{"id":7144,"date":"2025-07-29T00:43:02","date_gmt":"2025-07-28T22:43:02","guid":{"rendered":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/?p=7144"},"modified":"2026-02-03T15:14:33","modified_gmt":"2026-02-03T14:14:33","slug":"buecherwurm-im-buecherturm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2025\/07\/29\/buecherwurm-im-buecherturm\/","title":{"rendered":"B\u00fccherwurm im B\u00fccherturm"},"content":{"rendered":"\n<p>Hatten Sie bei einem ansprechenden Buch auch schon einmal das Gef\u00fchl, der Autor spr\u00e4che zu Ihnen? Ich stelle mir das immer vor. Gew\u00f6hnlich analysiere, seziere oder dekonstruiere ich in diesem Blog ja gern das intellektuelle Neobarbarentum unserer Tage. Jetzt aber ist Ferienzeit, Zeit f\u00fcr Mu\u00dfe und Entspannung. So lade ich Sie zu einem eher phantasievollen, einem konstruktiven Spaziergang ein. <\/p>\n\n\n\n<p>Er wird uns in die von B\u00fcchern berauschte Vorstellungswelt gro\u00dfer Autoren f\u00fchren. Sie alle teilen meine bibliophilen Neigungen, kennen sogar bibliomane Sehns\u00fcchte, und sie haben literarische Alt\u00e4re und Tempel ihrer Leidenschaft errichtet: die Bibliotheken ihrer Wunschtr\u00e4ume. Hier finde auch ich mein innerstes Zuhause.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch steht der Wohnturm, in dem Michel de Montaigne (1533-1592) sich gern vor der Welt zur\u00fcckzog und las.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-klaus-kunze wp-block-embed-klaus-kunze\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"pZhwDVzImD\"><a href=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2022\/08\/27\/der-erste-konservative\/\">Der erste Konservative<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; visibility: hidden;\" title=\"&#8222;Der erste Konservative&#8220; &#8212; Klaus Kunze\" src=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2022\/08\/27\/der-erste-konservative\/embed\/#?secret=58xnwfzZKu#?secret=pZhwDVzImD\" data-secret=\"pZhwDVzImD\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Er kannte anscheinend die gesamte, seiner Zeit verf\u00fcgbare klassisch-antike Literatur. Und er hat sie in einer von ihm erfundenen neuen Stilform verarbeitet, die wir heute noch Essay nennen. Im 3.Buch seiner \u201eEssais\u201c schildert er uns seine B\u00fccherei:<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Im B\u00fccherturm<\/h3>\n\n\n\n<p>Zitat von Michel de Montaigne<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background:linear-gradient(137deg,rgb(255,245,203) 0%,rgb(198,234,226) 50%,rgb(51,167,181) 100%)\">\u201eWenn ich zu Hause bin, widme ich mich den B\u00fcchern etwas h\u00e4ufiger. Von meiner Bibliothek aus \u00fcberschaue ich mein ganzes Hauswesen mit einem Blick. Sie liegt \u00fcber dem Eingangstor, und ich sehe unter mir meinen Garten, meine Stallungen, meinen Innenhof und die meisten Teile meines Anwesens. Da oben bl\u00e4ttere ich einmal in diesem, einmal in jenem Buch, ohne Ordnung, ohne Plan: wie es sich eben ergibt. Bald h\u00e4nge ich im Hin- und Hergehn meinen Tagtr\u00e4umen nach, bald halte ich meine Hirngespinste fest und schreibe sie auf, wie sie hier nun stehn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background:linear-gradient(137deg,rgb(255,245,203) 0%,rgb(198,234,226) 50%,rgb(51,167,181) 100%)\">Die Bibliothek liegt im zweiten Stockwerk eines Turms. Das Erdgescho\u00df wird von meiner Kapelle eingenommen. Das erste Stockwerk besteht aus einem Schlafgemach mit Nebenraum, wo ich mich oft hinlege, um allein zu sein. Und dar\u00fcber nun befindet sich die Bibliothek, die fr\u00fcher als gro\u00dfe Kleider- und W\u00e4schekammer diente und der um n\u00fctzeste Raum meines Hauses war. Hier verbringe ich die<sup>e <\/sup>meisten Tage meines Lebens und die meisten Stunden der Tage. Nachts aber halte ich mich dort nie auf. Daneben&nbsp; ein recht wohnliches kleines Arbeitszimmer, das wohltuend licht ist und in dem winters Feuer gemacht werden kann.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"799\" height=\"842\" src=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/800px-St_Michel_de_Montaigne_Tour03-a.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7145\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/800px-St_Michel_de_Montaigne_Tour03-a.jpg 799w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/800px-St_Michel_de_Montaigne_Tour03-a-285x300.jpg 285w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/800px-St_Michel_de_Montaigne_Tour03-a-768x809.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 799px) 100vw, 799px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Tour de Montaigne: Michel de Montaignes Turmbibliothek befindet sich in der 2. Etage (Foto Heinrich Salome 2009, <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:St_Michel_de_Montaigne_Tour03.jpg\">Wikipedia<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-pale-ocean-gradient-background has-background\">Ich k\u00f6nnte, wenn ich die mit einem Umbau verbundnen Plackereien nicht noch mehr als die Ausgaben f\u00fcrchtete (und Plackereien lassen mich vor welcher Unternehmung auch immer zur\u00fcckschrecken), leicht auf jeder Seite und gleicher H\u00f6he eine Galerie anbringen lassen, hundert Schritt lang und zw\u00f6lf breit, da ich festgestellt habe, da\u00df die daf\u00fcr erforderlichen Mauern zu andern Zwecken samt und son\u00ad ders bereits so weit hochgezogen sind, wie ich es ben\u00f6tigte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-pale-ocean-gradient-background has-background\">Jeder Ort der Zur\u00fcckgezogenheit braucht einen Wandel\u00adgang. Meine Gedanken schlafen ein, wenn ich sitze; mein Geist r\u00fchrt sich nicht, wenn meine Beine ihn nicht bewegen &#8211; wie es allen ergeht, die ohne Buch studieren. Die Form der Bibliothek ist rund (au\u00dfer einem geraden St\u00fcck Wand, das f\u00fcr Tisch und Stuhl so eben ausreicht). Daher l\u00e4\u00dft sie mich mit einem Blick all meine in f\u00fcnf Reihen \u00fcbereinander aufgestellten B\u00fccher sehn. Sie hat drei Fenster mit gro\u00dfartiger freier Aussicht und mi\u00dft sechzehn Schritt im Durchmesser. Im Winter halte ich mich nicht st\u00e4ndig darin auf, denn mein Anwesen liegt, wie schon sein Name <em>Montaigne<\/em> sagt, auf einem H\u00fcgel, und kein Raum darin ist st\u00e4rker den Winden ausgesetzt als dieses Turmzimmer; doch gerade da\u00df es abgelegen und ein bi\u00dfchen m\u00fchsam zu erreichen ist, gef\u00e4llt mir, weil es mir so die Leute vom Leib h\u00e4lt und die k\u00f6rperliche Anstrengung mir guttut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-pale-ocean-gradient-background has-background\">Hier also bin ich ganz zu Hause, hier suche ich ganz mein eigner Herr zu sein und diesen einzigen Winkel so\u00adwohl der ehelichen und t\u00f6chterlichen als auch der gesell\u00adschaftlichen Gemeinschaft zu entziehn. \u00dcberall sonst bin ich Herr nur dem Namen nach, in Wirklichkeit aber redet mir jeder dazwischen. Arm dran ist meines Erachtens, wer bei sich zu Hause nichts hat, wo er bei sich zu Hause ist, wo er sich verbergen, wo er mit sich selbst hofhalten kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-pale-ocean-gradient-background has-background\">Wie fein entlohnt doch der Ehrgeiz seine Diener, indem er sie zeitlebens einer Markts\u00e4ule gleich zur Schau stellt! <em>Gro\u00dfes Gl\u00fcck ist gro\u00dfe Knechtschaft.