{"id":6570,"date":"2024-11-16T19:54:17","date_gmt":"2024-11-16T18:54:17","guid":{"rendered":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/?p=6570"},"modified":"2024-11-22T11:12:49","modified_gmt":"2024-11-22T10:12:49","slug":"brauchen-rechte-ein-jenseits-metaphysik-oder-esoterik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2024\/11\/16\/brauchen-rechte-ein-jenseits-metaphysik-oder-esoterik\/","title":{"rendered":"Brauchen Rechte ein Jenseits, Metaphysik oder Esoterik?"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Vortrag, gehalten in Bonn am 15. 11.2024<\/h5>\n\n\n\n<p><a href=\"#_Toc182673789\">A. Problemstellung<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_Toc182673790\">B. Was ist Metaphysik?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_Toc182673791\">1. Animismus<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_Toc182673792\">2. Ideenrealismus<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_Toc182673793\">3. Theologie<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_Toc182673794\">4. Ontologie: Immanenz<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_Toc182673795\">5. Geschichtsmetaphysik<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_Toc182673796\">6. Liberalismus: die unsichtbare Hand und die Wahrheitsfindung durch Debatte<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_Toc182673797\">7. Prinzipienmetaphysik: Diskurstheorie<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_Toc182673798\">8. Menschenw\u00fcrde<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_Toc182673799\">C. Merkmale der rechten Denkstruktur<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_Toc182673800\">D. Folgerungen<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">&nbsp;A.<a id=\"_Toc182673789\"><\/a> Problemstellung<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Analyse linksamtlicher Extremismusvorw\u00fcrfe an rechte Adressen hat gezeigt, da\u00df sie sich durchweg mit linksmetaphysischen Bannspr\u00fcchen gegen rechtsmetaphysische Formulierungen verbinden.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil aber das politisch rechte Weltbild v\u00f6llig ohne Metaphysik auskommt, w\u00e4ren seine Vertreter gut beraten, auf angreifbare Vorstellungsbilder zu verzichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen\u00fcber der juristischen Definition unserer Verfassungsgrunds\u00e4tzeals freie demokratische Grundordnung f\u00fchrt der politologische Begriff des Rechtsextremismus ein Eigenleben. In ihn packen metaphyysisch bewegte Linke<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a> in zunehmendem Ma\u00dfe alles hinein, was ihnen nicht in den Kram pa\u00dft: in ihre sozialreligi\u00f6se Ideologie der Gleichheit n\u00e4mlich. Die Idee eines real nicht existierenden \u201eMenschen an sich\u201c wird in den Rang pseudoreligi\u00f6ser Verkl\u00e4rung erhoben, und eine abstrakte W\u00fcrde dieses Menschenabstraktums entspricht der einstigen \u201eW\u00fcrde Gottes\u201c im christlichen Menschenbild. Jeder Mensch habe ein wenig davon abbekommen, und darin bestehe aus fundamentalistischer Sicht die \u201emenschliche Fundamentalgleichheit\u201c. Wer sie nicht ehrt, gilt als Rechtsextremist und wird mit jemandem gleichgesetzt, der einen der Verfassungsgrunds\u00e4tze der freiheitlichen demokratischen Grundordnung bek\u00e4mpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Uwe Backes, inzwischen der Nestor der Extremismusforschung, arbeitete \u201enach einer Analyse des linken, rechten und religi\u00f6sen Extremismus heraus: erstens den exklusiven Erkenntnisanspruch (Glaube an ein &#8222;h\u00f6heres&#8220; Wissen), zweitens den dogmatischen Absolutheitsanspruch (Behauptung der unbezweifelbaren Richtigkeit eigener Positionen), drittens das essentialistische Deutungsmonopol (alleinige Erfassung des &#8222;wahren&#8220; Wesens der Dinge), viertens die holistischen Steuerungsabsichten (angestrebte ganzheitliche Kontrolle der Gesellschaft), f\u00fcnftens das deterministische Geschichtsbild (Wissen um den vorgegebenen historischen Weg), sechstens die identit\u00e4re Gesellschaftskonzeption (Forderung nach politischer Homogenit\u00e4t der Gesellschaft), siebtens den dualistischen Rigorismus (Denken in kompromi\u00dflosen Gegensatzpaaren wie Gut-B\u00f6se) und achtens die fundamentale Verwerfung des Bestehenden.\u201c<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Alle diese Merkmale enthalten einen metaphysischen Kern und sollten darum von rechtem Denken grunds\u00e4tzlich abgelehnt werden. Was von rechts mit der eingef\u00fchrten philosophischen Begrifflichkeit als metaphysisch kritisiert wird, nennt der Politologe Backes extremistisch. Offenkundig wird das, wenn Backes &#8222;exklusive Erkenntnisanspr\u00fcche&#8220; aufgrund &#8222;h\u00f6heren Wissens&#8220; nennt, wenn er als extremistisch ein &#8222;Deutungsmonopol&#8220; eines &#8222;wahren Wesens der Dinge&#8220; bezeichnet, ein deterministisches Geschichtsbild und so fort. Rechtes Denken bildet das Gegenteil von alledem.