{"id":7617,"date":"2026-06-21T20:12:12","date_gmt":"2026-06-21T18:12:12","guid":{"rendered":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/?p=7617"},"modified":"2026-07-12T20:03:27","modified_gmt":"2026-07-12T18:03:27","slug":"die-deutsche-nation-ein-konstrukt-der-linken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/2026\/06\/21\/die-deutsche-nation-ein-konstrukt-der-linken\/","title":{"rendered":"Die deutsche Nation &#8211; ein Konstrukt der Linken?"},"content":{"rendered":"\n<p>Auf den ersten Blick liest sich diese \u00dcberschrift abwegig. Sind es nicht die Linksextremisten, die Deutschland am meisten hassen? Das trifft allerdings nicht ausnahmslos f\u00fcr jeden Linken zu, und vor allem nicht f\u00fcr jede Epoche.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201edeutsche Nation\u201c als soziale Entit\u00e4t wurde in den Kriegen und Kulturk\u00e4mpfen nach der franz\u00f6sischen Revolution geboren. Deutsche Jakobiner brachten sie auf diesen Begriff. Die Begriffsstruktur und das dahinter stehende Denkmodell haben sie direkt ihren franz\u00f6sischen Vorbildern entnommen.<\/p>\n\n\n\n<p>1798 verbreitete ein wohlweislich anonym bleibender Jakobiner im Rheinland eine 62seitige Schrift.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Er behandelte die deutsche Nation bereits als kollektives Handlungssubjekt, das zur Freiheit gef\u00fchrt, \u00fcberzeugt und politisch geformt werden k\u00f6nne und solle.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Noch kommt es viel darauf an, wie man die deutsche Nation zur Freiheit leitet? Ruhige W\u00e4rme, kraftvolle Ueberredung, M\u00e4\u00dfigung der Gef\u00fchle ist hier jeder Exaltation vorzuziehen, die blo\u00df declamirt. Hier vermag die W\u00fcrde eines Vortrages, der Gr\u00fcnde darlegt, alles \u2014 Hat der Deutsche erst diese eingesehen, so bleibt er in Th\u00e4tigkeit und St\u00e4rke des Gef\u00fchls hinter keiner Nation zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Nothwendigkeit der Abtretung des linken Rheinufers, theils f\u00fcr Frankreich, theils f\u00fcr Deutschland, anonym, \u201evon einem Staatsmanne\u201c, 1798.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"712\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/zzzzzzzzzzzzzzzz-712x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7621\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/zzzzzzzzzzzzzzzz-712x1024.jpg 712w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/zzzzzzzzzzzzzzzz-209x300.jpg 209w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/zzzzzzzzzzzzzzzz-768x1105.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/zzzzzzzzzzzzzzzz-1068x1536.jpg 1068w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/zzzzzzzzzzzzzzzz-1424x2048.jpg 1424w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/zzzzzzzzzzzzzzzz-900x1295.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/zzzzzzzzzzzzzzzz-1280x1841.jpg 1280w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/zzzzzzzzzzzzzzzz-scaled.jpg 1780w\" sizes=\"auto, (max-width: 712px) 100vw, 712px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Anonyme jakobinische Propagandaschrift <br>(hinter diesem Blogartikel vollst\u00e4ndige Abschrift)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Jakobiner hatten weder Deutschland noch das deutsche Volk und schon gar nicht die Vaterlandsliebe erfunden. Drei Jahre vor jener Schrift, 1795, schrieb der Preu\u00dfe Christian von Massenbach in seinen Momoiren:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Von der Ueberzeugung, da\u00df Deutschland untergehen werde, niedergedr\u00fcckt, gebe ich hier nur einige Ideen an, wie vielleicht noch einem edeln Volk geholfen werden k\u00f6nne. &#8230; Die Geschichte der k\u00fcnftigen Jahrhunderte wird keine Germanier mehr nennen. &#8211; Ungl\u00fcckliches deutsches Vaterland! Potsdam, im November 1795, Christian von Massenbach.<\/p>\n\n\n\n<p>Christian von Massenbach, Memoiren zur Geschichte des preu\u00dfischen Staats, von dem Obristen von Massenbach, 2. Band, gedruckt Amsterdam 1809, S.460.<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\"><strong>[2]<\/strong><\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das deutsche Land und die deutschen Frauen hatte schon Walther von der Vogelweide im 12. Jahrhundert besungen, und aus dem 16. Jahrhundert blieben die patriotischen Aufrufe Ulrich von Huttens unverge\u00dflich. Aber Deutschland war keine politische Gr\u00f6\u00dfe. Es hatte noch keine Gestalt angenommen, die f\u00fcr die Deutschen im Alltag praktische Relevanz besa\u00df. Aus diesem Dornr\u00f6schenschlaf weckten es die deutschen Jakobiner nach dem Vorbild der franz\u00f6sischen Revolution\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab zwar bereits das politisch verfallene \u201eHeilige R\u00f6mische Reich deutscher Nation\u201c. Der Begriff bezeichnete aber lediglich diejenigen Teilgebiete jenes Reichs, in denen man deutsch sprach, im Gegensatz zu anderen Reichsteilen, in denen welsche und andere Sprachen vorherrschten. Bereits im 14. Jahrhundert findet man Formulierungen wie \u201edie deutsche Nation\u201c (natio Germanica) etwa an Universit\u00e4ten oder auf Konzilien. Dort verstand man unter \u201eNation\u201c nur eine Abstammungs-, Sprach- oder Herkunftsgemeinschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die franz\u00f6sischen Revolution\u00e4re ben\u00f6tigten aber ein ganz anderes Verst\u00e4ndnis von Nation, um den angeblichen \u201eWillen des Volkes\u201c dem Anspruch ihres K\u00f6nigs und seiner monarchischen Legitimit\u00e4t entgegenzusetzen. Die staatliche Souver\u00e4nit\u00e4t sollte dem K\u00f6nig genommen werden. Irgendwo mu\u00dfte sie also hin. Adel und Klerus als St\u00fctzen des Thrones waren den Revolution\u00e4ren verha\u00dft. Es bot sich nur das einfache Volk an. Um es zum Tr\u00e4ger der Souver\u00e4nit\u00e4t zu erheben, mu\u00dften zwei Fiktionen erfunden werden: eine franz\u00f6sische Nation wie eine Person als soziale Wesenheit und ihre Repr\u00e4sentierbarkeit durch die Nationalversammlung.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"826\" src=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/zzzzh-1024x826.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7619\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/zzzzh-1024x826.jpg 1024w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/zzzzh-300x242.jpg 300w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/zzzzh-768x620.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/zzzzh-1536x1240.jpg 1536w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/zzzzh-2048x1653.jpg 2048w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/zzzzh-900x726.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/zzzzh-1280x1033.