{"id":617,"date":"2019-11-24T16:43:35","date_gmt":"2019-11-24T15:43:35","guid":{"rendered":"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/?p=617"},"modified":"2019-11-25T09:55:01","modified_gmt":"2019-11-25T08:55:01","slug":"jacob-freudenthals-aufklaerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2019\/11\/24\/jacob-freudenthals-aufklaerung\/","title":{"rendered":"Jacob Freudenthals Aufkl\u00e4rung"},"content":{"rendered":"\n<p>Seit Ende des 17. Jahrhunderts sind Juden in Bodenfelde an der Weser nachweisbar.<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> Ihre Anzahl hat sich durch Zuzug wesentlich erh\u00f6ht, seit auf die Eroberungsz\u00fcge Napoleons die Gr\u00fcndung des \u201eK\u00f6nigreichs Westphalen\u201c unter dessen Bruder Jerome folgte und fr\u00fchere Zuzugsbeschr\u00e4nkungen wegfielen. Weggefallen waren damit auch alte Verbote f\u00fcr Juden, bestimmte Berufe auszu\u00fcben. Gleichwohl waren und blieben alle Bodenfelder Juden, soweit das anhand der Quellen festgestellt werden kann, H\u00e4ndler oder Kaufleute.<\/p>\n\n\n\n<p>Von einer Taufe eines Juden berichtet das Kirchenbuch Bodenfelde nur einmal: &#8222;Am 2.8.1818 ist der Israelit Bar Isaak mit dem Zunamen Mannsberg nach ergangenem Unterricht bei dem Herrn Pastor und in Gegenwart einer zahlreichen Versammlung \u00f6ffentlich getauft worden, alt 23 Jahr \u2013 Zeugen bei dieser Handlung waren Herr Bippart Inhaber der Spiegelh\u00fctte Amelith, Herr Assessor Salfeld zu Nienover, Herr Dr. Lutz zu Uslar Herr Pastor G\u00f6rk zu Lippoldsberg und Herr Kaufmann Fischer daselbst, Herr Factor Wessel ebendaselbst, Herr Gest\u00fctmeister Rente in Neuhaus. Es wurde unter den Zeugen der Name Johannes Ludwig Georg Carl Philipp Conrad mit dem sonstigen Zunamen Mannsberg beigelegt.&#8220;<a href=\"#_ftn2\"><strong>[2]<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die gr\u00f6\u00dfer werdende j\u00fcdische Gemeinde ben\u00f6tigte Rabbiner. Diese entstammten ebensowenig Bodenfelder Familien wie die evangelischen Pfarrer. Wie diese hatten sie eine Ausbildung zu absolvieren und wurden in den Ort berufen, ohne hier lebenslang zu bleiben. Sie pr\u00e4gten das geistige Klima, in dem j\u00fcdische Kinder die j\u00fcdische Schule besuchten und aufwuchsen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende des 18. Jahrhunderts hatte sich der Jude Benjamin Meier aus Braunschweig in Bodenfelde angesiedelt. Familiennamen hatten die Juden bis dahin nicht. Sie f\u00fchrten hintger ihrem Vornamen den Vornamen des Vaters. Dieses patronymische Namenssystem gab es bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch in Ostfriesland. Als Napoleons Dekret vom 18.8.1811 die Annahme fester Familiennamen erzwang, wurden sie auch in Ostfriesland und bei den Juden angenommen. Benjamin Meier nahm den Namen Freudenthal an, ein anderer Bodenfelder Jude den Namen Kahlberg. Freudenthal ist der Name der Schlo\u00dfruine im nahen Uslar und der Kahlberg eine Bodenfelder \u00d6rtlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p> In einer Bodenfelder Aufstellung der ans\u00e4ssigen Juden finden wir 1814  Benjamin Meier, jetzt Freudenthal, mit Frau und 5 Kindern, n\u00e4hrt sich vom Handel und Schlachterei.<a href=\"#_ftn3\"><strong>[3]<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Benjamins Sohn Abraham, sp\u00e4ter Abraham Freudenthal, wurde am 29.5.1795 geboren und ist noch 1861 als Handelsmann im Ort erw\u00e4hnt.<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> Mit seiner dritten Ehefrau Frommet Eckstein zeugte er als sechstes von zehn Kindern den am 20.6.1839 in Bodenfelde geborenen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jakob_Freudenthal\">Jacob Freudenthal<\/a>.