{"id":6017,"date":"2024-01-03T10:16:20","date_gmt":"2024-01-03T09:16:20","guid":{"rendered":"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/?p=6017"},"modified":"2024-01-03T10:16:21","modified_gmt":"2024-01-03T09:16:21","slug":"die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2024\/01\/03\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\/","title":{"rendered":"Die Aufl\u00f6sung der Weiblichkeit durch die Moderne"},"content":{"rendered":"\n<p>Politische Ideologien sind Orientierungshilfen f\u00fcr Menschen, die die Welt nicht mehr verstehen. In der Moderne ger\u00e4t man schneller in die Lage als mancher denkt. Alles ver\u00e4ndert sich immer schneller &#8211; &#8222;Alles flie\u00dft&#8220;, wie schon Heraklit wu\u00dfte. Das fr\u00fchere Selbstverst\u00e4ndnis von Weiblichkeit ist vielen Frauen  verlorengegangen, und vielen M\u00e4nnern die besondere Hochachtung und Wertsch\u00e4tzung, die Frauen einst entgegeggebracht wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gr\u00fcnde finden wir nicht in verqueeren Ideen einzelner Protagonisten, sondern in den Strukturbedingungen der Moderne. Diese ist ihrerseits der Ausdruck unserer Massengesellschaft und ihrer Funktionslogik. Ideologien sind nur die Indizien daf\u00fcr, da\u00df die Lebensverh\u00e4ltnisse sich tiefgreifend ver\u00e4ndert haben.  <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Funktionale Frauen<\/h2>\n\n\n\n<p>Der j\u00fcngsten Neuzeit blieb es vorbehalten, auch Frauen vollkommen in die Erfordernisse der Industrie und der Geldwirtschaft einzubinden. Heute ist bei Stellenanzeigen der ideale Bewerber hochqualifiziert, aber r\u00e4umlich und famili\u00e4r ungebunden. Emotionale Bindungen an eine Heimat, dort wohnende geliebte Menschen und Freunde, Verpflichtungen gegen\u00fcber seiner Familie oder R\u00fccksicht auf den Freundeskreis der Kinder mindern nur seine Verwendbarkeit. Der substanzielle Kern der Person wird in eine Funktion aufgel\u00f6st. Zugleich fl\u00fcstert ihm eine dazu passende Ideologie ein, er lebe in der besten aller Welten, und mehr pers\u00f6nliche Freiheit habe es noch nie gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>1895 mahnte die \u201eDeutscher Ph\u00f6nix\u201c, eine 1926 von der Allianz \u00fcbernommene Versicherung, in einem Rundschreiben ihre \u201ejungen Mitarbeiter, die ein geringes Gehalt beziehen\u201c, da\u00df \u201ejeder Beamte, der die Absicht hat, sich zu verheiraten, uns dies rechtzeitig zu seinen Personalakten mitteilt, damit wir im Stande sind, zu erw\u00e4gen, ob wir auf seine ferneren Dienste noch reflektieren\u201c<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a>. Frei und emanzipiert von famili\u00e4ren und emotionalen Bindungen sitzt 150 Jahre nach Marx ein solcher lediger Er oder eine solche Sie nach getaner Arbeit in einem lukrativen Job in einer fremden Stadt in einer eben noch erschwinglichen Kleinstbehausung. Die Erziehung zu menschlich bindungslosen, ja oft bindungsunf\u00e4higen sogenannten Singles beginnt in einem &#8222;alleinerziehenden&#8220; Elternhaus und setzt sich \u00fcber Kindergarten, Schule und Hochschule fort.<\/p>\n\n\n\n<p>Die fr\u00fcheren pers\u00f6nlichen und sozialen Differenzierungen und Unterschiede abzulegen oder hintanzustellen, wurde seit dem 19. Jahrhundert zur Funktionsbedingung industrieller Massenproduktion. Es liegt im objektiven Interesse der hinter ihr stehenden Eigent\u00fcmer und Finanziers, diese aufrechtzuerhalten. Optimale Voraussetzungen f\u00fcr die weitere Vermehrung und Akkumulierung des Geldes ist es, ein jederzeit verf\u00fcgbares Potential und Reservoir an Arbeitskr\u00e4ften zu besitzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese sollten untereinander beliebig austauschbar und frei von st\u00f6renden Staatsgrenzen verf\u00fcgbar sein. Dieses objektive Interesse wird flankiert durch eine spezifische Ideologie, die es potentiellen Arbeitern oder Verbrauchern als Menschenrecht schmackhaft macht, frei von Bindungen an eine ethnische oder sexuelle Identit\u00e4t m\u00f6glichst global und ohne st\u00f6rende Grenzen hin und her fluktuieren zu d\u00fcrfen. Alle Identit\u00e4t stiftenden besonderen Merkmale gelten als hinderlich f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse des frei von Erdteil zu Erdteil flottierenden Kapitals, das in seinem Gefolge \u00fcberall verf\u00fcgbare Arbeitskr\u00e4fte sch\u00e4tzt. Der ideologische Druck dieser Bed\u00fcrfnisse \u00e4u\u00dferte sich in heftigen Angriffen auf alle Menschen verwurzelnden Einrichtungen: L\u00e4cherlich gemacht wurden Nation, Volk, Staat, Familie und schlie\u00dflich sogar die Geschlechtsidentit\u00e4t, denn der zu schaffende Wunschmensch definiert sich nur noch als Arbeitnehmer und Verbraucher.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Massenproduktion produzierte neben massenhaften G\u00fctern auch Massenmenschen als produzierende und wieder konsumierende Arbeiter und Verbraucher. Anstelle alter substanzieller und pers\u00f6nlicher Unterscheidungen traten funktionale Unterscheidungen und sprechen uns an jeweils in einer bestimmten Funktion als Verbraucher, Steuerzahler oder Arbeitnehmer. Unsere Funktion besteht darin, innerhalb einer immer komplexer werdenden Wirtschaftswelt auf bestimmte Zeit an einem beliebigen Ort einen beliebigen &#8222;Job zu machen.&#8220; Ein Lehrer etwa ist nicht mehr prim\u00e4r zum Lehrer berufen und hat diesen Beruf, er &#8222;macht einen Job&#8220; an einer Schule. Der Unterschied zwischen substanzhaftem Denken und funktionalem Denken wird hier sehr deutlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn alle Menschen prinzipiell austauschbar und insoweit gleich sein sollen, mag das ihre sozial und pers\u00f6nlich pr\u00e4genden Merkmale in den Hintergrund treten lassen. Vielleicht konvergieren sie bei \u00e4hnlichen Lebensbedingungen und -verh\u00e4ltnissen und unter dem Eindruck derselben Massenmedien auch wirklich zu einf\u00f6rmig Denkenden und Handelnden. Es gibt aber ein verbleibendes Differenzierungskriterium der massenindustriellen Produktionsweise, das allein \u00fcbrig bleibt und darum zum sozialen Unterscheidungsmerkmal schlechthin wurde: das Geld.<\/p>\n\n\n\n<p>Voraussetzung und Kennzeichen der Moderne als epochenpr\u00e4gender Ideologie ist die Aufl\u00f6sung aller fr\u00fcher als nat\u00fcrlich angesehenen sozialen Institutionen und Differenzierungen. Fr\u00fchere Epochen dachten von der Substanz her, die Moderne aber denkt proze\u00dfhaft. Mann oder Frau, B\u00fcrger oder Bauer oder Edelmann zu sein: das galt fr\u00fcher als etwas substanziell Verschiedenes. Die Eigenschaften m\u00e4nnlich und weiblich, b\u00fcrgerlich, b\u00e4uerlich oder adlig steckten danach gewisserma\u00dfen im Menschen drin. Sie hafteten seiner Substanz an und charakterisierten ihn. Soziale Rangordnungen gr\u00fcndeten sich fr\u00fcher auf das Ma\u00df, in dem jemand spezifische Individualit\u00e4t besa\u00df, heute &#8222;durch den Umfang, in dem man den Arbeitscharakter repr\u00e4sentiert&#8220;<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher galt ein Adliger als etwas anderes als ein Bauer; die Moderne sieht ihn als einen Menschen, der nur etwas anderes tut als ein Bauer. Das ist eine ganz wesentliche Ver\u00e4nderung des Blickwinkels. Aus Sicht des Substanzdenkens ist ein geweihter Priester etwas anderes als ein Laie und tut nicht blo\u00df etwas anderes als dieser. Ein gesalbter K\u00f6nig galt im Mittelalter als etwas substanziell anderes als andere Menschen. Eine Frau gilt dementsprechend als etwas wesensm\u00e4\u00dfig anderes als ein Mann, sie tut nicht blo\u00df etwas anderes. Substanzdenken betont immer wesensm\u00e4\u00dfige Unterscheidungen, das proze\u00dfhafte Denken der Moderne funktionale Unterschiede. Glaubte er an einen Gott k\u00f6nnte er es auf die Spitze treiben und sagen, Gott sei auch nichts anderes als ein Mensch, er verrichte \u201enur einen anderen Job.\u201c<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.buchhandel.de\/buch\/Das-ewig-Weibliche-im-Wandel-der-Epochen-9783938176719\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"567\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/001.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6025\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/001.jpg 400w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/001-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><figcaption>Sie lesen hier die Schlu\u00dfkapitel des Buchs &#8222;Das ewig Weibliche&#8220; (S.198-227) \u00fcber das Frauenbild in der Moderne.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Moderne entkleidete die Menschen vollst\u00e4ndig ihrer alten, substanziellen Merkmale. F\u00fcr sie gelten einfach alle gleicherma\u00dfen nur als Menschen, als prinzipiell gleich, also nicht nur als gleichwertig, sondern als untereinander beliebig austauschbar. Sie betrachtete den Adligen nicht mehr als substanziell adlig, sondern als Menschen mit Adelsvorrechten, einen Bauern nicht mehr als in einen eigenen Stand eingeboren, sondern als einen Menschen, der Landwirtschaft betreibt. Am Ende und in letzter Konsequenz war, eine Frau zu sein, kein pr\u00e4gendes, substanzielles Merkmal mehr. Extreme Verfechter dieser Doktrin sehen sie nur als Menschen, dem eine weibliche Rolle anerzogen wurde, der diese blo\u00df spielt und der im Sinne ihrer Rolle funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Sicht des Substanzdenkens spielt eine Frau dagegen nicht nur eine andere Rolle als ein Mann, sondern ist etwas wesensm\u00e4\u00dfig anderes. Frau zu sein ist dann Bestandteil ihrer Individualit\u00e4t und nicht blo\u00df eine anerzogene Verhaltensweise. Das ist es, was ihre Identit\u00e4t als Frau begr\u00fcndet, nicht ihre jeweilige Funktion.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch fr\u00fcher arbeiteten und strebten die Menschen nach Geld. In der Massengesellschaft aber ergreift Kommerzialisierung jedweden Aspekt der menschlichen Existenz. Wo alle anderen, fr\u00fcher als substanziell gedachten Unterscheidungen verp\u00f6nt oder vergessen sind, wo wir nichts mehr verk\u00f6rpern und nur noch eine Funktion haben, unterscheiden wir uns doch immer noch dadurch, mehr oder weniger wohlhabend zu sein. Auf unsere Qualifikation zum Geldverdienen und eine Funktion mit bestimmtem Einkommen zu erf\u00fcllen wird schon in der Kindheit hingearbeitet: am liebsten in gleich mehrsprachige Kinderg\u00e4rten, mit Abitur f\u00fcr alle und bitte schon nach dem 11. oder 12. Schuljahr und folgender Verk\u00fcrzung und Verschulung der Studieng\u00e4nge. Jetzt m\u00fcssen die M\u00e4dchen unbedingt mitziehen in der Konkurrenz um Karrieren und Spitzenpositionen. Sie erwerben irgendeinen Abschlu\u00df in einem Alter, in dem Frauen im Mittelalter manchmal schon zehn Kinder hatten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gleichheit statt Identit\u00e4t<\/h2>\n\n\n\n<p>Zu den letzten und widerstandsf\u00e4higsten Bastionen herk\u00f6mmlicher Identit\u00e4t geh\u00f6rt das Frauenbild, vor allem im weiblichen Selbstverst\u00e4ndnis. Der Funktionslogik der Massengesellschaft zufolge geriet es zuletzt unter ideologischen Druck. Dieser hatte das Ziel, Frauen an ihrer weiblichen Identit\u00e4t irre zu machen und diese im Ergebnis in eine beliebige Funktion aufzul\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4u\u00dferlich begann die Entweiblichung schon in meiner Sch\u00fclerzeit: Wie auf ein gegebenes Kommando liefen wir Ende der 1960er Jahre fast alle in Jeans und mit gr\u00fcnem Parka herum. Ob jemand Junge oder M\u00e4dchen war, konnte man wegen unserer langen Haare manchmal von vorne noch sehen. Bis heute wollen gerade im universit\u00e4ren Milieu viele Frauen gar nicht mehr spezifisch als Frau wahrgenommen werden und benehmen sich auch so. Auch da\u00df sie als Frauen besondere, pr\u00e4gende Bed\u00fcfnisse und Eigenschaften haben, spielt gegen\u00fcber dem Vorrang ihrer \u00d6konomisierung keine Rolle mehr. Und sie beugten sich willig. Man h\u00e4tte ja ein massenhaftes Aufb\u00e4umen dagegen vermuten k\u00f6nnen, ein Beharren auf betont weiblicher Identit\u00e4t. Das sehe ich aber nirgends. Wo auch immer Frauen als Frauen gemeinsam politisch k\u00e4mpfen, k\u00e4mpfen sie seltsamerweise nicht dagegen, ihrer Weiblichkeit entfremdet zu werden, im Gegenteil: Sie glauben sich noch nicht gleich und nicht &#8222;gleichgestellt&#8220; genug.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich gibt es noch Restbest\u00e4nde herk\u00f6mmlicher Verhaltensmuster wie junge Frauen mit h\u00fcbschen R\u00f6cken beim Volkstanz oder in Diskotheken junge Frauen mit allen lockenden Attributen. Die einen sind aber zu argw\u00f6hnisch ausgegrenzten Randgruppen geworden, immer im Verdacht finsterer politischer Zielsetzungen. Auf die anderen blicken die H\u00fcter des Feminismus mit Argwohn. Wer seine Identit\u00e4t heute gegen Entfremdung verteidigt, befindet sich sofort im Fadenkreuz ideologischer Blockwarte.<\/p>\n\n\n\n<p>Da\u00df die industrielle Massengesellschaft gleiche Massenmenschen hervorgebracht hat, ist zun\u00e4chst ein faktischer Umstand. Bei wem wollten wir uns dagegen beschweren? Da\u00df sie aber fortw\u00e4hrend Menschen erzeugt, die sich auch nichts sehnlicher w\u00fcnschen als &#8222;gleich&#8220; zu sein, verbl\u00fcfft doch. Wir haben die beliebige Austauschbarkeit von Menschen als kleinste, am besten identische Bausteinchen des R\u00e4derwerkes der Industriegesellschaft hervorgehoben. Aber wie erzeugte diese faktische Gleichheit, austauschbar und ersetzbar zu sein, eine Ideologie, die genau das zur Sollensforderung erhob?<\/p>\n\n\n\n<p>Beharrlich und zuweilen mit Wut und Geh\u00e4ssigkeit betreiben selbsternannte Vork\u00e4mpferinnen f\u00fcr &#8222;die Frau&#8220; eine Politik der Einebnung aller besonderen Merkmale ihres Geschlechts. Sie k\u00e4mpfen nicht daf\u00fcr, kein R\u00e4dchen im Getriebe der Industriegesellschaft sein zu m\u00fcssen oder sich als Mutter selbst zu verwirklichen. Statt dessen fordern sie, innerhalb dieses Getriebes ein gr\u00f6\u00dferes R\u00e4dchen sein zu wollen. Und ist eine Frau nun einmal wie sie ist &#8211; es gibt auch unter Frauen eher kleine R\u00e4dchen &#8211; dann fordern sie doch wenigstens einen quotenm\u00e4\u00dfigen Anteil am R\u00e4derwerk ungeachtet dessen, ob ihr R\u00e4dchen gro\u00df genug ist und auch pa\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Weltordnung der Gleichheit und Gerechtigkeit wankt, wenn der Quotenanteil von Frauen nicht in jedem beliebigen Lebensbereich dem von M\u00e4nnern entspricht. Dabei wird als selbstverst\u00e4ndlich vorausgesetzt und nicht mehr hinterfragt, da\u00df M\u00e4nner und Frauen in jedem Lebensbereich gleich und untereinander beliebig austauschbar sein sollen. Jede Ungleichheit gilt als ungerecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Von der Frau am Flie\u00dfband in Arbeiterkluft \u00fcber die Studentin im Parka der Revolte 1968 bis zur Gesch\u00e4ftsfrau im Hosenanzug versinnbildlicht die gleiche Kleidung den Anspruch auf funktionale Gleichheit. Der Ethologe Eibl-Eibesfeldt (1928-2018) sprach sp\u00f6ttisch von M\u00e4nnermimikry<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a>. Diese Gleichheit aber ist das Gegenteil von Identit\u00e4t, ist der Verzicht auf alles weibliche Besondere. Dieser Verzicht ist der Kern dessen, was heute &#8222;Frauenbewegung&#8220; zu sein behauptet. Selbst dem Marxisten Bini Adamczak fiel st\u00f6rend auf, da\u00df &#8222;Gleichheit&#8220; in der kommunistischen Revolution von 1917 faktisch darauf hinauslief, &#8222;alle Menschen zu M\u00e4nnern zu machen&#8220;, was besonders \u00e4rgerlich ist f\u00fcr jemanden, der selbst lieber eine Frau w\u00e4re. Die sowjetische Gesellschaft der 1920er Jahre sei zwar nicht so sehr durch eine Dominanz der M\u00e4nner, wohl aber eine der M\u00e4nnlichkeit gekennzeichnet gewesen<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Historisch haben wir bisher die unterschiedlichen Vorstellungen von Frauen und Weiblichkeit in verschiedenen Epochen immer abh\u00e4ngig gefunden von den kulturellen, materiellen und \u00f6konomischen Umst\u00e4nden. Die jeweilige Ideologie pa\u00dfte sich den jeweiligen Lebensumst\u00e4nden an, und die Anpassung der rechtlichen Gegebenheiten folgte nach. Auch heute k\u00f6nnen wir die Gleichheitsideologie nur verstehen als die den Funktionsvoraussetzungen der industriellen Massengesellschaft angepa\u00dfte und gem\u00e4\u00dfe Anschauung. Ihr pa\u00dft sich wiederum das Recht mit ein wenig zeitlichem Abstand immer wieder an. Die eifernden Verfechter sogenannter Gleichheit und sogenannter Gerechtigkeit haben die Anpassung an die gegebenen Verh\u00e4ltnisse der Massengesellschaft vollzogen und suchen sie gegen\u00fcber denjenigen zu exekutieren, die scheinbar noch ein wenig zur\u00fcckgeblieben sind auf der Rennbahn des Fortschritts.