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Eroberungen Frankreichs bis zum Rhein und dar\u00fcber hinaus<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die ontologische Aufwertung des Volks zur Nation<\/h2>\n\n\n\n<p>Obwohl die ideologischen Priorit\u00e4ten unseres anonymen \u201eStaatsmannes\u201c klar bei seiner Obsession f\u00fcr eine Revolution lagen, benutzte er in seiner Schrift mehrfach die Begriffe der franz\u00f6sischen wie auch der deutschen Nation. Er mu\u00dfte die Franzosen und die Deutschen argumentativ von blo\u00dfen V\u00f6lkern ontologisch zu Nationen aufwerten. Nur als eine soziale Wesenheit, also als Quasi-Personen, konnte das franz\u00f6sische Volk insgesamt Tr\u00e4ger souver\u00e4ner Rechte sein, und nur so konnte man die deutsche Nation &#8222;an die Hand nehmen&#8220; und \u201ezur Freiheit\u201c leiten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Jakobiner f\u00fchrten einen neuen politischen Nationsbegriff ein und behandelten die Nation als souver\u00e4nes Kollektivsubjekt, lange bevor ein erheblicher Teil der Bev\u00f6lkerung tats\u00e4chlich in diesem Sinne dachte und handelte. Weil und soweit das franz\u00f6sische Volk dieser Idee sp\u00e4ter folgte und sie verinnerlichte, nahm ihre Nation als soziale Entit\u00e4t tats\u00e4chlich in der napoleonischen Zeit Gestalt an. Am 20. April 1792 erkl\u00e4rte die franz\u00f6sische Legislative dem \u00f6sterreichischen Kaiser den Krieg. Im Herbst 1794 \u00fcberschritten die franz\u00f6sischen Revolutionsarmeen den Rhein. Nach der Niederlage \u00d6sterreichs bei Fleurus war die Lage der Reichsst\u00e4nde am linken Rheinufer praktisch hoffnungslos. Bis Ende 1794 war das gesamte linke Rheinufer franz\u00f6sisch besetzt, geh\u00f6rte aber rechtlich noch zum Reich und wurde erst 1801 abgetreten.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Konstellation warb der oben erw\u00e4hnte anonyme Jakobiner f\u00fcr diese 1798 erst bevorstehende Abtretung:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Viele Districte enthalten die fruchtbarsten Gegenden Deutschlands, und geben dem G\u00fcterbestande einen au\u00dferordentlichen Werth. Alle diese den F\u00fcrsten, Stiftern und Kl\u00f6stern geh\u00f6rige L\u00e4ndereyen werden nat\u00fcrlicher Weise Nationaleigenthum. K\u00e4men diese Gegenden wieder ans Reich, so w\u00fcrden sie keinem Menschen n\u00fctzlicher werden, als schwelgenden Dompfaffen, m\u00fc\u00dfigen Priestern und singenden Nonnen. Der Unterthan bliebe ein Sclave nach wie vor, und m\u00fc\u00dfte Zehnden, Frohndienste und dergleichen unertr\u00e4glichen fernerhin leisten.<br>Anonymus 1798 am angegebenen Ort.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"819\" src=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/ChatGPT-Image-21.-Juni-2026-20_02_49-1024x819.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7623\" srcset=\"https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/ChatGPT-Image-21.-Juni-2026-20_02_49-1024x819.jpg 1024w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/ChatGPT-Image-21.-Juni-2026-20_02_49-300x240.jpg 300w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/ChatGPT-Image-21.-Juni-2026-20_02_49-768x615.jpg 768w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/ChatGPT-Image-21.-Juni-2026-20_02_49-900x720.jpg 900w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/ChatGPT-Image-21.-Juni-2026-20_02_49-1280x1024.jpg 1280w, https:\/\/klauskunze.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/ChatGPT-Image-21.-Juni-2026-20_02_49.jpg 1402w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abtransport wertvoller Handschriften nach Frankreich: &#8222;Alle diese den F\u00fcrsten, Stiftern und Kl\u00f6stern geh\u00f6rige L\u00e4ndereyen werden nat\u00fcrlicher Weise Nationaleigenthum.&#8220; (Anonymus 1798)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Als soziale Entit\u00e4t war die franz\u00f6sische Nation hervorragend geeignet, in ihrem Namen die Guillotine niedersausen zu lassen, bis man im Blut der Hunderttausenden Revoltionsgegner watete. Einer Nation kann n\u00e4mlich nicht widersprechen, wenn sich jemand als ihr Repr\u00e4sentant auff\u00fchrt. Und die deutsche Nation? Unserem Anonymus war v\u00f6llig bewu\u00dft, da\u00df die Deutschen mehrheitlich \u00fcberhaupt keine Losl\u00f6sung der linken Rheinlande vom Reich und schon gar keine Revolution wollten. Das machte aber nichts:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Wenn die Bewohner von Bonn, Coblenz zum Theil so tief in die Niedrigkeit eines verworfenen Sudlers<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a> versinken konnten, da\u00df sie die Fesseln der Sklaverey, der Wohlthat, freye Menschen zu seyn, vorziehen konnten; so mu\u00df man darum nicht auf das Ganze der rheinischen V\u00f6lker schlie\u00dfen, da\u00df sie die Freyheit hassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anonymus 1798 am angegebenen Ort.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Er dachte sich die \u201edeutschen V\u00f6lker\u201c im Plural, die deutsche Nation bezeichnenderweise aber in der Einzahl. Aber was macht ein guter Revolution\u00e4r mit solchen Leuten? Der Anomymus wei\u00df bereits, was seine geistigen Nachkommen in unseren Staatspropaganda-Medien<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a> bis heute wissen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Menschen dieser Art, die von Vorurtheilen, Furcht und th\u00f6richten Besorgnissen durch ihre F\u00fchrer beherrscht werden, sind unm\u00fcndigen Kindern \u00e4hnlich, die bey der t\u00f6dlichsten Krankheit die heilsamsten und wohlth\u00e4tigsten Arzneimittel von sich sto\u00dfen, und die man oft zur Gesundheit aus Menschenpflicht n\u00f6thigen mu\u00df, wof\u00fcr sie nicht undankbar sind, wenn die heiteren Gef\u00fchle einer gesunden Existenz sie von ihrer alten Thorheit belehrten. Und so ist wirklich ein gro\u00dfer Theil der Menschheit in der Lage, nicht richtig urtheilen zu k\u00f6nnen. Diesen m\u00fcssen die Weiseren der Nation, sobald sie zur Freiheit bestimmt sind, zu H\u00fclfe kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anonymus 1798 am angegebenen Ort.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Notfalls umerziehen<\/h2>\n\n\n\n<p>Ja richtig, man mu\u00df sie \u201en\u00f6tigen\u201c, zwingen, umerziehen. Menschen ohne die richtige revolution\u00e4re Haltung gelten wie unm\u00fcndige Kinder. Gegen diese menschenverachtende Logik aller Linksextremisten bis heute fl\u00fcchteten sich die Deutschen in der 1. H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts in die gef\u00fchlvollen Arme einer Romantik, die ihre eigene, die \u201edeutsche Freiheit\u201c, &#8222;\u00fcberm Sternenzelt&#8220; in gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Entfernung von der Gouillotine ansiedelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der moderne politische Begriff der deutschen Nation wurde zun\u00e4chst von deutschen Jakobinern aus dem franz\u00f6sischen Revolutionsdenken \u00fcbernommen, bevor er sp\u00e4ter von den Romantikern und Nationalbewegungen des 19. Jahrhunderts mit v\u00f6llig anderen Inhalten gef\u00fcllt wurde. Die Idee einer deutschen Nation als soziale Entit\u00e4t aber \u00fcbernahmen sie und schmiedeten sie zu einer geistigen Waffe gegen weitere franz\u00f6sische Eroberungsgel\u00fcste.