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2023\/06\/02\/wir-froehlichen-heiden\/\">Da\u00df jemand rechte Wertvorstellungen als \u201ef\u00fcr mich richtig\u201c annimmt, weil sie seiner Pers\u00f6nlichkeit und ihren Bed\u00fcrfnissen entsprechen, erfordert keine Metaphysik.<\/a> Man kann sich auch einfach so f\u00fcr ihre Geltung entscheiden. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">B.<a id=\"_Toc182673790\"><\/a> Was ist Metaphysik?<\/h2>\n\n\n\n<p>Alle Metaphysik beruht auf dem Glauben an immaterielle Dinge hinter den Dingen, an eine jenseitige Welt. Sie wird bev\u00f6lkert von Geistwesen und immateriellen Prinzipien, denen wir angeblich gehorchen m\u00fcssen. Per definitionem ist nichts Metaphysik, was der empirischen, also unserer physischen Welt angeh\u00f6rt. Was sich hinter dieser verbirgt, sei nicht sichtbar, weil es eben transzendent ist, unseren Blicken verborgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Jenseits ist seit Jahrtausenden ein beliebtes Sujet von M\u00e4rchenerz\u00e4hlern aus tausend und einer Nacht, beginnend mit dem jenseitigen Paradies bis hin zu moderner Utopie und Fantasy.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"746\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Jenseits-746x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6573\" style=\"width:auto;height:600px\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Jenseits-746x1024.jpg 746w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Jenseits-219x300.jpg 219w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Jenseits-768x1054.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Jenseits-1119x1536.jpg 1119w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Jenseits-1492x2048.jpg 1492w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Jenseits-900x1236.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Jenseits-1280x1757.jpg 1280w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Jenseits-scaled.jpg 1865w\" sizes=\"auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Man nennt solche Weltbilder dualistisch &#8211; hier das Diesseits &#8211; dort ein Jenseits. Wer daran nicht glaubt, hat ein monistisches Weltbild, erf\u00fcllt von u.a. physikalischen Naturgesetzen. Metaphysik bildet den Versuch, den Glauben an Dinge hinter unserer empirischen Welt zu rationalisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit verh\u00e4lt sich die Metaphysik zur Physik und unserer Naturwissenschaft analog wie die&nbsp; Alchimie zur Chemie. Als Vorteil der Chemie hat sich herausgestellt, da\u00df sie funktioniert, die Alchimie aber nicht. Analog dazu funktioniert unsere Naturwissenschaft, Zaubern oder Beten hingegen nicht.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eAls <em>Inhalt<\/em> beruht jede Metaphysik auf der Unterscheidung zwischen Transzendentem und Immanentem bzw. zwischen \u00fcberempirischem Jenseits und empirischem Diesseits, indem sie ersteres&nbsp; als \u201ewahre\u201c, unverf\u00e4lschte Wirklichkeit und zugleich (wenigstens in ihren gro\u00dfen traditionellen Gestalten) als Quelle von normativen Prinzipien versteht. [\u2026] Als <em>Form<\/em> der Erkenntnis, d.h. als System von S\u00e4tzen, die auf Grund von logischen Regeln miteinander verbunden sind, und unabh\u00e4ngig von ihrem jeweiligen Inhalt bzw. der jeweiligen Definition von Transzendentem und Immanentem strebt Metaphysik die rational-demonstrative Erfassung des Seins und seiner letzten Prinzipien an. Aus dieser Sicht kommt vornehmlich nicht die Beschaffenheit des Seins, sondern die Tatsache in Betracht, da\u00df menschlicher Intellekt in seiner h\u00f6chsten und intensivsten Bem\u00fchung das Sein erfassen und in ein widerspruchsfreies System von S\u00e4tzen bringen kann.\u201c<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Panajotis Kondylis<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Geschichtlich hat sich die Metaphysik entwickelt von animistischem Seelenglauben zu Platons Ideenlehre, wurde untrennbarer Bestandteil jeder Theologie, trat seit Beginn der Neuzeit als Ontologie in Erscheinung und wurde zuletzt als Prinzipienlehre behandelt. Die behauptete absolute G\u00fcltigkeit gewisser Prinzipien entspricht zuletzt der absoluten Geltung g\u00f6ttlicher Gebote. Solche ethischen Prinzipien sind beispielsweise die egalitaristische Forderung nach menschlicher Gleichheit im realen Leben. Sie wird abgeleitet aus dem Glauben an eine metaphysische Fundamentalgleichheit, weil jedem Menschen angeblich ein gleicher Animus innewohnt, ob man ihn nun als Seele bezeichnet, als Menschenw\u00fcrde oder wie auch immer.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1.<a id=\"_Toc182673791\"><\/a> Animismus<\/h3>\n\n\n\n<p>In der Vorgeschichte hielten die Menschen alles f\u00fcr beseelt: Menschen, Tiere, Quellen, Berge, Naturgewalten. Aus dem lateinischen Wort <em>anima<\/em> bildeten Religionsgeschichtler daf\u00fcr das Wort Animismus. Er bildete die fr\u00fcheste Metaphysik und verbindet sich in unserem Bildged\u00e4chtnis mit einem Lagerfeuer, um das ein Schamane mit Hirschgeweih tanzt, und mit Herden jagdbaren Wildes auf H\u00f6hlenw\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2.