<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p>Jacob verlebte seine\nKindheit in Bodenfelde und besuchte hier die j\u00fcdische Schule. Diese befand sich\n1834 \u201ein dem alten, jetzt verfallenen Amtshause.\u201c<a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a>\n1846 war Lehrer Calman Katzenstein, 1850-1852 Louis Adam<a href=\"#_ftn7\">[7]<\/a>,\n1852-1868 H. Block aus Hildesheim, der auch sch\u00e4chtete. 1859 bem\u00e4ngelte der\nLandrabbiner Landsberg die unregelm\u00e4\u00dfige Verteilung der einzelnen\nUnterrichtsf\u00e4cher, weil Block \u00fcberwiegend sonntags Religion gab, an den \u00fcbrigen\nTagen zusammen aber nur insgesamt neun Stunden Religion.\u201c<a href=\"#_ftn8\">[8]<\/a>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Jacob Freudenthal\nbesuchte die Bodenfelder Schule ab seinem f\u00fcnften Lebensjahr regelm\u00e4\u00dfig.<a href=\"#_ftn9\">[9]<\/a>&nbsp; 1855 verlie\u00df er sie und trat \u201ein das\nGymnasium des J\u00fcdisch-theologischen Seminars in Breslau ein. Sein Berufswunsch\nwar urspr\u00fcnglich auf das Rabbineramt gerichtet gewesen, doch lenkte Jacob\nBernays (1824-1881), der in Breslau zu den Lehrern z\u00e4hlte, sein Interesse auf\ndie Klassische Philologie. Im Jahre 1858 legte Freudenthal die\nMaturit\u00e4tspr\u00fcfung am Gymnasium in Hannover ab, um anschlie\u00dfend das Studium der\n(evangelischen) Theologie, Philosophie und Philologie an den Universit\u00e4ten\nBreslau und G\u00f6ttingen aufzunehmen.\u201c<a href=\"#_ftn10\">[10]<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"308\" height=\"399\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/V11p512001.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-620\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/V11p512001.jpg 308w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/V11p512001-232x300.jpg 232w\" sizes=\"auto, (max-width: 308px) 100vw, 308px\" \/><figcaption>Spinoza war Freudenthals geistiges Vorbild.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Als Professor der Philosophie ver\u00f6ffentlichte er\nviele B\u00fccher, und sein akademischer Lebensweg ist lang, liest sich spannend\naber nur f\u00fcr Fachleute, ist gut dokumentiert und publiziert und mu\u00df hier nicht\nwiederholt werden. Freudenthal starb schlie\u00dflich in Schreiberhau in Schlesien\nam 1.6.1907. Uns interessiert, was wir aus seinem Leben und seinen Schriften \u00fcber ihn selbst erfahren, \u00fcber seine Jugend in\nBodenfelde, sein Elternhaus und die Juden in Bodenfelde, als deren ber\u00fchmtester\nVertreter er hervorgegangen ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Jacob Freudenthal selbst erm\u00f6glicht uns tiefe Einblicke in seine Jugend, seine eigene Einstellung und die Triebfedern seines Denkens in seinem 1904 erschienenen Buch<a href=\"#_ftn11\">[11]<\/a> \u00fcber den Philosophen Baruch Spinoza<a href=\"#_ftn12\">[12]<\/a>. Seinem Buch voran stellt er ein Zitat Spinozas <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Umso leichter werden wir Jemandes Worte erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, je besser wir sein Wesen und seinen Geist kennen.<\/p><cite> (Spinoza, theolog.-politischer Traktat VII, 24)  <\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wir d\u00fcrfen den Satz\numdrehen: Wir wollen Freudenthals Wesen und seinen Geist in seinen\nhinterlassenen Worten und Werken kennenlernen. \u201eSage mir, wer dein Held ist,\nund ich sage dir, wer du bist!