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Ich besitze ein Exemplar. Ein weiteres steht unter Signatur RHG989 in der Universit\u00e4ts- und Stadtbibliothek K\u00f6ln und kann auch mit einem digitalen Viewer online angesehen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Christian von Massenbach, Memoiren zur Geschichte des preu\u00dfischen Staats, von dem Obristen von Massenbach, 2. Band, gedruckt Amsterdam 1809, S.460.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Der K\u00f6lner Erzbischof.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Eingehend: Klaus Kunze, Die sanfte Gehirnw\u00e4sche, Wie die \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien uns umformen, 2020.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Dokumentation<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Nothwendigkeit der Abtretung des linken Rheinufers, theils f\u00fcr Frankreich, theils f\u00fcr Deutschland<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Von einem Staatsmann &#8211; 1798<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist unwidersprechlich wahr, da\u00df Deutschland sein eignes Interesse verkennen w\u00fcrde, wenn es auf die Beibehaltung des linken Rheinufers beym Reiche bestehen wollte. Fl\u00fcsse und Gebirge oder Meere sind die nat\u00fcrlichen Gr\u00e4nzscheidungen zwischen Staaten. Die Lage der Franz\u00f6sischen Republik ist von der Art, da\u00df wenn sie auch gegenw\u00e4rtig den Plan auf diese Gr\u00e4nze aufgeben wollte, doch sp\u00e4t oder fr\u00fch die Nothwendigkeit desselben ihr einleuchten m\u00fc\u00dfte. Nun entstehet die Frage:<\/p>\n\n\n\n<p>Ob es diensamer sey, diese Gr\u00e4nze gegenw\u00e4rtig anzuerkennen, oder in kurzer Zeit deshalb einen neuen Krieg zu f\u00fchren, und sie denn nach verwendeten gro\u00dfen Summen, nach erlittenen gro\u00dfen Verheerungen, und dergleichen, anerkennen zu m\u00fcssen? Wie aber, wenn alsdenn beym Aufwande gro\u00dfer Kriegskosten die Franz\u00f6sische Republik sich von der gro\u00dfen Wahrheit \u00fcberzeugte, da\u00df die Nordsee eine ungleich schwere Gr\u00e4nze sey, und die Weser, Fulda und Maynstrom das Gebiet der beyden Republiken ganz eigentlich arrondiren \u2014 und sie f\u00fcr die verwandten Kriegskosten sich abtreten lie\u00dfe? W\u00fcrde man es dann nicht bereuen, da\u00df man gegenw\u00e4rtig den gl\u00fccklichen Zeitpunkt unbewu\u00dft vorbeygehen lie\u00df, zu Vermeidung eines gr\u00f6\u00dfern Uebels, das kleinere nicht gew\u00e4hlt zu haben? Wer dieses sonderbar findet, der vergi\u00dft, da\u00df man zu seiner Zeit die Losrei\u00dfung von Elsa\u00df, Lothringen, der Italienischen Lehen und des Burgundischen Kreises, vom Deutschen Reiche nicht weniger unwahrscheinlich hielt als dieses, was ich hier sagte. Die Franz\u00f6sische Republik f\u00fchlt gegenw\u00e4rtig schon, wie sehr ihr Hamburg in ihren militairischen, mehr noch aber in ihren Commerzialpl\u00e4nen gegen England hinderlich ist. Sie wird sich bald von der Nothwendigkeit \u00fcberzeugen, da\u00df sie blo\u00df durch diese Gr\u00e4nze und Anlegung eines wichtigen militairischen Postens am Ausflu\u00df der Weser Hamburg geh\u00f6rig beobachten, und den Englischen Handel nach Deutschland vernichten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gestehe, da\u00df ich mich nicht \u00fcberreden kann, da\u00df die Gr\u00e4nze Republikanischer Regierungsform am Rheine seine Gr\u00e4nze finden werde, und da\u00df ich unm\u00f6glich glauben kann, da\u00df es ein besseres Mittel gebe, Norddeutschland zu sichern, als die Abtretung des linken Rheinufers, welche dieses Evenement wenigstens auf lange Zeiten hinausschieben mu\u00df. Sollte es gar an dem seyn, da\u00df Preu\u00dfen Absichten auf Norddeutschland habe, und sie einmal zu realisiren suchen werde, so sind zwey Dinge unvermeidlich. Zuerst, da\u00df die beyden Republiken in Westen und S\u00fcden diese Unternehmung durchaus nicht zugeben werden, da\u00df ein gemeinschaftlicher Krieg gegen Preu\u00dfen, dessen Verst\u00e4rkung gegen Westen, das mit dem Interesse der Republiken durchaus unvertr\u00e4glich ist, ausbrechen; da\u00df er sodann gegen den besagten Theil von Deutschland sich ziehen und die Republiken n\u00f6thigen werde, ein Land in eigenen Besitz zu nehmen, das, so lange es ohnm\u00e4chtig jedem Anfalle von Preu\u00dfen ausgesetzt ist, sie in immerw\u00e4hrender Unruhe erhalten mu\u00df. Sodann so glaube ich, da\u00df die Preu\u00dfische Regierung bey dem ersten Schritte zu dem besagten Plane, die V\u00f6lker von Norddeutschland sogleich bestimmen werde, lieber unter dem Schutz der Republiken einen unabh\u00e4ngigen Freystaat auszumachen, als sich den Preu\u00dfischen Accise- und Zolldiensten und Enrollements zu unterwerfen. Mich d\u00fcnkt, es bleibt hier keine Wahl f\u00fcr die Zukunft und f\u00fcr jetzt. \u2014 Entweder Abtretung des linken Rheinufers, oder Verlust des ganzen n\u00f6rdlichen Deutschlands an die beyden Republiken; oder Republicanisirung desselben unter ihrem Schutze. Und was kann Deutschland dem gro\u00dfen Alignement von Vestungen, das gegenw\u00e4rtig Frankreich und Deutschland scheidet, entgegen setzen? Wird es drey Reihen Vestungen jenseits des Rheins und diesseits gegen die beyden Republikaner anlegen, von der die zweyte Linie schon den Rhein ber\u00fchren w\u00fcrde? Da ist doch wahrlich eine einzige Linie vorl\u00e4ngst dem rechten Rheinufer, zweckm\u00e4\u00dfiger, sicherer und alleine vern\u00fcnftiger Weise ausf\u00fchrbar. Die Erfahrung hat es gezeigt, was Vestungen diesseits des Rheins verm\u00f6gen, und wer soll jenseits des Rheins Vestungen anlegen? Etwa die geistlichen Erzstifter? Wohl schwerlich. So erfordert schon die blo\u00dfe Sicherstellung des Reichs, da\u00df L\u00e4nder abgesondert werden, welche durchaus Deutschland unaufh\u00f6rlichen Gefahren verderbender Kriege aussetzen, die nothwendig einmal mit der Aufl\u00f6sung der ganzen Verfassung, und wenigstens mit der Vertreibung aller F\u00fcrsten und St\u00e4nde des n\u00f6rdlichen Theils desselbigen endigen m\u00fcssen. Nicht nur ist Frankreich durch seine freye Verfassung ungleich m\u00e4chtiger geworden, als es vor derselben war, sondern au\u00dferdem haben sich die Umst\u00e4nde zu Deutschlands Nachtheil ungemein ge\u00e4ndert. Der Kaiser, als Besitzer des Burgundischen Kreises, hatte ein ganz eignes Privat-Interesse das Reich zu sch\u00fctzen. Gegenw\u00e4rtig, da er sie abgetreten hat, ist dieses gar anders geworden. Der Kaiser kann allerdings, da er Erfahrungen hat, wie wenig sich die m\u00e4chtigen F\u00fcrsten an ihre Reichsst\u00e4ndischen Verbindlichkeiten in einem Reichskriege binden, es f\u00fcr sein Interesse in Zukunft dienlicher erachten, nur sein schuldiges Reichscontingent zu stellen. Und da die Gefahr nie einen andern, als gerade den Theil von Deutschland treffen kann, das von allen Zeiten her mehr gegen als f\u00fcr seine Pflichten handelte; da\u00df in den letzten schweren Zeiten sich von allen Lasten eines beschwerlichen Krieges emancipirte, und unter die Fl\u00fcgel des schwarzen Preu\u00dfischen Adlers begab, dessen Interesse das Oesterreichische immer bek\u00e4mpft, so m\u00f6chte wohl gar es Oestreich einmal \u00fcberdr\u00fc\u00dfig werden, sich f\u00fcr den Landgrafen von Hessenkassel und die Conf\u00f6deration zu