<a id=\"_Toc182673792\"><\/a> Ideenrealismus<\/h3>\n\n\n\n<p>Platon baute darauf auf und erkl\u00e4rte abstrakte Begriffe wie Tisch oder Stuhl f\u00fcr Ideen, die in einem Jenseits hausen und das Urbild aller realen Einzeldinge bilden. In seinem ber\u00fchmten H\u00f6hlengleichnis hat er das anschaulich gemacht. Die Ideen von den Dingen an sich hielt er f\u00fcr objektive&nbsp; Realit\u00e4ten, weshalb man hier philosophisch von Ideenrealismus spricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Er beschrieb einen Mann in einer dunklen H\u00f6he, das Gesicht zu einer kahlen Wand gerichtet. Hinter ihm brennt ein Feuer. Zwischen ihm und dem Feuer tragen M\u00e4nner Gegenst\u00e4nde vorbei, von denen er mit seinen Augen nur die Schattenbilder an der Wand sah. Gerade so wie die Schattenbilder weniger real seien als die vorbeitragenen Gegenst\u00e4nde, s\u00e4hen menschliche Augen die allt\u00e4glichen Gegenst\u00e4nde, die selbst aber nur Abbilder geistiger Urbilder seien. Er meinte darum, weil die Idee zu einem Tisch vor dem Zusammenbau eines k\u00f6rperlichen Tisches stehen m\u00fcsse, sei die Idee, also das Urbild Tisch, realer als die empirischen Einzeltische.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"651\" src=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2023-09-26-013-1024x651.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6576\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2023-09-26-013-1024x651.jpg 1024w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2023-09-26-013-300x191.jpg 300w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2023-09-26-013-768x488.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2023-09-26-013-1536x976.jpg 1536w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2023-09-26-013-2048x1301.jpg 2048w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2023-09-26-013-900x572.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2023-09-26-013-1280x813.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hat sich Platon auch Gedanken gemacht, wie die &#8222;Idee des Loches&#8220; entstanden ist?<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.<a id=\"_Toc182673793\"><\/a> Theologie<\/h3>\n\n\n\n<p>Insbesondere seit Thomas von Aquin \u00fcbernahm die christliche Theologie Platons Ideenrealismus und verschmolz ihn in der Epoche der Scholastik mit ihrer christlichen Dogmatik. Stolz bewies man die Existenz Gottes als h\u00f6chstes Wesen, weil immer der jeweils h\u00f6here Oberbegriff die Ideen aller unteren in sich enthalte und darum realer sei als der niedrigere, also mu\u00dfte als h\u00f6chster Oberbegriff Gott existieren. Er, wu\u00dfte man genau, war die letzte Quelle des Guten an sich und aller aus ihm folgenden Gebote und Verbote.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4.<a id=\"_Toc182673794\"><\/a> Ontologie: Immanenz<\/h3>\n\n\n\n<p>Wer in der fr\u00fchen Neuzeit Gott leugnete, stelle sich als Extremist au\u00dferhalb des Sagbaren. So leugneten Skeptiker Gott nicht direkt, sondern machten ihn argumentativ irrelevant. Sie versuchten, die moralischen Gebote ohne ein transzendentes Jenseits und einen dort waltenden Gott zu begr\u00fcnden. Um nicht den Vorwurf des Atheismus auf sich zu ziehen, behaupteten sie treuherzig, Gott selbst habe den Menschen an sich so geschaffen, da\u00df die Moralgebote immanent in ihm enthalten seien. In Lehrb\u00fcchern des Naturrechts k\u00f6nnen wir dann staunend nachlesen, da\u00df in jedem Menschen quasi eingebaut genau diejenige Moral vorhanden sei, die der scharfsinnige Naturrechtler gerade f\u00fcr zwingend hielt.<a href=\"#_ftn5\" id=\"_ftnref5\">[5]<\/a> So wie jedem Menschen eine Seele innewohne, verberge sich irgendwo darinnen auch der gute moralische Kern. Aus diesem angeblichen faktischen Sein leiteten sie mit grandiosem Zirkelschlu\u00df ein moralisches Sollen ab: Ihr enthaltet Moral, also sollt ihr moralisch sein!<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5.<a id=\"_Toc182673795\"><\/a> Geschichtsmetaphysik<\/h3>\n\n\n\n<p>Eine Variante des Glaubens an metaphysische M\u00e4chte besteht in der Behauptung, es gebe historische Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten, die von einem imagin\u00e4ren Anfang der Geschichte bis zu ihrem zwangsl\u00e4ufigen Resultat f\u00fchre. Am bekanntesten ist die marxistische Legende, die Geschichte habe mit einer kommunistischen Urgesellschaft \u00fcber den S\u00fcndenfall des Privateigentums an Produktionsmitteln, die Feudalgesellschaft zur Verelendung der Arbeiterschaft im Kapitalismus gef\u00fchrt und werde sich nach einer proletarischen Revolution in einer gl\u00fccklichen kommunistischen Zukunft vollenden, in der jeder nach seinen F\u00e4higkeiten arbeitet und nach seinen Bed\u00fcrfnissen konsumiert. Doch wer g\u00e4be die Gesetze, die diese angeblich zwangsl\u00e4ufige Kausalkette in Gang gesetzt haben sollen?