<\/em> Nicht einmal das \u00d6rt\u00adchen bietet ihnen einen Zufluchtsort. An der Strenge des Lebenswandels, die sich unsre M\u00f6nche auferlegen, kommt mir nichts so hart vor wie die Regel eini\u00ad ger Orden, nach der sie bei all ihrem Tun mit einer gro\u00dfen Zahl andrer in immerw\u00e4hrender Gemeinschaft zusammen\u00adsein m\u00fcssen. Ich f\u00e4nde es notfalls ertr\u00e4glicher, immer allein zu sein, als es nie sein zu k\u00f6nnen. Wer mir nun einwendet, es hei\u00dfe die Musen entw\u00fcrdigen, wenn man sich ihrer nur als Spielzeug und zum Zeitvertreib bediene, der wei\u00df im Gegensatz zu mir nicht, welch hohen Wert Spa\u00df, Spiel und Zeitvertreib haben &#8211; fast bin ich ver\u00adsucht zu sagen, jedes andre Ziel sei l\u00e4cherlich. Ich lebe in den Tag hinein; und, mit Verlaub, ich lebe nur f\u00fcr mich: Hier endet all mein Sinnen und Trachten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-pale-ocean-gradient-background has-background\">Als ich jung war, studierte ich, um damit gro\u00dfzutun, sp\u00e4ter ein wenig, um weiser zu werden, und jetzt, um mich zu vergn\u00fcgen, nie aber, um Profit zu machen. Zwar trieb mich fr\u00fcher ein eitles und kostspieliges Verlangen dazu, mit den B\u00fcchern nicht nur meinen Bedarf zu decken, sondern \u00fcberdies drei von vieren gleichsam als M\u00f6bel zu betrachten, die mein Zimmer schm\u00fccken und so f\u00fcr mich Eindruck schinden sollten; doch diese Flausc habe ich l\u00e4ngst ab\u00ad gesch\u00fcttelt. Die B\u00fccher bieten denen, die sic recht auszuw\u00e4hlen wissen, viele Annehmlichkeiten. Doch kein Licht ohne Schatten: Auch diese Freude am Umgang mit ihnen ist sowenig wie alle andern rein und ungetr\u00fcbt. Sie hat durchaus ihre&nbsp; Unannehmlichkeiten, sogar recht schwerwiegende; denn w\u00e4hrend der Geist sich beim Lesen bet\u00e4tigt, bleibt der K\u00f6r\u00adper, dessen Wohlergehn ich auch nie aus dem Auge verloren habe, v\u00f6llig unt\u00e4tig, so da\u00df er verk\u00fcmmert und verf\u00e4llt. Ich w\u00fc\u00dfte daher kein \u00dcberma\u00df, das f\u00fcr mich sch\u00e4dlicher w\u00e4re und das ich nunmehr, da mein Leben zur Neige geht, mehr meiden m\u00fc\u00dfte als das des Lesens. Soviel also \u00fcber meine drei liebsten privaten Besch\u00e4fti\u00adgungen.\u201c<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a> &#8212;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"742\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_26_46S-742x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7146\" style=\"width:355px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_26_46S-742x1024.jpg 742w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_26_46S-217x300.jpg 217w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_26_46S-768x1060.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_26_46S-1113x1536.jpg 1113w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_26_46S-1484x2048.jpg 1484w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_26_46S-900x1242.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_26_46S-1280x1766.jpg 1280w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_26_46S-scaled.jpg 1855w\" sizes=\"auto, (max-width: 742px) 100vw, 742px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Als l\u00e4se ich hier einen Brief aus unserer Zeit mit Urlaubsgr\u00fc\u00dfen eines Freundes! Da spricht mir eine verwandte Seele unmittelbar zu Herzen. Wie gern h\u00e4tte ich Montaigne in seinem Turm besucht oder ihn zu mir eingeladen! W\u00e4re doch das Zeitreisen schon erfunden! Versonnen schweift mein Blick \u00fcber die Regalreihen meiner Science-Fiction-Literatur. Unsere realen Zukunftsaussichten freilich sehen viel d\u00fcsterer aus als meine technisch-zivilisatorischen Traumwelten, in denen Zeitrisse oder Wurml\u00f6cher mich auf Knopfdruck in andere Dimensionen f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor \u00fcber hundert Jahren tr\u00e4umte auch der gro\u00dfe Schriftsteller Ernst J\u00fcnger sich fort &#8211; von aus dem dreckigen Sch\u00fctzengraben, in dem er monatelang lag. Wenig sp\u00e4ter, 1923, hat er seine Gef\u00fchle einem literarischen \u201eLeutnant Sturm\u201c in den Mund gelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wovon tr\u00e4umt ein geistiger Mensch im Dreck des Sch\u00fctzengrabens? Klarer Fall: von B\u00fcchern nat\u00fcrlich:<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>Leutnant Sturms Vision<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\"><strong>[3]<\/strong><\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Zitat von Ernst J\u00fcnger<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-pale-ocean-gradient-background has-background\">\u201eAnscheinend hatte Kettler sich in der Zwischenzeit be\u00adm\u00fcht, die Unordnung zu beseitigen. Das Fenster war durch eine Papptafel ersetzt, und die Karbidlampe brannte auf dem Tisch. Sturm nahm die Flasche und tat einen langen Zug. Dann setzte er sich auf das Bett und z\u00fcndete eine Zigarre an. Ihn fr\u00f6stelte, der Schnaps hatte ihn nicht erw\u00e4rmt. Es schien ihm seltsam, da\u00df er hier sa\u00df. Wie wenig hatte daran gefehlt, da\u00df es ihn getroffen h\u00e4tte. Da\u00df er jetzt mit verkrampften Gliedern am Boden lag wie der Tote, \u00fcber den er im Graben gestolpert war. Mit gro\u00dfen, sinnlosen Wunden im K\u00f6rper und schmutzigem, von dunkelblauen Pulverk\u00f6rnern gespren\u00adkeltem Gesicht. Eine Sekunde fr\u00fcher, einen Meter weiter \u2014 das war das Entscheidende. Nicht der Tod schreckte ihn \u2014 der war ja bestimmt \u2014 sondern dieses Zuf\u00e4llige, diese tau\u00admelnde Bewegung durch Zeit und Raum, die jeden Augen\u00ad blick in die Vernichtung versinken konnte. Dieses Gef\u00fchl, Werte zu bergen und doch nicht mehr zu sein als eine Amei\u00adse, die der achtlose Tritt eines Riesen am Stra\u00dfenrande zer\u00adtrat. Wozu, wenn es einen Sch\u00f6pfer gab, schenkte er dem Menschen diesen Drang, sich in das Wesen einer Welt zu bohren, die er niemals ergr\u00fcnden konnte? War es nicht bes\u00adser, man lebte wie ein Tier oder wie eine Pflanze im Tal als immer mit dieser furchtbaren Angst unter allem, was man auf der Oberfl\u00e4che handelte und sprach?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-pale-ocean-gradient-background has-background\">Eine Vision enttauchte der W\u00fcste seines Hirns. Er stand elegant gekleidet in einer gro\u00dfen Buchhandlung seiner Vaterstadt.<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Rings auf den Tischen lagen B\u00fccher, B\u00fccher sta\u00adpelten in m\u00e4chtigen Regalen, an denen Leitern lehnten, bis zur Decke empor. Die Einb\u00e4nde waren aus Leder, Leinen, Seide und Pergament. Das Wissen und die Kunst aller L\u00e4n\u00adder und aller Zeiten waren hier auf engstem Raume ge\u00addr\u00e4ngt. Auch gro\u00dfe, mit Schleifen verschlossene Mappen la\u00adgen aus. Man brauchte nur diese Schleifen zu l\u00f6sen, wenn man in alten Stichen und Reproduktionen herrlicher Bilder w\u00fchlen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-pale-ocean-gradient-background has-background\">Auf einer stand in goldenen Lettern \u00bbDer&nbsp; Isenheimer Altar\u00ab, auf einer anderen \u00bbDie gr\u00fcne Passion. \u00ab Er war im Gespr\u00e4ch mit dem Buchh\u00e4ndler, einem jungen Mann mit ausgemei\u00dfeltem Asketengesicht. Namen von Malern, Philosophen, Lyrikern, Dramatikern und ber\u00fchmten Romanen flogen hin und her. Verlage, \u00dcbersetzungen, Ausstattung, Satz und Druck fanden fachm\u00e4nnische W\u00fcrdigung. Bei jedem Namen blitzten hundert andere auf, und jeder war unerreichbar in seiner Art. Es war ein Gespr\u00e4ch von Kennern, von Fachleuten, die ihr Gebiet \u00fcbersahen. Die Stand\u00adpunkte differierten gerade so, da\u00df jedes Bild bei der Betrach\u00adtung stereoskopisch vor die Augen trat. Die Rede griff inein\u00adander wie die Teile einer pr\u00e4zisierten Maschine, sie spielte, sie wurde wie ein kostbares St\u00fcck von Liebhabern hin und her gereicht. Das allersch\u00f6nste war, da\u00df sie eigentlich gar keinen Zweck hatte, da\u00df sie nur bewegt wurde aus der Freu\u00adde heraus, in einem ganz klaren Elemente Meister zu sein.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"667\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_25_27S-667x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7147\" style=\"width:447px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_25_27S-667x1024.jpg 667w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_25_27S-195x300.jpg 195w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_25_27S-768x1179.