\u201c, Wenn wir nach dieser Methode lesen, wie\nFreudenthal das Leben Spinozas schildert, erfahren wir alles \u00fcber Freudenthal,\nwas wir wissen wollen. Er hat Spinoza offen verehrt und grenzenlos bewundert:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Er wird immer Bewunderung und Verehrung bei denen finden, die sich ohne Vorurteil dem Zauber seines Wesens hingeben.<a href=\"#_ftn13\"><strong>[13]<\/strong><\/a><\/p><p> Seine wissenschaftliche Ausbildung ist es gewesen, die ihm den Glauben  der Kindheit ersch\u00fctterte und den frommen Anh\u00e4nger der Bibel und des  Talmuds zum freiesten Denker des 17. Jahrhunderts machte.<a href=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-admin\/post-new.php#_ftn14\"><strong>[14]<\/strong><\/a> <\/p><cite>Jakob Freudenthal \u00fcber Spinoza<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wer das \u201efreien Denken\u201c mit solchen Worten dem \u201efrommen Anh\u00e4ngen\u201c entgegensetzt, bezieht damit f\u00fcr sich selbst eine klare Position. Auch Freudenthal brachte aus seiner Bodenfelder Kindheit frommen Glauben mit und praktizierte diesen als gl\u00e4ubiger Jude. Bis in die Jahre als Breslauer Dozent hielt Jacob Freudenthal die rituellen Vorgaben gewissenhaft ein. Urspr\u00fcnglich hatte er Rabbiner werden wollen. Seine &#8222;Einstellung zur j\u00fcdischen Religion war zun\u00e4chst von einer engen, auch familiengeschichtlich gepr\u00e4gten Bindung bestimmt. Mit der \u00dcbernahme der Universit\u00e4tsprofessur scheint ein Wandel eingetreten zu sein. Die Mehrzahl der Kinder lie\u00df sich mit Einwilligung des Vaters taufen.\u201c<a href=\"#_ftn15\">[15]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"614\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Zuschneiden_7.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-619\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Zuschneiden_7.jpg 1000w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Zuschneiden_7-300x184.jpg 300w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Zuschneiden_7-768x472.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Zuschneiden_7-900x553.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption> An der  schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t in Breslau wirkte Jacob Freudenthal  aus Bodenfelde zuletzt als Dekan.    <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"452\" height=\"689\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/grafik-6.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-632\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/grafik-6.png 452w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/grafik-6-197x300.png 197w\" sizes=\"auto, (max-width: 452px) 100vw, 452px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>1863 hatte Freudenthal in G\u00f6ttingen promoviert mit einer Arbeit <a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=6tpRAAAAcAAJ&amp;pg=PA29&amp;dq=Phantasia+inauthor:freudenthal&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ved=0ahUKEwi-67vRnIPmAhUyxosKHYwSAr0Q6AEIMDAB#v=onepage&amp;q=Phantasia%20inauthor%3Afreudenthal&amp;f=false\">\u201e\u00dcber den Begriff des Wortes &#8222;phantasia&#8220; bei Aristoteles\u201c<\/a>. 1874 habilitierte er sich an der Universit\u00e4t Breslau mit einer Untersuchung zur hellenistischen Geschichtsschreibung. Dieses wissenschaftliche Arbeiten brachte ihn, ebenso wie sein bewundertes Vorbild Spinoza, in einen un\u00fcberbr\u00fcckbaren Widerspruch zu den Geboten und Lehren des mosaischen Glaubens. Wenn sich die meisten seiner Kinder \u201emit seiner Einwilligung\u201c taufen lie\u00dfen, belegt das die geistige Athmosph\u00e4re des Freudenthal\u2019schen Elternhauses, in dem offenkundig keine Orthodoxie vorherrschte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das w\u00e4re auch bei der innigen Aneignung Spinozas\nkaum m\u00f6glich gewesen, denn dessen Lehren waren mit orthodoxem Judentum ebenso\nunvereinbar wie mit irgendeiner monotheistischen Orthodoxie, trafen sie doch\nins Zentrum des religi\u00f6sen Gottesglaubens<a href=\"#_ftn16\">[16]<\/a>\nebenso wie ins Mark staatlicher Legitimierung von Herrschaftsanspr\u00fcchen.