<\/p>\n\n\n\n<p>Es handelt sich hier schlicht um eine s\u00e4kularisierte Variante der Paradies-Metaphysik des alten Testaments, die \u00fcber den S\u00fcndenfall schlie\u00dflich im himmlischen Paradies m\u00fcndet. Anstelle der waltenden Gottesperson tritt in der marxistischen Metaphysik ein angebliches Gesetz der Geschichte. Die wesentlichen metaphysischen Grundgedanken hatte der Marxismus dem Christentum entlehnt. So war der Katholik de Maistre von einem g\u00f6ttlichen Weltplan ausgegangen. Er schrieb \u00fcber die Menschen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Als Freie und zugleich als Knechte handeln sie sowohl aus freiem Willen wie im Zwang der Notwendigkeit. Sie tun tats\u00e4chlich, was sie wollen, k\u00f6nnen aber den Weltplan nicht \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Joseph de Maistre (1753-1821), Betrachtungen \u00fcber Frankreich, 1796, ISBN 3-85418-049-7, S.7.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ganz \u00e4hnlich verfuhren andere Metaphysiker, zum Beispiel Rousseau, wenn er 1762 einen angeblich einst geschlossenen Gesellschaftsvertrag fingierte, aus dem er wiederum ableitete, was er sich noch so alles ausdachte. Ebenfalls auf Metaphysik beruhen alle an den Vulg\u00e4rdarwinismus des 19. Jahrhunderts angelehnen Theorien \u00fcber eine permanente H\u00f6herentwicklung der menschlichen Art, die schlie\u00dflich, wie wir wissen, im nordischen \u00dcbermenschen gipfeln sollte. Hier sind nur metaphysisch begr\u00fcndbar schon die Wertung als h\u00f6her oder niedriger entwickelt, vor allem aber die abgebliche Zwangsl\u00e4ufigkeit der Evolution in eine bestimmte Richtung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">6.<a id=\"_Toc182673796\"><\/a> Liberalismus: die unsichtbare Hand und die Wahrheitsfindung durch Debatte<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Metaphysik des klassischen Liberalismus besteht darin, wenn man nur alle Beteiligten frei miteinander diskutieren lasse, stelle sich wie von unsichtbarer Hand die Wahrheit von selbst ein, geradezu wie beim Pfingstwunder der heilige Geist durch die Decke tr\u00e4ufelt. Die Idee des Parlamentarismus als System und dem Parlament als Ort solcher Versammlungen tr\u00e4gt dem Rechnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz \u00e4hnlich behauptet die liberale \u00d6konomie, wenn man nur allen wirtschaftlichen Akteuren freien Raum lasse, stelle sich wie von unsichtbarer Hand das \u00f6konomische Gemeinwohl ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir erkennen in der, in der Volkswirtschaftslehre tats\u00e4chlich als Terminus eingef\u00fchrten unbekannten hand unschwer den Glauben an ein nur metaphysisch erkl\u00e4rbares Walten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">7.<a id=\"_Toc182673797\"><\/a> Prinzipienmetaphysik: Diskurstheorie<\/h3>\n\n\n\n<p>Als objektiv und verbindlich kann sich nur eine Ethik hinstellen, die mit den ewigen und unver\u00e4nderlichen Gesetzen der \u201ewahren\u201c Wirklichkeit \u00fcbereinstimmt. F\u00fcr Liberale bildet es ein unl\u00f6sbares Dilemma, da\u00df sie das Bestehen einer von vornherein feststehenden Wahrheit leugnen, andererseits aber das Publikum von ihrer eigenen absoluten Wahrheit \u00fcberzeugen m\u00fcssen: Man solle n\u00e4mlich durch immerw\u00e4hrenden Diskurs doch etwas erzeugen, was aktuell als Wahrheit durchgehen mag: n\u00e4mlich das optimale Resultat freier, gereifter Debatte, ein Surrogat f\u00fcr Wahrheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch ihr derzeitiger Chefideologe J\u00fcrgen Habermas vermag nicht ohne Zuhilfenahme einer Metaphysik begr\u00fcnden, warum die Prinzipien sogenannten herrschaftsfreien Diskurses ein Ergebnis erzeugen sollten, das f\u00fcr alle Menschen annehmbar w\u00e4re. Schon ein solcher Diskurs selbst bildet eine Utopie. Vor allem aber gibt es au\u00dfer dem frommen Wunsch, es m\u00f6ge ihn geben, keinen irdischen Fixpunkt f\u00fcr die Geltung der diskursiven Prinzipien. Habermas kann nicht begr\u00fcnden, sie w\u00fcrden objektiv und absolut gelten. Warum alle Menschen sich nach den Diskursregeln verhalten und deren Ergbnis f\u00fcr sich gelten lassen sollten, kann Habermas nur durch R\u00fcckgriff auf Metaphysik begr\u00fcnden: Sie seien ihm halt mal eben so intuitiv zugeflogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er kann faktisch nicht auf willk\u00fcrliche Wertsetzungen verzichten, wenn er die Verfahrensbedingungen f\u00fcr den Diskurs sichern will.\u00ad Tats\u00e4chlich hat er sie sich mal eben so ausgedacht. Er ka\u00adschiert das ver\u00adsch\u00e4mt als &#8222;intuitive Einsichten&#8220;: als einen &#8222;Da\u00ad\u00adtenkranz, der dem Problematisie\u00adrungssog der Ver\u00adst\u00e4ndigungs\u00adpro\u00adzes\u00ad\u00adse entzogen bleibt.