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_25_27S-1000x1536.jpg 1000w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_25_27S-1334x2048.jpg 1334w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_25_27S-900x1382.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_25_27S-1280x1966.jpg 1280w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_25_27S-scaled.jpg 1667w\" sizes=\"auto, (max-width: 667px) 100vw, 667px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-pale-ocean-gradient-background has-background\">Und immer wurde diese Wollust des Geistes durch eine sinn\u00adliche unterst\u00fctzt, indem man einen Band aus den Regalen zog, ihn \u00f6ffnete und mit den Fingerspitzen \u00fcber Einband und Seiten strich. Ja, er, Sturm, war heute auch froh gestimmt. Er war durch die Alleen der Stadt geschritten, auf deren Stein\u00ad platten der Herbst ein weites Mosaik brauner, roter und gel\u00ad ber Bl\u00e4tter gebreitet hatte. Die klare, feuchte Luft, die den Schritt so leicht und klirrend machte, die reine Linienf\u00fchrung der gro\u00dfen Geb\u00e4ude, die metallischen Umrisse der sterben\u00adden Baume hatten ihn mit jener zitternden und grundlosen Freude erf\u00fcllt, die ihn zuweilen \u00fcberfiel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-pale-ocean-gradient-background has-background\">Er war auf einer uralten Br\u00fccke stehengeblieben und hatte gesehen, wie ein angelnder Knabe einen langen, goldschimmernden Aal aus dem Wasser zog. Unter dem leichten Tuch des Anzuges schlug sein Blut warm und jung gegen die Haut. Wie wurde in solchen Stunden das Kleinste bedeutungsvoll. Wohin auch der Blick fallen mochte, der Geist verk\u00fcpfte jedes Ding durch sch\u00f6ne und besondere Gedanken mit sich. Es gab Tage, an denen einem alles gelang, an denen man Kraft ausstrahlte wie eine geladene Batterie. Dann war das Geschick nicht mehr im Ungewissen, das an den Kreuzwegen des Lebens lauerte, sondern ein bunter Garten, dessen Tore man aufstie\u00df und mit starker Hand Blumen und Fr\u00fcchte brach. An solchen Tagen holte man das Letzte aus sich heraus, zu dem man f\u00e4hig war. Es war eine Gewi\u00dfheit, die Sturm in sol\u00adchen Augenblicken aufleuchtete:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-pale-ocean-gradient-background has-background\">Die Menschen von fr\u00fcher hatten diesen weiten Umkreis des Genusses nicht gekannt Denn die Welt der Erscheinungen hatte sich gewaltig ver\u00admehrt. Man sprach ein Wort, einen Namen aus \u2014 leicht wie ein Hauch und doch von unerme\u00dflichem Gewicht. Man nannte eine Figur des romantischen Deutschland, des Paris von 1850, des Ru\u00dfland nach Gogol, des Flandern nach den Br\u00fcdern van Eyck \u2014 und welches Netz von Beziehungen ri\u00df man empor. Jedes Wort war ein Baum, der auf den Wurzeln von tausend Vorstellungen stand, ein Licht, das das Gehirn in B\u00fcschel von Lichtern zerbrach. Ja, es war ein gro\u00dfes und g\u00f6ttliches Geschenk, da\u00df man an einem Vormittage wie an diesem im Herzen der Gro\u00dfstadt stehen und solche Worte wie Diamanten in den spr\u00fchenden Bach eines Gespr\u00e4ches schnellen durfte. An diesem Orte, von Mahagonih\u00f6lzern und funkelnden Spiegelgl\u00e4sern umfa\u00dft, f\u00fchlte man sich als der bewu\u00dfte und wertvolle Sohn einer sp\u00e4ten Zeit, auf die Jahr\u00adhunderte ganz unerme\u00dfliche Sch\u00e4tze vererbt.\u201c<a href=\"#_ftn5\" id=\"_ftnref5\">[5]<\/a> &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWollust des Geistes\u201c! Wie doch diese geniale Formulierung bereits das tiefe Gl\u00fccksgef\u00fchl widerspiegelt, das einen geistigen Menschen bei geistreicher Lekt\u00fcre erf\u00fcllt. Und Genu\u00df schon beim Aufbl\u00e4ttern eines uralten Folianten!<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist Liebe, tiefe, innige Liebe zu den \u201eunerme\u00dflichen Sch\u00e4tzen\u201c, die jene alten Denker und Meister uns hinterlassen haben und durch die sie &#8211; metaphorisch gesagt &#8211; zu uns sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon beim Eintreten in ein altes Antiquariat mit seinen hohen Regalen und engen Durchg\u00e4ngen stockt uns der Atem, das Herzklopfen wird sp\u00fcrbar, die Aufregung steigt. Wie ein Naturforscher mit Schmetterlingsnetz durch den dichten Urwald zieht und nach seinem Traumfalter Ausschau h\u00e4lt, erlebt der B\u00fccherwurm in einem alten Antiquariat ein inneres Abenteuer.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"576\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/2024-12-06-1-576x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7153\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/2024-12-06-1-576x1024.jpg 576w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/2024-12-06-1-169x300.jpg 169w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/2024-12-06-1-768x1365.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/2024-12-06-1-864x1536.jpg 864w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/2024-12-06-1-1152x2048.jpg 1152w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/2024-12-06-1-900x1600.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/2024-12-06-1-1280x2276.jpg 1280w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/2024-12-06-1-scaled.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 576px) 100vw, 576px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Antiquariat (Willbrand) in K\u00f6ln (Weyertal, 2024, Foto K.Kunze)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ein wirklicher B\u00fcchernarr m\u00f6chte am liebsten alle B\u00fccher besitzen, aber das gen\u00fcgt ihm nicht. In einer wohlgeordneten B\u00fccherei sollen sie stehen, gern mit holzget\u00e4felten W\u00e4nden. Doch warum so bescheiden? Die Autorin Genevieve Cogman stellt sich den ultimaten Traum aller Bibliomanen vor: die in einer \u201eh\u00f6heren Zwischendimension\u201c angesiedelte und darum unsichtbare Bibliothek. Sie umfa\u00dft alle B\u00fccher, die jemals geschrieben wurden oder h\u00e4tten geschrieben werden k\u00f6nnen. Alle B\u00fccher? Fast alle. Ein paar wenige mu\u00df die Heldin der Romanreihe noch aus schwer zug\u00e4nglichen Parallelwelten requirieren, was nicht ganz komplikationslos ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">In der unsichtbaren Bibliothek<a href=\"#_ftn6\" id=\"_ftnref6\"><strong>[6]<\/strong><\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Zitat von Genevieve Cogman<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-pale-ocean-gradient-background has-background\">\u201eSie war in der Bibliothek. Nicht in irgendeiner Bibliothek, sondern in DER Bibliothek. Auf beiden Seiten erhoben sich hohe Regale &#8211; zu hoch f\u00fcr sie und mit zu vielen B\u00fcchern gef\u00fcllt, als da\u00df sie sehen konnte, was sich dahinter befand. Die enge L\u00fccke vor ihr war kaum breit genug, um sich hindurchzuquetschen. Ihre Schuhe hin\u00adterlie\u00dfen feuchte Abdr\u00fccke im Staub hinter ihr, und sie schritt \u00fcber drei Reihen verwaister Notizen hinweg, w\u00e4hrend sie sich zu dem Literaturbereich in der Ferne zw\u00e4ngte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-pale-ocean-gradient-background has-background\">Die einzigen Ge\u00adr\u00e4usche waren ein undeutliches, kaum h\u00f6rbares Quietschen ir\u00adgendwo zu ihrer Linken, unregelm\u00e4\u00dfig und unbestimmt wie das langsame Schwingen einer Kinderschaukel. Die beengte Umgebung \u00f6ffnete sich unvermittelt zu einem gr\u00f6\u00dferen Raum, dessen Wandt\u00e4felung und Fu\u00dfboden in Holz ausgef\u00fchrt waren. Sie schaute sich um, konnte allerdings nicht auf Anhieb erkennen, wo sie sich befand. Die B\u00fccher auf den Regalen waren gedruckt, und einige von ihnen sahen moderner aus als die in der Parallelwelt, die sie gerade verlassen hatte; aber das sagte an sich nichts aus. Der gro\u00dfe Zentraltisch, auf dem ein stummer Computer stand, und die St\u00fchle waren ebenso wie der Fu\u00dfboden mit Staub bedeckt. Von der Decke hing eine ein\u00adzelne Laterne herab, in deren Mitte ein wei\u00dfer Kristall strahlend leuchtete. In der Wand am anderen Ende des Raums gab es ein Erkerfenster, durch das man auf eine n\u00e4chtliche, von Gas\u00adlampen erleuchtete Stra\u00dfe hinaussah; Wind zerrte an \u00c4sten, die sich lautlos bogen und wiegten. Mit einem Seufzer der Erleichterung setzte sich Irene auf einen der St\u00fchle, streifte sich den Splitt aus den Haaren und zog das gestohlene Buch aus der verborgenen Tasche. Es war unver\u00adsehrt und trocken. Ein weiterer Auftrag erledigt; auch wenn sie gezwungen gewesen war, ihre Tarnidentit\u00e4t aufzugeben.