<a href=\"#_ftn17\">[17]<\/a> Das\nbrachte Spinoza zu Lebzeiten Verfemung und Ablehnung, aber zugleich einen\nbleibenden Platz in der Philosophiegeschichte ein. <\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Vollkommen war Freudenthal sich als intimer Spinoza-Kenner im klaren, da\u00df der Text der Bibel durch \u00dcberlieferung vielfach ver\u00e4ndert und \u201everderbt\u201c worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Von solcher Annahme aber war nur ein Schritt bis zur Leugnung der Lehre, die als Grundlage des orthodoxen Judentums gilt, n\u00e4mlich da\u00df der Pentateuch auf g\u00f6ttliches Gehei\u00df von Moses geschrieben sei.<a href=\"#_ftn18\"><strong>[18]<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/hf\/bio\/1904-1.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Phasen dieser Entwicklung sind zugleich die seiner\nAbl\u00f6sung vom Judentum. Seine biblischen Studien haben ihn zuerst in den\nKonflikt zwischen Glauben und Wissen gest\u00fcrzt, der wenigen Denkern erspart\ngeblieben ist, seitdem es eine Philosophie und eine Wissenschaft gibt. <\/p>\n\n\n\n<p>Freudenthal hatte\ndamit auch f\u00fcr sich pers\u00f6nlich den entscheidenden Rubikon \u00fcberschritten: Wenn\n\u201edie Schrift\u201c nicht mehr die heilige ist, wenn die Wahrheit dessen infrage\nsteht, was sie offenbart, weil sie nur unvollkommenes Menschenwerk ist, dann\nist einer Offenbarungsreligion die Grundlage entzogen. Darum reagieren noch\nheute orthodoxe Moslems so gereizt, wenn bezweifelt wird, der Koran sei von\neinem Mohammed pers\u00f6nlich auf Gehei\u00df Allahs verfa\u00dft. <\/p>\n\n\n\n<p>Freudenthal schildert uns den Weg Spinozas vom\ngl\u00e4ubigen Juden zum wissenschaftlichen Denker mit offensichtlichen autobiographischen\nAnspielungen auf sich selbst:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Je tiefer er in den Geist der j\u00fcdischen Literatur eindrang, desto ernstere Zweifel wurden in ihm wach, und desto mehr gew\u00f6hnte er sich, Glaubensansichten, die seiner Umgebung als unumst\u00f6\u00dflich galten, f\u00fcr unhaltbare Vorurteile anzusehen und abzuwerfen. An die fr\u00fcher erw\u00e4hnten Fragen und Einw\u00fcrfe, zu denen die Lehrer selbst ihre Sch\u00fcler anregten, schlossen sich Bedenken schwer wiegender Art, die ihn der Theologie entfremdeten und schlie\u00dflich einen offenen Bruch mit der Religion seines Volkes herbeif\u00fchrten.<a href=\"#_ftn19\"><strong>[19]<\/strong><\/a><\/p><cite>Freudenthal. a.a.O. S.51<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Hat man das kritische Denken aber erst einmal gelernt, wird es zur Angewohnheit, die man nicht mehr ablegen kann. Jacob Freudenthal folgte der rational gepr\u00e4gten Denkweise Spinozas, mit der es kein Zur\u00fcck zu irgendeiner Buchreligion gibt. Viele in Deutschland lebende Juden vollzogen diesen Schritt f\u00fcr sich nach und wurden Wortf\u00fchrer der Aufkl\u00e4rung, geistig verbunden mit Deutschen, die unter demselben Vorzeichen ihrer christlichen Religion Lebewohl sagten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"792\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/yib33rec_original-792x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-622\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/yib33rec_original-792x1024.jpg 792w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/yib33rec_original-232x300.jpg 232w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/yib33rec_original-768x993.