&#8220; Dieses Wortgeschwurbel soll verdecken, da\u00df er an den Diskurs als ewigen Kommunikationsproze\u00df zur Erzeugung von so etwas wie prozedural gewonnener Wahrheiten ganz einfach glaubt. Dieser Glaube beruht darum auf finsterster Metaphysik, auch wenn er betont, wir lebten in einem nachmetaphysischen Zeitalter.<a href=\"#_ftn6\" id=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">8.<a id=\"_Toc182673798\"><\/a> Menschenw\u00fcrde<\/h3>\n\n\n\n<p>Wer von Menschenw\u00fcrde spricht, sollte deutlich machen, was er meint. Es besteht ein tiefgreifender Unterschied zwischen der Bewertung eines Verhaltens oder Auftretens einer bestimmten Person als w\u00fcrdig oder unw\u00fcrdig, andererseits der dem Christentum entlehnten Vorstellung, der Mensch an sich sei gottesebenbildlich. Daraus folgern Metaphysiker und Gl\u00e4ubige, die transzendente Substanz seines Menschseins k\u00f6nne er niemals einb\u00fc\u00dfen. Auch wer sich kra\u00df w\u00fcrdelos verhalte, behalte doch seine gottgegebene Seele und sei insoweit allen anderen Menschen gleich.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist typisch f\u00fcr Metaphysik, da\u00df ihre letzten Glaubensgewi\u00dfheiten von Dingen hinter den Dingen empirisch niemals nachpr\u00fcfbar sind, weil sie im Jenseits verborgen und jedem empirischen Nachweis entzogen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einer solchen Vorstellung k\u00f6nnen Nichtmetaphysiker nichts anfangen. Der metaphysischen Vorstellung von Menschenw\u00fcrde liegt die seit dem Animusmus in vieler Gestalt auftauchende Leib-Seele-Unterscheidung zugrunde. Sie erfordert also ein dualistisches, in Diesseits und Jenseits scheidendes Weltbild. Aus dessen Sicht m\u00fcssen Realisten mit monistischem Weltbild, das kein Jenseits kennt, als niedertr\u00e4chtige Unholde an der Menschlichkeit erscheinen. Moralisierende Metaphysiker verstehen unter Menschlichkeit n\u00e4mlich nur das sogenannte Gute im Menschen, eine unverlierbare W\u00fcrde, deren Sitz sich irgendwo im transzendenten Raum oder immanent in jedem Menschen befinden solle.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">C.<a id=\"_Toc182673799\"><\/a> <a><\/a><a><\/a>Merkmale der rechten Denkstruktur<\/h2>\n\n\n\n<p>Das rechte Weltbild kommt ohne Metaphysik aus. Wenn zum Beispiel Christliche, V\u00f6lkische oder \u00e4hnliche selbst als Rechte sehen oder von Linken so markiert werden, irren sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine proto-rechte Denkstruktur bildet die Voraussetzung f\u00fcr ein inhaltlich rechtes Weltbild. Eine meiner zentralen Thesen beruht auf der Beobachtung, da\u00df die strukturellen Einzelmerkmale eines proto-rechten Weltbildes einander bedingen und insgesamt ein zusammh\u00e4ngendes Ganzes bilden. Ein Merkmal folgt konsequent aus dem anderen. Stellen Sie sich diese Einzelmerkmale, es sind sieben, als Siebeneck vor. Diese sieben Eckmerkmale sind das rationale Denken, das skeptische Denken, das naturwissenschaftliche Denken, das realistische Denken, das Entscheidungsdenken, das geschichtliche Denken und das vergleichende Denken.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"835\" height=\"333\" src=\"http:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/01-Struktur.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6581\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/01-Struktur.jpg 835w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/01-Struktur-300x120.jpg 300w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/01-Struktur-768x306.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 835px) 100vw, 835px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Des Denkens aller Anfang ist die Neugierde. Um zweckgerichtet handeln zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir wissen, ob die uns umgebenden Ph\u00e4nomene sind, was sie zu sein scheinen, ob wir in einer Matrix leben oder ob wir blo\u00df tr\u00e4umen. Alle Menschen m\u00f6chten realit\u00e4tsbezogen handeln. Schlichte Gem\u00fcter wie die Zeugen Jehovas schlagen dazu die Bibel auf und entnehmen dieser ihre Realit\u00e4t. F\u00fcr einen naturwissenschaftlich gebildeten Menschen unserer Tage ist aber nur real, da\u00df irgendwann einmal irgendwelche Leute jenes Buch geschrieben haben. Alles andere w\u00e4re erst zu beweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Logisch eng miteinander verkn\u00fcpft sind das skeptische Denken, das vergleichende Denken und das geschichtliche Denken. Diese Denkstile hatten sich in der Phase der sogenannten antiken griechischen Aufkl\u00e4rung bereits ausgepr\u00e4gt. Der mit allen antiken Schriften eng vertraute Michel de Montaigne hat das Ende des sechzehnten Jahrunderts in seinen Essais neu begr\u00fcndet. Ihm fiel auf, wie viele unterschiedliche V\u00f6lker, Kulturen, Moralvorstellungen und Religionen es gibt, von denen schon die blo\u00dfe Existenz der einen die Wahrheitsanspr\u00fcche aller anderen relativierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich ging es ihm dabei nicht um