcn hat psychologisch eine beruhigende Wirkung. Geborgen im Wald f\u00fchlen wir uns sicher. Bevor aufkl\u00e4rerische Verstandessch\u00e4rfe die bunten Seifenblasen der Transzendenz platzen lie\u00dfen, traten sie anstelle alten G\u00f6tterglaubens.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>Das numen ist im Gegensatz zum deus (Gott, wie er in der Folgezeit aufgefa\u00dft wurde) weder ein Wesen noch eine Person, sondern eine nackte Kraft. die durch ihre F\u00e4higkeit, Wirkungen auszul\u00f6sen, zu handeln und in Erscheinung zu treten, definiert wird. Das Erf\u00fchlen der tats\u00e4chlichen Gegenwart solcher Kr\u00e4fte, solcher numina, als etwas Transzendentes und doch in allem Innewohnendes, als Wunderbares und gleichzeitig Furchterregendes, stellte das Wesen der urspr\u00fcnglichen Erfahrung des \u00abHeiligen\u00bb, des \u00abSakralen\u00bb&nbsp; dar.<\/em><\/p><cite>Julius Evola (1898-1974), Revolte gegen die moderne Welt, 1969, 2.deutsche Auflage 1993, S.73.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>In diese emotionale Welt fl\u00fcchtete sich Hauptmann Wittich. Sein Dichter Ernst Wiechert kam vor hundert Jahren noch ganz ohne den bl\u00f6den Anglizismus des <em>flash backs<\/em> aus, wenn er schildert:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Henner blieb allein. Wie Nebel aus dem gepfl\u00fcgten Feld stiegen aus der aufger\u00fchrten Tiefe seiner Seele die Bilder der letzten ruhelosen Jahre, fl\u00fcchtig und ineinander flie\u00dfend, aber alle unter dem strengen, scharfen Licht, unter dem seine k\u00fchlen Augen auch diese gro\u00dfen Jahre betrachtet hatten, das wenige Liebliche leise versch\u00f6nt, das Finstere und Grausige leise gemildert. Eine Poesie des Krieges hatte es niemals f\u00fcr ihn gegeben, nur da\u00df der ruhige Atem der Selbstverst\u00e4ndlichkeit zuzeiten sich bei ihm zum Sturmwind einer wilden Gr\u00f6\u00dfe und Erhabenheit befl\u00fcgelte, wenn das scheinbar Unertr\u00e4gliche ihm zum Ertr\u00e4glichen wurde, das scheinbar \u00dcbermenschliche zum Menschlichen; wenn er auf sich selbst wie auf eine Erzfigur blickte, von k\u00fchlster K\u00fcnstlerhand geschaffen und rein und schlackenlos die Feuerprobe \u00fcberstehend. Aber mit Erbitterung und Z\u00e4hneknirschen dachte er an die H\u00f6lle des letzten Jahres, wo der Mensch aufgeh\u00f6rt hatte, als Mensch zu gelten und zu k\u00e4mpfen; wo der Feind nicht Faust, nicht Auge, nicht Bl\u00f6\u00dfe hatte, sondern einer unendlichen, rohen, wilden, unirdischen Erzmasse glich, die von fremden Riesen geschleudert wurde; die sinnlos und wahllos zerschmetterte, und vor der man ohnm\u00e4chtig stand, als ob man mit dem blanken Schwerte in der Faust ein Gebirge granitner Felsen zum Zweikampf herausfordern sollte. Er hatte sich beugen m\u00fcssen, und nicht Gott noch Menschen gab es, denen er das h\u00e4tte vergeben k\u00f6nnen.<\/p><cite>Ernst Wiechert, <a href=\"https:\/\/lindenbaum-verlag.de\/produkt\/der-wald-ernst-wiechert\/\">Der Wald, 2.Auf.2021<\/a>, S.60.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wittich irrt durch seinen Wald, immer wieder heimgesucht von Erinnerungsbildern:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Die Kampfgr\u00e4ben waren wirr und endlos. \u00dcberall lagen die Toten. Er ging im Kreise und fand keinen Ausweg. Der kalte Schwei\u00df trat ihm auf die Stirn. \u201eWo ist Gott?\u201c, rief er voller Angst. \u201eIm Walde!\u201c, rief es \u00fcbers Feld. \u201eIm Walde! Im Walde!