\u201c<a href=\"#_ftn7\" id=\"_ftnref7\">[7]<\/a> &#8211;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"664\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_01_43S-664x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7148\" style=\"width:394px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_01_43S-664x1024.jpg 664w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_01_43S-195x300.jpg 195w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_01_43S-768x1184.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_01_43S-996x1536.jpg 996w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_01_43S-1328x2048.jpg 1328w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_01_43S-900x1388.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_01_43S-1280x1974.jpg 1280w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_01_43S-scaled.jpg 1660w\" sizes=\"auto, (max-width: 664px) 100vw, 664px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Erinnern Sie sich an den verzweifelten Sean Connery in seiner Rolle als William von Baskerville<a id=\"_ftnref8\" href=\"#_ftn8\">[8]<\/a> von Umberto Eco? Sehen Sie ihn im Film mit einer Armvoll geretteter B\u00fccher aus dem brennenden Bibliotheksturm des Benediktinerklosters torkeln &#8211; fast weinend und ersch\u00fcttert \u00fcber den Verlust so vieler Buchsch\u00e4tze, doch l\u00e4chelnd ob der geretteten Sch\u00e4tze in seinen Armen?<\/p>\n\n\n\n<p>In der \u201eunsichtbaren Universit\u00e4t\u201c Genevieve Cogmans zwischen den Dimensionen mag auch diese Geschichte ein gutes Ende nehmen, wo alle jemals geschriebenen B\u00fccher wieder vereint werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch es gibt auch gef\u00e4hrliche B\u00fccher. Jeder Zensor und jede Meldemuschi, jeder &#8222;Faktenchecker&#8220; und jeder Inquisitor wei\u00df das. Neuerdings glauben es auch \u00f6ffentliche deutsche Bibliotheken und m\u00f6chten B\u00fccher vor dem Ausleihen mit Warnhinweisen versehen, wenn ihnen nicht gerichtlich auf die Verbotspfoten gehauen wird. In Terry Pratchetts vor Phantasie \u00fcberbordender Fantasywelt sind die magischen B\u00fccher die gef\u00e4hrlichsten. Viele m\u00fcssen angekettet werden, weil die in ihnen stehenden Zauberspr\u00fcche entweichen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Bibliothek der unsichtbaren Universit\u00e4t auf Pratchetts Scheibenwelt gibt es B\u00fccher, die bei\u00dfen k\u00f6nnen, wenn der Leser nicht vorsichtig vorgeht, erotische B\u00fccher, die man nur aufschlagen darf, wenn die F\u00fc\u00dfe in einem K\u00fcbel mit Eiswasser stehen, und schlie\u00dflich das gef\u00e4hrlichste Buch, das Necrotelicomnicon. Verwalter aller dieser B\u00fccher ist der Bibliothekar:<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u2026 in der unsichtbaren Universit\u00e4t \u2026.<a id=\"_ftnref9\" href=\"#_ftn9\"><strong>[9]<\/strong><\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Zitat von Terry Pratchett<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-pale-ocean-gradient-background has-background\">\u201eDie Magie sucht immer nach dem sprichw\u00f6rtli\u00adchen Ventil. Und die B\u00fccher neigen dazu, aufeinander zu reagieren, wodurch formlose und mit einem eigenen Wil\u00adlen ausgestattete thaumaturgische Energie freigesetzt wird. Magische Werke sind f\u00fcr gew\u00f6hnlich an die Regale geket\u00adtet, aber nicht etwa um Diebst\u00e4hlen vorzubeugen&#8230; Eine besonders schicksalhafte magische Entladung hatte den Bibliothekar in einen Affen verwandelt, der allen Ver\u00adsuchen widerstand, ihm die menschliche Gestalt zur\u00fcckzu\u00ad geben. Mit Hilfe der Gestensprache und ausdrucksvollen &gt;<em>Ughsl<\/em>&lt; erkl\u00e4rte er, das Leben als Orang-Utan sei erheblich besser als das eines Menschen, da alle gro\u00dfen philosophi\u00adschen Probleme auf die Frage zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nn\u00adten, woher die n\u00e4chste Banane kam. Au\u00dferdem erwiesen sich lange Arme und Greiff\u00fc\u00dfe durchaus von Vorteil, wenn es darum ging, an hohen B\u00fccherschr\u00e4nken hochzuklettem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-pale-ocean-gradient-background has-background\">Eskarina gab ihm auch die restlichen Bananen und wandte sich den B\u00fcchern zu, bevor der Bibliothekar Gele\u00adgenheit bekam, irgendwelche Einw\u00e4nde zu erheben. Sie hatte nie mehr als ein Buch gleichzeitig gesehen und hielt die Bibliothek f\u00fcr ganz normal. Zugegeben, mit dem Boden schien etwas nicht in Ordnung zu sein, denn er w\u00f6lbte sich wie eine Sch\u00fcssel und schien weiter hinten als Wand emporzuragen. Dar\u00fcber hinaus gewann sie den ver\u00adwirrenden Eindruck, als b\u00f6gen sich die Regale. Es war, als erstreckten sie sich durch mehr als die gew\u00f6hnlichen drei Dimensionen. \u00dcberraschenderweise wies auch die Decke lange Gestellreihen auf, und hier und dort wanderte ein Student an ihnen entlang, ohne den Gesetzen der Schwer\u00ad kraft Beachtung zu schenken. Nun, der Leser ahnt es bereits: Die Zusammenballung von Magie kr\u00fcmmt nat\u00fcrlich den Raum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-pale-ocean-gradient-background has-background\">Der Baumwoll\u00addrillich (oder vielleicht auch Flanell) in den Regalen wurde in besondere Formen gezwungen. Millionen gefangene Worte, f\u00fcr die es keine Fluchtm\u00f6glichkeit gab, verzerrten die Realit\u00e4t in ihrer unmittelbaren N\u00e4he. Esk hielt es f\u00fcr logisch, da\u00df sich irgendwo ein Buch be\u00adfand, dem sie entnehmen konnte, wie man all die ande\u00adren las. Sie wu\u00dfte nicht genau, wo sie danach suchen soll\u00adte, aber aus irgendeinem Grund erwarteten sie auf dem Deckel Abbildungen fr\u00f6hlicher Kaninchen und verspielter K\u00e4tzchen. In der Bibliothek war es nicht gerade still. Hier und dort zischten magische Entladungen, und oktarine Funken sau\u00adsten mit leisem Fauchen von Regal zu Regal. Ketten rassel\u00adten leise. Hinzu kam das knisternde Rascheln vieler tau\u00adsend Bl\u00e4tter in ihren lederumh\u00fcllten Kerkern.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"701\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_14_57_19S-701x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7149\" style=\"width:394px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_14_57_19S-701x1024.jpg 701w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_14_57_19S-205x300.jpg 205w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_14_57_19S-768x1122.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_14_57_19S-1051x1536.jpg 1051w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_14_57_19S-1402x2048.jpg 1402w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_14_57_19S-900x1315.