historische oder theologische Quisquilien. Michel de Montaigne kannte bereits die Schriften Niccol\u00f3 Machiavellis, der keinen Gedanken daran verschwendet hatte, ob irgendeine Religion, eine Konfession oder ein Moralgebot etwas mit &#8222;Wahrheit&#8220; zu tun hatte. Machiavelli hatte erkannt, da\u00df alle diese Wahrheitsbehauptungen in ihrer konkreten politischen Funktion auf die Stabilisierung von konkreten Machtverh\u00e4ltnissen hinausliefen. Ein erfolgreicher F\u00fcrst, schrieb er, m\u00fcsse nicht in moralischen Sinne gut sein, er m\u00fcsse aber von seinen Untertanen daf\u00fcr gehalten werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer das einmal verstanden hat, wundert sich nicht, wenn unsere Herrscher uns mit Klimaabgaben \u00fcberziehen, w\u00e4hrend sie selbst fr\u00f6hlich in der Weltgeschichte herumjetten. Sie m\u00fcssen sich pers\u00f6nlich nicht klimafromm verhalten, sie m\u00fcssen nur vom Volk f\u00fcr klimafromm gehalten werden, um ihre Herrschaft zu stablilisieren. Diese soziologische Sicht nimmt Religionen und moralische Gebote niemals zu ihrem Nennwert, sondern fragt: Stehen die Machtinteressen, die hinter diesen Geboten stehen, mit meinen eigenen Interessen in Einklang?<\/p>\n\n\n\n<p>Das skeptische und realistische Denken ist niemals gl\u00e4ubig. Es verzichtet darauf, rein spekulative Konstrukte wie ein Jenseits, Dinge hinter den Dingen oder in den Dingen verborgene magische Kr\u00e4fte in sein Bild von der Realit\u00e4t einzubeziehen. Es ist strikt antimetaphysisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Skeptiker wird darum, was er f\u00fcr Realit\u00e4t h\u00e4lt, nicht in g\u00f6ttlichen Geboten oder Moralgeboten suchen, sondern in nachweisbaren Tatsachen. Die wissenschaftliche Methode, diese Tatsachen herauszufinden, ist der Empirismus. Darum steht Naturwissenschaft f\u00fcr alles skeptische Denken hoch im Kurs. Politische, relig\u00f6se oder moralische Forderungen, die mit naturwissenschaftlichen Tatsachen unvereinbar sind, lehnt dieses Denken ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor moralisierendem Einsch\u00fcchterungsvokabular wie &#8222;Gendergerechtigkeit&#8220; zuckt Skeptizismus&nbsp; die Achseln und verl\u00e4\u00dft sich lieber auf eine medizinische Untersuchung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Skeptiker ist sich immer bewu\u00dft, da\u00df alle Vorschriften, Normen, Gebote und Moralvorstellungen mit denen man ihn beherrschen will, Menschenwerk sind. Strukturell sind alle diese Normen Befehle: &#8222;Du sollst!&#8220;, oder &#8222;Du sollst nicht!&#8220; Je nach den Machtverh\u00e4ltnissen oder auch aus eigener Einsicht wird er solchen Befehlen gehorchen. Eins wird er aber gewi\u00df nicht, er wird den Befehl eines anderen Menschen nicht f\u00fcr einen Befehl irgendwelcher G\u00f6tter halten, nur weil der Befehlende sich auf G\u00f6tter beruft. Solange der angebliche Gott nicht pers\u00f6nlich vorbeikommt und befiehlt, wird er hinter jedem &#8222;Gebot&#8220; und jeder Sollensvorschrift, die ihm ein Mensch macht, diesen Menschen als Urheber erkennen. Er glaubt nicht einfach irgendetwas, sonst w\u00e4re er kein Skeptiker.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignfull size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"432\" src=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/die-Gegner-1024x432.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6582\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/die-Gegner-1024x432.jpg 1024w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/die-Gegner-300x127.jpg 300w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/die-Gegner-768x324.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/die-Gegner-900x380.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/die-Gegner.jpg 1102w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die rechte Denkstruktur und ihre Antagonisten<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In rechtem Denken verk\u00f6rpert sich aufgekl\u00e4rter Selbstbehauptungswille. Nach allen \u00dcberlegungen d\u00fcrfen wir darum das strukturell rechte Denken definieren als ein<\/p>\n\n\n\n<p>die historische Identit\u00e4t von Individuum und Gruppe betonendes<\/p>\n\n\n\n<p>rationales,<\/p>\n\n\n\n<p>aufgekl\u00e4rtes,<\/p>\n\n\n\n<p>skeptisches,<\/p>\n\n\n\n<p>auf naturwissenschaftlicher Grundlage die empirische Ungleichheit<\/p>\n\n\n\n<p>anstelle metaphysischen Gleichheitsdenkens betonendes Menschenbild,<\/p>\n\n\n\n<p>das alle fremdbestimmenden Sinnstiftungen zur\u00fcckweist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei ergeben seine in untrennbarem Zusammenhang miteinander stehenden ontologischen und philosophischen Grundlagen das Resultat einer vollst\u00e4ndigen, sich ihrer selbst bewu\u00dften und reifen Aufkl\u00e4rung. W\u00e4hrend verschiedene Ideologien die Folgerungen aus der Aufkl\u00e4rung immer nur f\u00fcr ihre Gegner zogen und selbst Kernbest\u00e4nde metaphysischen Glaubens bewahrten, zog