\u201c Die Stimmen schwollen an, n\u00e4her und ferner, als Stimmen der Toten. Am Horizont sah er den Wald. Er sprang aus den Gr\u00e4ben und lief und lief, schwer, langsam, qualvoll. Der Mond ging auf, blutigrot hinter Fichtenwipfeln. Zwei Augen funkelten aus dem Dickicht. Er stand still, gel\u00e4hmt von kaltem Entsetzen. Ein grauer Wolf kauerte am Waldrande und blickte ihn an, erhob sich lautlos und verschwand im Dunkel. Die Zweige schlugen zusammen, und alles war totenstill &#8230;<\/p><cite>Ernst Wiechert, <a href=\"https:\/\/lindenbaum-verlag.de\/produkt\/der-wald-ernst-wiechert\/\">Der Wald, 2.Auf.2021, S.36.<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>In der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft findet sich der Kriegsheimkehrer nicht mehr zurecht. Er war ausgezogen und verteidigte die Welt, die ihm wertvoll erschienen war. Was er nach dem Krieg in Deutschland vorfindet, ekelt ihn an:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>An der Stra\u00dfenbiegung am Dorfteich verhielt der Wanderer zum ersten Male den Schritt. \u00dcber zwei hellen Fenstern erschien im Mondlicht eine schwarze Inschrift: \u201eGasthaus zum Redlichen Preu\u00dfen! Restauration!\u201c Die T\u00f6ne eines Grammophons klangen frech und aufreizend in das Brausen des Fr\u00fchlingssturmes, und als sie verklungen waren, fiel ein johlender Chor ein, aus dem sich allm\u00e4hlich und in Bruchst\u00fccken die Worte l\u00f6sten: \u201eLicht aus! &#8230; Messer raus! &#8230; Schlagt den &#8230; Z\u00e4hne aus!\u201c Pl\u00f6tzlich, wie ein Spuk, versank alles, bis ein einziger wilder Schrei in die Nacht drang. Die T\u00fcre flog auf, schleuderte Licht und L\u00e4rm auf die Stra\u00dfe, und eine heisere Stimme br\u00fcllte in Ha\u00df und Wut: \u201eDu Hund! Die Republik soll leben! Verstehst du, Hund?\u201c Eine Gestalt flog die Treppe hinunter bis auf die wei\u00dfe Stra\u00dfe, schlug hart auf das Pflaster, raffte sich taumelnd auf, die Arme von sich gestreckt, und rannte, dem Sturm entgegen, in den Mondschein hinaus, w\u00e4hrend ihr riesiger Schatten, in der Mitte geknickt, an den Hausw\u00e4nden hinauflief und unter dem First der D\u00e4cher gespenstisch hinter ihr herjagte<\/p><cite>Ernst Wiechert, Der Wald, 2.Auf.2021, S.8.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das ist seine Welt nicht mehr. Wittich wird zum <a href=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/2021\/04\/12\/es-waer-so-schoen-anarch-zu-sein\/\">Waldg\u00e4nger<\/a>. Fraglos mu\u00df <a href=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/2021\/04\/12\/es-waer-so-schoen-anarch-zu-sein\/\">Ernst J\u00fcnger <\/a>den \u201eWald\u201c von Wiechert gelesen haben. Hauptmann Wittich bildet den Prototyp der sp\u00e4ter von J\u00fcnger so genial ausgemalten Waldg\u00e4ngers. Er steht der Gesellschaft mit gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher innerer Distanz gegen\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Flucht in die Innenwelt<\/h2>\n\n\n\n<p>Sein Wald ist der Psychotherapeut des Traumatisierten. Auch Hermann L\u00f6ns hatte ihn poetisch beschrieben. Wiechert \u00fcbertrifft den Heidedichter noch und schreibt sich in einen Erz\u00e4hlrausch. Er mag die kalten Substantive nicht ohne Adjektiv und ungern einen Satz ohne Metapher lassen. So gelingt ihm eine ergreifende, ausdrucksstarke Schilderung einer Gef\u00fchlswelt: expressionistische Dichtkunst in H\u00f6chstform!