Hildesheim in neue Kriege zu verwickeln. Deutschland, das sich selbst im letzten Kriege voneinander trennte, wird auch gleichg\u00fcltig bleiben, wenn dem einen Theile vergolten wird, was er verschuldete. Das s\u00fcdliche Deutschland m\u00fc\u00dfte seine Erfahrungen zu benutzen gelernt haben, wenn es bey einem k\u00fcnftigen Kriege mit den Republiken nicht dem gegenw\u00e4rtigen Beispiele des n\u00f6rdlichen nachfolgte, die Neutralit\u00e4t ergriff, und unter Oestreichischem Schutze eine Demarcationslinie gegen Norddeutschland z\u00f6ge, und mit ruhigem Blick Zuschauer vom Streite und allem bliebe, was daraus erfolgen kann. Churbrandenburg und Hessenkassel, und die s\u00e4mmtliche Hildesheimische Conf\u00f6deration ist hierin mit einem so gl\u00e4nzenden Beispiele vorgegangen, da\u00df es eine au\u00dferordentliche Erscheinung seyn w\u00fcrde, wenn es das s\u00fcdliche Deutschland nicht klug gemacht h\u00e4tte. Ueberlege vorz\u00fcglich Norddeutschland dieses alles, so wird es finden, da\u00df sein ganz eigentliches Interesse die Abtretung des linken Rheinufers nothwendig erheische.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber dies ist noch lange nicht alles, noch kann ich Deutschland beweisen, da\u00df Begebenheiten entstehen k\u00f6nnen, ja sogar m\u00fcssen, wo es nur von den beyden Republiken abh\u00e4ngt, Norddeutschland ohne Schwertschlag hinwegzunehmen, und ruhiger noch als es mit Polen geschah. Da Europa in zwey politische Halbsph\u00e4ren sich durch Polens Vertheilung selbst getheilt hat; da ferner die G\u00e4hrungen zwischen Oestreich und zwischen Preu\u00dfen nothwendig einmal zum Ausbruch kommen m\u00fcssen, wer will alsdann die Franken und Bataver hindern, bis an die Elbe Deutschland zu besetzen? Ru\u00dfland, Oestreich und Preu\u00dfen haben an Polen bewiesen, da\u00df dieses vollkommen angehe. Konnten die Jacobinischen Freiheitsgrunds\u00e4tze die drey M\u00e4chte zur Theilung eines gro\u00dfen K\u00f6nigreichs berechtigen, warum sollten nicht die slavisch-monarchischen Grunds\u00e4tze in Deutschland, welche der Sicherheit der Republiken nicht weniger gef\u00e4hrlich sind als es jene den Monarchieen seyn sollten, ebenfalls einen g\u00fcltigen Rechtsgrund f\u00fcr die Theilung von Deutschland abgeben?<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6nnten jene drey Oestlichen M\u00e4chte wohl einen gegr\u00fcndeten Einwand dagegen machen? da sie das Beyspiel zuerst gegeben haben? Wahrlich, wenn Deutschland auf seiner Integrit\u00e4t beharrt, so ist die H\u00e4lfte seiner F\u00fcrsten verloren. Jetzt stehen Indemnisationen zu erhalten, denn aber \u2014 Nichts. Jetzt k\u00f6nnen die weltlichen F\u00fcrsten entsch\u00e4digt werden, da man die Gr\u00e4nze durch Negociationen zu erhalten sucht; im andern Falle k\u00f6nnen sie nichts erwarten, wenn der Krieg sie unterjocht. Ich mag diese Sache ansehen von welcher Seite ich will, so finde ich, da\u00df mehr Deutschlands als Frankreichs Interesse die Abtretung des linken Rheinufers erfordert. Es ist seine Rettung, wenn es diesen Schritt thut, sein Verderben, wenn es ihn unterl\u00e4\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Und zwar mu\u00df diese Abtretung, wenn Deutschland sicher werden will, das ganze linke Rheinufer \u2014 ohne alle Ausnahme \u2014 betreffen. Wenn die Mosel die Gr\u00e4nze werden sollte, so k\u00f6nnten gerade die \u00fcbrigen kleinen L\u00e4nder von C\u00f6ln, Meurs, Cleve, insofern sie jenseits des Rheins liegen, die Veranlassung zu einem k\u00fcnftigen Kriege legen, in welchem weder Oestreich aus Besorgni\u00df gegen Preu\u00dfen, noch Preu\u00dfen aus Furcht vor Oestreich wegen Schlesien, zu H\u00fclfe kommen, und vielleicht in eigene Kriege verwickelt, nicht zu H\u00fclfe kommen wollten noch k\u00f6nnten. Da\u00df dann das n\u00f6rdliche Deutschland in der allerh\u00f6chsten Gefahr schwebe, ist gewi\u00df; da\u00df es sie blo\u00df der Erhaltung dieser unbedeutenden L\u00e4nderchen zu verdanken habe, ist unwiderstreitbar. Wer den Balg verliert, mu\u00df den Schwanz drein geben, besser, als da\u00df er mehr und alles verl\u00f6re.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gestehe ein, da\u00df das Interesse der Republiken mehr dabey gewinnt, wenn C\u00f6ln etc. beim Reich bleibt, als wenn es abgetreten wird. Aller Vorwand zu weiteren Besitzungen wird dadurch aufgehoben, alle Veranlassungen zu einer Erweiterung diesseits abgeschnitten, da ihnen diese nie fehlen k\u00f6nnten, so lange das Reich einen Fu\u00df breit Land jenseits sich vorbeh\u00e4lt. Um den Churf\u00fcrsten von C\u00f6ln zu entsch\u00e4digen, giebt es mehr als \u00fcberfl\u00fcssig geistliche Besitzungen diesseits des Rheins, welche, wenn Deutschland seinen wahren Vortheil kennt, ohne Ausnahme einer einzigen s\u00e4cularisirt werden sollten; und f\u00fcr den Herzog von Cleve und Grafen von Meurs und Herrn von Geldern giebt es in Franken ein so weites Feld zu Indemnisationen, da\u00df von dieser Seite nur Eigensinn zutreten kann, der dem Reiche, wenn die Republik ihm nachgiebt, sehr verderblich werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Um aber ganz deutlich in der Darstellung der ganzen Sache zu werden, um vollkommen nachzuweisen, wie fehlerhaft das Deutsche Reich handeln w\u00fcrde, wenn es sich den kleinen District von der Mosel bis zur Maas, in der kleinen Breite der L\u00e4nderchen von C\u00f6ln, Meurs, Cleve und Geldern vorbehalten wollte, so bitte ich den erlauchten Congre\u00df zu Rastadt einen Blick auf die Gesetze des Deutschen Reichs zu werfen, kraft welchen denselben ausdr\u00fccklich untersagt ist, diese Gr\u00e4nze gegen Frankreich zu sch\u00fctzen. Dann verm\u00f6ge der Wahlcapitulation kann weder vom Kaiser noch von Reichs wegen eine Vestung angelegt werden, weil dieses einem jeden Reichsstand in seinem Lande selbst zukommt. Man aber reichen alle j\u00e4hrlichen Revenuen aller dieser benannten L\u00e4nderchen nicht, nach Abzug was ihre Administration kostet, zu, nur ein einziges Fort, viel weniger jeder in seinem Lande, eine solche Vestung anzulegen, wodurch das Reich von dieser Seite gedeckt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Bey dem ersten Angriffe sind diese L\u00e4nder also in den H\u00e4nden der Republikaner und erleichtern den Uebergang \u00fcber den Rhein, weil diese F\u00fcrsten auch nicht so viel \u00fcbrig haben, diesseits des Rheins Vestungen anzulegen. Ob D\u00fcsseldorf in den H\u00e4nden des Reichs \u00fcberhaupt bleiben werde, ist mir unbekannt; aber auch dieses vorausgesetzt, so giebt es noch Einwendungen anderer Art. Gesetzt, man w\u00e4re im Stande jenseits des Rheins drey Vestungen von Bedeutung anzulegen, so fragt sich nun: haben diese Herren auch Soldaten genug, diese Vestungen zu besetzen? Sie w\u00fcrden doch auf alle F\u00e4lle eigene Garnisonen erfordern, und ich bin \u00fcberzeugt, da\u00df die ganze Kriegsmacht von C\u00f6ln nicht hinreiche, eine einzige Vestung zu besetzen. Ueberdem so w\u00fcrde die Anlegung von den Vestungen jenseits des Rheins gegen die Franz\u00f6sische Gr\u00e4nze nur dazu dienen, den Republikanern den k\u00fcnftigen Besitz dieser L\u00e4nder zu versichern. Reichstruppen w\u00fcrden sie vertheidigen, und zuletzt, da keine Vestung gegen den Hunger aush\u00e4lt, sich auf diese oder eine andere Art ergeben m\u00fcssen. In diesem unausgewiesenen Falle w\u00fcrden sie alsdann mehr zu des Reichs Schaden und Nachtheil dienen, als zu seinem Vortheil.