das rechte Weltbild als einziges die Konsequenz, die Erkenntnisse der Aufkl\u00e4rung auch auf rechtes Denken fr\u00fcherer Epochen anzuwenden und deren metaphysische Schlacken und ideologische Restbest\u00e4nde abzuwerfen. Damit setzt es erstmals und als einziges Weltbild konsequent die aufkl\u00e4rerische Erkenntnis in die Tat um, da\u00df alle Wertungen nur in unserem Kopf ihren Ursprung haben und wir Menschen a limine normativ ungebunden sind. Alle Menschen sind zu eigener Sinnstiftung und Normsetzung bef\u00e4higte und von absoluten, universellen Werten freie Wesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie stark sich bei einer Person im Einzelfall aus der vorhandenen rechten Denkstruktur ein umfassendes und koh\u00e4rentes rechtes Weltbild ausbildet, ist individuell verschieden. Es h\u00e4ngt von der individuellen St\u00e4rke einzelner emotionaler Komponenten ab, aber auch von der Geschichtlichkeit des Individuums, seinen Lebenserfahrungen, seiner famili\u00e4ren Pr\u00e4gung und Erziehung, dem pers\u00f6nlichen Interesse daran, \u00fcberhaupt ein umfassendes Weltbild auszubilden und nicht zuletzt der n\u00f6tigen Intelligenz, etwaige Widerspr\u00fcchlichkeiten zu bemerken.<\/p>\n\n\n\n<p>Darum folgt auch nicht zwangsl\u00e4ufig aus einer rechten Denkstruktur, in welcher Weise jeder Einzelne f\u00fcr sich von seiner Freiheit zur Wertsetzung und Sinnstiftung Gebrauch macht. Gerade diese Freiheit schlie\u00dft jede Zwangsl\u00e4ufigkeit aus. Da\u00df er rein normativ gesehen alles darf, bedeutet nicht, da\u00df er tats\u00e4chlich alles oder irgend etwas Bestimmtes tun soll. Alles liegt in seiner eigenen Entscheidung. Wie auch linke Autonome und Anarchisten betont er diese normative Freiheit. Er w\u00e4re aber kein Rechter, machte er von seiner normativen Freiheit einen psychotischen Gebrauch, der sich gegen ihn selbst, gegen seine Familie, seinen Staat oder sein Land richtete. Er benutzt sie, um zu sch\u00fctzen und zu verteidigen, was ihm lieb und teuer ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Kern hei\u00dft rechts zu sein, f\u00fcr das zu k\u00e4mpfen, was man ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">D.<a id=\"_Toc182673800\"><\/a> Folgerungen<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer seine politische Rede gern metaphorisch aufbl\u00e4hen m\u00f6chte und daf\u00fcr historische Begriffe wie Volksgeist bem\u00fcht, oder wer meint, in einem Superorganismus namns Volk nur ein dienendes R\u00e4dchen zu sein, der sollte sich dar\u00fcber klar sein, da\u00df er den staatlichen Extremismusj\u00e4gern zuarbeitet. Es gibt keine Geister und darum auch keine Volksgeister. Als Einzelpersonen dienen uns selbst am besten, wenn wir Familie und Volk verteidigen, weil wir sie brauchen &#8211; nicht um einen Kollektiv zu dienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was der Betreffende vielleicht meint, ist auch nicht zwangsl\u00e4ufig eine Wesenheit namens Volk mit eigenem Bewu\u00dftsein, W\u00fcnschen oder Hoffnungen. Man f\u00e4llt leicht darauf herin, da\u00df wir aus jedem Adjektiv eine anthropomorphe Personofikation machen k\u00f6nnen wie aus gerecht die <em>Gerechtigkeit <\/em>oder<em> Justitia<\/em>. Wer an solche als reale Wesenheiten glaubt, ist Metaphysiker. Ich w\u00fcrde ihm mit William von Ockham entgegenhalten: <em>Entia non sunt multiplicanda praeter necessitatem!<\/em> Die Anzahl der als eigenst\u00e4ndige Wesenheiten zu betrachtenden Ph\u00e4nomene sollte man nicht ohne Notwendigkeit vergr\u00f6\u00dfern. Dasselbe gilt f\u00fcr Vorstellungen eines Volkes als Organismus, dessen vielleicht verzichtbarer, jedenfalls dienender Teil die Einzelperson nur ist.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"704\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2023-12-18-LG-Bielefeld-3-von-Karl-Muggly-1-704x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6578\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2023-12-18-LG-Bielefeld-3-von-Karl-Muggly-1-704x1024.jpg 704w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2023-12-18-LG-Bielefeld-3-von-Karl-Muggly-1-206x300.jpg 206w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2023-12-18-LG-Bielefeld-3-von-Karl-Muggly-1-768x1118.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2023-12-18-LG-Bielefeld-3-von-Karl-Muggly-1-1055x1536.jpg 1055w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2023-12-18-LG-Bielefeld-3-von-Karl-Muggly-1-1407x2048.jpg 1407w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2023-12-18-LG-Bielefeld-3-von-Karl-Muggly-1-900x1310.