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die medial in die Ecke gedr\u00e4ngten Andersdenkenden ist Gleichheit ungerecht, weil es gerecht w\u00e4re, wenn jeder bek\u00e4me, was er verdient. Was er verdient, ist ganz verschieden und richtet sich danach, was er ist, was er verk\u00f6rpert und was er geleistet hat und noch leistet. Das d\u00fcrfte f\u00fcr Frauen, die ihr Leben dem Geb\u00e4ren und der Aufzucht von Kindern widmen, auch gern ein bi\u00dfchen mehr sein &#8211; wenigstens so viel wie eine berufst\u00e4tige Frau erh\u00e4lt. Das w\u00e4re einmal eine Leistungsgerechtigkeit, die man wirklich herstellen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"767\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/a-767x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6020\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/a-767x1024.jpg 767w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/a-225x300.jpg 225w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/a-768x1025.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/a-1150x1536.jpg 1150w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/a-1534x2048.jpg 1534w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/a-900x1202.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/a-1280x1709.jpg 1280w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/a.jpg 1781w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 100vw, 767px\" \/><figcaption>&#8222;\u2026. alle Menschen zu M\u00e4nnern machen&#8220; Sowjetisches Propagandaplakat auf die Oktoberevolution mit kampfbereiter Arbeiterin<a id=\"_ftnref5\" href=\"#_ftn5\">[5]<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Aufl\u00f6sung der Weiblichkeit<\/h2>\n\n\n\n<p>Die prinzipielle Austauschbarkeit jedes mit jedem erzeugt und verlangt ein Menschenbild, in dem nicht nur der Mann ohne Eigenschaften prinzipiell jede Funktion erf\u00fcllen kann, weil ohnehin alle gleich sind. Auch die Frau verliert ihre Eigenschaften, vor allem ihre weiblichen Eigenschaften. Eine immer rabiatere Gender-Ideologie bestreitet konsequenterweise, da\u00df Frauen \u00fcberhaupt spezifisch weibliche Merkmale aufweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Reduzierung dessen, was eine Frau eigentlich ausmacht, auf ein gesellschaftlich bedingtes Rollenverst\u00e4ndnis, liegt die Forderung nach einer Emanzipation oder Befreiung von eben diesem Rollenverst\u00e4ndnis in der Luft. Die Forderung nach Gleichberechtigung reduziert die Begriffe von Mann und Frau auf Begriffe, die nicht prim\u00e4r biologisch, sondern sozial und politisch verstanden werden<a href=\"#_ftn6\" id=\"_ftnref6\">[6]<\/a>. Unser Sein als Mann oder Frau als lediglich anerzogen zu verstehen, als aufgezwungen gewisserma\u00dfen, legt die Forderung nah, sich von ihm &#8222;frei&#8220; zu machen. Zumindest sollte man dies d\u00fcrfen: Ist Mann oder Frau zu sein nur eine gesellschaftliche Konvention, eine \u00dcbereinkunft, dann kann man sie auch k\u00fcndigen. Das ist folgerichtig erreicht, &#8222;wenn das Individuum selbst seinen Geschlechtscharakter k\u00fcndigen, ihn also durch eine einfache Eintragung in die Standesregister bestimmen oder \u00e4ndern kann&#8220;<a href=\"#_ftn7\" id=\"_ftnref7\">[7]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer die Unterscheidung von Mann und Frau f\u00fcr nur sozial konstruiert h\u00e4lt, beabsichtigt ihre Dekonstruktion und damit die Dekonstruktion der M\u00e4nnlichkeit und die der Weiblichkeit. Welcher Sinn, welches Ziel steckt tendenziell hinter diesem Dekonstruktivismus? Wie s\u00e4he eine Welt aus ohne unterscheidbare Geschlechter und ihr nach Zeitl\u00e4uften und V\u00f6lkern differenziertes Rollenverhalten? Wer k\u00f6nnte ein Interesse hegen an einer gleichf\u00f6rmigen Gesellschaft geschlechtsneutraler Personen? Wessen Macht w\u00fcrde ein solches utopisches Gesellschaftsverst\u00e4ndnis begr\u00fcnden? Und wessen psychische Bed\u00fcrfnisse w\u00fcrde ein allgemeines Gesellschaftsverst\u00e4ndnis bedienen, das betonte M\u00e4nnlichkeit und Weiblichkeit als blo\u00df konstruierte, anerzogene, ja letztlich eingebildete Wahnvorstellung ansieht?<\/p>\n\n\n\n<p>Der vergebliche Versuch, nicht zu sein, was man doch ist, f\u00fchrt zu bedauernswerten, verunsicherten und verst\u00f6rten jungen Menschen und im Extremfall zum Psychiater. Von sogenannten Erzieherinnen beaufsichtigte Jungs werden von klein auf ger\u00fcgt, wenn sie typisch jungenhaftes Verhalten zeigen, und umgekehrt werden M\u00e4dchen entmutigt, die gern mit Puppen spielen. Helmut Schoeck hat schon 1987 die hinter p\u00e4dagogischer Manipulation steckende Absicht durchschaut: Ihr Hauptziel ist es, bei Kindern, m\u00f6glichst schon in der Grundschule, das Vorurteil zu verankern, alle Verhaltensnormen seien willk\u00fcrlich und meist zum Nachteil der Betroffenen festgelegt<a href=\"#_ftn8\" id=\"_ftnref8\">[8]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die damals manipulierten und in ihrer Orientierung verunsicherten Kinder stehen heute dozierend vor Studenten und erz\u00e4hlen ihnen etwas vom Genderismus. Wenn alle pr\u00e4genden Unterschiede zwischen Mann und Frau verwischt werden, spielt auch das bevorzugte Geschlecht des Sexualpartners keine Rolle mehr, weshalb frei auszulebende Homosexualit\u00e4t fest zum Forderungskanon dieser Ideologie z\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die p\u00e4dagogischen Menschenversuche der antiautorit\u00e4ren Welle nach 1968 haben eine zunehmende Zahl junger Leute produziert, die in ihrem eigenen Rollenverhalten und geschlechtlichen Selbstverst\u00e4ndnis zutiefst verunsichert sind. Ob der Nachwuchs Junge oder M\u00e4dchen sei, fragt jemand in einem Witz und bekommt zur Antwort, das m\u00fcsse das Kind sp\u00e4ter selbst entscheiden. Diese Entscheidungslast vertr\u00e4gt nicht jeder junge Mensch. Wir haben die alte Selbstverst\u00e4ndlichkeit eingeb\u00fc\u00dft, Mann oder Frau zu sein. Viele, die sich als das eine oder das andere verstehen, haben ein schlechtes Gewissen angesichts einer medialen und gegebenenfalls schulisch-universit\u00e4ren Dauerberieselung mit der Zumutung, nicht so eindeutig sein zu sollen, wie sie sich selbst empfinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie alle d\u00fcrfen getr\u00f6stet sein zu erfahren, der Mangel an charakterlicher Eindeutigkeit sei gar nicht ihr eigener, h\u00f6chstpers\u00f6nlicher Mangel. Nein, die Gesellschaft sei schuld, sie habe Geschlechter und ihr besonderes Rollenverhalten nur konstruiert. Um sich selbst und das eigene Gewissen zu entlasten, sind Menschen h\u00f6chst kreativ. Die Gendertheorie ist eine gelungene Kreation und Selbstvergewisserung f\u00fcr alle, die als M\u00e4nner ahnen, sich so gar nicht m\u00e4nnlich zu benehmen, oder die sich als Frauen neidvoll mit anderen Frauen vergleichen, die ihre Weiblichkeit kultivieren und zur Schau tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Freie Liebe und freier Sex<\/h2>\n\n\n\n<p>Solche Frauen gibt es viele. In den meisten Epochen hatten die meisten Menschen ziemlich konform ein und dieselben kulturellen Anschauungen. Sie pr\u00e4gten einen sogenannten Zeitgeist, dem sich nur Au\u00dfenseiter entziehen konnten. Auch heute haben wir in Deutschland in vielen grunds\u00e4tzlichen Fragen dieselben modernen Anschauungen. Dar\u00fcber d\u00fcrfen uns die erbitterten politischen und ideologischen Grabenk\u00e4mpfe nicht hinwegt\u00e4uschen. Hier k\u00e4mpfen nur verschiedene Fraktionen derselben geistesgeschichtlichen Moderne gegeneinander. Ihr gemeinsames Verbindendes ist soziologisch die industrielle Massengesellschaft und, politisch formuliert, die Massendemokratie, deren Ergebnis sie alle sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Innerhalb dieser Massengesellschaft hat sich ein offiziell erw\u00fcnschter Pluralismus der Lebensformen etabliert. Die politisch engagierte Aktivistin f\u00fcr Frauengleichheit ist Kind eines speziellen, meist universit\u00e4ren Milieus, doch es gibt auch andere. \u00dcber Milieugrenzen hinweg aber herrscht ein allgemeiner Hedonismus in der Gesellschaft, die Lust, sich zu am\u00fcsieren und das Leben zu genie\u00dfen. Etwas &#8222;vom Leben zu haben&#8220; ist anerkannte Devise breiter Schichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hedonismus hatte bereits in den 1920er Jahren bestimmte Kreise erreicht und wurde in gro\u00dfen St\u00e4dten wie Berlin und Wien zur nach au\u00dfen hin vorherrschenden Lebenseinstellung. Das galt jedenfalls f\u00fcr diejenigen Kreise, die ihn sich leisten konnten. Er gebar spezifische Frauentypen wie die Femme fatale oder den Vamp, die M\u00e4nnern zum Verh\u00e4ngnis wird: die m\u00e4nneransaugende Dame. Massenwirksam wurden solche Frauenbilder und -vorbilder seit Erfindung des Films. Pr\u00e4gend wirkten in Deutschland Schauspielerinnen wie Marlene Dietrich (1901-1992) in \u201eDer blaue Engel\u201c von 1930 und Zarah Leander. Sie verk\u00f6rperten erneut die sinnliche, amoralische Verf\u00fchrerin, die wir schon aus vielen verflossenen Jahrhunderten kennen. Sie kontrastierte zu dem als nur noch fassadenhaft dargestellten Bild b\u00fcrgerlichen Anstands aus dem 19. Jahrhundert, das langsam randst\u00e4ndig wurde.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"524\" height=\"300\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/zarahleander525.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6022\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/zarahleander525.jpg 524w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/zarahleander525-300x172.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 524px) 100vw, 524px\" \/><figcaption>Zarah Leander (1907-1981) &#8211; Inbegriff sinnlicher Weiblichkeit<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\u201e<em>M\u00e4nner umschwirr\u2019n mich wie Motten das Licht, und wenn sie verbrennen, ja daf\u00fcr kann ich nichts<\/em>!\u201c, singt Marlene Dietrich 1930, und \u201e<em>Kann denn Liebe S\u00fcnde sein?<\/em>\u201c, Zarah Leander (1907-1981) im Film \u201eDer Blaufuchs\u201c von 1938. Sie antwortet gleich selbst: \u201e<em>&#8230;und wenn sie es w\u00e4r\u2019, so w\u00e4r es mir egal. Lieber will ich s\u00fcndigen mal, als ohne Liebe sein<\/em>.\u201c Als Inbegriff erotischer Weiblichkeit, aber auch des Gef\u00e4hrlichen am \u201elockenden Weib\u201c spielten sie alle ihnen gegebenen Reize aus. Sie verhie\u00dfen M\u00e4nnern die Gl\u00fcckseligkeit des Augenblicks. Er entspricht dem Moment des Gl\u00fccks eines Spinnenm\u00e4nnchens vor der Paarung, das danach wohl gefressen wird. Die Verf\u00fchrerin ist das Schicksal des Verf\u00fchrten. Er ahnt, da\u00df der Wahn kurz ist und die Reue lang sein k\u00f6nnte. Solche Weiblichkeit verk\u00f6rpert genau, wovor Scholastiker und Moralisten langer Epochen sich so gef\u00fcrchtet hatten: den Archetypus einer Frau, die den Mann mit ihrer Lust verschlingen k\u00f6nnte. Jahrhundertelang wurde sie verteufelt und in der 1. H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts als Star angehimmelt \u2013 aus sicherer Distanz zur Kinoleinwand.<\/p>\n\n\n\n<p>An b\u00fcrgerlicher Moral gab es nach dem 2.Weltkrieg nicht mehr viel zu zerst\u00f6ren. Die Kulturrevolution der 1968er Linken rannte offene T\u00fcren ein. Verbliebene Restbest\u00e4nde und Schranken dessen, was als wohlanst\u00e4ndig galt, hat sie ebenso hinweggefegt wie die juristischen. Ein nackter Busen auf einer Zeitung am Kiosk konnte noch Anfang der 1960er Jahre den Staatsanwalt auf den Plan rufen.<a href=\"#_ftn9\" id=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Ehebruch und m\u00e4nnliche Homosexualit\u00e4t waren strafbar. Das 1.Strafrechtsreformgesetz vom 25.6.1969 hob die Strafbarkeit des Ehebruchs und der einfachen Homosexualit\u00e4t auf. Das 4. Strafrechtsreformgesetz vom 23.11.1973 reformierte das Sexualstrafrecht und beschr\u00e4nkte die fr\u00fcheren Sittlichkeitsdelikte im wesentlichen auf Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung,<\/p>\n\n\n\n<p>1968 hatte Reimut Reiche, Soziologiestudent und Vorsitzender des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes, sein Buch &#8222;Sexualit\u00e4t und Klassenkampf&#8220; publiziert. Es steckte den theoretischen Rahmen f\u00fcr die Forderung nach &#8222;sexueller Befreiung&#8220; ab, die als Teil allgemeiner politischer Befreiung von angeblich repressiven und autorit\u00e4ren Strukturen konzipiert war. Die Sozialrevolution\u00e4re in seinem Umfeld &#8222;radikalisierten den Diskurs, indem sie erstens die freie sexuelle Bet\u00e4tigung f\u00fcr Minderj\u00e4hrige forderten und damit nicht nur die Grenzen der Ehe \u00fcberschritten.&#8220; Zweitens betonten sie den Lustcharakter der Sexualit\u00e4t und untergruben die Vorstellung, sie sei nur zur Fortpflanzung da<a href=\"#_ftn10\" id=\"_ftnref10\">[10]<\/a>. Gefordert wurde die &#8222;freie Liebe&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Repression war auch die angebliche repressive Gewalt gemeint, mit der Ehefrauen in der Ehe als staatlich gesch\u00fctzter Zwangsgemeinschaft von ihren M\u00e4nnern &#8222;unterdr\u00fcckt&#8220; w\u00fcrden. Damit war der Begriff gem\u00fcnzt, unter dem seitdem und bis heute flei\u00dfig an der Legende der Frauenunterdr\u00fcckung gestrickt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>In Anlehnung an den kommunistischen Psychoanalytiker Wilhelm Reich<a id=\"_ftnref11\" href=\"#_ftn11\">[11]<\/a> sollte die Psychoanalyse &#8222;die Familie als den Ort der Austragung und Reglementierung des gewaltigen negativen Komplexes an Herrschaft entlarven&#8220; und &#8222;aufs Neue \u00f6konomische Basis, Verhalten und Bewu\u00dftsein f\u00fcr die Einheit des kritischen Kampfes vermitteln&#8220;<a id=\"_ftnref12\" href=\"#_ftn12\">[12]<\/a>. Dieser richtete sich gegen die m\u00e4nnliche &#8222;autorit\u00e4re Pers\u00f6nlichkeit&#8220; als Tr\u00e4ger und Hauptakteur des &#8222;klassisch faschistoiden Syndroms&#8220;. Als kritische Vordenker galten Wilhelm Reich, Max Horkheimer, Theodor Wiesengrund Adorno, Else Frenkel-Brunswik und andere. Von einer Zerschlagung der &#8222;repressiven&#8220; Familienstruktur erhoffte man sich, das deutsche &#8222;faschistoide Syndrom&#8220; im Herzen zu treffen. Die sexuelle &#8222;Befreiung&#8220; war ein notwendig erscheinender Schritt zu diesem Ziel.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"394\" height=\"518\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Zuschneiden_8.