<\/p>\n\n\n\n<p>Da\u00df der K\u00f6nig von Preu\u00dfen seine Vestungen w\u00fcrde besetzen k\u00f6nnen, bezweifle ich nicht minder. Wohl in Friedenszeiten \u00fcberfl\u00fcssig, aber wie, wenn die Republik dann angreift, wenn Preu\u00dfen mit einem seiner Nachbarn bereits in Krieg ist? Die Erfahrung hat es gelehrt, da\u00df der gr\u00f6\u00dfte K\u00f6nig von Preu\u00dfen mit seinen zweihunderttausend t\u00fcchtigen Streitern nicht im Stande war, seine Erbstaaten, Preu\u00dfen, zu bedecken, viel weniger noch Westphalen. Und wo sollte in gegenw\u00e4rtigen Zeiten, da noch die unermessliche neue Gr\u00e4nze in Polen zu decken ist, die M\u00f6glichkeit herkommen, da\u00df ein K\u00f6nig von Preu\u00dfen seine jenseitigen Staaten alsdann vertheidigen k\u00f6nnte? Denn es ist nicht genug, eine Vestung zu besetzen und sie von Innen zu vertheidigen; es geh\u00f6ren auch noch Armeen dazu, sie zu entsetzen, wenn sie belagert werden, sonst sind sie gewi\u00df ohne allen Nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Preu\u00dfen zu rechnen, da\u00df sich mit Oestreich oder Ru\u00dfland besch\u00e4ftigt, in einen Krieg mit der gro\u00dfen Republik einlassen sollte, w\u00e4re einer der gr\u00f6\u00dften politischen Irrth\u00fcmer. Auf das Reich zu rechnen, w\u00e4re es nicht minder. Die hohen Reichsst\u00e4nde werden sich zu erinnern belieben, wie die R\u00f6mermonate zur Unterhaltung der beyden Reichsvestungen Kehl und Philippsburg geleistet wurden, und was zu erwarten stehen w\u00fcrde, wenn es noch drey neue Vestungen mit ihren Besatzungen unterhalten sollte. Und dann so ist die Frage: ob das Reich wird helfen wollen? Norddeutschland hat gezeigt, wie viel Antheil es an dem Schicksal des s\u00fcdlichen Theils desselben nehme; und wird in diesem Falle mit sich selbst genug zu thun haben, da ein Einfall auf dasselbe nicht ohne Ursache immer zu vermuthen st\u00fcnde.<\/p>\n\n\n\n<p>Oestreich ist in dem Falle eines Kriegs mit Preu\u00dfen oder Ru\u00dfland zu sehr besch\u00e4ftigt, um C\u00f6lns halben eine Armee marschiren zu lassen; und ist es in einem Kriege mit Preu\u00dfen, so mu\u00df sogar die Wegnahme aller Preu\u00dfischen Besitzungen und L\u00e4nder desselben f\u00fcr sein Interesse von Gewicht seyn. Und wie leicht kann ein Krieg zwischen Oestreich und Preu\u00dfen Veranlassung zur Wegnahme aller Westph\u00e4lischen L\u00e4nder des K\u00f6nigs werden? Preu\u00dfen hat ein ganz eigentliches Interesse, seine paar Quadratmeilen Landes jenseits des Rheins, die nicht \u00fcber vierzig betragen, ohne Bedenken und f\u00fcr nichts aufzugeben, weil sie die n\u00e4chste Ursache abgeben k\u00f6nnen, alle seine Westph\u00e4lischen Staaten zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn da Oestreich, entfernt von Frankreichs Gr\u00e4nzen, die Eigenschaft eines nat\u00fcrlichen Alliirten desselben, und Preu\u00dfen durch sein Angr\u00e4nzen an dieselbe jene eines nat\u00fcrlichen Gegners desselben angezogen hat, so ist mit Gewi\u00dfheit sehr bald ein solches aufrichtiges B\u00fcndni\u00df zwischen Frankreich und Oestreich zu erwarten, aus welchem sehr gef\u00e4hrliche Diversionen in des K\u00f6nigs Westph\u00e4lischen Staaten hervorgehen m\u00f6chten. Ein kluger Politiker klebt nicht blo\u00df aufs Gegenw\u00e4rtige, sondern berechnet auch das Zuk\u00fcnftige. Auf diese Weise w\u00e4re also, wie mich d\u00fcnkt, der Nachtheil deutlich nachgewiesen, welcher auf das ganze N\u00f6rdliche Deutschland bis an die Weser oder Elbe abflie\u00dft, wenn das Reich nicht s\u00e4mmtliche L\u00e4nder jenseits des Rheins abtr\u00e4te. Die Beibehaltung der Landstrecke zwischen der Mosel und Maas w\u00e4re nichts weiter als eine ausgeh\u00e4ngte Lockspeise, um Norddeutschland in die Falle zu bringen, und zwar eine Falle, die nicht die Republik, sondern Deutschland sich selbst gestellt haben w\u00fcrde. Und wie ein kluger Wundarzt, um den K\u00f6rper zu retten, nicht in dem kranken Theile, sondern im gesunden den Fu\u00df abnimmt, so sollte lieber Deutschland zu seiner Erhaltung auch den Theil hingeben, der dem abzunehmenden Gliede zun\u00e4chst liegt. Ich sehe voraus, da\u00df alle weltliche F\u00fcrsten des n\u00f6rdlichen, sowohl als des s\u00fcdlichen Deutschlands einsehen, da\u00df jeder Reichskrieg gegen Frankreich f\u00fcr sie h\u00f6chst verderblich sey, und da\u00df sie kraft dieser Ueberzeugung von Herzen w\u00fcnschen f\u00fcr sich und ihre Nachkommen nie wieder in einen verwickelt zu werden. Hier darf also, wenn das n\u00f6rdliche Deutschland aufrichtig seine Erhaltung w\u00fcnscht, durchaus keine R\u00fccksicht darauf genommen werden, was die F\u00fcrsten im Osten von Deutschland dagegen sagen, oder was die geistlichen Erzstifter dagegen einwenden m\u00f6chten. Erstere liegen von Frankreichs Gr\u00e4nzen zu sehr entfernt, als da\u00df sie ein so nahes Interesse bei der Abtretung des linken Rheinufers haben sollten. Letztere verlieren dabey unmittelbar, und gerade deshalb k\u00f6nnen sie keine Stimme haben, da ihr Privatinteresse jenem des gesammten Reichs geradezu entgegen ist. So werden die \u00f6stlichen F\u00fcrsten vielleicht gro\u00dfe Beschwerden gegen Oestreich machen, da\u00df die Integrit\u00e4t des Reichs verletzt werde. Die Antwort kann ganz kurz seyn: \u201eda\u00df es nichts Sonderbareres zu denken gebe, als da\u00df Reichsst\u00e4nde, die eben durch ihre Verlassung der allgemeinen Sache Deutschlands an dieser traurigen Begebenheit ganz eigentlich Schuld sind, und die sich sch\u00e4men sollten, von einer Integrit\u00e4t zu sprechen, die gerade durch die Unterlassung ihrer Reichsst\u00e4ndischen Pflichten soweit gekommen, da\u00df sie nicht mehr erhalten werden kann.\u201c Oder: \u201eman kann ihnen frey stellen, zuzutreten, und sie noch zu erhalten, wenn sie das Ding thunlich finden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4tte den F\u00fcrsten des \u00f6stlichen und n\u00f6rdlichen Deutschlands die Erhaltung der Integrit\u00e4t des Reichs so stark am Herzen gelegen, da\u00df sie zu Protestationen gegen gewisse im Werke seyende Abtretungen sich berechtigt halten k\u00f6nnten, so h\u00e4tten sie auch das ihrige aus allen Kr\u00e4ften dazu beitragen sollen, um diese Erhaltung der Integrit\u00e4t m\u00f6glich zu machen. Gegenw\u00e4rtig aber ist, d\u00fcnkt mich, kein Fall von M\u00f6glichkeit da. Churbrandenburg, Churhannover, Hessenkassel und s\u00e4mmtliche F\u00fcrsten, welche sich hinter der Demarcationslinie gegen ihre Reichsobliegenheiten verschanzt und versteckt, und ruhig zusahen, ob Frankreich gegen den kriegenden Theil des Reichs siegreich werde oder nicht; alle diese F\u00fcrsten, denen das Privatinteresse ihrer L\u00e4nder lieber war als jenes des gesammten Reichs; die den Gemeingeist verleugneten und eine besondere Faction gegen Frankreich und Oestreich und das s\u00fcdliche Deutschland ausmachten und sich davon trennten und isolirten, alle diese k\u00f6nnen sich keine Stimme arrogiren, wenn das von ihnen verlassene s\u00fcdliche Deutschland f\u00fcr sich Tractaten schlie\u00dft, wie sein gegenw\u00e4rtiges und zuk\u00fcnftiges Interesse es erfordern. Lassen Oestreich, Frankreich und der von jenem seinem Schicksal \u00fcberlassene Reichstheil an Churbrandenburg und die im Verbrechen der Reichs-Felonie sich findenden F\u00fcrsten von Hessenkassel etc. Theil an den Vortheilen des Friedens nehmen, so ist es \u00fcberflie\u00dfende Gro\u00dfmuth und nichts weniger als ein zu erwartendes Recht. Denn nach den Reichsgesetzen sind diese F\u00fcrsten, welche den Krieg erkl\u00e4rten und darauf Kaiser und Reich im Stiche lie\u00dfen, in einem B\u00fcndnisse \u201egegen Kaiser und Reich.