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_14_57_19S-1280x1870.jpg 1280w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_14_57_19S.jpg 1550w\" sizes=\"auto, (max-width: 701px) 100vw, 701px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-pale-ocean-gradient-background has-background\">Esk vergewisserte sich, da\u00df niemand auf sie achtete, bevor sie nach dem n\u00e4chsten Buch griff. Es \u00f6ffnete sich von selbst, und zu ihrem gro\u00dfen Verdru\u00df mu\u00dfte sie fest\u00ad stellen, da\u00df es jene unverst\u00e4ndlichen Zeichen enthielt, die sie bereits aus Simons Unterlagen kannte. Die Symbole er\u00ad gaben nicht den geringsten Sinn, und Esk seufzte erleich\u00adtert: Es w\u00e4re schrecklich gewesen, alle die Hieroglyphen deuten zu k\u00f6nnen. Sie bestanden aus h\u00e4\u00dflichen Wesen, die dauernd irgendwelche r\u00e4tselhaften Dinge miteinander an\u00adstellten. Esk klappte das Buch zu, wobei sie gegen den Wi\u00adderstand der magischen Silben ank\u00e4mpfen mu\u00dfte. Der Deckel zeigte ein seltsames Gesch\u00f6pf, das eine verd\u00e4chtig gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit mit den Wesenheiten aus der kalten W\u00fcste offenbarte. Es sah keineswegs wie ein munteres H\u00e4schen aus. [\u2026]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-pale-ocean-gradient-background has-background\">Esk bemerkte ein vages Wabern \u00fcber Simons Kopf. Und f\u00fcr den Bruchteil einer Sekunde sah sie die d\u00fcsteren We\u00adsenheiten aus der kalten Ebene. Sie beobachteten aufmerk\u00adsam. Und die friedliche Bibliothek, in der die schwere Last geballter Magie das Universum besonders d\u00fcnn pre\u00dfte, gab ihnen die M\u00f6glichkeit zu <em>handeln.<\/em> Das leise Knistern in den Regalen wurde zu einem ver\u00adzweifelten Rascheln. Einige der m\u00e4chtigeren B\u00fccher schaff\u00adten es, aus den Regalen zu springen: Panikerf\u00fcllt flatterten sie am Ende ihrer Ketten. Ein gro\u00dfer thaumaturgischer Band verlie\u00df seinen Horst auf der obersten Ablage, ri\u00df sich von den st\u00e4hlernen Fesseln los und h\u00fcpfte wie ein er\u00adschrockenes Huhn davon. Einige fransige Bl\u00e4tter folgten ihm wie K\u00fcken. Ein magischer Wind wehte Eskarinas Kopftuch zur Seite, und ihr Haar wogte wie ein Banner. Sie sah, wie Simon sich an einem Gestell festzuhalten versuchte, als um ihn herum B\u00fccher explodierten. Die Luft wurde schmierig und roch nach hei\u00dfem Zinn. Irgendwo summte etwas.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-pale-ocean-gradient-background has-background\">\u00bbSie versuchen, hierherzukommen!\u00ab rief Esk. Simon starrte sie an und schnitt eine Grimasse. Eine vor Furcht \u00fcbergeschnappte magische Trilogie prallte ihm gegen den verl\u00e4ngerten R\u00fccken, schleuderte ihn zu Boden und hastete an den Regalen entlang. Eskarina duckte sich, als ein Therausi-Schwarm vorbeiraste und sein Ger\u00fcst hin\u00ad ter sich herzog. Auf H\u00e4nden und Knien kroch sie an Simon heran. \u00bbDeshalb haben die B\u00fccher solche Angst!\u00ab schrie sie ihm ins Ohr. \u00bbKannst du sie nicht <em>sehen?<\/em> Sie lauem dort oben!\u00ab Simon sch\u00fcttelte stumm den Kopf. \u00dcber ihnen l\u00f6sten sich mehrere Buchdeckel, und Dutzende zitternder Bl\u00e4tter sanken auf sie herab. Die verschiedenen menschlichen Sinne stellen gute \u00dcbertragungskan\u00e4le f\u00fcr Grauen und Entsetzen dar. Man denke nur an das leise unheilvolle Kichern in einem ver\u00adschlossenen und stockfinsteren Zimmer, an den Anblick einer halben Raupe auf der Salatgabel, den sonderbaren Ge\u00adruch aus dem Schlafzimmer des Untermieters, den eigen\u00adt\u00fcmlich bitteren Geschmack eines mit sogenannten Pflan\u00adzenschutzmitteln behandelten Blumenkohls.\u201c<a href=\"#_ftn10\" id=\"_ftnref10\">[10]<\/a> &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Wer diese Bibliothek der unsichtbaren Universit\u00e4t auf Terry Pratchetts Scheibenwelt f\u00fcr konzeptionell un\u00fcberbietbar h\u00e4lt, lese Walter Moers \u201eStadt der tr\u00e4umenden B\u00fccher.\u201c Der Held ist ein Autor und B\u00fccherdrache, der in die Stadt \u201eBuchhaim\u201c kommt, eine Stadt, in der es ausschlie\u00dflich um B\u00fccher geht:<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a><a><\/a><a>Die Stadt der Tr\u00e4umenden B\u00fccher<\/a><a href=\"#_ftn11\" id=\"_ftnref11\"><strong>[11]<\/strong><\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Zitat von Walter Moers<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background:linear-gradient(132deg,rgb(255,245,203) 0%,rgb(182,227,212) 50%,rgb(51,167,181) 100%)\">\u201eSo kam ich nach Buchhaim, und hier stehe ich nun, zusammen mit euch, meine furchtlos lesenden Freunde! Und hier, an der Grenze der Stadt der Tr\u00e4umenden B\u00fccher, hier f\u00e4ngt die Geschichte erst rich\u00adtig an. Wenn man sich an den \u00fcberw\u00e4ltigenden Geruch von vermodern\u00addem Papier gew\u00f6hnt hatte, der aus den Eingewcidcn von Buchhaim emporstieg, wenn die ersten allergischen Niesanf\u00e4lle \u00fcberstan\u00adden waren, die der \u00fcberall herumwirbelnde B\u00fccherstaub verursachte, und wenn die Augen langsam aufh\u00f6rten, vom bei\u00dfenden Qualm der tausend Schlote zu tr\u00e4nen &#8211; dann konnte man endlich anfangen, die zahllosen Wunder der Stadt zu bestaunen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background:linear-gradient(132deg,rgb(255,245,203) 0%,rgb(182,227,212) 50%,rgb(51,167,181) 100%)\">Buchhaim verf\u00fcgte \u00fcber f\u00fcnftausend amtlich registrierte Antiqua\u00adriate und sch\u00e4tzungsweise tausend halblegale B\u00fccherstuben, in denen neben B\u00fcchern alkoholische Getr\u00e4nke, Tabak und berauschende Kr\u00e4uter und Essenzen angeboten wurden, deren Genu\u00df angeblich die Lesefreude und die Konzentration steigerten. Es gab eine kaum me\u00dfbare Zahl von fliegenden H\u00e4ndlern, die auf rollenden Regalen, in Bollerwagen, Umh\u00e4ngetaschen und Schubkarren Druckwerk in jeder denkbaren Form feilboten. In Buchhaim existierten \u00fcber sechshun\u00addert Verlage, f\u00fcnfundf\u00fcnfzig Druckereien, ein Dutzend Papierm\u00fchlen und eine st\u00e4ndig wachsende Anzahl von Werkst\u00e4tten, die sich mit der Herstellung von bleiernen Druckbuchstaben und Druckerschw\u00e4rze besch\u00e4ftigten. Da waren L\u00e4den, die Tausende von verschiedenen Lese\u00ad zeichen und Exlibris anboten, Steinmetze, die sich auf Buchst\u00fctzen spezialisiert hatten, Schreinereien und M\u00f6belgesch\u00e4fte voller Lese\u00adpulte und B\u00fccherregale. Es gab Optiker, die Lesebrillen und Hand\u00adlupen fertigten, und an jeder Ecke war ein Kaffeeausschank, meist mit offenem Kamin und Dichterlesungen, rund um die Uhr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background:linear-gradient(132deg,rgb(255,245,203) 0%,rgb(182,227,212) 50%,rgb(51,167,181) 100%)\">[\u2026] Ich mu\u00dfte dem Impuls widerstehen, gleich in den erstbesten Buchladcn zu st\u00fcrmen und in den Folianten zu w\u00fchlen, denn dann w\u00e4re ich vor dem Abend nicht wieder herausgekommen &#8211; und ich mu\u00dfte mir zun\u00e4chst eine Unterkunft besorgen. So strich ich einstwei\u00adlen mit gl\u00e4nzenden Augen an den Schaufenstern vorbei und versuchte mir diejenigen L\u00e4den zu merken, die \u00fcber besonders verhei\u00dfungsvolle Auslagen verf\u00fcgten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"677\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_02_46S-677x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7150\" style=\"width:429px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_02_46S-677x1024.jpg 677w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_02_46S-198x300.jpg 198w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_02_46S-768x1161.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_02_46S-1016x1536.jpg 1016w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_02_46S-1354x2048.jpg 1354w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_02_46S-900x1361.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_02_46S-1280x1935.jpg 1280w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/IMG_2025_07_28_15_02_46S.jpg 1660w\" sizes=\"auto, (max-width: 677px) 100vw, 677px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background:linear-gradient(132deg,rgb(255,245,203) 0%,rgb(182,227,212) 50%,rgb(51,167,181) 100%)\">Und da waren sie, die <em>Tr\u00e4umenden B\u00fccher.<\/em> So nannte man in dieser Stadt die antiquarischen Best\u00e4nde, weil sie aus der Sicht der H\u00e4ndler nicht mehr richtig lebendig und noch nicht richtig tot waren, sondern sich in einem Zwischenzustand befanden, der dem Schlafen \u00e4hnelte. Ihre eigentliche Existenz hatten sie hinter sich, den Zerfall vor sich, und so d\u00e4mmerten sie vor sich hin, zu Millionen und Abermillionen in all den Regalen und Kisten, in den Kellern und Katakomben von Buchhaim. Nur wenn ein Buch von suchender Hand ergriffen und aufgeschlagen, wenn es erworben und davongetragen wurde, dann konnte es zu neuem Leben erwachen. Und das war es, wovon all diese B\u00fccher tr\u00e4umten.