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/yib33rec_original.jpg 892w\" sizes=\"auto, (max-width: 792px) 100vw, 792px\" \/><figcaption>Jacob Freudenthals Sohn Berthold<br>*Breslau 1872<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Es lag in der Konsequenz der Wende Jacob Freudenthals zur Aufkl\u00e4rung, da\u00df sein Sohn Berthold diesen Weg weiterging. 1869 hatte Jacob Freudenthal mit Therese Sachs geheiratet.<a href=\"#_ftn20\">[20]<\/a> Der Sohn Berthold wurde am 23.8.1872 in Breslau geboren und starb am 15.7.1929 in Frankfurt am Main als liberaler Professor f\u00fcr Strafrecht. Er trat f\u00fcr spezielle Jugendgerichte und Jugendgef\u00e4ngnisse ein und begr\u00fcndete einen Weg, der in unsere heutige Jugendgerichtsbarkeit und zum Leitgedanken der Erziehung im Jugendstrafrechte f\u00fchren sollte.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Anhang (aus dem <a href=\"http:\/\/klauskunze.com\/heikun\/bf\/bodenfelde.htm\">Ortssippenbuch Bodenfelde<\/a>, Familie Nr. 1136): <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"283\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/grafik-5-1024x283.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-624\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/grafik-5-1024x283.png 1024w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/grafik-5-300x83.png 300w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/grafik-5-768x213.png 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/grafik-5-900x249.png 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/grafik-5.png 1149w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Erstver\u00f6ffentlichung in: Sollinger Heimatbl\u00e4tter 4 \/ 2014 und 1 \/ 2015.<br><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a>\nKopfsteuerbeschreibung des Herzogtums Calenberg 1689: Jude Samuel Hecht, sitzt\nin Haft, Ehefrau Lipr\u00f6ken, Kinder: 1. Sch\u00f6nchen 10 Jahr, 2. R\u00f6chelgen 8J., 3.\nFreugen 4\u00bdJ., 4. Amsel 3J., 5. Saustmann 1J.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Das\nKirchenbuch nennt ihn demn\u00e4chstigen Hokenh\u00e4ndler in Lauenf\u00f6rde, wohin er nach\nHeirat mit Philippine Caroline Seitz (25.4.1819) verzog.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a>\nDetlev Herbst,\nJ\u00fcdisches Leben im Solling, Der Synagogenverband Bodenfelde-Uslar-Lippoldsberg\nund die Synagogengemeinschaft Lauenf\u00f6rde, Uslar 1997, S.39 nach einer hann. Bestandsaufnahme der im Lande\nlebenden Juden..<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Herbst a.a.O.,\nS.57 nach Urliste der Einwohner vom 3.12.1861 (Archiv Bodenfelde).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> \u00dcber\nJ. Freudenthal wurde der vorliegende Aufsatz am 7.2.2011 im Internet erstmals\npubliziert. In den Sollinger Heimatbl\u00e4ttern 2 \/ 2011 erschien sp\u00e4ter ein\noffenbar 1964 verfa\u00dfter Aufsatz&nbsp; von\nFritz Scholz\n\u00fcber J. Freudenthal: Ein vergessenes Grab in Bodenfelde. Scholz hatte\ndamals noch Kontakt mit Margarete Sallis-Freudenthal in Nathanya, Israel,\naufnehmen k\u00f6nnen, die ihm \u201eeinmaliges Material \u00fcber ihren Schwiegervater\u201c zur\nVerf\u00fcgung stellte. Worum es sich dabei handelte und wo es sich befindet, ist\nmir nicht bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> H.D. Sonne,\nK\u00f6nigreich Hannover, 5.Buch M\u00fcnchen 1834, S.61-62.