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6023\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Zuschneiden_8.jpg 394w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Zuschneiden_8-228x300.jpg 228w\" sizes=\"auto, (max-width: 394px) 100vw, 394px\" \/><figcaption>Horkheimer und Adorno wollten die klassische Familienstrukturen zerst\u00f6ren (Foto Jeremy Shapiro)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Man &#8222;gew\u00e4hrte uneingeschr\u00e4nkte Triebbefriedigung und entfernte die l\u00e4hmenden Kontrollen des Gewissens&#8220;, stellte aber nach vollbrachter Tat verbl\u00fcfft fest, da\u00df &#8222;Identit\u00e4t&#8220; ebenso auf der Strecke geblieben war wie &#8222;eine bewu\u00dft kritische und aktive Haltung gegen\u00fcber der Realit\u00e4t und eine &#8222;zu sich selbst kommende Sexualit\u00e4t&#8220;<a href=\"#_ftn13\" id=\"_ftnref13\">[13]<\/a>. Nach Zerst\u00f6rung der Familienstrukturen und &#8222;Befreiung&#8220; der Frauen sah man sich geradewegs im kapitalistisch dominierten Hedonismus gelandet: &#8222;Die Psyche des Autorit\u00e4ren war in einem bestimmten Sinne noch potentiell revolution\u00e4r. Im modernen Narzi\u00df, der weder von Schuldangst noch von heftiger Wunschvereitelung gequ\u00e4lt wird, lehnt sich nichts mehr auf&#8220;<a href=\"#_ftn14\" id=\"_ftnref14\">[14]<\/a>. Irgendwie war der revolution\u00e4re Schu\u00df nach hinten losgegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach voller Entfaltung seines Zerst\u00f6rungspotentials hat er unterdessen eine Gesellschaft hinterlassen, in der Alleinstehende statistisch immer zahlreicher werden und Ehen, in denen Kinder geborgen aufwachsen k\u00f6nnen, weniger. Nachdem ich fast vierzig Jahre lang als Rechtsanwalt immer wieder bei Ehescheidungen vor Familiengerichten verhandelt habe, dr\u00e4ngt sich mir auch der subjektive Eindruck auf, da\u00df viele Ehen auseinandergehen, weil die Eheleute immer weniger partnerf\u00e4hig sind. Das nicht mehr in Ehen gebundene sexuelle Potential schwappt nun bindungslos von einer M\u00f6glichkeit der Triebbefriedigung zur anderen. Sich sexuell zu vergn\u00fcgen, ist akzeptierter Freizeitspa\u00df einer hedonistischen Spa\u00dfgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Es hat schon im Altertum sexuelle Orgien gegeben, zum Beispiel im Rahmen kultischer Feiern bei Griechen und R\u00f6mern und &#8211; in der r\u00f6mischen Sp\u00e4tzeit &#8211; aus hedonistischem Gel\u00fcst. Die Germanen waren ebenso freiz\u00fcgig. Im Deutschland des 20. Jahrhunderts war es als Freizeitvergn\u00fcgen neu und hatte keinen einheimischen Namen, so da\u00df man das amerikanische Wort Swinger benutzte f\u00fcr Leute, die sich anonym treffen und miteinander vergn\u00fcgen. Das geschieht zum Beispiel in Clubs, in denen dann der Grundsatz der Freiwilligkeit gilt: &#8222;Alles kann, nichts mu\u00df.&#8220; Da kann die Dame &#8211; so sie denn m\u00f6chte, einen, zwei, drei oder mehr Herren nacheinander haben oder der Herr mehrere Damen &#8211; solange er denn kann. Es zeigte sich n\u00e4mlich hier, da\u00df die F\u00e4higkeit von Frauen zur Lust weitaus ausgepr\u00e4gter und ausdauernder ist als die m\u00e4nnliche und wer eigentlich das &#8222;starke Geschlecht&#8220; ist: die Frauen sind es.<\/p>\n\n\n\n<p>So endete die von Kulturrevolution\u00e4ren geforderte freie Liebe in freiem Sex, frei vor allem auch f\u00fcr jede Art von Kapitalinteresse und Profit, die man aus seiner Vermarktung nur schlagen kann. Der weibliche K\u00f6rper wurde zur Ware vor allem im Internet. Die angebliche Befreiung der Frauen von ihren b\u00f6sen patriarchialischen Ehem\u00e4nnern unterwarf sie den Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten von Angebot und Nachfrage der kapitalistischen Industriegesellschaft, gegen die unsere revolution\u00e4ren Helden 1968 doch gerade angetreten waren. &#8222;Aus den kulturrevolution\u00e4ren Orgien wurde die wachsende Selbstverst\u00e4ndlichkeit des Ehebruchs, der getrennte Urlaub oder der Partnertausch.&#8220; In der Atmosph\u00e4re der Massendemokratie sind selbst Revolutionen hedonistisch angehaucht<a href=\"#_ftn15\" id=\"_ftnref15\">[15]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Der allgegenw\u00e4rtige Hedonismus beschr\u00e4nkt sich nicht auf bestimmte Milieus. Er findet sich bei Vertretern auch gegens\u00e4tzlicher politischer Couleur. Eine Frau kann durchaus morgens arbeiten, nachmittags engagiert die Umwelt retten und abends hedonistischen Ausschweifungen nachgehen. Eine neuheidnisch angehauchte Aktivistin der extremen Rechten fand nichts dabei, eine Herberge f\u00fcr Paare zu er\u00f6ffnen, die dort diskrete Stunden verbringen m\u00f6chten. Im allgemeinen haben sich in katholischen Milieus alte Einstellungen zu Frauen und Sexualit\u00e4t eher erhalten, nicht aber in rechten. Ich kenne einen Antifa-Aktivisten und Soul-Musiker, der schon mal seine Freizeit in einem Kasseler Swingerclub verbringt, aber auch eine rechtsextreme junge K\u00e4mpferin &#8211; im Internet unterwegs f\u00fcr die Ehre ihres verstorbenen F\u00fchrers &#8211; und mit massenhaftem Konsum von ihr konsumierter Pornofilme auf ihrem Rechner<a href=\"#_ftn16\" id=\"_ftnref16\">[16]<\/a>. Wir sehen an alledem, da\u00df ein amoralischer Hedonismus inzwischen quer durch die politischen und ideologischen Lager geht und die gesamte Gesellschaft pr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst in Studentenverbindungen, wo man noch betont konservative Wertvorstellungen vermuten k\u00f6nnte, war das bereits vor 40 Jahren nicht anders. In einer mir damals gut bekannten Berliner Burschenschaft herrschte zuweilen abends in Betten fr\u00f6hliches Durcheinander &#8211; mit Damen. Und der Freundin eines Burschen einer durchaus rechten Marburger Burschenschaft entfuhr einmal der Seufzer: &#8222;Ich bin gespannt, wer heute Abend auf mir rumrutscht.&#8220; In gewisser Weise hat das Tradition, hei\u00dft es doch schon 1781 in dem weltbekannten Studentenlied <em>Gaudeamus igitur<\/em> in einer Strophe: Vivant omnes virgines, faciles formosae&#8220;, wobei man nicht nur \u00fcbersetzen k\u00f6nnte, die &#8222;freundlichen&#8220; Jungfrauen sollten hochleben &#8211; <em>faciles<\/em> kann man auch mit &#8222;willig&#8220; \u00fcbersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Massendemokatie bedarf hedonistischer Einstellungen und Werte, die den wirtschaftlich notwendigen massiven Verbrauch der massenweise konsumierten Konsumg\u00fcter teils psychologisch nahelegen, teils ethisch rechtfertigen<a id=\"_ftnref17\" href=\"#_ftn17\">[17]<\/a>. Der heute herrschende Hedonismus entstand n\u00e4mlich nicht zuf\u00e4llig oder als Ergebnis geistigen Ringens um weltanschauliche Postulate. Er ist ein Kind der industriellen Massengesellschaft und wird uns begleiten, solange ihre wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen bestehen. In dem Augenblick, als die st\u00e4ndige Existenznot der Menschen der Agrargesellschaft verschwand und die Industrie in England bereits in das Stadium des sich aus sich selbst speisenden Fortschritts \u00fcberging, hatte man in Frankreich das Recht auf Existenz zum obersten Recht erkl\u00e4rt; damit geriet man in ein Fahrwasser hin zur Forderung nach Wohlstand und G\u00fcterverteilung f\u00fcr alle<a id=\"_ftnref18\" href=\"#_ftn18\">[18]<\/a>. Linke Revolution\u00e4re wie Fran\u00e7ois No\u00ebl Babeuf (1760-1797) hatten bereits eine Art Gl\u00fcckssozialismus gefordert, einen Zustand des best\u00e4ndigen Gl\u00fccks und die Befriedigung der Bed\u00fcrfnisse aller<a id=\"_ftnref19\" href=\"#_ftn19\">[19]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der normative Kern des Frauenbildes<\/h2>\n\n\n\n<p>Durch die Jahrhunderte zieht sich wie ein roter Faden ein scheinbar widerspr\u00fcchliches Frauenbild: Das immer wieder ausgemalte Idealbild scheint der eingeschr\u00e4nkten rechtlichen Handlungsf\u00e4higkeit zu widersprechen. In germanischer Zeit hatten Frauen, obwohl als potentielle Seherinnen hoch geachtet, noch nicht einmal Anspruch auf sexuelle Treue ihrer Ehem\u00e4nner: Ehebruch konnten nur Frauen begehen<a href=\"#_ftn20\" id=\"_ftnref20\">[20]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4nner beanspruchen f\u00fcr sich seit Einsetzen der historischen Quellentexte des Fr\u00fchmittelalters gr\u00f6\u00dfere Nachsicht f\u00fcr ihre eigenen Treueverletzungen als sie umgekehrt Frauen zubilligen. Auch wo m\u00e4nnlicher Ehebruch f\u00fcr unrechtm\u00e4\u00dfig erkl\u00e4rt wird, b\u00fc\u00dfen M\u00e4nner doch geringer als Frauen. Bricht eine Frau die Ehe, kann sie unnachsichtig zur Rechenschaft gezogen werden. M\u00e4nner bringen f\u00fcr ehebrechende M\u00e4nner viel Verst\u00e4ndnis auf \u2013 solange es nicht die eigene Frau betrifft.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Mittelalter bis in die Gegenwart zieht sich ein Frauenbild, das weibliche sexuelle \u201eAusschweifungen\u201c hart, m\u00e4nnliche aber milde beurteilt. Noch im 20. Jahrhundert lie\u00df es sich mit b\u00fcrgerlichem Verst\u00e4ndnis von Sittlichkeit und Anstand ausgezeichnet vereinbaren, wenn sich ein Junggeselle \u201eerst noch die H\u00f6rner absto\u00dfen\u201c wollte, bevor er heiratete. Wehe der jungen Dame, die das versuchte! Bei ihrer moralischen Abqualifizierung k\u00f6nnen andere Frauen noch weitaus rigoroser sein als M\u00e4nner, ist doch eine andere Frau, die mal mit dem einem Mann etwas anf\u00e4ngt, dann mit einem anderen, eine potentiell gef\u00e4hrliche Rivalin.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis heute, Jahrzehnte nach der sogenannten sexuellen Revolution der 1960er Jahre, gilt ein Mann unter Stammtischfreunden als Draufg\u00e4nger und toller Kerl, der nacheinander verschiedene \u201eFrauen aufrei\u00dft\u201c, wie man sich in solchen Kreisen wohl ausdr\u00fcckt. W\u00e4hrend so ein \u201eFrauenaufrei\u00dfer\u201c offene oder stillschweigende schmunzelnde Bewunderung erntet, gibt es das entsprechende Wort \u201eM\u00e4nneraufrei\u00dferin\u201c noch nicht einmal. F\u00fcr eine Frau mit wechselnden sexuellen Partnern gibt es aber abwertende bis vulg\u00e4re Begriffe aus der Gossensprache: Die Frau &#8222;von Schlampampen&#8220; aus der Grafik von 1625 lebt im Bild der &#8222;Schlampe&#8220; fort. Warum verh\u00e4lt sich das so? Werden hier Frauen \u201eimmer noch diskriminiert\u201c? D\u00fcrfen sie sich bis heute &#8222;nicht herausnehmen&#8220;, was M\u00e4nner sich herausnehmen?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erkl\u00e4rung f\u00fcr die unterschiedliche Beurteilung m\u00e4nnlicher und weiblicher sexueller Freiz\u00fcgigkeit liegt in einer Konstante des Frauenbildes seit unvordenklicher Zeit: Die Frau ist n\u00e4mlich etwas ganz Besonderes, und diesem Bild soll sie gerecht werden. Da\u00df eine rechte Frau edel, rein und keusch oder treu ist, wurde ihr in allen Epochen als Wesensmerkmal zugeschrieben. Dieses Bild wurde von liebenden M\u00e4nnern in den Himmel gehoben, idealisiert und verkl\u00e4rt. Frauen haben es gern geglaubt und verinnerlicht. Was sich f\u00fcr eine Frau geziemt, was \u201esich geh\u00f6rt\u201c, haben M\u00fctter und Gro\u00dfm\u00fctter ihren T\u00f6chtern weitergegeben, nicht M\u00e4nner.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bild der realen Frauen wurde im Bewu\u00dftsein der Menschen immer \u00fcberlagert von einem normativ hoch aufgeladenen Frauenbild, das genau vorschrieb, was eine Frau keinesfalls tun sollte. Darum reagieren wir bis heute besonders emotional und abwehrend, wenn eine Frau diesem Bild so gar nicht entspricht. Als ich 1975 als Polizist auf dem Neumarkt in K\u00f6ln eingesetzt wurde wegen Bel\u00e4stigungen von Passanten, hat mich der Anblick zweier v\u00f6llig verwahrloster Landstreicher auf einer Bank v\u00f6llig kalt gelassen. Ersch\u00fcttert hat mich nur eine zwischen ihnen sitzende, ebenso verwahrloste Frau, die sich gleichzeitig oben einen Schnaps hineinsch\u00fcttete, w\u00e4hrend ihr unter dem Rock hervor der Urin auf das Pflaster rann.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Frauen dem herk\u00f6mmlichen normativen Ideal nicht entsprechen, werden sie schneller und h\u00e4rter abqualifiziert als M\u00e4nner, die das gleiche tun. Der Grund liegt aber nicht darin, da\u00df sie weniger oder geringer gelten und tiefer im Ansehen stehen als M\u00e4nner, so da\u00df sie nicht d\u00fcrfen sollen, was M\u00e4nner d\u00fcrfen. Genau im Gegenteil: Gerade weil Frauen so besonders bewundert und hoch gesch\u00e4tzt werden, kann schon ein kleiner Schritt neben der moralischen Spur ein nicht verzeihbarer Fehltritt sein. W\u00e4hrend der Volksmund M\u00e4nnern zutraut, \u201eimmer nur das Eine\u201c zu wollen, hat er f\u00fcr Frauen ein idealisiertes und gesch\u00f6ntes, also unrealistisches Bild. Es ist aber ein Bild, das von besonderer Achtung, von Bewunderung und oft von Liebe getragen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Augen der Liebe sehen anders. Liebe hei\u00dft, etwas zu sehen, wie es nicht ist. Der Liebende sieht nicht nur das geliebte Objekt, sondern in ihm, was er in ihm sehen m\u00f6chte und es in das Objekt hineinprojiziert. Wer etwa &#8222;den 1. Fu\u00dfballclub K\u00f6ln&#8220; liebt, der meint damit nicht die elf Kerle, die sich da zuf\u00e4llig gerade auf dem Rasen abstrampeln. Er meint vielmehr alles, was er an Erinnerungen, W\u00fcnschen und Erwartungen in den geliebten Verein hineinprojiziert. So sieht auch der liebende Mann in der geliebten Frau die Summe alles dessen, was ihm von ihr an Gutem widerfahren ist, was sie im Augenblick gerade darstellt und was er sich noch von ihr erhofft. Sie ist &#8222;sein Ein und Alles&#8220; und damit der Inbegriff aller Vorstellungen, die er von ihr hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Es solches Frauenbild kann nicht realistisch sein, sondern nur ideell. Den Lebensweg eines Mannes s\u00e4umt indessen nicht nur ein einziges weibliches Wesen: War er als Kind umsorgt und geliebt von einer f\u00fcrsorglichen Mutter und vielleicht auch Gro\u00dfmutter, erf\u00e4hrt er sp\u00e4ter die Liebe seiner Ehefrau, und ebenso liebevoll blickt der gl\u00fcckliche Vater auf seine niedlichen T\u00f6chter. Aus allen diesen Erfahrungen setzt er in seinem Kopf eine abstrakte Vorstellung von <em>Frau<\/em> zusammen, gebildet aus der Quintessenz dessen, was diese Frauen ihm bedeuten und was er in ihnen sieht. Mit keinen anderen Frauen kommt er so nachhaltig in Kontakt. Niemand sonst pr\u00e4gt so stark sein Frauenbild.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fctter sind aus der Perspektive ihrer Kinder asexuelle Wesen. Gl\u00fccklich sch\u00e4tzt der Ehemann sich, wei\u00df er sich der Treue seiner Frau gewi\u00df. Und die eigenen T\u00f6chter bleiben im Kopf ihres Vater irgendwie immer unschuldige Kinder. So verbindet sich die Essenz alles dessen, was er sich unter <em>Frau<\/em> vorstellt, mit einem heiligen Schein von Reinheit und Unschuld. Dieser Schein ist der harte Kern der von Jahrhundert zu Jahrhundert fortbestehenden ideellen Vorstellung davon, was eine Frau verk\u00f6rpert oder verk\u00f6rpern sollte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das biologische Frauenbild<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein biologisches oder neuropsychologisches Fachbuch mu\u00dften wir nicht schreiben, als wir nach dem Frauenbild in wechselnden Epochen fragten. Aber f\u00fcr die W\u00fcrdigung fr\u00fcherer Anschauungen war entscheidend, ob diese wom\u00f6glich nur auf Vorurteilen oder auf Einbildung beruht hatten wie die antike Vierelementenlehre, die von vier charakterlichen Grundelementen ausgegangen war und den Frauen die Feuchtigkeit und die K\u00e4lte zugeschrieben hatte. So unsinnig diese Lehre auch war, war sie doch im 18. Jahrhundert noch \u00e4u\u00dferst virulent.