\u201c<a href=\"#_ftn12\" id=\"_ftnref12\">[12]<\/a> &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, geradeso wie im M\u00e4rchen von der Frau Holle die Brote im Ofen schon alle ausgebacken sind, als Goldmarie am Backofen vorbeikommt, und wie sie das M\u00e4dchen rufen, wie dann die \u00c4pfel ihr zurufen: \u201eWir sind schon alle reif\u201c, geradeso scheinen die B\u00fccher uns zuzurufen: \u201eLest uns!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas war es, wovon all diese B\u00fccher tr\u00e4umten\u2026\u201c, so wunderbar hat Walter Moers das in seiner Phantasiegeschichte formuliert. Poesie kann sich mehr erlauben als n\u00fcchterne Analytik, die sofort meckern w\u00fcrde, weil B\u00fccher nicht sprechen k\u00f6nnen. Im M\u00e4rchen aber k\u00f6nnen sie das, darum auch in Fantasym\u00e4rchen, und immer in unserer Vorstellungswelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Was h\u00fclfe uns unser n\u00fcchterner, dekonstruierender Verstand, l\u00e4gen nicht in einer viel tieferen menschlichen Schicht die Kraft und die konstruktive Macht seiner Phantasie! Sie l\u00e4\u00dft uns tr\u00e4umen, l\u00e4\u00dft uns auch Dinge erfinden, die wir \u00fcbermorgen benutzen werden. Ja sie l\u00e4\u00dft uns sogar Worte der Macht frei aus unserer Vorstellungswelt sch\u00f6pfen, die nichts bezeichnen, das es jemals gab, geben wird und geben kann, zum Beispiel Dimensionstore, Hypergravantrieb, aner auch Teufel, Erbschuld oder Klimagerechtigkeit. Es gibt Machtworte, die man als Drohvokabeln schwingen kann wie einen Zauberstab, andere Menschen zu knechten, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden<a id=\"_ftnref13\" href=\"#_ftn13\">[13]<\/a>: &#8222;Tut Bu\u00df Ihr S\u00fcnder!&#8220; h\u00f6rten wir einst. &#8222;Staatsr\u00e4son und bleibende Verantwortung!&#8220; raunt es heute in unser linkes Ohr, &#8222;Nie wieder!&#8220; br\u00fcllt es ins rechte. Auch das wissen kluge, aufgekl\u00e4rte B\u00fccher zu w\u00fcrdigen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a>Auf den Schultern geistiger Ahnen<\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Die komplexen menschlicher Leistungen sind nur durch kulturelle Weitergabe m\u00f6glich. Sie geschieht seit der griechischen Antike ganz wesentlich durch B\u00fccher. Schriftliche \u00dcberlieferung bahnbrechender Gedanken und Einsichten erm\u00f6glicht uns, die Vordenker unseres eigenen freien Denkens auch namentlich zu w\u00fcrdigen. Die Geistesgeschichte ist wie ein gewaltiges Bauwerk, \u00e4hnlich einem gotischen Dom, an dem Generation um Generation Stein um Stein ihren Beitrag geleistet hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir stehen mit all unserem Denken auf den Schultern vieler scharfsinniger M\u00e4nner, begnadete B\u00fccherschreiber, die aber ihrerseits wieder auf den Schultern noch \u00e4lterer stehen. Einem anderen Gleichnis zufolge baute jeder gro\u00dfe Denker in seiner Epoche einen Turm. Sie rufen sich \u00fcber die Epochen und Zeiten hinweg von Turm zu Turm Erkenntnisse und Botschaften zu, aber auch Kritiken, Verrisse und Schm\u00e4hreden. Einer von ihnen, Michel de Montaigne, lebte sogar tats\u00e4chlich inmitten unz\u00e4hliger B\u00fccher in einem solchen Turm. Wenn wir ihre Werke aufschlagen, sprechen sie uns pers\u00f6nlich an, sie wollen uns mitteilen, was immer gilt, wollen aufkl\u00e4ren, \u00fcberzeugen und mahnen.<em> <\/em>Wenn wir genau hinh\u00f6ren, vernehmen wir ihren Ruf als Aufruf zur Freiheit. Lesen macht frei.<\/p>\n\n\n\n<p>Geistig frei sein wollen viele Menschen aber gar nicht, sondern geborgen in einer sie \u00e4ngstigenden Welt, die sie nicht verstehen. Sie suchen vergeblich nach einem universellen Sinn ihres Lebens und Sterbens. Wenn sie &#8211; nat\u00fcrlich &#8211; keinen finden, h\u00f6ren sie auf Priester, Heilsverk\u00fcnder, Sinnstifter, Fernsehkommentatoren und andere Demagogen, falten die H\u00e4nde und beginnen zu glauben. So verlieren sie ihre geistige Freiheit. Auch f\u00fcr sie gibt es B\u00fccher, Dogmenkatechismen zum Nachbeten, Giftb\u00fccher des Geistes, klebrige Leimruten geistiger Einkerkerung.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den gro\u00dfartigsten menschlichen F\u00e4higkeiten geh\u00f6rt das Phantasieren. Wir verm\u00f6gen uns grandiose Hirngespinste auszudenken, die uns helfen, unser Dasein zu bew\u00e4ltigen. Sie bef\u00e4higen uns auch, Mitmenschen zu beherrschen, indem wir sie an die Realit\u00e4t unserer Phantasien glauben lassen. Unsere hirnersponnene Vorstellung wird dann f\u00fcr sie zu ihrer Wahrheit. So mancher aber glaubt selbst an die Gespenster, die seine Phantasie erfunden hat. Doch ein endloser Zug einsamer Aufkl\u00e4rer durchschaute in den heroischen Epochen der Geistesfreiheit das Spiel. Ihnen verdanken wir alles:<\/p>\n\n\n\n<p>Homers Welt war noch erf\u00fcllt von k\u00e4mpfenden und waltenden G\u00f6ttern. Das magische Weltbild wimmelte von \u00fcbersinnlichen Kr\u00e4ften und Geistwesen. Da ereignete sich in Milet ein geistiger Urknall: Der um 611 v.Chr. geborene <strong>Anaximandros <\/strong>erkl\u00e4rte, alles Geschehen, also der gesamte Weltproze\u00df, beruhe auf einer ihm innewohnenden Gesetzlichkeit. Diese nennen wir heute Naturgesetz. Anaximandros erkl\u00e4rte es, ohne auch nur die Spur eines \u201eJenseits\u201c oder einer Geisterwelt zu ben\u00f6tigen. Alles Geschehen beruhe auf Bewegung, die niemals aufh\u00f6re, und der Mensch sei urspr\u00fcnglich aus andersartigen Lebewesen entstanden, dem Fische \u00e4hnlich.<a id=\"_ftnref14\" href=\"#_ftn14\">[14]<\/a> Ich mu\u00df hier niemanden mit der Nase hineinsto\u00dfen, wen Anaximandros damit vorwegnahm.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer einmal selbst\u00e4ndig zu denken begonnen hat, dem wird es zur Angewohnheit, die er nicht mehr aufgeben kann. Anaximandros Lehren wurden nicht vergessen. Xenophanes von Kolophons \u201eweitreichende V\u00f6lkerkunde hatte ihm bereits offenbart, da\u00df die G\u00f6tter eines Volkes nur das Spiegelbild von dessen eigenem Wesen sind, und k\u00fchn zieht er hieraus den Schlu\u00df, da\u00df die Gottesanschauungen der V\u00f6lker nur anthropomorphe Gebilde ihrer mehr oder weniger kindlichen Phantasie sind,\u201c<a id=\"_ftnref15\" href=\"#_ftn15\">[15]<\/a> \u201eUnd da beten sie\u201c, seufzte <strong>Heraklit<\/strong>, \u201ezu diesen G\u00f6tterbildern, gerade wie wenn sich jemand mit toten Steinw\u00e4nden unterhalten wollte. Sie haben eben vom Wesen der G\u00f6tter und Heroen keine Ahnung.\u201c<a id=\"_ftnref16\" href=\"#_ftn16\">[16]<\/a> Es hat viele, viele Jahrhunderte gedauert, bis diese Rufe wieder geh\u00f6rt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der soziale Erfolg geistiger Durchbr\u00fcche und Spitzenleistungen hing in der Geistesgeschichte immer und h\u00e4ngt bis heute nicht von ihrer rein intellektuellen \u00dcberzeugungskraft ab, sondern von Antwort auf die Frage: Wer b\u00fcrgt f\u00fcr Sitte, Anstand und Moral, wenn diese nicht g\u00f6ttlichen Ursprungs sind? Warum \u201edarf\u201c nicht jeder ungehemmt jedes anderen \u201eMenschen Wolf\u201c sein? Die fr\u00fchen griechischen Aufkl\u00e4rer hatten ein g\u00e4hnendes Loch ins Tempelheiligtum der griechischen Sakralwelt geschlagen. Bis zum heutigen Tage geht es Hohepriestern, Sinnstiftern, Propheten, ja der gesamten Theologie darum, dieses Loch zu flicken, einen Begr\u00fcndungszusammenhang zwischen den Menschen und absolut geltenden Regeln wieder herzustellen und die Menschen geistig-moralisch zu verpflichten. Die Masse ihrer Denkbem\u00fchungen \u00fcbernahm die Philosophie. Sie wurde jahrhundertelang die \u201eMagd der Theologie\u201c genannt. Den M\u00e4gde- und Knechte-Philosophen entgegen stemmten sich frei denkende