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> Louis\nAdam *Borek in Polen 1815.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a> Herbst a.a.O.,\nS.86 f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\">[9]<\/a> Herbst a.a.O.,\nS.89.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\">[10]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.bautz.de\/bbkl\/f\/freudenthal_j.shtml\">Matthias Wolfes, Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\">[11]<\/a>\nJacob Freudenthal,\nSpinoza, Sein Leben und seine Lehre, 1.Bd. Stuttgart 1904.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\">[12]<\/a>\nBaruch Spinoza (1632-1677) entstammte einer j\u00fcdischen Familie aus Spanien und\nlebte in Holland. Seine philosophischen Schriften sind fester Bestandteil der\nEpoche der Aufkl\u00e4rung und einer ihrer tragenden Bausteine.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref13\">[13]<\/a>\nJacob Freudenthal,\nSpinoza, Sein Leben und seine Lehre, 1.Bd. Stuttgart 1904, S.317.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref14\">[14]<\/a>\nJacob Freudenthal,\nSpinoza, Sein Leben und seine Lehre, 1.Bd. Stuttgart 1904, S.51.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref15\">[15]<\/a>\nMatthias Wolfes,\na.a.O.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref16\">[16]<\/a> F\u00fcr\nSpinoza ist Gott keine Person, sondern die Gesamtheit des in sich koh\u00e4renten\nUniversums (die Spinoza als \u201edie Substanz\u201c bezeichnet). Bezeichnend: \u201eDieses\newige und unendliche Wesen, das wir Gott oder die Natur hei\u00dfen, handelt mit\nderselben Notwendigkeit, mit der es existiert\u2026\u201c [Baruch Spinoza, Ethik, 1677, Hrg. Otto Baensch,\nNeu\u00adsatz nach der Aus\u00adgabe von 1910, o.J., Verlag F. Meiner in Leipzig, IV\n(Vorrede), S.187]. \u201eDiese Auffassung [\u2026] l\u00e4uft auf die These hinaus,\nGesetzm\u00e4\u00dfigkeiten und Gott bzw. Natur w\u00fcrden zusammenfallen\u201c (Panajotis\nKondylis, Die neuzeitliche Metaphysikkritik, Stuttgart 1990, S.224 m.w.N.).\nDamit ist \u201eGott\u201c im Sinne der monotheistischen Religionen funktionslos geworden\nund f\u00fcr das praktische Leben irrelevant.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref17\">[17]<\/a> F\u00fcr\nSpinoza hat der Staat nur die Macht, den Menschen zu befehlen, was sie tun m\u00fcssen\noder nicht d\u00fcrfen, aber \u201eer hat kein Recht, zu bestimmen, was recht oder\nunrecht ist, was fromm und gottlos ist\u201c (Spinoza, Theologisch-Politische\nAbhandlung, Politische Abh. Kap. 3, \u00a7 5). Durch diese Reduktion der\nStaatsgewalt auf die faktische Herrschaftsmacht entzieht er jedem\nweitergehenden normativen (ideologischem oder religi\u00f6sem) Herrschaftsanspruch\ndie Grundlage. Vgl. auch Klaus Kunze, Mut zur Freiheit, Uslar 1998, S.91.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref18\">[18]<\/a> Freudenthal,\na.a.O., S.52.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref19\">[19]<\/a> Freudenthal,\na.a.O., S.51.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref20\">[20]<\/a>\nTherese Sachs (1847-1910), Tochter von Michael Sachs (1847-1867), Rabbiner in\nBerlin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Ende des 17. Jahrhunderts sind Juden in Bodenfelde an der Weser nachweisbar.[1] Ihre Anzahl hat sich durch Zuzug wesentlich erh\u00f6ht, seit auf die Eroberungsz\u00fcge Napoleons die Gr\u00fcndung des \u201eK\u00f6nigreichs Westphalen\u201c unter dessen Bruder Jerome folgte und fr\u00fchere Zuzugsbeschr\u00e4nkungen wegfielen. Weggefallen waren damit auch alte Verbote f\u00fcr Juden, bestimmte Berufe auszu\u00fcben. 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