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch ganz moderne Ansichten m\u00fcssen sich die \u00dcberpr\u00fcfung gefallen lassen, ob sie sich im Einklang mit naturwissenschaftlichen Tatsachen befinden oder ob wir sie als Hirngespinste abtun wie die Vierlementenlehre und den Hexenaberglauben. Die Nagelprobe jeder Wissenschaft besteht tagt\u00e4glich darin, ob ihre Grundannahmen mit dem Wissenszuwachs Schritt halten oder ge\u00e4ndert werden m\u00fcssen. F\u00fcr einen phantasiebegabten Menschen ist es spielend leicht, sich irgendetwas auszudenken, das es gar nicht gibt: den Teufel, die kalte und feuchte Natur des Weibes, die unbefleckte Empf\u00e4ngnis, die astrologische Macht der Gestirne. Es gibt Hypothesengeb\u00e4ude wie die Idee, wir lebten alle nur in einer Matrix Au\u00dferirdischer, die mit uns experimentieren, die Theorie, Realit\u00e4t entstehe erst durch die Wahrnehmung eines Objektes, und die Behauptung, die Unterschiede zwischen M\u00e4nnern und Frauen seien nichts als eine kulturelle Konstruktion, hervorgegangen aus zwischenmenschlichen Diskursen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicherlich sind Menschen Kulturwesen, und zwar von Natur aus. Da\u00df kulturelle Sichtweisen sich \u00e4ndern k\u00f6nnen, haben wir \u00fcber die Jahrhunderte verfolgt. Aber worauf beruhen alle diese kulturellen Sch\u00f6pfungen? Schaffen wir sie aus dem Nichts wie Gott am ersten Sch\u00f6pfungstag? Bei jeder biologischen Eigenschaft stellen wir die Frage: Welche biologische Funktion erf\u00fcllt sie? Welchen arterhaltenden Wert finden wir in ihr? Wo st\u00fcnden wir evolution\u00e4r ohne sie?<\/p>\n\n\n\n<p>Uns gen\u00fcgt hier, da\u00df die gesamte Kultur um die Mann-Frau-Beziehung sich offenbar in unvordenklichen Zeitr\u00e4umen als vorteilhaft erwiesen hat, eine hinreichende Bindung der Geschlechter aneinander zu sichern, so da\u00df eine optimale Zahl von Kindern gro\u00dfgezogen werden konnte. Die jeweilige Kultur war immer zeitbedingt und \u00e4nderte sich. Die biologische Notwendigkeit einer solchen Kultur \u00e4nderte sich nie. Kultur erschaffen wir t\u00e4glich neu, wandeln sie immer wieder ab, konstruieren hier eine Neuerung hinzu, vergessen dort etwas nicht mehr in die Zeit Passendes. Um die kulturbedingte Ver\u00e4nderung der Anschauungen als jeweilige Reaktion auf ver\u00e4nderte Umst\u00e4nde zu verstehen, m\u00fcssen wir vorher lernen, um welche biologischen Fakten herum sich denn die jeweilige Mann-Frau-Kultur bildet. W\u00fcrden wir nur die Kultur betrachten und nichts von unserer biologischen Natur wissen, w\u00e4re schon das Tauschen eines Eheringes schlechterdings unverst\u00e4ndlich, ebenso unverst\u00e4ndlich wie der Balztanz eines Paradiesvogels f\u00fcr einen Vogelforscher w\u00e4re, der von Kopulieren, Nestbau und Eierlegen noch nie geh\u00f6rt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich sind M\u00e4nner und Frauen verschieden. Die Psychologen Petri Kajonius von der Universit\u00e4t G\u00f6teborg in Schweden und sein US-Kollege John Johnson von der Pennsylvania State University bezifferten 2018 anhand der Selbstausk\u00fcnfte von mehr als 320 000 Menschen zwischen 19 und 69 Jahren: In 13 der 30 Merkmale gibt es me\u00dfbare Abweichungen zwischen den Geschlechtern. &#8222;Beachtlich gro\u00df waren sie bei zwei umfassenden Pers\u00f6nlichkeitsdimensionen aus dem bekannten F\u00fcnf-Faktoren-Modell: Vertr\u00e4glichkeit und emotionale Labilit\u00e4t (\u00bbNeurotizismus\u00ab). Erstere setzt sich aus Eigenschaften wie Altruismus und Mitgef\u00fchl zusammen, letztere unter anderem aus \u00c4ngstlichkeit und Verletzlichkeit; und diese vier Facetten waren bei Frauen im Schnitt so viel st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt als bei M\u00e4nnern, da\u00df Statistiker von einem mindestens mittelgro\u00dfen Effekt sprechen (d &gt; 0,50). Praktisch bedeutet dieser Wert: Wenn man per Zufall je einen Mann und eine Frau vergleicht, ist sie in zwei Dritteln der F\u00e4lle \u00e4ngstlicher beziehungsweise verletzlicher, mitf\u00fchlender, altruistischer. W\u00e4ren die Merkmale bei Frauen und M\u00e4nnern gleich verteilt, l\u00e4gen die Chancen naturgem\u00e4\u00df bei 50 zu 50&#8220;<a href=\"#_ftn21\" id=\"_ftnref21\">[21]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Man ben\u00f6tigt aber kein Fachwissen, sondern kommt mit Menschenkenntnis aus, um zu wissen, da\u00df M\u00e4nner und Frauen im Gro\u00dfen und Ganzen emotional verschieden angelegt sind. Diese Verschiedenartigkeit hat evolution\u00e4re Gr\u00fcnde. Letztlich entspringt sie der Aufgabenverteilung zwischen den Individuen, die Kinder geb\u00e4ren, und den anderen, die auf die Jagd gehen und die Gruppe besch\u00fctzen. Weil man heute selbst jahrtausendealtes Erfahrungswissen aber durch Studien untermauern mu\u00df, gibt es dazu auch solche psychologische Untersuchungen. Der italienische Psychologe Marco Del Giudice von der Universit\u00e4t Turin und seine britischen Kollegen Tom Booth und Paul Irwing von der Universit\u00e4t Manchester publizierten im Online-Fachblatt Plos One am 4.1.2012 einen Artikel. Die Kernaussage lautet: Mann und Frau stimmen nur in zehn Prozent ihrer Pers\u00f6nlichkeitsprofile \u00fcberein. &#8222;Betrachtet wurden 15 Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale. Danach erreichen Frauen bei den Merkmalen W\u00e4rme, Zuneigung, Sensibilit\u00e4t und Besorgtheit deutlich h\u00f6here Werte als M\u00e4nner. Diese liegen bei Gleichmut, Neigung zum Herrschen, dem Beachten von Regeln und Wachsamkeit klar vorn. Nach Ansicht der Wissenschaftler sind Mann und Frau weit auseinander, was ihre Charakterz\u00fcge angeht&#8220;<a href=\"#_ftn22\" id=\"_ftnref22\">[22]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der heutige Fortschritt der Genetik f\u00f6rdert immer mehr psychische Unterschiede zwischen den Geschlechtern zutage. Autismus tritt beispielsweise h\u00e4ufiger bei M\u00e4nnern auf, w\u00e4hrend Verhaltensst\u00f6rungen, die auf Angst beruhen, eher Frauen betreffen. Ohne da\u00df der sp\u00e4tere erzieherische Einflu\u00df geleugnet w\u00fcrde, fand man klare geschlechtsspezifische F\u00e4higkeits-Schwerpunkte. Frauen sind empathischer: Im weiblichen Genom, nicht bei den M\u00e4nnern, fanden Forscher der Universit\u00e4t Cambridge au\u00dferdem auf dem Chromosom 3 einen DNA-Abschnitt, der eng mit der Empathief\u00e4higkeit verbunden war. Es gibt Hinweise darauf, da\u00df dadurch ein Gen beeinflu\u00dft wird, das in der Hirnregion des Striatums besonders aktiv ist. Die Liste solcher Forschungsergebnisse lie\u00dfe sich beliebig fortsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt angeborene Unterschiede in der Auspr\u00e4gung des Dominanzverhaltens. Im allgemeinen streben M\u00e4nner nachhaltiger nach einer dominanten Rolle als Frauen. Ihr Testosteronspiegel liegt um das Zehnfache \u00fcber dem von Frauen. Funktion und Auswirkungen dieses Hormons auf das menschliche Sozialverhalten sind komplex und vielf\u00e4ltig. Es gibt zahlreiche Belege f\u00fcr einen direkten Zusammenhang zwischen Testosteron und einer Disposition f\u00fcr einen st\u00e4rker ausgepr\u00e4gten Dominanztrieb. Die Erforschung der endokrinologischen und neuropsychologischen Zusammenh\u00e4nge steckt noch in den Kinderschuhen. Was wir bisher wissen, legt zwar nicht nah, M\u00e4nner und Frauen seien unentrinnbar hormongesteuert und in ihrem Verhalten festgelegt. Das menschliche Sozialverhalten ist hochkomplex. Verschiedene Ursachen und Wirkungen durchdringen sich. Wir k\u00f6nnen nicht ein konkretes weibliches oder m\u00e4nnliches Verhalten ausschlie\u00dflich mit unserer Biologie erkl\u00e4ren. Au\u00dfer acht lassen d\u00fcrfen wir diese aber ebensowenig.<\/p>\n\n\n\n<p>Hormonbeeinflu\u00dft sind wir allemal, und diese Beeinflussung ist geschlechtsspezifisch sehr verschieden. Sie l\u00e4\u00dft uns jeweils als Mann zu &#8222;m\u00e4nnlichem&#8220; oder als Frau zu &#8222;weiblichem&#8220; Verhalten tendieren. Wenn entsprechende Erziehung diese biologische Anlage noch st\u00fctzt und nicht aberzogen wird, ist das Resultat h\u00e4ufig ein &#8222;m\u00e4nnlicher&#8220;, dominanter Mann und eine &#8222;weibliche&#8220;, eher anpassungsbereite Frau. Mehr brauchen wir eigentlich nicht zu wissen, um eine typische Beobachtung aus 2000 Jahren ehelicher Machtbalance zu begreifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Hormon Oxytocin spielt &#8222;bei M\u00e4nnern eine zentrale Rolle f\u00fcr Treue und monogames Verhalten, denn weisen M\u00e4nner einen erh\u00f6hten Oxytocinspiegel im Gehirn auf, erscheint die eigene Partnerin im Vergleich zu anderen Frauen attraktiver. Man hatte in einem Versuch heterosexuellen M\u00e4nnern, die in einer Partnerschaft leben, ein Oxytocin-Nasenspray verabreicht und die Auswirkungen dieses Hormonschubs dokumentiert. Offensichtlich sorgt das Hormon daf\u00fcr, da\u00df beim Anblick der eigenen Partnerin das Belohnungszentrum im m\u00e4nnlichen Gehirn aktiviert wird, wodurch die Zweierbindung und monogames Verhalten gest\u00e4rkt werden. In Untersuchungen hatte sich unter anderem auch gezeigt, da\u00df in Partnerschaften gebundene M\u00e4nner unter Oxytocin-Einfluss mehr Abstand zu attraktiven fremden Frauen wahren als Singles oder unbehandelte M\u00e4nner, denn offenbar verst\u00e4rkt das Hormon die Treue&#8220;<a href=\"#_ftn23\" id=\"_ftnref23\">[23]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben gedanklich miterlebt, wie sich seit der archaischen Vorzeit Frauen im allgemeinen verhalten haben. Zwar wissen wir, da\u00df Frauen an sich auch alles k\u00f6nnen, was M\u00e4nner k\u00f6nnen. Aber wollen sie es denn, m\u00f6chten sie es denn auch? Schon die frauentypischen oder m\u00e4nnertypischen Grabbeigaben germanischer Zeit zeigen uns, da\u00df in aller Regel M\u00e4nner sich mit Waffen und Jagd besch\u00e4ftigt haben, Frauen aber mit der Herstellung von Kleidung und anderen Dingen. Das Schwert und die Spindel wurden im Sprachgebrauch geradezu zu Synonymen f\u00fcr Mann und Frau. F\u00fcr eine wie auch immer geartete &#8222;Unterdr\u00fcckung&#8220; von Frauen hin zu eben dieser Geschlechtsrolle und T\u00e4tigkeit gibt es keinerlei historischen Beleg. Keine wurde wider Willen gezwungen, sich mit Weben, Leinwandspinnen, sch\u00f6nen Kleidern und Schmuck zu besch\u00e4ftigen. Niemals h\u00e4tte sich \u00fcber Jahrtausende eine Rollenverteilung halten k\u00f6nnen, in der die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung erst bezwungen und dann gezwungen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Da\u00df weibliches Verhalten tendenziell auch hormonbedingt ist, beantwortet uns aber nur die Frage, wie es physiologisch funktioniert. Dahinter liegt die Frage, warum es gerade so funktioniert und nicht anders. Wenn wir eine biologische Eigenschaft feststellen und nach ihrem Grund suchen, m\u00fcssen wir nach ihrem arterhaltenden Nutzen fragen. Es setzen sich evolution\u00e4r diejenigen physiologischen Unterschiede durch, die zu h\u00f6herer sogenannter genetischer Fitne\u00df f\u00fchren. Das bedeutet: Wer die meisten Nachkommen hat, die ihrerseits viele Nachkommen erzeugen, ist &#8222;genetisch fit.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir teilen seit Jahrmillionen mit unseren n\u00e4chsten Primaten-Verwandten das Leben in einer Gruppe naher Verwandter. Innerhalb dieser Horde oder Sippe hat sich evolution\u00e4r eine Aufgaben- oder Rollenverteilung offenbar als vorteilhaft erwiesen: W\u00e4hrend die Weibchen ein Junges mit sich herumschleppen und beh\u00fcten, sind M\u00e4nner f\u00fcr den Schutz der Horde und die Entfaltung etwaiger Aggression nach au\u00dfen zust\u00e4ndig. Da\u00df mehrere Schimpansenm\u00e4nner sich zusammenschlie\u00dfen und gemeinsam Fremde angreifen, wurde vielfach beobachtet. H\u00e4tten die Weibchen st\u00e4rkere &#8222;Lust&#8220; an solchen K\u00e4mpfen als am Beh\u00fcten ihres Nachwuchses, st\u00fcnde es ung\u00fcnstig f\u00fcr die Arterhaltung. Da\u00df wiederum die M\u00e4nnchen anscheinend mehr &#8222;Lust&#8220; auf Aggression nach au\u00dfen und Weibchen mehr &#8222;Lust&#8220; am Beh\u00fcten ihres Jungen haben, wird wiederum endokrinologisch gesteuert durch unterschiedliche Hormone.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Unterschiede der Geschlechter f\u00fchrten dabei zu unterschiedlichen Verhaltensdispositionen, die der Arterhaltung dienen. Auch Menschen sind biologisch zun\u00e4chst einmal angelegt auf die Erhaltung der eigenen Gene. Wer sich vielfach fortpflanzt, wird zum Vorfahren der n\u00e4chsten Generation. Die menschliche Psyche fungiert in allen ihren Leistungen im &#8222;gen-egoistischen&#8220; Vermehrungsinteresse. Nicht da\u00df wir das bewu\u00dft bemerken w\u00fcrden: Wir nehmen soziale Erfahrungen so wahr, da\u00df sie sich widerspruchslos in unser Lebenskonzept einordnen und keine Unsicherheiten aufkommen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur tendenziell disponieren unsere biologischen Geschlechtsunterschiede uns. Wir bemerken sie in der gro\u00dfen Masse aller individuellen Verhaltensweisen immer wieder und k\u00f6nnen sie als statistische Gr\u00f6\u00dfe messen. Da\u00df die Polarit\u00e4t der Geschlechter konkreten, individuellen Einzelentscheidungen zugrundeliegt, merken wir oft nicht. Wir wissen, da\u00df wir uns jederzeit willentlich \u00fcber sie hinwegsetzen k\u00f6nnen. Gesamtgesellschaftlich betrachtet tun wir das aber nicht. Nat\u00fcrlich kann jeder f\u00fcr sich frei entscheiden, ab morgen kein Bier mehr zu trinken oder keine Frau mehr anzufassen. In ihrer gro\u00dfen Masse fiel die Quersumme aller dieser Einzelentscheidungen aber immer so aus, da\u00df eine hinreichende Anzahl von Kindern der n\u00e4chsten Generation erzeugt wurde und sich wieder dieselben Fragen zum anderen Geschlecht stellte wie die \u00c4lteren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnen die \u00fcber Jahrtausende erkennbaren Ungleichheiten im Verhalten und dem Verh\u00e4ltnis von Mann und Frau also nicht rein literarisch oder soziologisch erkl\u00e4ren und dabei die biologischen Unterschiede v\u00f6llig au\u00dfer Acht lassen. Hinter der Frage ob es geschlechtsspezifische Rollenverteilungen gab und gibt, steht die Frage, warum es sie gab und gibt. Das erkl\u00e4rt uns heute die Naturwissenschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Was aber folgt aus alledem f\u00fcr ein naturwissenschaftlich unterf\u00fcttertes Frauenbild? Wie sollen Frauen sich verhalten? Was ist hinnehmbar, was geht zu weit?