Aufkl\u00e4rer. Wie in einer immerw\u00e4hrenden Schaukelbewegung wechselten Epochen vemehrter Aufkl\u00e4rung mit erneutem theologischen Dogmatismus ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die in ihrer Art geniale, nur leider falsche, Schl\u00fcsselidee f\u00fcr alle kommenden Heilsbringer, Propheten und Theologen lieferte Platon. Er griff philosophisch um Jahrhunderte zur\u00fcck: Im Mystizismus hatte man einst alles Irdische als von \u201ejenseitigen\u201c Geistwesen \u201ebeseelt\u201c geglaubt. Anstelle dieser Seelenlehre setzt er seine Ideenlehre. Angebliche ewige, im Irgendwo herumgeisternde Ideen seien die Urbilder aller Dinge, sie seien ihr Ursprung, ihr Vorbild und damit viel realer als die handgreiflichen Dinge. Jede Idee beruhe ihrerseits auf noch h\u00f6heren Ideen, und die h\u00f6chte denkbare Idee und Inbegriff des Guten sei deshalb Gott. Begeistert griff das junge Christentum den Platonismus auf und verband sich bis heute untrennbar mit ihm. So erf\u00fcllte es bald alle Anforderungen einer Herrschaftsideologie, denn das oberste Gute sprach nicht aus sich selbst. Es bedurfte eines obersten Sachwalters und Dieners auf Erden und bald auch einer Staatsmacht als weltlichen Arm.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch schon im Hochmittelalter untergruben manche Gelehrte das platonische Fundament der kirchlichen Scholastik. <strong>William von Ockham<\/strong> fiel auf, da\u00df man sich unz\u00e4hlige phantastische Wesenheiten vorstellen kann, die es aber keineswegs zwingend auch real geben mu\u00df. Das beeintr\u00e4chtigte den Glauben an die reale Existenz aller h\u00fcbschen Wortsch\u00f6pfungen wie \u201edie Gerechtigkeit\u201c oder \u201edas Gute\u201c, weshalb Ockham sich vor den Nachstellungen der p\u00e4pstlichen Inquisition ins kaisertreue M\u00fcnchen in Sicherheit bringen mu\u00dfte. Aber erst als fromme Fl\u00fcchtlinge aus dem 1453 von T\u00fcrken eroberten Konstantinopel in den Westen kamen und im Gep\u00e4ck wertvolle vorchristliche Texte altgriechischer Autoren, begann eine Renaissance antiker Denkweisen und f\u00fchrte zu einem lawinenartigen Effekt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Glaube wankte, w\u00e4hrend die Skepsis zunahm. Niccolo <strong>Machiavelli <\/strong>begriff bereits vollst\u00e4ndig den Unterschied zwischen etwas als Wahrheit Verk\u00fcndetem und der sozialen Herrschaftsfunktion der Verk\u00fcndigung. Montaigne inspirierte sich durch umfassende Kenntnis griechischer und r\u00f6mischer Autoren, zweifelte an allem und jedem und argumentierte konsequent vergleichend kulturhistorisch. Er baute auf vergleichenden Berichten des Weltreisenden Herodot auf, relativierte alle Glaubenswahrheiten und Riten als modisch bedingt, \u201erelativierte\u201c sie damit und wurde zum Vorl\u00e4ufer des Historismus und der vergleichenden Ethnologie.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem sich der 30j\u00e4hrige Krieg an Konfessionsha\u00df entz\u00fcndete und wegen weltlicher Machtgier nicht gel\u00f6scht werden konnte, suchte Thomas Hobbes jede neue Z\u00fcndung zu verhindern. Er kannte die Schriften von Machiavelli und <strong>Montaigne <\/strong>und glaubte nicht mehr an ewige Wahrheiten. Gibt es keine ewigen Wahrheiten, mu\u00df man sich daf\u00fcr auch nicht gegenseitig massakrieren. Aus der Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber theologischen Allmachtsanspr\u00fcchen erwuchs die bleibende Erkenntnis: Was als wahr gilt, mu\u00df ganz einfach von jemandem entschieden werden, und das kann nur der Staat sein. Glauben kann ja immer noch jeder, was er will. Wichtiger als \u201eh\u00f6here\u201c Wahrheiten ist das nackte \u00dcberleben, ist der Frieden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hundert Jahre nach ihm argumentierte am Hofe Friedrichs des Gro\u00dfen der Franzose <strong>La Mettrie<\/strong>, der Mensch sei wie eine Maschine, und au\u00dfer seiner Stofflichkeit gebe es da nichts.<a id=\"_ftnref17\" href=\"#_ftn17\">[17]<\/a> Erschrocken von solchen Lehren suchten Obrigkeiten und Sinnstifter tief emp\u00f6rt nach einer absolut geltenden Begr\u00fcndung f\u00fcr Sitte, Anstand und Moral. Mu\u00dfte es nicht ins Chaos f\u00fchren, wenn jeder macht, was immer er will? Weil man aber den Glauben an eine waltende und richtende Gottperson vielfach aufgegeben hatte und nur noch Theologen ernsthaft mit dem Seelenheil im Jenseits argumentierten, verlegten Naturrechtler ganz schlau Sitte und Moral vom transzendenten Jenseits in \u201eden Menschen\u201c hinein. Da waren sie als \u00fcbersinnliche Befehlsprogramme gut aufgehoben, n\u00e4mlich immanent in jedem enthalten. Die Naturrechtler betrachteten sie, dachten scharf nach und fanden, was sie so dringend ben\u00f6tigten: das Moralische im Menschen! Gott will, da\u00df wir unserer moralischen Natur gehorchen! Also sollte gef\u00e4lligst jeder auch wirklich \u201egut\u201c sein, f\u00fcgten sie ernst blickend hinzu, weil das einfach vern\u00fcnftig sei. Wer sich keine M\u00fche gab oder dieses Moralische nicht in sich sp\u00fcrte, war &#8211; wom\u00f6glich gar kein richtiger Mensch? Ein Unmensch?<\/p>\n\n\n\n<p>Hohnlachend ob dieses Zirkelschlusses haute ein ungelernter philosophischer Banause allen Theologen, Moralisten und Metaphysikern ihre Lehren buchst\u00e4blich um die Ohren: <strong>Max Stirner<\/strong> hie\u00df er mit Aliasnamen und f\u00fchrte die Aufkl\u00e4rung zu einem konsequenten Ende, indem er s\u00e4mtliche Ideen von einem Jenseits, von G\u00f6ttern, Seelen und immanenten Moralbefehlen verwarf. Er wurde zum geistigen Ahnherrn aller Autonomen, aller Anarchisten und auch aller, die mit seiner geistigen Hilfestellung irgendeine gegnerische Ideologie st\u00f6ren oder zerst\u00f6ren m\u00f6chten. F\u00fcr alle Heilsideologien ist er pures Gift. Dabei lebte Stirner privat als braver, unbescholtener B\u00fcrger. Er rief zu keinem Sollen auf, keinem Umsturz und keiner Revolution, sondern l\u00f6ste nur alle Knoten geistiger Unterdr\u00fcckung.<\/p>\n\n\n\n<p>Friedrich <strong>Nietzsche <\/strong>hatte ihn ebenso gelesen wie viele andere, nur als zitierf\u00e4hig galt Stirner nicht. Er galt als potentieller Unterw\u00fchler von &#8211; der Leser wei\u00df es schon: von Anstand und Moral. Nach dem Erscheinen von Nietzsches vernichtender Metaphysikkritik in \u201eJenseits von Gut und B\u00f6se\u201c sowie \u201eDer Antichrist\u201c fragt man sich, wie Christentum und universalistische Moral \u00fcberhaupt noch fortexistieren konnten. Immer mehr junge Leute nahmen beides nur noch mit Kopfsch\u00fctteln zur Kenntnis. Viele Gebildete nahmen ihren Nietzsche im Tornister mit in die Stahlgewitter des ersten Weltkriegs. Die Bibel war weniger gefragt. Nachdem die Todesmutigen in zwei Weltkriegen in ihre Gr\u00e4ber gesunken waren, griffen die entmutigten \u00dcberlebenden erneut auf das tot geglaubte Naturrecht zur\u00fcck und legten gleich in der Pr\u00e4ambel des Grundgesetzes ein \u201eBekenntnis\u201c zu ihm ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterdessen hatte ein anderer Ast aus dem Baum der Aufkl\u00e4rung auf Machiavelli zur\u00fcckgegriffen, und inspiriert von fr\u00fchen franz\u00f6sischen Soziologen wie Gustave le Bon und anderen interessierten sie sich f\u00fcr die soziale Funktion aller Moral als Herrschaftsideologie. Wie bereits Machiavelli, war f\u00fcr <strong>Max Weber<\/strong> kein Thema, ob es irgendeinen Gott oder eine allgemeinverbindliche Moral tats\u00e4chlich gibt. Er fragte nach den Bedingungen, unter denen Gottes- und Moralvorstellungen eine Herrschaft begr\u00fcnden und festigen. Auf seinen Schultern standen fast ein Jahrhundert sp\u00e4ter wieder Soziologen wie Helmut Schelsky und Arnold Gehlen sowie Philosophen wie Panajotis Kondylis. Sie z\u00e4hlen zur soziologischen und philosophischen Fraktion derer, die das staatliche Recht streng von der Moral unterschieden. Hans <strong>Kelsen <\/strong>war vor 1933 einer der Hauptvertreter des juristischen Teils dieser Phalanx gegen die Vormacht der Priester und Sinnstifter und Frontmann des Rechtspositivismus. Dieser besagt im Anschlu\u00df an Hobbes, da\u00df unverbr\u00fcchlich als Gesetz gilt, was der staatliche Gesetzgeber als Gesetz erlassen hat. Kein B\u00fcrger darf seine Privatmoral dagegen geltend machen, sonst f\u00fchrte das geradewegs in den relgi\u00f6sen B\u00fcrgerkrieg.