<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Der Wald stand in s\u00fc\u00dfem, schwerem Zauber. Die Erde bl\u00fchte. Goldnes Licht fiel rieselnd gleich schimmernden K\u00f6rnern durch hohe Wipfelfenster in die ged\u00e4mpfte Tiefe. Ferne Orgeln erklangen, eines V\u00f6gleins Lied hing wie Glockenton \u00fcber Alt\u00e4ren, Weihrauch entquoll den Tiefen der Erde, und unbekannte G\u00f6tter wandelten mit goldener Monstranz \u00fcber Tal und H\u00fcgel.<\/p><cite>Ernst Wiechert, Der Wald, 2.Auf.2021, S.45.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/2021-05-23-07-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3734\" width=\"576\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/2021-05-23-07-768x1024.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/2021-05-23-07-225x300.jpg 225w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/2021-05-23-07-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/2021-05-23-07-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/2021-05-23-07-900x1200.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/2021-05-23-07-1280x1707.jpg 1280w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/2021-05-23-07-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 576px) 100vw, 576px\" \/><figcaption>&#8222;Goldnes Licht fiel rieselnd gleich schimmernden K\u00f6rnern durch hohe Wipfelfenster in die ged\u00e4mpfte Tiefe.&#8220;<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Henner Wittich fl\u00fcchtet sich aus der modernen Gesellschaft in seine Innenwelt, symbolisiert durch den Wald. Der ist ein Mysterium, ein Mythos, so da\u00df selbst der \u00f6rtliche Pfarrer verzweifelt: \u201eGott, hilf mir gn\u00e4dig aus diesem Zauberwald!\u201c (S.45). Viele Kriegsheimkehrer haben damit gerungen, die Schrecken des Krieges literarisch zu verarbeiten: Ernst J\u00fcnger (In Stahlgewittern) floh in die emotonale Unbelangbarkeit des reinen Beobachters, Erich Maria Remarque versteckte sich im Geh\u00e4use b\u00fcrgerlich-pazifistischer Moral. Weniger Talentierte schufen mehr oder weniger banale Apologien eines Heldentumes, f\u00fcr das der Weltkrieg gar keine Gelegenheit mehr bot.<\/p>\n\n\n\n<p>Das alles blendet Wiechert aus und widmet sich v\u00f6llig der emotionalen Entwicklung des Kriegsheimkehrers. Wittich scheitert an dieser Entwicklung. Sie findet nicht statt. Hart und unbeugsam verteidigt er mit seinem Wald sein innerstes Ich. Von dem war nicht viel geblieben nach vier Jahren Materialschlacht. Lieben? Das konnte er nicht mehr. Liebe ist Schw\u00e4che: ein tapferer Soldat seines Regiments verliebte, verlobte und verheiratete sich &#8211; drei Fehler! Nur noch das Medaillon mit dem Bild seiner Geliebten vor Augen endete er als winselnder Feigling. Hauptmann Wittich lie\u00df seine Liebesf\u00e4higkeit in sich ersterben.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Sch\u00fctzengr\u00e4ben des Weltkriegs starb in vielen Soldaten der Glaube an einen guten Gott, an die Gerechtigkeit, an den endlichen Sieg des Guten. Trostlos und einsam zog eine geschlagene Armee zur\u00fcck in die Heimat, der sie innerlich nicht mehr zugeh\u00f6rten. Ernst von Salomon hat uns das in &#8222;Die Ge\u00e4chteten&#8220; (1930) in ersch\u00fctternder Eindringlichkeit deutlich gemacht. Zwischen ihnen und der b\u00fcrgerlichen Welt mit ihrem Gott gab es keine Verbindung mehr. Wo Generationen im Glauben an einen g\u00fctigen Gott erzogen worden waren, g\u00e4hnte ein Vakuum.