<\/p>\n\n\n\n<p>Wer bis hierher gelesen hat, f\u00e4llt auf diese Fragen nicht herein. Er wei\u00df: Es folgt normativ gar nichts aus der Anthropologie. Sie bel\u00e4\u00dft uns das Gef\u00fchl, individuell frei zu entscheiden, ob wir einem genetisch motivierten Antrieb folgen oder uns \u00fcber ihn hinwegsetzen. Die Naturwissenschaft eignet sich nicht dazu, gesellschaftliche Utopien auf sie zu gr\u00fcnden oder Frauen moralisch zu g\u00e4ngeln. Sie ist das geeignete Heilmittel gegen jeden Versuch, Frauen an die Kette zu legen, weil sie g\u00e4nzlich verschieden von M\u00e4nnern und ein bi\u00dfchen dumm seien, aber auch gegen die Ideologie, beide Geschlechter seien gleich und Verhaltensunterschiede nur diskursiv erfundene Konstruktionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit der Renaissance hatte ein Anthropozentrismus die Stichworte f\u00fcr ein werthaftes Verst\u00e4ndnis der weiblichen Natur geliefert. Er geh\u00f6rt heute der Geistesgeschichte an. Bis ins 20. Jahrhundert hatte die Anthropologie aber ein normatives Frauenbild gest\u00fctzt. Dem jeweiligen Fortschritt der Humanwissenschaften folgend hatte es Frauen normativ abverlangt, was ihrer biologischen Natur entsprach. Auf die nat\u00fcrliche Bindung an einen Mann baute man die Pflicht zur Einehe. Auf den Fortpflanzungstrieb baute man geradezu eine Fortpflanzungspflicht. Der Lust der Frau, es sich daheim behaglich zu machen und ihren Kindern ein warmes Nest zu errichten, folgte die Pflicht zu Heim und Herd auf dem Fu\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Die im 19. Jahrhundert fortschreitende Naturwissenschaft bildete die Voraussetzung solcher Argumentationslogik, und ihr sozialer Tr\u00e4ger war das B\u00fcrgertum. Es hatte sich 1848 noch eher links verortet, n\u00e4mlich links vom Adel und seinem davon abweichenden Frauenbild. Dieser sa\u00df n\u00e4mlich im Parlament rechts vom Pr\u00e4sidenten. Je mehr er marginalisiert und das B\u00fcrgertum von der Arbeiterschaft links \u00fcberholt wurde, desto st\u00e4rker verband man sein normatives Frauenbild mit einer rechten Haltung. Die naturwissenschaftlichen Fortschritte und die Vollendung der geistesgeschichtlichen Aufkl\u00e4rung haben seitdem jedem normativ verstandenen Frauenbild die Voraussetzungen entzogen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die gegenderte Frau<\/h2>\n\n\n\n<p>Nach unserem ernsten Streifzug durch die Epochen und ihre Sichtweisen auf Frauen m\u00f6chten wir auch einmal herzhaft lachen: Frauen wurden angeblich erst im 18. Jahrhundert &#8222;erfunden&#8220;. Das k\u00f6nnen wir nachlesen in der &#8222;Einf\u00fchrung in die Gender Studies&#8220; der Trierer Literatur-Professorin Franziska Sch\u00f6\u00dfler<a href=\"#_ftn24\" id=\"_ftnref24\">[24]<\/a>. Erst im 18. Jahrhundert sei &#8222;die Frau als sozial-kulturelles Ph\u00e4nomen erfunden worden. Vorher war alles nur rein biologisch, also offenbar irrelevant. Die anthropologische Unterschiedlichkeit der Geschlechter wird verk\u00fcrzt auf eine rein literarisch aufgefa\u00dfte &#8222;Theorie der Geschlechterdifferenz&#8220;. Die Geschlechterdifferenz als Theorie zu bezeichnen ist eine feministische Theorie:<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr zufolge ist Geschlechterdifferenz erst &#8222;in der letzten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts entwickelt&#8220; worden: Eine &#8222;konservative Weiblichkeitskonzeption&#8220; lasse sich deutlich in den Frauenbildern der damaligen Gedichte erkennen. So habe Friedrich Schiller nicht nur die unterschiedlichen Charakterisierungen der Geschlechter, sondern auch die geschlechtsspezifischen Arbeitsteilungen dargestellt. Aus Sicht &#8222;feministischer Weiblichkeitskonzeption&#8220; lag Schiller damit v\u00f6llig daneben: Seine <em>&#8222;patriarchalische Sicht der Geschlechterverh\u00e4ltnisse ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, da\u00df die Theorie der Geschlechterdifferenz in der letzten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts entwickelt wurde.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Theorie der Geschlechterdifferenz, die immer noch ein zentrales Element des modernen Geschlechterdiskurses ist, behauptet, da\u00df sich die beiden Geschlechter grunds\u00e4tzlich voneinander unterscheiden, wie sie auch k\u00f6rperlich vollkommen differenziert betrachtet werden m\u00fcssten. Diese Auffassung ist tats\u00e4chlich ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Weiblichkeitskonzeption und Frauenbilder in Schillers theoretischen und lyrischen Texten&#8220;<\/em><a href=\"#_ftn25\" id=\"_ftnref25\">[25]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus feministischer Sicht unterscheiden sich die Geschlechter also offenbar nicht grunds\u00e4tzlich und m\u00fcssen auch keineswegs &#8222;k\u00f6rperlich vollkommen differenziert betrachtet werden&#8220;. Pseudowissenschaftler betrachten die Geschlechter m\u00e4nnlich und weiblich als willk\u00fcrliche und b\u00f6swillige Festlegungen der Medizin und der Biologie. Neben oberfl\u00e4chlichen Literaturkenntnissen, die gerade bis ins 18. Jahrhundert zur\u00fcckreichen, hat diese Sichtweise ebenso oberfl\u00e4chliche biologische Kenntnisse: Menschen unterschieden sich angeblich nur darin, in welchem Ma\u00df ihre Geschlechtsorgane nach innen oder au\u00dfen gest\u00fclpt sind. Erst normativer Druck erzeuge M\u00e4nner und Frauen. Ziel von &#8222;Gender&#8220; sei es nach Judith Butler, die normative Konstruktion <em>Frau<\/em> von dem ihr diskursiv zugewiesenen Geschlecht zu heilen, zu befreien und Frauen wieder zu universellen, selbstbestimmten Menschen zu machen<a href=\"#_ftn26\" id=\"_ftnref26\">[26]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit uns das Lachen gleich wieder vergeht, fordert das Gender-Konzept tiefgreifende \u00c4nderungen in der Struktur der deutschen Sprache. Wenn wir dereinst nur noch korrekt gegendert sprechen, k\u00f6nnen wir n\u00e4mlich auch nicht mehr denken wie bisher. Es fehlen uns dann die sprachlichen Konzepte unseres fr\u00fcheren eigenen Denkens. In dem f\u00fcr diese Utopie erreichbaren Raum staatlich finanzierter sogenannter Genderforschung setzt der Genderismus sein Neusprech bereits durch und zeigt sich dabei so intolerant wie jede andere extreme Utopie. Im Fr\u00fchjahr 2013 wurde an der Universit\u00e4t Leipzig beschlossen, in allen offiziellen Texten das generische Femininum zu benutzen, es gibt also nur noch Studentinnen und Professorinnen beiderlei biologischen Geschlechts. Die Zukunft hat begonnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Anspruch der Lesbe Judith Butler, &#8222;Frauen zu universellen, selbstbestimmten Menschen zu <em>machen<\/em>&#8222;, klingt uns das <em>Machen<\/em> laut in den Ohren. Wenn Menschen gleich zur Welt k\u00e4men und alle Geschlechterunterschiede nur erzieherisch oder gesellschaftlich konstruiert w\u00e4ren, liefe das auf eine Neuauflage eines alten Hutes hinaus: der Mileutheorie. Sie besagt, nur das Umfeld eines Menschen pr\u00e4ge ihn. Hinter der Lehre von der beliebigen erzieherischen Wandelbarkeit steckt ein Machtanspruch, Menschen nach den Vorstellungen einer jeweiligen Doktrin zu formen<a href=\"#_ftn27\" id=\"_ftnref27\">[27]<\/a>, eben sie &#8222;zu machen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Wie s\u00e4he die Welt aus, in der Menschen nach genderistischer Doktrin &#8222;gemacht&#8220; w\u00fcrden? In dem utopischen Roman &#8222;Die Maschinen&#8220; (<em>Ancillary Justice<\/em>) von Ann Leckie von 2013<a id=\"_ftnref28\" href=\"#_ftn28\">[28]<\/a> entwirft die amerikanische Autorin die Vision einer Zukunft, in der alle Personenbezeichnungen ausschlie\u00dflich weiblich sind. Als Science-Fiction-Leser habe ich mich durch drei spannende B\u00e4nde gebissen, war aber gelegentlich desorientiert. In den Dialogen und der Romanhandlung wimmelt es n\u00e4mlich von Raumschiffs-Kapit\u00e4ninnen, Leutnantinnen und anderen grammatischen Damen. Sie sind, obwohl biologisch mal Frauen, mal M\u00e4nner und manchmal k\u00fcnstliche Intelligenzen, auch wegen ihrer exotischen Personennamen schwer als das eine oder andere zu erkennen. Der Heldin des Romans, einer k\u00fcnstlichen Intelligenz in einem teilweise androidischen K\u00f6rper, ist das denkbar gleichg\u00fcltig, ist sie doch geistig ein Es: eine perfekte Imitation, aber bar aller Attribute, die f\u00fcr uns Weiblichkeit ausmacht. Sie verk\u00f6rpert das Ideal eines geschlechtslosen, von sexueller Reproduktion erl\u00f6sten Wesens.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten und Konstruktionen<\/h2>\n\n\n\n<p>Die seit dem hohen Mittelalter wiederkehrende Klage \u00fcber den sittlichen Verfall, das An- und Abschwellen von Moral, das Aufbl\u00fchen neuer und das Absterben alter Umgangsformen, der st\u00e4ndige Dualismus und durchaus auch Interessenwiderstreit zwischen Mann und Frau: alles das erkennen wir als Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten, die es schon immer gab. Wir orientieren uns an ihnen, und zuweilen tr\u00f6sten wir uns damit. Wir fallen aber nicht auf Zukunftsvisionen herein, die sich moderne Laboranten des gesellschaftlichen Machbarkeitswahns ausgedacht haben. Indem wir in der Geschichte manchmal sogar verschiedene gleichzeitige Frauenbilder empirisch festgestellt haben, sind wir auch ganz offen f\u00fcr die Einsicht, da\u00df Frauenbilder auch kulturell und zeitbedingt unterschiedlich ausfallen k\u00f6nnen. In der Mentalit\u00e4tsgeschichte gibt es Wechsel in den Anschauungen ebenso wie Konstanten. Die jeweiligen Ursachen f\u00fcr beide Beobachtungen gilt es immer wieder zur Kenntnis zu nehmen und zu erkl\u00e4ren. Das k\u00f6nnen die Naturwissenschaften vom Menschen und die Geisteswissenschaften nur gemeinsam leisten, wenn ein einseitiges, reduktionistisches Erkl\u00e4rungsmodell vermieden werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Einseitiges Genderdenken weist dagegen eine strukturelle Parallele auf zu einer Fiktion fr\u00fchneuzeitlicher Humanisten. Jene st\u00fctzten sich auf antike Autoren und ein theozentrisches Weltbild und glaubten, Frauen h\u00e4tten kein richtiges Denkverm\u00f6gen. Mit solchen Annahmen begr\u00fcndeten sie soziale Hierarchien wie die Unterordnung von Frauen. Die Fiktion moderner Sozialtheorien besteht dagegen in dem Glauben, Menschen seien nichts als Resultanten ihrer sozialen Bedingungen. Gleichheit unter Menschen k\u00f6nne und m\u00fcsse darum durch Gleichheit der sozialen Bedingungen hergestellt werden<a href=\"#_ftn29\" id=\"_ftnref29\">[29]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir erinnern uns an dieser Stelle, wie m\u00fchselig Dorothea Erxleben 1742 hat argumentieren m\u00fcssen gegen doktrin\u00e4re Vorurteile, die sich weitgehend auf alte Philosophen wie Aristoteles und auf Theologen gest\u00fctzt hatten. Gegen sie f\u00fchrte sie quasi naturwissenschaftliche, anthropologische Fakten ins Feld, wie Frauen in Wirklichkeit sind. Auch heute kann eine doktrin\u00e4re Sozialtheorie nicht stimmen, die sich niemals f\u00fcr die anthropologischen Fakten interessiert hat, also f\u00fcr die Ergebnisse der Medizin, Biologie, Genetik, Neurologie und Soziobiologie. Es geh\u00f6rt zu den Aufgaben dieser Disziplinen auch, Vorw\u00fcrfen wie dem nachzugehen, es gebe &#8222;sexistische Strukturen&#8220; aufgrund unbewu\u00dfter Mann-Frau-Stereotypisierungen. Dabei k\u00f6nnten &#8222;empirische, theoretisch eingebettete, experimentell operationalisierbare Modelle&#8220; entwickelt werden, die neurowissenschaftlich gest\u00fctzt und gegebenenfalls evolutionsbiologisch erkl\u00e4rt werden k\u00f6nnen&#8220;<a href=\"#_ftn30\" id=\"_ftnref30\">[30]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch zur Geschichtswissenschaft hat der Genderismus, wie jede Doktrin, nur das Verh\u00e4ltnisses eines Bauherrn zu seinem Steinbruch. Er klaubt sich selektiv heraus, was ihm brauchbar scheint. Wo sich Genderisten in Einzelf\u00e4llen f\u00fcr historisch bedeutsame und wirkm\u00e4chtige Frauenpers\u00f6nlichkeiten interessieren, suchen sie in deren Schriften verzweifelt &#8222;Gender&#8220; hineinzuinterpretieren und erfinden sich einen in der Quelle nicht vorhandenen pr\u00e4feministischen Subtext. So scheitert Nina Johnsson vollst\u00e4ndig an einer Interpretation der Schriften der Herzogin Elisabeth&nbsp;von Braunschweig-L\u00fcneburg, der feministische Forderungen zur Stellung von Frauen in der Gesellschaft vollst\u00e4ndig fern lagen<a href=\"#_ftn31\" id=\"_ftnref31\">[31]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>So k\u00f6nnen andere dann auch in unbegreiflicher Unwissenheit behaupten, ein soziales Konzept <em>Frau<\/em> habe es vor dem 18. Jahrhundert gar nicht gegeben. Der massendemokratische Egalitarismus mit seinen Sozialtheorien wie dem Genderismus ist ein Produkt von Philosophen, Soziologen und anderen Theoretikern ohne naturwissenschaftliche und historische Faktenbasis. Er entspringt keiner empirischen Wissenschaft, sondern stellt selbst eine komplexe Ideologie dar. Sie ist darauf zugeschnitten, die Welt so darzustellen, wie man sie sich w\u00fcnscht. Diese W\u00fcnsche sollen der gesamten Gesellschaft als Interpretationsschema \u00fcbergest\u00fclt werden. Das vom Dekonstruktivismus gezeichnete Welt-, Geschichts- und Frauenbild ist selbst eine Konstruktion. Sie schl\u00e4gt an gewillk\u00fcrter Stelle den einen oder anderen Pflock in den Boden, stellt eine Lampe dahinter, betrachtet den Schattenwurf und behauptet stolz: &#8222;So ist die Welt!&#8220; Sie konstruiert sich ein Geschichtsbild im Lichte ihrer eigenen vorgefa\u00dften Pr\u00e4missen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den personalen Nukleus des heutigen Genderismus finden wir in Michel Foucault (1926-1984). Er war Mitglied der kommunistischen Partei und bet\u00e4tigte sich als Soziologe, als Psychologe sowie als Homosexueller. In der Sado-Maso-Szene San Franciscos &#8222;setzte er das Werk des Marquis de Sade, seines intellektuellen Kollegen, praktisch fort&#8220;<a href=\"#_ftn32\" id=\"_ftnref32\">[32]<\/a>. Sein Hauptanliegen bestand in der Kampfansage an den b\u00fcrgerlichen Anthropozentrismus mitsamt der Anthropologie als Wissenschaft. Nun m\u00fcssen wir nicht den fr\u00fchneuzeitlichen b\u00fcrgerlichen Anthropozentrismus verteidigen, um uns der naturwissenschaftlich verstandenen Anthropologie zu versichern. Die mittelalterliche Scholastik hatte ein theozentrisches Weltbild und leitete gesellschaftliche \u00dcberzeugungen letztlich von Gott ab. Er wurde in der Renaissance&nbsp;durch ein anthropozentrisches Weltbild abgel\u00f6st, das <em>den Menschen<\/em> als Ma\u00dfstab nahm &#8211; das hei\u00dft die \u00dcberzeugungen humanistischer Gelehrter davon, wie <em>die Natur des Menschen<\/em> beschaffen sei und welche normativen Folgen das haben mu\u00dfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Foucault griff diesen Anthropozentrismus an, weil er seiner Selbstverwirklichung im Wege stand und <em>den Menschen<\/em> g\u00e4ngele und niederhalte. Damit dachte er erkennbar zun\u00e4chst an sich selbst. Er behauptete n\u00e4mlich, &#8222;da\u00df das politische, ethische, soziale und philosophische Problem, das sich uns heute stellt, nicht darin liegt, das Individuum vom Staat und dessen Institutionen zu befreien, sondern uns sowohl vom Staat als auch vom Typ der Individualisierung, der mit ihm verbunden ist, zu befreien.&#8220; &#8222;Wir&#8220; m\u00fc\u00dften &#8222;neue Formen der Subjektivit\u00e4t zustandebringen, indem wir die Art von Individualit\u00e4t, die man uns jahrhundertelang auferlegt hat, zur\u00fcckweisen&#8220;<a href=\"#_ftn33\" id=\"_ftnref33\">[33]<\/a>. Nach dem Ende der anthropozentrischen alten Vorstellungen k\u00f6nne Anthropologie \u00fcberhaupt nicht mehr Grundlage von Erkenntnis sein.<a href=\"#_ftn34\" id=\"_ftnref34\">[34]<\/a> Damit war seine Katze aus dem Sack: Die prinzipielle Ablehnung naturwissenschaftlicher Erkenntnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wurde als erstes von amerikanischen Feministinnen wie Judith Butler (*1956) rezipiert. Diese &#8222;entdeckte als 14j\u00e4hrige, da\u00df sie M\u00e4dchen mehr mochte als erlaubt und da\u00df das Wort, das es daf\u00fcr gab, irgendwie h\u00e4\u00dflich war&#8220;<a href=\"#_ftn35\" id=\"_ftnref35\">[35]<\/a>. Heute st\u00fctzt sich auch bei uns jede Schrift \u00fcber &#8222;Gender&#8220; in letzter Konsequenz auf Foucault und Butler und hat alle Br\u00fccken zur naturwissenschaftlichen Anthropologie ebenso abgebrochen wie die zu einem epochen\u00fcbergreifenden Vergleich menschlicher Verhaltensweisen. Sozialtheoretische Aussagen \u00fcber Menschen zu machen, ohne naturwissenschaftliche, anthropologische Fakten zu ber\u00fccksichtigen, ist allerdings so unergiebig wie die vergeblichen Versuche von Astrologen, den Konstellationen der Sterne einen schicksalhaften Sinn zu entlocken ohne Kenntnis einer naturwissenschaftlich fundierten Astronomie.