\u201c und ihre L\u00e4nder sind also nach den Reichsgesetzen von selbst verfallen und verp\u00f6nt; und ein Landgraf von Hessenkassel kann auf keine Weise Entsch\u00e4digungen f\u00fcr verlorne Provinzen und St\u00e4dte jenseit des Rheins verlangen, sondern mu\u00df Gott, Kaiser und Reich danken, wenn sie ihn nicht in die verdiente Reichsacht, und seine s\u00e4mtlichen Staaten verfallen erkl\u00e4ren. M\u00f6chte er immer ein Recht haben, Frieden f\u00fcr sich zu schlie\u00dfen, so hatte doch er so wenig als Brandenburg und Hannover ein Recht, das schuldige Reichscontingent so lange der Krieg dauerte, und seine R\u00f6mermonate zur\u00fcckzuhalten. Hierdurch ist es, da\u00df die Nordischen F\u00fcrsten strafbar wurden, da\u00df sie sich als Feinde des Kaisers und Reichs erkl\u00e4rten, indem sie sich gegen Dasselbe bewaffneten; und bereit waren mit der Demarcationsarmee die Reichsarmeen gewaltsam von ihren Gr\u00e4nzen abzuhalten, und die Lasten eines Kriegs zu tragen, den sie mit dem gesammten Reich doch selbst erkl\u00e4rt; und wie Churbrandenburg geradezu gefordert und verlangt hatten. Wenn durch diese gewaltsame Bewaffnung gegen Kaiser und Reich, durch diese Versagung aller Reichsst\u00e4ndischen Pflichten, durch dieses Abtreten aus dem Reichs-Nexus, durch diese Bereitwilligkeit zu einem neuen b\u00fcrgerlichen Krieg des n\u00f6rdlichen Deutschlands gegen das s\u00fcdliche, nicht alle Strafen der Reichsgesetze verwirkt worden sind, so wei\u00df ich nicht, womit man sie verwirken kann. Diese F\u00fcrsten haben ihre jenseit des Rheins liegende Herrschaften g\u00e4nzlich durch diese Schritte aufgegeben. Sie haben ihre Vertheidigung dahin gestellt, sie haben die Mittel versagt, wodurch ihr Schutz allein vom Kaiser und Reich unternommen werden konnte; sie haben auf Gnadewohl sie dem \u00fcberlassen, was im Reichsfrieden de\u00dfhalb geschehen kann. Wann sie also \u00fcberall in diesem Frieden nichts daf\u00fcr erhalten sollen, so ist es lediglich ihre eigene Schuld, weil sie sie dem Ungef\u00e4hr preis gegeben haben. Dies sind allenfalls die gerechten angemessenen Folgen der Absonderung des nordischen Deutschlands vom Reiche, und seiner feindlichen Bewaffnung gegen Kaiser und Reich; Folgen, die, wenn sie nicht eintreffen, lediglich von der Gro\u00dfmuth des Kaisers und des aufopferten Reichs abhangen, und ihrer unaussprechlichen M\u00e4\u00dfigung zu verdanken sind. Aber sollte dann die Vertheidigung der Gr\u00e4nzen eines jeden besonderen Reichsstaats keine g\u00fcltige Entschuldigung seyn, wenn gewisse F\u00fcrsten sich mit ihren Contingenten von der Reichsarmee trennten?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube Nein! denn wenn jeder F\u00fcrst dazu ein Recht h\u00e4tte, so h\u00e4tten die s\u00fcdlichen eben dasselbe thun k\u00f6nnen. Nun frage ich einen jeden Vern\u00fcnftigen, ob aus einem solchen Recht nicht der g\u00e4nzliche Verfall des Reichs h\u00e4tte entstehen m\u00fcssen, wenn der Kaiser nach Brandenburgs Hofspiele und alle F\u00fcrsten demselben h\u00e4tten folgen wollen, und blo\u00df an die Deckung ihrer Gr\u00e4nzen gedacht h\u00e4tten? Konnte Hessen-Cassel, oder irgend ein Reichsstand, den j\u00e4hrlichen, Sieg gewohnten Feind wohl von seiner Gr\u00e4nze mit seiner Handvoll Leute abhalten? mu\u00dfte nicht eben durch diese Trennung der gemeinsamen Kraft, der Widerstand unm\u00f6glich gemacht worden? Und h\u00e4tte wohl, wenn der Kaiser Brandenburg und andern nachgeahmet h\u00e4tte und zur\u00fcck in seine Staaten gegangen w\u00e4re, die Demarcationsarmee Frankreichs unermessliche Kraft abhalten k\u00f6nnen? Wahrlich! solch ein Recht in der Aus\u00fcbung mu\u00df geradezu das Reich und seine Constitution vernichten, wie wir wirklich sehen, da\u00df seine Integrit\u00e4t dadurch vernichtet wurde, da\u00df die nordischen F\u00fcrsten den Kaiser mit Deutschlands s\u00fcdlichen F\u00fcrsten im Stiche, und ihrem Schicksal, es falle wie es wolle, \u00fcberlie\u00dfen. Sie m\u00fcssen sich also gefallen lassen, was diese gegenw\u00e4rtig abmachen f\u00fcr gut finden. Aber wie soll es denn mit den drey Churf\u00fcrstenth\u00fcmern am Rhein werden? Es giebt drey F\u00e4lle. Entweder man beh\u00e4lt sie bey; oder sie tr\u00e4gt sie auf drey andere weltliche F\u00fcrsten \u00fcber; oder man l\u00e4\u00dft sie ganz eingehen. Ich kenne keine Reichsacte, nach welcher die Churw\u00fcrde auf das Reichs-Territorium, jenseits des Rheins, so verhaftet w\u00e4re, da\u00df sie nicht eben so gut auf dem diesseitigen Territorio ihre Permanenz sollte finden k\u00f6nnen. Churmainz braucht auf seinen Fall einzugesten, da fast alle L\u00e4nder, mit Ausnahme der Hauptstadt und ihres Gebiets, diesseits des Rheins liegt. Churtrier verliert zwar freylich, bis auf die Aemter Montabaur und Limburg, fast das ganze Trier\u2019sche; aber es giebt ja so viele andere geistliche Besitzungen, die man dem Churf\u00fcrsten anweisen, und die Churw\u00fcrde dahin \u00fcbertragen kann, und eben so mit Churk\u00f6ln. Da\u00df Beste \u00fcberhaupt w\u00e4re, die weltliche W\u00fcrde des Churf\u00fcrstenthums, die gar nicht zur geistlichen eines Erzbischofs pa\u00dft, von den Geistlichen ganz hinwegzunehmen, und sie: nach dem zweyten gegebenen Falle: \u201eauf weltliche F\u00fcrsten zu transferiren.\u201c Ich sollte denken, es w\u00e4re lange genug, da\u00df die Geistlichen im widerrechtlichen Besitze von weltlichen Dingen, gegen alle Vorschriften ihrer eigenen Religion und die Ausspr\u00fcche ihrer P\u00e4pste, die am vern\u00fcnftigsten waren, gewesen sind. Nie hat wohl der heilige heilige Geist vern\u00fcnftiger aus dem Munde eines Papstes gesprochen, als aus jenem Paschalis des Zweyten, da er sagte: \u201eEs ist sowohl durch das g\u00f6ttliche, als die Kirchengesetze befohlen, da\u00df die Geistlichen sich nicht mit weltlichen Dingen abgeben sollen, und da\u00df sie nicht einmal nach Hof kommen sollen, als um einen Gefangenen zu retten oder andern, die bedr\u00e4ngt sind, H\u00fclfe zu schaffen. Daher sagt euch der Apostel Paulus: wenn ihr Gericht zu halten habt, so sollen es die Geringen unter euch thun. Bey euch aber in Deutschland sind die Bisch\u00f6fe und Aebte so sehr mit weltlichen Gesch\u00e4ften \u00fcberh\u00e4uft, da\u00df sie best\u00e4ndig bey H\u00f6fen seyn, oder Kriegsdienste leisten m\u00fcssen, welches nicht ohne Raub, Brand und Todschl\u00e4ge geschehen kann. Die Diener des Altars sind Diener des Hofs geworden, weil sie St\u00e4dte, Churf\u00fcrstenth\u00fcmer, Herzogth\u00fcmer, Grafschaften, M\u00fcnzen, Vestungen, Z\u00f6lle, Marktgerechtigkeiten, Vogteyen, Rechte der Centgrafen, Mayerg\u00fcter, Vasallen und Schl\u00f6sser und andere Dinge, die dem Kriege widmen verpflichtet sind, bekommen haben. Diese alle sind sie schuldig, dem K\u00f6nige zur\u00fcckzugeben.