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Sollen kann immer nur aus einem erlassenen Gesetz abgeleitet werden, niemals aus der Behauptung allein, eine Regel gelte \u201evon Natur aus\u201c, folge also schlicht aus einem ein rein faktischen Sein. <strong>Kondylis <\/strong>schrieb dazu: \u201eUnter den heiklen Umst\u00e4nden der theoretischen Zersplitterung des Seins beim gleichzeitigen Festhalten an der Universalit\u00e4t des Sollens mu\u00df sich jener, der die Problematik von Sein und Sollen von neuem auf die Tagesordnung setzt, wie der bekannte Grobian vorkommen, der im Hause des Gehenkten vom Strick sprach. Es ist keineswegs vergessen worden, da\u00df derartige epistemologische \u00dcberlegungen nicht nur auf dezisionistische Erkl\u00e4rungen der Natur und der Funktion von Werten und Normen hinausliefen (Max Weber ist das prominenteste Beispiel daf\u00fcr), sondern auch vernichtende Kritiken des Naturrechts zeitigten (als Zeuge sei hier die grandiose wissenschaftliche Leistung von Hans Kelsen angef\u00fchrt). Die Antwort oder vielmehr die Reaktion auf solche Erinnerungen sind entweder das Verdr\u00e4ngen und Totschweigen der ganzen Fragestellung oder Widerlegungsversuche, die im Grunde nur anzeigen, wie sehr die F\u00e4higkeit zum scharfen begrifflichen Denken eben unter der Preisgabe solcher Fragestellungen und solcher grundlegenden Denk\u00fcbungen gelitten hat.&#8220;<a id=\"_ftnref18\" href=\"#_ftn18\">[18]<\/a> Diese Zeilen belegen den engen und notwendigen Zusammenhang der Schlu\u00dffolgerungen in ganz unterschiedlichen Disziplinen, wenn man von denselben Denkgrundlagen ausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Sollensvorstellungen folgen aus Werten, die ihrerseits nur Vorstellungen sind. Sie k\u00f6nnen sich bis zu einer fanatisch moralisierenden &#8222;Tyrannei der Werte&#8220; steigern, wenn man einen einzelnen Wert absolut setzt. Davor warnte der Philosoph <strong>Nicolai Hartmann<\/strong><a id=\"_ftnref19\" href=\"#_ftn19\">[19]<\/a> und inspirierte den Verhaltensforscher Konrad Lorenz zu tiefem Nachdenken. Dieser fragte dann wie bei jeder tierischen und menschlichen Eigenschaft: Wozu war es evolution\u00e4r zweckdienlich, da\u00df Menschen bestimmte fundamentale Werte geradezu f\u00fchlen? Damit holte er unsere Wertvorstellungen endg\u00fcltig aus des jenseitigen Gefilden des platonischen Ideenhimmels und untersuchte sie anthropologisch. Es versteht sich dabei von selbst, da\u00df Lorenz sich gern auch auf Hartmann berief, <strong>Gehlen <\/strong>wiederum auf Lorenz und so fort. Vor allem aber hat <strong>Konrad Lorenz<\/strong> die Hartmann&#8217;sche Kategorienlehre \u00fcbernommen, die uns hier noch besch\u00e4ftigen wird, und seine klare Unterscheidung von Kausalnexus und Finalnexus.<\/p>\n\n\n\n<p>Unverzichtbare Grundlagen, innergesellschaftliche Zusammenh\u00e4nge zu verstehen und Instrumente wie Religionen und Ideologien als Waffen im Kampf um Herrschaft und Macht zu begreifen, lieferten seit Ende des 19. Jahrhunderts Soziologen wie Gustave Le Bon, Max Weber und seine Nachfolger wie Helmut Schelsky, Arnold Gehlen und <strong>Erwin Scheuch<\/strong>, den ich als K\u00f6lner Student noch selbst habe kennenlernen d\u00fcrfen. Wir hatten gemeinsam in seinem Institut ein Flugblatt gegen \u201eVorlesungssprengungen\u201c des MSB Spartakus verfa\u00dft, unter denen er litt. M\u00e4nner wie er haben sich keinem ideologischen Druck gebeugt. Mich erf\u00fcllt eine tiefe intellektuelle und emotionale Dankbarkeit und Verbundenheit mit allen alten Philosophen und Wissenschaftlern, von denen ich lernte, mein emotionales Freiheitsbed\u00fcrfnis auch intellektuell zu unterf\u00fcttern. Ihr Denken lebt weiter.<a id=\"_ftnref20\" href=\"#_ftn20\">[20]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Es lebt in meinen B\u00fcchern. Des Nachts in meiner Bibliothek vernehme ich zuweilen ihr leises Fl\u00fcstern.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Lesen Sie gern weiter in:<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"226\" height=\"300\" src=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Cover-Kunze-2024-Endfassung-Viki-100dpi-5-226x300-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7113\" style=\"width:405px;height:auto\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Michel de Montaigne, Essais, 1580, Hrg. Hans Magnus Enzensberger, \u00dcbersetzer Hans Stilett, Frankfurt 1998, Buch 3, 3., S.412 f. &#8211; Die \u00dcberschrift hier (\u201eIm B\u00fccherturm\u201c) ist von mir gew\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Michel de Montaigne, Essais, 1580, Hrg. Hans Magnus Enzensberger, \u00dcbersetzer Hans Stilett, Frankfurt 1998, Buch 3, 3., S.412 f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Ernst J\u00fcnger, Sturm, 1923, in: S\u00e4mtliche Werke, Band 15, ISBN 3-12-904251-2, S.45 ff. &#8211; Die \u00dcberschrift \u201eLeutnant Sturm Vision\u201c habe ich hier gew\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Wir d\u00fcrfen unser Ernst J\u00fcngers Heimat Hannover vorstellen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a> Ernst J\u00fcnger, Sturm, 1923, in: S\u00e4mtliche Werke, Band 15, ISBN 3-12-904251-2, S.45 ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\">[6]<\/a> Genevieve Cogman, Die unsichtbare Bibliothek, 2015, ISBN 978-40420786-2, S.21.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\" id=\"_ftn7\">[7]<\/a> Genevieve Cogman, Die unsichtbare Bibliothek, 2015, ISBN 978-40420786-2, S.21.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\" id=\"_ftn8\">[8]<\/a> Nachempfunden dem Theologen und Philosophen William von Ockham.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\" id=\"_ftn9\">[9]<\/a> Terry Pratchett, Das Erbe des Zauberers, 1987, 16.Aufl.1989, ISBN 3-453-03451-1, S.206 f., 210 f. &#8211; \u00dcberschrift von mir.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\" id=\"_ftn10\">[10]<\/a> Terry Pratchett, Das Erbe des Zauberers, 1987, 16.Aufl.1989, ISBN 3-453-03451-1, S.206 f., 210 f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\" id=\"_ftn11\">[11]<\/a> Walter Moers, Die Stadt der tr\u00e4umenden B\u00fccher, 2006, 33.Auf.2015, ISBN 978-492-24688-0, S.30 ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\" id=\"_ftn12\">[12]<\/a> Walter Moers, Die Stadt der tr\u00e4umenden B\u00fccher, 2006, 33.Auf.2015, ISBN 978-492-24688-0, S.30 ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref13\" id=\"_ftn13\">[13]<\/a> Sie haben das Zitat nat\u00fcrlich verstanden, weil Sie \u201eDer Herr der Ringe\u201c von Tolkien kennen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref14\" id=\"_ftn14\">[14]<\/a> \u00dcberliefert von Pseudoplutarch und Hippolytos, zitiert nach Capelle S.87.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref15\" id=\"_ftn15\">[15]<\/a> Capelle S.114.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref16\" id=\"_ftn16\">[16]<\/a> Herakleitos von Ephesos, zit. nach Capelle S.137.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref17\" id=\"_ftn17\">[17]<\/a> La Mettrie, Der Mensch als Maschine, S.77; ders.: \u00dcber das Gl\u00fcck, S.12 f., 71.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref18\" id=\"_ftn18\">[18]<\/a> Kondylis (1996), S.40.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref19\" id=\"_ftn19\">[19]<\/a> Hartmann (1926), S.576.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref20\" id=\"_ftn20\">[20]<\/a> Letzter Abschnitt aus: Klaus Kunze, Das rechte Weltbild, 2024, S.58 ff.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hatten Sie bei einem ansprechenden Buch auch schon einmal das Gef\u00fchl, der Autor spr\u00e4che zu Ihnen? 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