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es keine feststehende anthropologische Realit\u00e4t mehr gibt und alles Verhalten, wie bei Foucault und Butler, nur durch den soziokulturellen, diskursiven Kontext erzeugt wird, mu\u00df das diejenigen am st\u00e4rksten entlasten, die im Lichte des herk\u00f6mmlichen Menschenbildes nicht vorteilhaft abschnitten. W\u00e4hrend Homosexualit\u00e4t in Foucaults Jugend- und Mannesalter nicht nur gesellschaftlich verp\u00f6nt, sondern in vielen Staaten sogar strafbar war, stellt sie sich im Lichte seines rein diskursiven Weltbildes als blo\u00dfes Konstrukt dar: Es gibt sie eigentlich gar nicht wirklich. So machte Foucault einen Aspekt seines pers\u00f6nlichen Seins hinter einem Nebel diskursiver Dekonstruktion des herk\u00f6mmlichen M\u00e4nnerbildes scheinbar unangreifbar. Wir hatten schon am Ende der Aufkl\u00e4rung bei de Sade beobachtet, wie jener alle Faktoren aus seiner Weltdeutung eliminierte, die ein freies Ausleben seiner sexuellen Machtphantasien h\u00e4tten hindern k\u00f6nnen. Wenn es Gut und B\u00f6se nicht gibt, durfte sich auch der Sadist de Sade als v\u00f6llig normaler Mensch f\u00fchlen, obwohl er aus der Qual seines Sexualobjekts Befriedigung zieht. Und wenn es eine normale Sexualpr\u00e4ferenz auf das andere Geschlecht nicht gibt, glaubt sich auch der Homosexuelle als v\u00f6llig normaler Mensch, obwohl er im gleichgeschlechtlichen Sexualobjekt Befriedigung sucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig ist Foucault, da\u00df es keinen Normalbegriff der menschlichen Natur gibt. Alles beruhe nur auf willk\u00fcrlicher gesellschaftlicher Rollenzuschreibung. So tritt er konsequent f\u00fcr eine v\u00f6llige Abschaffung jedes Sexualstrafrechts ein: &#8222;Ich glaube, da\u00df man als Prinzip setzen kann, da\u00df die Sexualit\u00e4t in keinem Fall in den Geltungsbereich eines wie auch immer beschaffenen Gesetzes geh\u00f6rt&#8220;<a href=\"#_ftn36\" id=\"_ftnref36\">[36]<\/a>. Da\u00df diese Forderung problematisch ist bei Vergewaltigungen und bei Kindern, sieht er wohl. Aber k\u00f6nne man nicht &#8222;dem Gesetzgeber den Vorschlag machen, ein Kind, das einwilligt, ein Kind, das sich nicht weigert, eine Beziehung zu einem Erwachsenen einzugehen, sei kein Fall f\u00fcr ein Gesetz? Die Kinder &#8211; genau hier liegt das wirkliche Problem. Es gibt Kinder, die sich mit zehn Jahren auf einen Erwachsenen werfen &#8211; was dann? Es gibt Kinder, die voller Entz\u00fccken, einwilligen &#8211; was dann?&#8220;<a href=\"#_ftn37\" id=\"_ftnref37\">[37]<\/a> Ob er damit kleine M\u00e4dchen oder kleine Jungs meint und bei welchen Kindern er seine Erkenntnisse gewonnen hat, verr\u00e4t Foucault uns nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Menschen w\u00fcrden dazu spontan sagen, da\u00df Sex mit Kindern diesen schadet, der menschlichen Natur widerspricht, da\u00df man es bestrafen sollte und da\u00df es sich nicht geh\u00f6rt, weil es ganz und gar unmoralisch ist. Foucault aber beseitigte auch die letzte der beiden tragenden S\u00e4ulen des herk\u00f6mmlichen werthaften Naturbegriffs:<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00dcberreste der ersten S\u00e4ule, in der <em>Natur des Menschen<\/em> k\u00f6nne ein normatives Sollen stecken, hatten schon La Mettrie und de Sade wegger\u00e4umt. Sie waren Nihilisten, indem sie eine Moral leugneten, an die sie nicht glaubten. Sie entkoppelten die menschliche Triebnatur v\u00f6llig von moralischen Vorstellungen: Diese seien nur Einbildung oder gesellschaftliche Konvention. So verstanden sie den Menschen letztlich als nur physischen Gesetzen gehorchende &#8222;Maschine&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Foucault legte auch diese zweite S\u00e4ule nieder: Die Idee einer nach feststehenden, nat\u00fcrlichen Regeln laufenden Triebnatur sei falsch. Diese Regeln seien nicht angeboren, sondern beruhten nur auf Diskurs und letztlich gesellschaftlicher Konvention. Sie sei darum eine blo\u00dfe Konstruktion, allenfalls bestehend in der Vorstellung. Er ist damit quasi ein doppelter Nihilist: Eine physische Triebnatur des Menschen leugnet er ebenso wie eine moralische. F\u00fcr Foucault gibt es damit keine Norm mehr, von der ein Homosexueller abweichen k\u00f6nnte. La Mettrie und de Sade hatten aus dem normativen Naturbegriff die Norm und Foucault noch die Natur eliminiert. Damit alles h\u00fcbsch originell klingt, sprach man jetzt von <em>dekonstruiert<\/em> und verbuchte seine Theorie unter dem <em>Dekonstruktivismus<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>De Sade war aus seiner Sicht zu einem normalen Menschen geworden, indem er die ihm entgegenstehende Norm leugnete und eine auf ihn zugeschnittene an ihre Stelle setzte. Dieser Trick steht jedem offen: Die bange Frage: &#8222;Bin ich ein normaler Mensch?&#8220;, stellt sich nicht, wenn es keine feststehende Normalit\u00e4t gibt, sondern alle Normen nur diskursiv konstruiert werden. Es nimmt nicht Wunder, da\u00df der Genderismus in vorderster Front auch von Lesben wie Judith Butler konzipiert und vorgetragen wird. So bezieht sich Susanne Baer (*1964) gern auf Butler und Foucault.<a href=\"#_ftn38\" id=\"_ftnref38\">[38]<\/a> Sie empfing &#8222;f\u00fcr ihr Wirken als lesbische Frau&#8220; 2013 einen Preis und sitzt auf Protegierung durch die Gr\u00fcnen seit 2011 als Richterin im Bundesverfassungsgericht. Als ehemalige Leiterin des GenderKompetenzZentrums gilt ihr Kampf &#8222;der tats\u00e4chlichen Gleichstellung von Mann und Frau&#8220;, wie sie am 23.12.2012 in einem ARD-Interview aussagte, also nicht etwa der Gleichberechtigung, sondern dem tats\u00e4chlichen Gleichmachen. M\u00f6chte sie gern ein Mann sein? Auch bei &#8222;tats\u00e4chlicher&#8220; Gleichstellung wird ihr das nicht gelingen. Ihr Genderismus bringt uns keine kultur- oder geistesgeschichtlichen Erkenntnisse \u00fcber Frauen, aber umso mehr \u00fcber den Geisteszustand von Genderisten. Sie bestreiten erbittert die hergebrachte Moral und zugleich ein naturwissenschaftliches Verst\u00e4ndnis von Menschen. Das erhellt, wer f\u00fcr sie der Feind ist, gegen den sie ihr eigenes Weltbild und damit ihre eigene Identit\u00e4t gr\u00fcnden und verteidigen<a href=\"#_ftn39\" id=\"_ftnref39\">[39]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier schlie\u00dft sich unser gedanklicher Kreis um das Frauenbild. Wenn alle Menschen gleich sind und Geschlechter nur Konstruktionen darstellen, gibt es n\u00e4mlich gar kein Geschlecht mehr &#8211; au\u00dfer in der Vorstellung. Wir suchen in den Publikationen der Genderisten vergeblich nach einer konkreten Vorstellung oder neuen Idee, was Frau zu sein ausmacht, was Weiblichkeit heute bedeutet, ja, inwiefern sie sich von M\u00e4nnlichkeit \u00fcberhaupt unterscheidet. Vielleicht w\u00e4re eine Antwort durch die Protagonisten des Genderismus auch zuviel verlangt.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer festen Beziehung zwischen Mann und Frau halten sich die Kr\u00e4fte ihrer Anziehung und Absto\u00dfung die Wage. Verschiedene Pers\u00f6nlichkeiten m\u00fcssen sich immer irgendwie zusammenraufen und Interessenkonflikte austragen. Da\u00df sie nicht wieder auseinanderlaufen, liegt an der unwiderstehlichen Anziehungskraft des jeweils anderen Geschlechts auf das eine. Dieser Anziehungskraft unterliegt aber nicht die kleine, sch\u00e4tzungsweise 3-5% der Bev\u00f6lkerung betragende Minderheit derer, die sich nur vom eigenen Geschlecht angezogen f\u00fchlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir hatten schon im Mittelalter eine vor allem unter Klerikern verbreitete Misogynie festgestellt. Frauenfeindlichkeit kann sich leichter einstellen, wenn man ohnehin z\u00f6libat\u00e4r leben mu\u00df. Eine sachliche Kompetenz, \u00fcber &#8222;das Wesen der Frau&#8220; zu urteilen, d\u00fcrfen wir aber nicht bei M\u00e4nnern vermuten, die gar keinen oder kaum Umgang mit ihnen haben. Ebensowenig vermag jemand die volle Bandbreite und Komplexit\u00e4t der Mann-Frau-Beziehung emotional zu erfassen, den das andere Geschlecht kalt l\u00e4\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>In welchem Licht jemand das andere Geschlecht sieht, h\u00e4ngt immer davon ab, ob und wie stark es ihn anzieht, aber auch, welche Erfahrungen er damit gemacht hat. Aus Sicht eines verliebten Br\u00e4utigams sieht die Frauenwelt vielleicht anders aus als aus Sicht eines betrogenen Ehemannes. Es gibt darum frauenfeindliche Einstellungen ebenso wie m\u00e4nnerfeindliche. Beide kann man verstehen, wenn man mitf\u00fchlend auf jemanden eingeht, der unter einer solchen Feindseligkeit leidet. Erst aus der Summe aller Erfahrungen entsteht ein ausgewogenes Bild beider Geschlechter. Es zeigt, da\u00df beide gleicherma\u00dfen talentiert sind zur Boshaftigkeit ebenso wie zu jeder menschlichen Gr\u00f6\u00dfe, die wir uns nur denken k\u00f6nnen. Als Strafverteidiger mit vierzig Jahren Gerichtspraxis kenne ich M\u00f6rderinnen ebensogut wie &#8222;Frauen recht wie Engel&#8220; (Walter von der Vogelweide), und beides manchmal sehr genau. Selbst an den schw\u00e4rzesten M\u00f6rderinnen ist aber nicht alles schwarz, und selbst an engelgleichen Frauen nicht alles rein wei\u00df. So sind wir Menschen alle. Frauen- oder M\u00e4nnerhasser sind darum zwangsl\u00e4ufig Menschenhasser. Etwas uns Bereicherndes lernen k\u00f6nnen wir von ihnen nicht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<p>Es mu\u00df emotional unbefriedigend bleiben, Geschichte als Verfallsgeschichte zu schreiben. Das ist sie aber nur aus einer bestimmten weltanschaulichen Perspektive. Als Geschichte eines Verfalles erscheint uns das derzeitige scheinbare Auseinanderdriften der Geschlechter nur aus dem Blickwinkel einer zutiefst b\u00fcrgerlichen, romantischen Vorstellung der Ehe. Die realen Ehen der b\u00fcrgerlichen Epoche haben ihren idealen Anspruch oft nicht erf\u00fcllt. Am lebenden Beispiel meiner seit 70 Jahren gl\u00fccklich verheirateten Eltern sehe ich aber, da\u00df es solche Ehen gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>In manchen Debatten unserer Tage spielen sich hysterische Extrempositionen zum Sprachrohr <em>der Frauen<\/em> oder <em>der M\u00e4nner<\/em> auf. Sie verk\u00f6rpern den notwendig abzulassenden gesellschaftlichen Dampf, wenn der Anpassungsdruck im Kessel zu gro\u00df wird. Die industrielle Massengesellschaft hatte zwar soziologisch zum Massenmenschen gef\u00fchrt. Diese Massenmenschen m\u00fcssen nach denselben funktionalen Bedingungen dieser Gesellschaft leben, indem sie etwa arbeiten, essen, verbrauchen und irgendwo wohnen m\u00fcssen. Dennoch driften sie ideologisch und kulturell immer weiter auseinander, differenzieren sich in Subkulturen aus und nehmen ihren jeweiligen Ma\u00dfstab gern fanatisch als Ma\u00df aller Dinge. Ideologische Geschlechterk\u00e4mpfe ereignen sich h\u00e4ufiger in den sozialen Medien des Internets und anderen Massenmedien als in der Realit\u00e4t. Leichter f\u00e4llt es im Internet, sich \u00fcber <em>die Frau<\/em> oder <em>den Mann<\/em> den Mund zu zerrei\u00dfen als \u00fcber die nette alte Frau Meier im Erdgescho\u00df oder den hilfsbereiten Hausmeister M\u00fcller. Wenn Menschen sich nur pers\u00f6nlich aufeinander einlassen, k\u00f6nnen sie bemerken, da\u00df alle im Grunde ihres Herzens liebebed\u00fcrftige Wesen sind. An einem Geschlechterkampf mit moralisierendem Auftrumpfen kann niemandem gelegen sein. Er n\u00e4hme uns das Wertvollste, was wir haben: den Gegenstand unserer Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erben des B\u00fcrgertums stehen heute nicht mehr rechts und sind allenfalls noch im soziologischen Sinne b\u00fcrgerlich. B\u00fcrgerliches Denken hat seine normative Gestaltungskraft eingeb\u00fc\u00dft. Fr\u00fcher b\u00fcrgerliche Parteien haben im Bundestag nach und nach ihr Eheverst\u00e4ndnis gesetzgeberisch der Beliebigkeit preisgegeben. Dieser Lauf der Geistesgeschichte ist nicht einfach umkehrbar. Wer wollte auch zur\u00fcck zu einem Frauenbild, das seine normative Kraft aus mangelnder naturwissenschaftlicher Kenntnis und rigidem Moralismus zog?<\/p>\n\n\n\n<p>Um sich sozial durchzusetzen, erfordert jedes Weltbild, auch jedes Bild von Frauen und jede Vorstellung von Ehe, normative Durchschlagskraft. Diese entsteht durch gl\u00e4ubige \u00dcberzeugung ihrer Anh\u00e4nger an ihre Wahrheit. Normativit\u00e4t kann in unserem Land nicht mehr aus g\u00f6ttlichen Geboten oder verbrauchten Moralisierungen erwachsen. Wir haben unsere Lektion aus jahrhundertelanger theologischer oder moralisierender Geringsch\u00e4tzung von Frauen gelernt. Normativit\u00e4t kann heute nur aus der Besinnung auf die eigene weibliche Identit\u00e4t entstehen. Das ist eine Aufgabe, die in erster Linie Frauen selbst leisten m\u00fcssen und k\u00f6nnen. Zur Zeit gibt noch vielfach die verschwindende Minderheit lesbischer Frauen \u00f6ffentlich und akademisch den Ton an.<\/p>\n\n\n\n<p>Identit\u00e4t betrifft und umfa\u00dft aber ebenso die M\u00e4nner und Familien. Zu sein wie wir waren und sind, auch im Unterschied zu anderen Kulturen, gilt als Menschenrecht. Unsere Identit\u00e4t bewahren und durchsetzen zu wollen kann den erforderlichen normativen Druck aufbauen. Darum vergewissern wir uns in unserer Geschichte, wie wir geworden sind und warum wir gerade in dieser Weise denken und f\u00fchlen. Zu unserer Identit\u00e4t geh\u00f6ren die liebevolle Anerkennung der Frauen und das gleichberechtigte Zusammengeh\u00f6ren von Mann und Frau. Sie zu bewahren ist eine Frage gemeinsamen politischen Wollens.<\/p>\n\n\n\n<p>Sonst bleibt nur jedem Einzelnen die Entscheidung unbenommen, sein pers\u00f6nliches Leben einzurichten nicht nach dem, was heute zuf\u00e4llig modisch ist, sondern aus dem zu leben, was f\u00fcr ihn immer gilt. Ein intaktes Familienleben mit Kindern und einer geliebten Frau an der Seite ihres Mannes f\u00fchren zu wollen, gilt in der fiktionalen Welt der einen oder anderen Sozialutopie allerdings schon als subversiver Akt. Thomas Campanella (1568-1639) ersann sich 1602 einen <em>Sonnenstaat<\/em> ohne Familien, in dem alles Gemeinbesitz ist und die Erzeugung von Kindern staatlich kontrolliert wird<a href=\"#_ftn40\" id=\"_ftnref40\">[40]<\/a>. Diese Kontrolle leistet in Edmund Coopers <em>Regime der Frauen<\/em> (1968) eine genetische Perfektionierung der Frauen, die M\u00e4nnern nur noch eine Nebenrolle als Samenspender l\u00e4\u00dft<a href=\"#_ftn41\" id=\"_ftnref41\">[41]<\/a>. Wo Allmachtsphantasien&nbsp; ideologischer Sozialingenieure nach der totalen Herrschaft greifen wie in der Zukunft von Aldous Huxleys (1894-1963) <em>Sch\u00f6ne neue Welt<\/em> (1932) <a href=\"#_ftn42\" id=\"_ftnref42\">[42]<\/a>, kann erst durch eine revolution\u00e4re Tat wieder einen Zustand geschaffen werden, dessen Erhaltung sich sp\u00e4ter einmal lohnen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zustand mu\u00df die Liebe zwischen Mann und Frau sich st\u00f6rungsfrei entfalten k\u00f6nnen. Sie ist das, was immer gilt. Solange Menschen biologisch als M\u00e4nner und Frauen geboren werden, wird es immer wieder zu unterschiedlichen sozialen Konstellationen kommen. Aber wie im Weltall ein Doppelstern immerfort kreist, werden sich beide Geschlechter immer umeinander drehen. Manchmal kreist dabei zwar nur der eine als Trabant um den anderen. Sie geh\u00f6ren aber ewig zusammen und werden sich niemals aus dem Banne ihrer Schwerkraft voneinander l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/004-1024x684.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6018\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/004-1024x684.jpg 1024w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/004-300x200.jpg 300w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/004-768x513.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/004-900x601.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/004.jpg 1090w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fu\u00dfnoten:<\/h2>\n\n\n\n<p>Zum Literaturverzeichnis zu den Fu\u00dfnoten siehe am Schlu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Fuchs (1909 \/ 1985), Band 6 II, S.33<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> J\u00fcnger S.155.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Eibl-Eibesfeldt S.113.