\u201c Diese Verordnung eines der vern\u00fcnftigsten P\u00e4pste verpflichtete die Erzbisch\u00f6fe von Maynz, Trier und C\u00f6ln, den Franken alle die L\u00e4nder abzutreten, die jenseit des Rheins liegen, und aus den Schenkungen Carls des Gro\u00dfen und Ludwig des Frommen, ihnen zugeflossen sind. So verbindet sogar das Gewissen der geistlichen F\u00fcrsten jenseits des Rheins, sie zur Abtretung ihrer L\u00e4nder an Frankreich; dessen alte K\u00f6nige sie vom Staate trennen,<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Geiste der Christlichen Religion geh\u00f6ren alle Geistliche an die unterste Stelle, und oben an zu sitzen, wie die Pharis\u00e4er und Schriftgelehrten, geziemt ihnen gar nicht, sondern ist eben so gro\u00dfe arrogante Usurpation, als da\u00df sie \u00fcberhaupt im weltlichen Rathe des Reichs sitzen, statt zu predigen, zu lehren und zu unterrichten. Ich sehe also nicht ein, warum man diese Churf\u00fcrstenth\u00fcmer nicht ganz eingehen lassen wollte, da das Reich vormals gar wohl mit weniger als acht Churf\u00fcrsten bestehen konnte. Zwar k\u00f6nnte man W\u00fcrtemberg die Churw\u00fcrde \u00fcbertragen, aber dasselbe mit dem Landgrafen von Hessenkassel und dem Herzoge von Braunschweig zu thun, welche sich gegen Kaiser und Reich bewaffnet hatten und bereit waren, den b\u00fcrgerlichen Krieg im Herzen von Deutschland anzuz\u00fcnden, wenn man ihr Armement nicht respektiren wollte, dieses w\u00fcrde ein gef\u00e4hrliches Beispiel geben, und eine sehr unzweckm\u00e4\u00dfige Belohnung seyn. Nicht zu gedenken, da\u00df dadurch das Uebergewicht auf die Protestantische Seite \u00fcbergehen w\u00fcrde, was wohl dem bisherigen Systeme entgegen seyn m\u00f6chte; so gleichg\u00fcltig es mir auch ist, ob sich Luthers oder Hildebrands Geist in die Reichsangelegenheiten mengt. Freilich konnte dem Deutschen Reich eben nicht viel mit Churf\u00fcrsten ohne Kraft und hinreichende Gr\u00f6\u00dfe am Rheinstrom gedient seyn. Hessenkassel, ungeachtet es in Kriegszeiten 12,000 Mann gestellt hat, besitzt zu wenig Eink\u00fcnfte, um sie zum Schutze des Reichs immerw\u00e4hrend unterhalten zu k\u00f6nnen. Diese Armee wurde fast immer durch Subsidien unterhalten, oder stand in fremdem Solde. Zwey Millionen Eink\u00fcnfte sind zu unbedeutend, um eine solche Kriegsmacht zu unterhalten, und da der Landgraf einmal unvermeidlich in dem Bankrott der Englischen Regierung den gr\u00f6\u00dften Theil seines Schatzes oder des Blutgeldes auf seine aufgeopferten verkauften Unterthanen verlieren mu\u00df, so m\u00f6chte eine starke Reduction der Truppen wohl die Folge seyn. Es schickt sich ohnedies nicht f\u00fcr einen so kleinen F\u00fcrsten, eine m\u00e4chtige Pulkschar mit einem stehenden Heere vorstellen zu wollen, gleich als bed\u00fcrfte der Pflug und das Land seiner Arbeiter nicht, deren er so viel schon ihnen entrissen, und f\u00fcr Bezahlung auf die Schlachtbank geliefert hat. Zum blo\u00dfen Figuriren bedarf die Reichsverfassung keiner Churf\u00fcrsten. Da\u00df aber \u00fcbrigens das Deutsche Reich mit seinen geistlichen Churf\u00fcrsten, welche die vorliegende Rheinl\u00e4nder besitzen, noch viel \u00fcbler mit Ausnahme des zu C\u00f6ln, der M\u00fcnster ungleich m\u00e4chtiger macht als den Landgrafen, ungleich besser mit diesem letzten Despoten fahren w\u00fcrde, als mit Maynz und Trier, das ist keinem Zweifel unterworfen. Aber leider! machen ihn seine feindselige, Menschenhassende und h\u00f6chst despotische Grunds\u00e4tze f\u00fcr seine Person zu diesem Amte und zu einer Vergr\u00f6\u00dferung am Rheine unt\u00fcchtig. Ihm m\u00fcssen seine Grunds\u00e4tze seinen Platz an Polens \u00e4u\u00dferster Gr\u00e4nze unter Despotie gewohnten Ungl\u00fccklichen anweisen. Seine Politik ist so elend, da\u00df er keinen Ha\u00df gegen die edle gro\u00dfe Republik nicht zu verbergen verm\u00f6chte, da sein h\u00f6chstes Interesse wenigstens Verstellung erforderte. Indessen er wegen seinen \u00fcberrheinischen L\u00e4ndern von Frankreichs Gro\u00dfmuth lediglich und alleine abh\u00e4ngt, und die Republik zu seinem Vortheile einnehmen sollte, verjagt er Unterthanen, die er darum in seiner Bastille Jahre lang schmachten lie\u00df, weil man sie der Zuneigung gegen die Republik beschuldigte, mit Weib und Kindern, mitten in schweren Wintern von Haus und Hof, weil die Republik ihre Loslassung verlangte. Im vorigen Jahre gab er, da er doch schon Frieden mit der Republik gemacht hatte, einen Befehl, der allenthalben verstanden wurde, alle aus den L\u00e4ndern der Republik kommende K\u00fcnstler, Manufacturiers, Handwerksgesellen, und dergl. schon an den Gr\u00e4nzen seiner L\u00e4nder abzuweisen, keinen \u00fcber dieselben zu lassen, und keinen in Arbeit zu setzen. Wer kann sich da des L\u00e4chelns enthalten, wenn er den Streit eines Pygm\u00e4en gegen den gr\u00f6\u00dften Riesen der Welt sieht. Wenn das Politik ist, nun, dann mi\u00dfg\u00f6nnen wir dem Landgrafen die seinige nicht. Ob wohl seine Gesandten auf dem Friedenskongresse einen gleichen Ton jetzt gegen Buonaparte und Frankreichs Gesandten f\u00fchren werden? Ich zweifle sehr. Wie w\u00fcrde es um ihn stehen, wenn Roms Grundsatz: Parcere subjectis, ac debellare superbos gegen ihn angewandt w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Rheingr\u00e4nze, in Beziehung auf die gro\u00dfe Republik.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>So nothwendig ist die Abtretung des linken Rheinufers f\u00fcr das deutsche Reich, indem dadurch ein langer Friede erhalten, und jedes Hinderni\u00df hinweg ger\u00e4umt werden kann, das ihn zu unterbrechen verm\u00f6chte. Gleich nothwendig aber ist die Acquisition desselben f\u00fcr die gro\u00dfe Republik. Einmal, diese Republik hat seit ihrer gl\u00fccklichen Constitution nie anders, als die gr\u00f6\u00dften und edelsten Zwecke, das Gl\u00fcck der unterdr\u00fcckten Menschheit vor Augen gehabt, und so manche Nationen von den Ketten der Knechtschaft befreit, und ihnen eine Freiheit geschenkt, deren Wohlthaten mehr unsre gl\u00fcckliche Nachkommenschaft in ihren Fr\u00fcchten f\u00fchlen wird, wozu die gegenw\u00e4rtige Zeit den Saamen ausstreut, Es ist m\u00f6glich, da\u00df es Provinzen am Rheinstrome gebe, deren Egoismus und Haabsucht nur erndten, nichts aber f\u00fcr die Zukunft vorbereiten will \u2014 und doch zweifle ich, da\u00df die Majorit\u00e4t der Einwohner gegen ihre Befreiung im Ernste sich erkl\u00e4ren w\u00fcrde. Wenn die Bewohner von Bonn, Coblenz zum Theil so tief in die Niedrigkeit eines verworfenen Sudlers versinken konnten, da\u00df sie die Fesseln der Sklaverey, der Wohlthat, freye Menschen zu seyn, vorziehen konnten; so mu\u00df man darum nicht auf das Ganze der rheinischen V\u00f6lker