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2023-12-18-LG-Bielefeld-3-von-Karl-Muggly-1-1280x1863.jpg 1280w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2023-12-18-LG-Bielefeld-3-von-Karl-Muggly-1-scaled.jpg 1759w\" sizes=\"auto, (max-width: 704px) 100vw, 704px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wahrheit und Gerechtigkeit (Glasbild im Landgericht Bielefeld von Karl Muggly) als anthropomorphe Personifizierungen<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Freiheit ist keine Person, und sie &#8222;f\u00fchrt keinen Reigen \u00fcber dem Sternenzelt&#8220;. Altdeutsches Schw\u00e4rmen wie in unseren sch\u00f6nen patriotischen Liedern des 19. Jahrhunderts beruht auf Metaphysik, wenn wir seine Begrifflichkeiten nicht blo\u00df metaphorisch oder allegorisch nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wem das bewu\u00dft ist und der sich in der politischen Auseinandersetzung begrifflich klar ausdr\u00fcckt, ist auch seitens der Nachfolger F\u00fcrst Metternichs nicht so einfach als Extremist abstempelbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Umgekehrt ist er imstande, bei seinen politischen Gegnern eine metaphysische Argumentationsstruktur zu erkennen, wo immer er mit ihr konfrontiert ist. Er hat es in der Hand, sie mit den Waffen der Aufkl\u00e4rung zu widerlegen, ja oft geradezu, sie l\u00e4cherlich zu machen. Ideologeme wie das von der angeblichen Kolonialschuld, unseren angeblich von Generation zu Generation vererbten besonderen Verpflichtungen, dem uneingel\u00f6sten Gleichheitsversprechen und viele andere mehr\u00b4gleichen gef\u00fcllten Luftballons: Ein Piekser Realit\u00e4t hinein, dann platzen sie. Nehmen wir die Schuld: Kollektive S\u00fcnde und Schuld sind Erfindungen der Bibel. Ohne religi\u00f6se Metaphysik kann es keine S\u00fcnde und schon gar keine Erbs\u00fcnde oder Kollektivschuld geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nehmen wir die Gleichheit: Ohne die Vorstellung des prinzipiell unendlichen Wertes jeder gottebenbildlichen Seele gibt es kein absolut geltendes Gebot, zu allen Menschen gleich nett zu sein. &nbsp;Wenn ein Gott oder ein irdischer gro\u00dfer Zampano in seiner G\u00fcte die irdischen G\u00fcter verteilen w\u00fcrde, g\u00e4be es in der Tat eine berechtigte Forderung nach Verteilungsgerechtigkeit. Er w\u00e4re das herrschende Subjekt des Verteilens und wir die untergeordneten Objekte. Diese Vorstellung geh\u00f6rt aber in den tiefsten Kreis mittelalterlicher Metaphysik. Trotzdem liegt sie jedem politischen Herrschaftsmodell zugrunde, in dem der Staat als gro\u00dfer Zampano und gn\u00e4diges Subjekt daf\u00fcr verantwortlich sein soll, die G\u00fcter gleich zu verteilen. Es gibt keine Letztbegr\u00fcndung f\u00fcr die Forderung, unser Staat solle sich eine solche Subjektposition anma\u00dfen, und wir sollten ihre Objekte sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer intellektuell ehrlich ist, verzichtet darauf, seine politischen Forderungen als g\u00f6ttliche Eingebungen auszugeben oder als Konsequenzen, die unbedingt aus den h\u00f6heren Gesetzen der Seinsordnung oder dem Sinn des Lebens folgen w\u00fcrden. Dieser Verzicht benachteiligt ihn freilich im realen politischen Gesch\u00e4ft gegen\u00fcber Heilspredigern, die sich in ihrem Machtwillen der typischen Phrase bedienen, nur der oberste bescheidene Diener der moralischen vorgegebenen Weltordnung zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Realgeschichte hat sich der R\u00fcckgriff auf Metaphysik zur Machtgewinnung und als Herrschaftsideologie gew\u00f6hnlich als sozal erfolgreicher herausgestellt als der Appell an den Verstand und die Eigeninteressen der Untertanen. Strebte ich nach pers\u00f6nlicher Macht, k\u00f6nnte ich Sie zum Endkampf f\u00fcr irgendeine heilige Sache aufrufen. Hinter solchen Aufrufen folgt gew\u00f6hnlich ein <em>Und jetzt h\u00f6rt Ihr alle mal auf mein Kommando!<\/em> Wenn sie also heute jemanden predigen h\u00f6ren, jetzt gelte es f\u00fcr unsere Demokratie gemeinsam zusammenstehen, wir lie\u00dfen keinen h\u00e4ngen, die Spaltung m\u00fcsse aufh\u00f6ren und so fort, werden sie das richtig einordnen: Da erhebt jemand einen Machtanspruch.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Klaus Kunze, Das rechte Weltbild, 2024.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. im einzelnen Kalinowski, Harry H., Rechtsextremismus und Strafrechtspflege, 2.Aufl. 1986, Hrg. Bundesministerium der Justiz, S.2 f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Armin Pfahl-Traughber, Linksextremismus in Deutschland, 2.Aufl. 2020, S.18 f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Panajotis Kondylis, Die neuzeitliche Metaphysikkritik, 1990, S.13.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a> Eingehend Klaus Kunze, Mut zur Freiheit, 1995,<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\">[6]<\/a> Eingehend: Klaus Kunze, Mut zur Freiheit, 1995.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vortrag, gehalten in Bonn am 15. 11.2024 A. Problemstellung B. Was ist Metaphysik? 1. Animismus 2. Ideenrealismus 3. Theologie 4. Ontologie: Immanenz 5. Geschichtsmetaphysik 6. Liberalismus: die unsichtbare Hand und die Wahrheitsfindung durch Debatte 7. Prinzipienmetaphysik: Diskurstheorie 8. Menschenw\u00fcrde C. Merkmale der rechten Denkstruktur D. Folgerungen &nbsp;A. 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