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Bini Adamczak, Beziehungsweise Revolution. 1917, 1968 und kommende. Berlin: Suhrkamp 2017, hier: Interview mit Florian Schmid, in: Der Freitag Nr.44\/2017.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a> Plakat &#8222;Wir sind Sieger&#8220; zum Gedenken an den ersten Jahrestag der bolschewistischen Revolution<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\">[6]<\/a> Kondylis (1991) S.218.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\" id=\"_ftn7\">[7]<\/a> J\u00fcnger, Nr 35, S.120.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\" id=\"_ftn8\">[8]<\/a> Helmut Schoeck, Kinderverst\u00f6rung, Die mi\u00dfbrauchte Kindheit, Umschulung auf eine andere Republik, Asendof 1987, S.62.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\" id=\"_ftn9\">[9]<\/a> \u00a7 184 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 1 a StGB in der Fassung des EG OWiG vom 24.5.1968: \u201e&#8230; wer 1. unz\u00fcchtige Schriften verbreitet oder durch Ausstellen, Anschlagen, Vorf\u00fchren oder in anderer Weise sonst allgemein zug\u00e4nglich macht; 1 a. unz\u00fcchtige Schriften herstellt,vervielf\u00e4ltigt, bezieht, vorr\u00e4tig h\u00e4lt, ank\u00fcndigt, anpreist, an einen anderen gelangen l\u00e4\u00dft, &#8230; einf\u00fchrt oder &#8230; auszuf\u00fchren unternimmt &#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\" id=\"_ftn10\">[10]<\/a> Detlef Siegfried, 1968 in der Bundesrepubik: Protest, Revolte, Gegenkultur, Ditzingen 2018, S.94.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\" id=\"_ftn11\">[11]<\/a> Wilhelm Reich, Massenpsychologie des Faschismus, Kopenhagen 1935 u.a.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\" id=\"_ftn12\">[12]<\/a> B\u00f6ckelmann S.14, Text von 1965.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref13\" id=\"_ftn13\">[13]<\/a> B\u00f6ckelmann S.58, und er res\u00fcmiert: &#8222;Dies meint die &#8217;schlechte&#8216; Aufhebung der autorit\u00e4ren Pers\u00f6nlichkeit.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref14\" id=\"_ftn14\">[14]<\/a> B\u00f6ckelmann S.74.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref15\" id=\"_ftn15\">[15]<\/a> Kondylis (1991) S.237 f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref16\" id=\"_ftn16\">[16]<\/a> Ich erfinde mir hier nichts, verweise aber auf meine gesetzliche Schweigepflicht als Strafverteidiger und darf keine identifizierbaren Angaben machen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref17\" id=\"_ftn17\">[17]<\/a> Kondylis (1991) S.203.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref18\" id=\"_ftn18\">[18]<\/a> F. Jonas, Zum Problem des Kommunismus bei Babeuf, in: Der Staat 4\/1965, zitiert nach Gehlen S.65.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref19\" id=\"_ftn19\">[19]<\/a> Gehlen S.64.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref20\" id=\"_ftn20\">[20]<\/a> von Amira S.178.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref21\" id=\"_ftn21\">[21]<\/a> Christiane Gelitz, Spektrum 25.7.2018 https:\/\/www.spektrum.de\/news\/typisch-mann-typisch-frau\/1580506, nach Petri J.Kajonius, John Johnson, Sex differences in 30 facets of the five factor model of personality in the large public, in: Personality and Individual Differences, Volume 129, 15 July 2018, Pages 126-130 = https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0191886918301521.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref22\" id=\"_ftn22\">[22]<\/a> Marco Del Giudice, Tom Booth, Paul Irwing, The Distance Between Mars and Venus: Measuring Global Sex Differences in Personality, Plos One, Januar 2012, volume 7, issue 1, http:\/\/www.naturaleater.com\/Science-articles\/Men-women-personality-chasm.pdf<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref23\" id=\"_ftn23\">[23]<\/a> Werner Stangl (2018). Stichwort: &#8218;Oxytocin&#8216;. Online Lexikon f\u00fcr Psychologie und P\u00e4dagogik. WWW: http:\/\/lexikon.stangl.eu\/892\/oxytocin\/ (2018-12-26).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref24\" id=\"_ftn24\">[24]<\/a> Franziska Sch\u00f6\u00dfler, Einf\u00fchrung in die Gender Studies, Studienbuch Literatuwissenschaft, 2008.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref25\" id=\"_ftn25\">[25]<\/a> Kyeonghi Lee, Weiblichkeitskonzeptionen und Frauengestalten im theoretischen und literarischen Werk Friedrich Schillers, Diss. phil. Marburg 2003, S.7-<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref26\" id=\"_ftn26\">[26]<\/a> In diesem Sinne Judith Butler, Gender Trouble, Feminism and the Subversion of Identity, Routledge, 2.Aufl. 1990, Das Unbehagen der Geschlechter, Suhrkamp 1991.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref27\" id=\"_ftn27\">[27]<\/a> Eibl-Eibesfeldt S.132.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref28\" id=\"_ftn28\">[28]<\/a> Ann Leckie, Ancillary Justice, 2013, deutsch in drei B\u00e4nden: Die Maschinen, Die Mission, Das Imperium, M\u00fcnchen 2015 ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref29\" id=\"_ftn29\">[29]<\/a> Kondylis (1999) S.57.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref30\" id=\"_ftn30\">[30]<\/a> Dominique Kuenzle, Neue Z\u00fcrcher Zeitung 25.7.2017.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref31\" id=\"_ftn31\">[31]<\/a> Zur Dissertation von Johnsson 2007 siehe oben.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref32\" id=\"_ftn32\">[32]<\/a> Der Mensch verschwindet, in: Der Spiegel, 5.4.1993, S.226-229.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref33\" id=\"_ftn33\">[33]<\/a> Michel Foucault, Das Subjekt und die Macht, in: H.Dryfus &#8211; P. Rabinow, Jenseits von Struktur und Hermeneutik, Frankfurt 1987, S.246, 250.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref34\" id=\"_ftn34\">[34]<\/a> Michel Foucault, Les mots et les choses, Paris 1966, S.359.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref35\" id=\"_ftn35\">[35]<\/a> Ulrike Baureithel, Die Nestbeschmutzerin: Wirbel Butler ist \u201egay\u201c, J\u00fcdin und Philosophin. Nun bekommt sie den Adorno-Preis und der Zentralrat der Juden protestiert, in: <em>der Freitag<\/em> 6.9.2012, https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/ulrike-baureithel\/judith-butler-die-nestbeschmutzerin<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref36\" id=\"_ftn36\">[36]<\/a> Michel Foucault, in: Faye S.80.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref37\" id=\"_ftn37\">[37]<\/a> Michel Foucault, in: Faye S.84 f..<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref38\" id=\"_ftn38\">[38]<\/a> Susanne Baer, Rechtssoziologie, 2011.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref39\" id=\"_ftn39\">[39]<\/a> Kondylis (1984), S.21<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref40\" id=\"_ftn40\">[40]<\/a> Thomas Campanella, De Civitate Dei, 1602, hier nach: Klaus J. Heinisch, Der utopische Staat, 1960.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref41\" id=\"_ftn41\">[41]<\/a> Edmund Cooper, Five to twelve, 1968, deutsch: Das Regime der Frauen, M\u00fcnchen 1969.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref42\" id=\"_ftn42\">[42]<\/a> Aldous Huxley, Brave new World, 1932, deutsch: Sch\u00f6ne neue Welt, Hamburg 1953,<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn43\" href=\"#_ftnref43\"><sup>[43]<\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/www.lda-lsa.de\/fileadmin\/pdf\/Tagungen\/9._MDA_Integration_und_Migration.pdf\">https:\/\/www.lda-lsa.de\/fileadmin\/pdf\/Tagungen\/9._MDA_Integration_und_Migration.pdf<\/a>, S.23 f.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Literaturverzeichnis<\/h1>\n\n\n\n<p>f\u00fcr das Gesamtwerk &#8222;Das ewig Weibliche&#8220;:<\/p>\n\n\n\n<p>Amira, Karl von, Grundri\u00df des germanischen Rechts, Stra\u00dfburg 1913.<\/p>\n\n\n\n<p>Andersson, Thorsten, Germanische Personennamen vor indogermanischem Hintergrund, in: Albrecht Greule und Matthias Springer (Hrg.), Namen des Fr\u00fchmittelalters als sprachliche Zeugnisse und als Geschichtsquellen, Berlin 2009.<\/p>\n\n\n\n<p>Appelt, Heinrich (Hrg.), Frau und sp\u00e4tmittelalterlicher Alltag, Internationaler Kongre\u00df Krems an der Donau, 2. bis 5.10.1984. (= \u00d6sterreichische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse. Sitzungsberichte, Bd. 473. &#8211; Ver\u00f6ffentlichungen des Instituts f\u00fcr Mittelalterliche Realienkunde \u00d6sterreichs, Nr. 9), Wien 1986.<\/p>\n\n\n\n<p>Baltrusch, Dagmar Beate, Und was sagt Thusnelda? Zu Macht und Einflu\u00df germanischer Frauen, in: Baltrusch Ernst (Hrg.) u.a., 2000 Jahre Varusschlacht: Geschichte &#8211; Arch\u00e4ologie &#8211; Legenden, Berlin 2012.<\/p>\n\n\n\n<p>Bender, Franz, Illustrierte Geschichte der Stadt K\u00f6ln, K\u00f6ln 1912, 4.Auflage<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00f6ckelmann, Frank, Die schlechte Aufhebung der autorit\u00e4ren Pers\u00f6nlichkeit, Freiburg 1971, Nachdruck von 1987.<\/p>\n\n\n\n<p>Brenneke, Adolf, Herzogin Elisabeth von Braunschweig-L\u00fcneburg, in: Zeitschrift der Gesellschaft f\u00fcr nieders\u00e4chsische Kirchengeschichte, 28. Jahrgang, Braunschweig 1933, S.140 ff.<\/p>\n\n\n\n<p>Dienst, Heide, Frauenalltag in erz\u00e4hlenden Quellen, in: Heinrich Appelt (Hrg.), a.a.O., Wien 1986, S.214-242.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebbersmeyer, Sabrina, Lateinische Werke \u00fcber Frauen in deutschen \u00dcbersetzungen der Renaissance, <a href=\"http:\/\/www.phil-hum-ren.uni-muenchen.de\/GermLat\/Acta\/Ebbersmeyer.htm\">http:\/\/www.phil-hum-ren.uni-muenchen.de\/GermLat\/Acta\/Ebbersmeyer.htm<\/a>, 13.8.2002<\/p>\n\n\n\n<p>Egeler, Matthias, Walk\u00fcren, Bodbs, Sirenen: Gedanken zur religionsgeschichtlichen Anbindung Nordwesteuropas an den mediterranen Raum, 2001.<\/p>\n\n\n\n<p>Eibl-Eibesfeldt, Iren\u00e4us Der Mensch, das riskierte Wesen, 2.Aufl. M\u00fcnchen 1988.<\/p>\n\n\n\n<p>Ennen, Edith, Frauen im Mittelalter, 1984.<\/p>\n\n\n\n<p>Esmyol, Andrea, Geliebte oder Ehefrau? Konkubinen im fr\u00fchen Mittelalter, K\u00f6ln 2002.<\/p>\n\n\n\n<p>Faye, Jean Pierre (Hrg.), Le folie encercl\u00e9e, 1977, deutsch: David Cooper, Michel Foucault, Marquis de Sade u.a., Der eingekreiste Wahnsinn, Frankfurt 1979..<\/p>\n\n\n\n<p>Fuchs, Eduard, Illustrierte Sittengeschichte, M\u00fcnchen 1909 \/ Fischer-Taschenbuch M\u00fcnchen 1985.<\/p>\n\n\n\n<p>G\u00e4rtner, Tobias, Brigitte Haas-Gebhard, Michaela Harbeck, Franziska Immler und Andreas Rott, Fr\u00fchmittelalterliche Frauen in Waffen? Divergenzen zwischen der arch\u00e4ologischen und der anthropologischen Geschlechtsansprache, in: Bayerische Vorgeschichtsbl\u00e4tter 79, 2014, S.219-240.<\/p>\n\n\n\n<p>Gehlen, Arnold, Moral und Hypermoral, 4.Aufl. Wiesbaden 1986.<\/p>\n\n\n\n<p>Haak, Wolfgang, Populationsgenetik der ersten Bauern Mitteleuropas, Eine aDNA-Studie an neolithischem Skelettmaterial, Diss. phil. Mainz 2006.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; derselbe: Zur Dynamik von jungsteinzeitlichen und bronzezeitlichen Bev\u00f6lkerungsgruppen in der Vorgeschichte Europas, Vortrag auf dem 9. Mitteldeutschen Arch\u00e4ologentag, Leipzig, 2016.<a href=\"#_ftn43\" id=\"_ftnref43\"><sup>[43]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Haupt, Moriz, Neidhart von Reuental, Leipzig 1858.<\/p>\n\n\n\n<p>Heimann, Heinz-Dieter, Alltag und Ansehen der Frau im sp\u00e4ten Mittelalter in: Heinrich Appelt a.a.O. S.243-282.<\/p>\n\n\n\n<p>Heineccius, Johann Gottlieb, Elementa juris naturae et gentium, 1737, Hrg. Christoph Berg\u00adfeld, Frankfurt 1994.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Hippel, Theodor Gottlieb, \u00dcber die b\u00fcrgerliche Verbesserung der Weiber, Berlin 1792.<\/p>\n\n\n\n<p>Hobbes, Thomas, Leviathan, 1651, Stuttgart 1970, Reclam.<\/p>\n\n\n\n<p>Holzem, Andreas und Ines Weber, Ehe &#8211; Familie &#8211; Verwandtschaft, Vergesellschaftung in Religion und sozialer Lebenswelt, Paderborn 2008.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00fcllmann, Karl Dietrich, St\u00e4dtewesen des Mittelalters, 4.Teil B\u00fcrgerleben, Bonn 1829.<\/p>\n\n\n\n<p>Jacobius, Helene, Die Erziehung des Edelfr\u00e4uleins im alten Frankreich, Halle 1908, in; Gustav Gr\u00f6ber (Hrg.), Zeitschrift f\u00fcr romanische Philologie, XVI.Heft.<\/p>\n\n\n\n<p>Johansson, Nina, &#8222;\u2026 die grenzen der Witwen wird er feste machen\u2026 &#8222;, Konstruktionen von Weiblichkeit im lyrischen und didaktischen Werk der Herzogin Elisabeth von Braunschweig-L\u00fcneburg (1510-1558), Diss., Stockholm 2007.<\/p>\n\n\n\n<p>J\u00fcnger, Ernst, Der Arbeiter, Hamburg 1932, hier benutzt: Stuttgart 1981.<\/p>\n\n\n\n<p>Keil, Gundolf, Die Frau als \u00c4rztin und Patientin, in: Appelt (1986) S.157-211.<\/p>\n\n\n\n<p>Kocher, Gernot, Die Frau im sp\u00e4tmittelalterlichen Rechtsleben, in: Appelt (1986) S.475-486.<\/p>\n\n\n\n<p>Kondylis, Panajotis, Macht und Entscheidung, Stuttgart 1984.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; derselbe: Die Aufkl\u00e4rung im Rahmen des neuzeitlichen Rationalismus, 1986.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; derselbe: Die neuzeitliche Metaphysikkritik, Stuttgart 1990.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; derselbe: Der Niedergang der b\u00fcrgerlichen Denk- und Lebensform, 1991.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; derselbe: Das Politische und der Mensch, Grundz\u00fcge der Sozialontologie, Berlin 1999.<\/p>\n\n\n\n<p>Lachmann, Karl, Ulrich von Lichtenstein, Berlin 1841.<\/p>\n\n\n\n<p>Lachmann, Karl und Moritz Haupt, Des Minnesangs Fr\u00fchling, 4.Ausgabe Leipzig 1885.<\/p>\n\n\n\n<p>La Mettrie, Julien Offray de, Discours sur le bonheur, 1748\/51, \u00dcber das Gl\u00fcck, oder: Das h\u00f6chste Gut (\u00bbAnti-Seneca\u00ab), Hrg.Bernd A. Laska, N\u00fcrnberg 1985<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; derselbe: L&#8217;homme machine (1748), Der Mensch als Maschine, Hrg. Bernd Laska, 2.Aufl. N\u00fcrnberg 1988.<\/p>\n\n\n\n<p>ledeburg, Leopold von, Das Land und Volk der Bructerer, Berlin 1827.<\/p>\n\n\n\n<p>Leporin, Dorothee Christiane, sp\u00e4ter verheiratete Erxleben, Gr\u00fcndliche Untersuchung der Ursachen, die das Weibliche Geschlecht vom Studiren abhalten, Berlin 1742.<\/p>\n\n\n\n<p>Liechtenberg, Jakob von, Hexen Buechlin || Das ist\/|| Ware Entdeck=||ung vnd erkl\u00e6rung aller fuer||nembster Artickel der Zauberey\/|| &#8230; Etwann durch den Wolgebornen || Herrn\/ Herrn Jacob Freyherrn von || Liechtenberg\/ [et]c. au\u00df jhrer Ge=||fengknu\u00df erfahren.|| Jetzt aber zu nutz allen V\u0153gt\u1ebd\/Schult=||heissen &#8230; || durch Doctor Jacob || Wecker an tag geben.|| Colmar 1575.<\/p>\n\n\n\n<p>Lutterbach, Hubertus, Sexualit\u00e4t im Mittelalter, Eine Kulturstudie anhand von Bu\u00dfb\u00fcchern des 6.bis 12. Jahrhunderts, K\u00f6ln 1999.<\/p>\n\n\n\n<p>Mescoli, Felix, Von gepl\u00fcnderten Heiligt\u00fcmern und geheiligten Pl\u00fcnderern, Die Christianisierung Skandinaviens im Mittelalter 814-1104, Diss. phil. Augsburg 2005.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitteis, Heinrich und Heinz Lieberich, Deutsche Rechtsgeschichte, 15.Auf. M\u00fcnchen 1978.<\/p>\n\n\n\n<p>Quitzmann, Anton, Die \u00e4lteste Rec<a href=\"#_edn1\" id=\"_ednref1\">[i]<\/a>htsverfassung der Baiwaren, N\u00fcrnberg 1866.<\/p>\n\n\n\n<p>Rath, Brigitte, Prostitution und Gesellschaft, in: (1986) S.553-571.<\/p>\n\n\n\n<p>Schiffels, Stephan, Einsichten in die Periode der angels\u00e4chsischen Einwanderung aus Sicht der Genetik, Vortrag auf dem 9. Mitteldeutschen Arch\u00e4ologentag, Leipzig, 2016.<\/p>\n\n\n\n<p>Schroeter, Klaus, Entstehung einer Gesellschaft, Fehden und B\u00fcndnis bei den Wikingern, Schriften zur Kultsoziologie 15, Berlin 1994.