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Vakuum ist bis heute nicht \u00fcberzeugend gef\u00fcllt. Ernst Wiecherts Roman markiert auch die \u00dcbergangszeit vom herk\u00f6mmlichen Christentum zu einer Esoterik, die bis heute &#8211; rechts wie links &#8211; Viele unbewu\u00dft verinnerlicht haben. Sektenf\u00f6rmig verinnerlichter Klimaglauben und \u00d6kokult sind ihre modernen Erscheinungsformen. <\/p>\n\n\n\n<p>Hauptmann Wittich wurde zum Gl\u00e4ubigen seines eigenen Gottes, zum Hohepriester und schlie\u00dflich zum R\u00e4cher des Waldes. Das Ende nahte:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Als der Wald zum ersten Male im Rauhreif stand, kam die \u201eKommission\u201c \u00fcber den See, zwei Geheimr\u00e4te aus dem Ministerium, ausger\u00fcstet mit dem besonderen Vertrauen des Ministers, ein Forstrat von der Regierung des Bezirkes, Dr. Matthias Plurr und ein Mitglied des Arbeiterrates der Stadt. Dr. Plurr sprach von der Kraftquelle des Kreises, die ungenutzt versiegte, ein Schlag ins Gesicht der neuen Zeit! Die anderen schwiegen. Blutrot, in gro\u00dfartiger Einsamkeit, stand die Sonne \u00fcber dem funkelnden Wald.<\/p><cite>Ernst Wiechert, Der Wald, 2.Auf.2021, S.38.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und es wurde schrecklich \u2026.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Auch auf diesem Bild ist ein Hund versteckt, aber wer w\u00fcrde den Kopf im Dickicht schon finden?<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/lindenbaum-verlag.de\/produkt\/der-wald-ernst-wiechert\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/wald.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3738\" width=\"292\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/wald.jpg 583w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/wald-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 292px) 100vw, 292px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Lesen Sie mehr \u00fcber Ernst Wiechert:<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-link is-provider-zeitschrift-fur-nationale-identitat wp-block-embed-zeitschrift-fur-nationale-identitat\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"AsVtPFa6PG\"><a href=\"https:\/\/wir-selbst.com\/2021\/05\/16\/ernst\/\">Ernst Wiechert, ein ostpreu\u00dfischer Schriftsteller &#8211; im Dienste h\u00f6herer&nbsp;Ideale<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Ernst Wiechert, ein ostpreu\u00dfischer Schriftsteller &#8211; im Dienste h\u00f6herer&nbsp;Ideale&#8220; &#8212; Zeitschrift f\u00fcr nationale Identit\u00e4t\" src=\"https:\/\/wir-selbst.com\/2021\/05\/16\/ernst\/embed\/#?secret=1l78So0QCb#?secret=AsVtPFa6PG\" data-secret=\"AsVtPFa6PG\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">und \u00fcber Waldg\u00e4nger:<\/h6>\n\n\n\n<p><blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"Zwgbq3cHtn\"><a href=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/2021\/04\/12\/es-waer-so-schoen-anarch-zu-sein\/\">Es w\u00e4r\u2018 so sch\u00f6n, Anarch zu sein<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Es w\u00e4r\u2018 so sch\u00f6n, Anarch zu sein&#8220; &#8212; Klaus Kunze\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/2021\/04\/12\/es-waer-so-schoen-anarch-zu-sein\/embed\/#?secret=2FJ8dzquoo#?secret=Zwgbq3cHtn\" data-secret=\"Zwgbq3cHtn\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der gr\u00fcne Gott In ohnm\u00e4chtiger Wut verteidigen linke Rodungsgegner Forsten wie den Hambacher Forst und vormals manchen anderen. F\u00fcr n\u00fcchtern rechnende Planer schlagen sie ihre Schlachten gegen die Polizei ohne Sinn und Verstand. Dabei haben sie einen rechten literarischen Vorg\u00e4nger. 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