<\/p>\n\n\n\n<p>Stephan, Hans-Georg, Zur Siedlungsgeschichte im Raum F\u00fcrstenhagen, in: Klaus Kunze, F\u00fcrstenhagen in Bramwald, Uslar 1997, S.9-35.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; derselbe: Der Solling im Mittelalter, Dormagen 2010.<\/p>\n\n\n\n<p>Tacitus, Germania, Hrg. Manfred Fuhrmann, Stuttgart (Reclam) 1972.<\/p>\n\n\n\n<p>Thoss, Dagmar, Frauenerziehung im sp\u00e4ten Mittelalter, in: Heinrich Appelt (1986), S.301-323.<\/p>\n\n\n\n<p>T\u00f6gel, Hermann, Germanenglaube, Leipzig 1926.<\/p>\n\n\n\n<p>Uitz, Erika, Frau im Berufsleben der sp\u00e4tmittelalterlichen Stadt, in: Appelt (1986) S.439.<\/p>\n\n\n\n<p>Vogt, Friedrich, Geschichte der mittelhochdeutschen Literatur, 1.Teil, 3.Aufl., Berlin 1922.<\/p>\n\n\n\n<p>Voland, Eckart, Hrg., Fortpflanzung: Natur und Kultur im Wechselspiel, Versuch eines Dialogs zwischen Biologen und Sozialwissenschaften, Frankfurt 1992.<\/p>\n\n\n\n<p>Voland, Eckart, Grundri\u00df der Soziobiologie, Stuttgart 1993.<\/p>\n\n\n\n<p>Weber, Ines, &#8222;Wachset und mehret euch&#8220;, Die Eheschlie\u00dfung im fr\u00fchen Mittelalter als soziale F\u00fcrsorge, in: Holzem-Weber (2008) S.145-180.<\/p>\n\n\n\n<p>Weinhold, Karl, Die deutschen Frauen in dem Mittelalter, 1.Auflage Wien 1851, 1.Bd., 2.Aufl. Wien 1882, 2.Bd., 3.Aufl. Wien 1897.<\/p>\n\n\n\n<p>Zechiel, Miriam, \u201e[M]it den eigenen Zungen geschaffen\u201c \u2013 Sprachliche (De)Konstruktionen und metasprachliche Reflexionen in vier Traktaten zum Hexereisujet, Diss. phil. Mannheim 2017<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignfull size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1007\" height=\"569\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Zuschneiden_9.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6026\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Zuschneiden_9.jpg 1007w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Zuschneiden_9-300x170.jpg 300w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Zuschneiden_9-768x434.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Zuschneiden_9-900x509.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 1007px) 100vw, 1007px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref1\" id=\"_edn1\"><\/a>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politische Ideologien sind Orientierungshilfen f\u00fcr Menschen, die die Welt nicht mehr verstehen. In der Moderne ger\u00e4t man schneller in die Lage als mancher denkt. Alles ver\u00e4ndert sich immer schneller &#8211; &#8222;Alles flie\u00dft&#8220;, wie schon Heraklit wu\u00dfte. Das fr\u00fchere Selbstverst\u00e4ndnis von Weiblichkeit ist vielen Frauen verlorengegangen, und vielen M\u00e4nnern die besondere Hochachtung und Wertsch\u00e4tzung, die Frauen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6021,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"h5ap_radio_sources":[],"twitterCardType":"","cardImageID":0,"cardImage":"","cardTitle":"","cardDesc":"","cardImageAlt":"","cardPlayer":"","cardPlayerWidth":0,"cardPlayerHeight":0,"cardPlayerStream":"","cardPlayerCodec":"","footnotes":""},"categories":[1,13,20,17],"tags":[],"class_list":["post-6017","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-geschichte","category-philosophie","category-politik"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Aufl\u00f6sung der Weiblichkeit durch die Moderne - Klaus Kunze<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2024\/01\/03\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Aufl\u00f6sung der Weiblichkeit durch die Moderne - Klaus Kunze\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Politische Ideologien sind Orientierungshilfen f\u00fcr Menschen, die die Welt nicht mehr verstehen. In der Moderne ger\u00e4t man schneller in die Lage als mancher denkt. Alles ver\u00e4ndert sich immer schneller &#8211; &#8222;Alles flie\u00dft&#8220;, wie schon Heraklit wu\u00dfte. Das fr\u00fchere Selbstverst\u00e4ndnis von Weiblichkeit ist vielen Frauen verlorengegangen, und vielen M\u00e4nnern die besondere Hochachtung und Wertsch\u00e4tzung, die Frauen [&hellip;]\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2024\/01\/03\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Klaus Kunze\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2024-01-03T09:16:20+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2024-01-03T09:16:21+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/aaab.jpg\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:width\" content=\"874\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:height\" content=\"728\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:type\" content=\"image\/jpeg\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"Klaus Kunze\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Verfasst von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"Klaus Kunze\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"65\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"Article\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/2024\\\/01\\\/03\\\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\\\/#article\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/2024\\\/01\\\/03\\\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\\\/\"},\"author\":{\"name\":\"Klaus Kunze\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/9c091cf30ab68b897db6a517e3c3b11b\"},\"headline\":\"Die Aufl\u00f6sung der Weiblichkeit durch die Moderne\",\"datePublished\":\"2024-01-03T09:16:20+00:00\",\"dateModified\":\"2024-01-03T09:16:21+00:00\",\"mainEntityOfPage\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/2024\\\/01\\\/03\\\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\\\/\"},\"wordCount\":12960,\"commentCount\":1,\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/9c091cf30ab68b897db6a517e3c3b11b\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/2024\\\/01\\\/03\\\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\\\/#primaryimage\"},\"thumbnailUrl\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2024\\\/01\\\/aaab.jpg\",\"articleSection\":{\"1\":\"Geschichte\",\"2\":\"Philosophie\",\"3\":\"Politik\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"CommentAction\",\"name\":\"Comment\",\"target\":[\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/2024\\\/01\\\/03\\\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\\\/#respond\"]}]},{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/2024\\\/01\\\/03\\\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/2024\\\/01\\\/03\\\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\\\/\",\"name\":\"Die Aufl\u00f6sung der Weiblichkeit durch die Moderne - Klaus Kunze\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/#website\"},\"primaryImageOfPage\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/2024\\\/01\\\/03\\\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\\\/#primaryimage\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/2024\\\/01\\\/03\\\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\\\/#primaryimage\"},\"thumbnailUrl\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2024\\\/01\\\/aaab.jpg\",\"datePublished\":\"2024-01-03T09:16:20+00:00\",\"dateModified\":\"2024-01-03T09:16:21+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/2024\\\/01\\\/03\\\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\\\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/2024\\\/01\\\/03\\\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\\\/\"]}]},{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/2024\\\/01\\\/03\\\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\\\/#primaryimage\",\"url\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2024\\\/01\\\/aaab.jpg\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2024\\\/01\\\/aaab.jpg\",\"width\":874,\"height\":728},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/2024\\\/01\\\/03\\\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\\\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Startseite\",\"item\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Die Aufl\u00f6sung der Weiblichkeit durch die Moderne\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/#website\",\"url\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/\",\"name\":\"Klaus Kunze\",\"description\":\"Blog\",\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/9c091cf30ab68b897db6a517e3c3b11b\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":[\"Person\",\"Organization\"],\"@id\":\"https:\\\/\\\/klauskunze.com\\\/blog\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/9c091cf30ab68b897db6a517e3c3b11b\",\"name\":\"Klaus Kunze\",\"image\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/secure.gravatar.com\\\/avatar\\\/5cd83cadbada9c331a79952fcca177ed3d3be4c7ad3239b9d934bf84adff15dd?s=96&d=blank&r=g\",\"url\":\"https:\\\/\\\/secure.gravatar.com\\\/avatar\\\/5cd83cadbada9c331a79952fcca177ed3d3be4c7ad3239b9d934bf84adff15dd?s=96&d=blank&r=g\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/secure.gravatar.com\\\/avatar\\\/5cd83cadbada9c331a79952fcca177ed3d3be4c7ad3239b9d934bf84adff15dd?s=96&d=blank&r=g\",\"caption\":\"Klaus Kunze\"},\"logo\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/secure.gravatar.com\\\/avatar\\\/5cd83cadbada9c331a79952fcca177ed3d3be4c7ad3239b9d934bf84adff15dd?s=96&d=blank&r=g\"},\"sameAs\":[\"http:\\\/\\\/KlausKunze.com\",\"https:\\\/\\\/x.com\\\/https:\\\/\\\/twitter.com\\\/KlausKunze3\"]}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Die Aufl\u00f6sung der Weiblichkeit durch die Moderne - Klaus Kunze","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2024\/01\/03\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\/","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Die Aufl\u00f6sung der Weiblichkeit durch die Moderne - Klaus Kunze","og_description":"Politische Ideologien sind Orientierungshilfen f\u00fcr Menschen, die die Welt nicht mehr verstehen. In der Moderne ger\u00e4t man schneller in die Lage als mancher denkt. Alles ver\u00e4ndert sich immer schneller &#8211; &#8222;Alles flie\u00dft&#8220;, wie schon Heraklit wu\u00dfte. Das fr\u00fchere Selbstverst\u00e4ndnis von Weiblichkeit ist vielen Frauen verlorengegangen, und vielen M\u00e4nnern die besondere Hochachtung und Wertsch\u00e4tzung, die Frauen [&hellip;]","og_url":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2024\/01\/03\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\/","og_site_name":"Klaus Kunze","article_published_time":"2024-01-03T09:16:20+00:00","article_modified_time":"2024-01-03T09:16:21+00:00","og_image":[{"width":874,"height":728,"url":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/aaab.jpg","type":"image\/jpeg"}],"author":"Klaus Kunze","twitter_misc":{"Verfasst von":"Klaus Kunze","Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"65\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"Article","@id":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2024\/01\/03\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\/#article","isPartOf":{"@id":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2024\/01\/03\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\/"},"author":{"name":"Klaus Kunze","@id":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/#\/schema\/person\/9c091cf30ab68b897db6a517e3c3b11b"},"headline":"Die Aufl\u00f6sung der Weiblichkeit durch die Moderne","datePublished":"2024-01-03T09:16:20+00:00","dateModified":"2024-01-03T09:16:21+00:00","mainEntityOfPage":{"@id":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2024\/01\/03\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\/"},"wordCount":12960,"commentCount":1,"publisher":{"@id":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/#\/schema\/person\/9c091cf30ab68b897db6a517e3c3b11b"},"image":{"@id":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2024\/01\/03\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\/#primaryimage"},"thumbnailUrl":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/aaab.jpg","articleSection":{"1":"Geschichte","2":"Philosophie","3":"Politik"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"CommentAction","name":"Comment","target":["https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2024\/01\/03\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\/#respond"]}]},{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2024\/01\/03\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\/","url":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2024\/01\/03\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\/","name":"Die Aufl\u00f6sung der Weiblichkeit durch die Moderne - Klaus Kunze","isPartOf":{"@id":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/#website"},"primaryImageOfPage":{"@id":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2024\/01\/03\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\/#primaryimage"},"image":{"@id":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2024\/01\/03\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\/#primaryimage"},"thumbnailUrl":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/aaab.jpg","datePublished":"2024-01-03T09:16:20+00:00","dateModified":"2024-01-03T09:16:21+00:00","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2024\/01\/03\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2024\/01\/03\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\/"]}]},{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2024\/01\/03\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\/#primaryimage","url":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/aaab.jpg","contentUrl":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/aaab.jpg","width":874,"height":728},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2024\/01\/03\/die-aufloesung-der-weiblichkeit-durch-die-moderne\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Startseite","item":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Die Aufl\u00f6sung der Weiblichkeit durch die Moderne"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/#website","url":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/","name":"Klaus Kunze","description":"Blog","publisher":{"@id":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/#\/schema\/person\/9c091cf30ab68b897db6a517e3c3b11b"},"potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"de"},{"@type":["Person","Organization"],"@id":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/#\/schema\/person\/9c091cf30ab68b897db6a517e3c3b11b","name":"Klaus Kunze","image":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/5cd83cadbada9c331a79952fcca177ed3d3be4c7ad3239b9d934bf84adff15dd?s=96&d=blank&r=g","url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/5cd83cadbada9c331a79952fcca177ed3d3be4c7ad3239b9d934bf84adff15dd?s=96&d=blank&r=g","contentUrl":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/5cd83cadbada9c331a79952fcca177ed3d3be4c7ad3239b9d934bf84adff15dd?s=96&d=blank&r=g","caption":"Klaus Kunze"},"logo":{"@id":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/5cd83cadbada9c331a79952fcca177ed3d3be4c7ad3239b9d934bf84adff15dd?s=96&d=blank&r=g"},"sameAs":["http:\/\/KlausKunze.com","https:\/\/x.com\/https:\/\/twitter.com\/KlausKunze3"]}]}},"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6017","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6017"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6017\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6030,"href":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6017\/revisions\/6030"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6021"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6017"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6017"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6017"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}