schlie\u00dfen, da\u00df sie die Freyheit hassen. Eine Niedertr\u00e4chtigkeit von solchem sch\u00e4ndlichen Umfange liegt nicht in der menschlichen Natur; wir m\u00fcssen durchaus zur Rettung der Ehre dieser Menschen den Grund ihres Benehmens in ihrer besondern Lage nehmen. Theils haben ihnen ihre Priester, die nat\u00fcrlich Feinde der Freyheit sind, da nur die Knechtschaft der Vorurtheile ihre Existenz erh\u00e4lt, die albernsten Begriffe von den Folgen der Freyheit beygebracht, und sie dadurch gegen sie eingenommen, da\u00df sie dieselbe besorgt f\u00fcr ihr Privat-Interesse machten. Gewohnt, alles zu glauben, was ein Priester sagt, glauben sie auch die sch\u00e4ndlichsten Verl\u00e4umdungen, womit Adel und Priesterschaft die Sache der Freyheit verunglimpfen. Theils aber h\u00e4lt sehr viele das Precaire ihrer Lage von einer offnen Erkl\u00e4rung zur\u00fcck. Unbekannt mit ihrem k\u00fcnftigen Schicksale, und ob sie nicht wieder unter ihre vorige Herren kommen werden, h\u00e4lt sie die Behutsamkeit zur\u00fcck, denn man wei\u00df \u2014 Priester r\u00e4chen sich teuflisch und ohne Grenzen. Ehe also das Schicksal der Cisrhenanischen L\u00e4nder bestimmt ist, l\u00e4\u00dft sich keine aufrichtige Erkl\u00e4rung erwarten. Von einer andern Seite sind die alten Obrigkeiten, die ihr Regiment zu verlieren bef\u00fcrchten, die Anheber und Zerstreuer von tausend Furcht und Besorgni\u00df erregenden Drohungen, wie alles am Ende ablaufen werde. Der Adel und die Priesterschaft unterhalten allenthalben Emissaire, um das Volk von Entschl\u00fcssen abzuhalten, wodurch ihre Zehnten, Eink\u00fcnfte und Lehensverfassungen leiden m\u00f6chten. Endlich ist noch ein gewisses Unkraut herrschend, welches die royalistische Emigrierte in diesen Gegenden mit vieler M\u00fche angepflanzt haben. Alle diese blo\u00df k\u00fcnstliche Eindr\u00fccke zu zerst\u00f6ren, bedarf es blo\u00df des Genusses der Freiheit auf wenige Zeit, und die Natur des Menschen, die mehr edel als verderbt ist, erringe wieder ihre Rechte. Mit Erstaunen werden diese irre geleiteten Menschen alsdann auf die Verblendung zur\u00fccksehen, in welche sie Priesterbetrug und Aristokratentyrannen g\u00e4ngelte. Menschen dieser Art, die von Vorurtheilen, Furcht und th\u00f6richten Besorgnissen durch ihre F\u00fchrer beherrscht werden, sind unm\u00fcndigen Kindern \u00e4hnlich, die bey der t\u00f6dlichsten Krankheit die heilsamsten und wohlth\u00e4tigsten Arzneimittel von sich sto\u00dfen, und die man oft zur Gesundheit aus Menschenpflicht n\u00f6thigen mu\u00df, wof\u00fcr sie nicht undankbar sind, wenn die heiteren Gef\u00fchle einer gesunden Existenz sie von ihrer alten Thorheit belehrten. Und so ist wirklich ein gro\u00dfer Theil der Menschheit in der Lage, nicht richtig urtheilen zu k\u00f6nnen. Diesen m\u00fcssen die Weiseren der Nation, sobald sie zur Freiheit bestimmt sind, zu H\u00fclfe kommen. Es bedarf blo\u00df der Frage: Willst du ein Mensch zu seyn, dem Niemand sein Recht kr\u00e4nken darf? Beantwortet er dieses mit Ja! so bedarf es weiter gar nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re l\u00e4cherlich zu fragen: Willst du frey seyn? Da Tyrannen und Betr\u00fcger dieses edle gro\u00dfe Wort mit einer Art von Verl\u00e4umdung gebrandmarkt haben, da\u00df leider! jedem nicht zu reifem Nachdenken gebildeten Menschen daf\u00fcr graut. Ich bin also aufs Reinste \u00fcberzeugt, da\u00df die gro\u00dfe Republik eine ihrer Gr\u00f6\u00dfe w\u00fcrdige Handlung begeht, wenn sie den V\u00f6lkern am linken Rheinufer die Wohlthat der Freiheit schenkt, selbst wenn sie dieselbe nicht verlangen. Es wird die Zeit kommen, wo sie ihren Wohlth\u00e4tern danken werden, da\u00df sie ihre W\u00fcnsche, Sclaven bleiben zu k\u00f6nnen, nicht erh\u00f6rt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Eben so m\u00fcssen wir auch vieles auf die Gewohnheit, tyrannisirt zu werden, rechnen. Der Unbekanntschaft mit den Vortheilen der Freiheit unter guten Gesetzen nicht zu vergessen. Sollen wir darum, weil das Land Jahrhunderte lang Nachtschatten, Wolfsmilch und andere giftige Kr\u00e4uter trug, uns abhalten lassen es anzubauen und bessern Samen darauf zu streuen? Will jemand sich bis unter alle Menschheit so tief erniedrigen, da\u00df er durchaus ein Sclave seyn will \u2013 nun so la\u00dft ihn in Frieden ziehen und in Ketten wandern, dergleichen er allenthalben findet, wo keine Freiheit ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch kommt es viel darauf an, wie man die deutsche Nation zur Freiheit leitet? Ruhige W\u00e4rme, kraftvolle Ueberredung, M\u00e4\u00dfigung der Gef\u00fchle ist hier jeder Exaltation vorzuziehen, die blo\u00df declamirt. Hier vermag die W\u00fcrde eines Vortrages der Gr\u00fcnde darlegt, alles \u2014 Hat der Deutsche erst diese eingesehen, so bleibt er in Th\u00e4tigkeit und St\u00e4rke des Gef\u00fchls hinter keiner Nation zur\u00fcck. Es ergreift ihn mit m\u00e4nnlicher St\u00e4rke und f\u00fchrt ihn als Mann zum gro\u00dfen Zwecke. Indessen giebt es noch mehrere Gr\u00fcnde, welche die Vereinigung des linken Rheinufers mit der Republik oder eine Cisrhenanische Republik n\u00f6thig machen. Es ist unbestreitbar da\u00df dieses der Plan der gro\u00dfen Republik seit langer Zeit war, und da\u00df alle Vern\u00fcnftige und Freunde der Freiheit Kraft dahin laut erkl\u00e4rten: Viel Tausende der besten und edelsten Menschen w\u00fcrden ungl\u00fccklich seyn, wenn sie wieder in die Ketten der vorigen Knechtschaft zur\u00fcckgeliefert werden sollten. Man k\u00f6nnte einwenden, da\u00df man durch gewisse Artikel des Friedens eine Amnestie f\u00fcr sie erhalten k\u00f6nnte. Dieses aber ist nichts weniger als hinl\u00e4nglich. Vorerst w\u00e4re es gegen die gro\u00dfen Grunds\u00e4tze der Republik, Verzeihung f\u00fcr Grunds\u00e4tze zu verschaffen, welche zu edel, zu wahr und zu erhaben sind, um je Verzeihung verdienen zu k\u00f6nnen, da sie die Achtung aller Rechtschaffenen und Vern\u00fcnftigen verdienen. Sodann bin ich \u00fcberzeugt, da\u00df die Bevollm\u00e4chtigten der Franz\u00f6sischen Republik durchaus f\u00fchlen, da\u00df die strengste Bedingung die Freunde ihrer Verfassung nicht vor allen den Chicanen sichern werde, deren die Priesterschaft ganz vorz\u00fcglich sich zu bedienen versteht, um ihren Gegnern das Mark aus den Knochen zu saugen. Man kennt ihre verfluchten Formeln, ihr abeas in pace, womit sie die Ungl\u00fccklichen zum Einmauern verdammen. Diese teuflische Brut begeht ihre Greuelthaten im Namen Gottes und wirft ihren Infamen den Schleyer der Religion um, um ihre Scheu\u00dflichkeit zu bedecken. Ich erw\u00e4hnte zuerst der Gr\u00fcnde, welche die Gro\u00dfmuth der Franz\u00f6sischen Republik betreffen, \u00fcberzeugt durch Erfahrung, da\u00df jene des Interesses den ersten immer weit nachstehen. Aber auch jene des allgemeinen StaatsInteresse sind von sehr gro\u00dfem Gewichte. Zu diesen rechne ich: 1. Die genauere Verbindung ihres Commerce mit der Batavischen Republik in Friedens- und Kriegszeiten, die von gro\u00dfem Gewichte ist, so wie mit den andern Staaten von Deutschland. Bekanntlich sind von Germersheim bis an die Batavische Grenze 24 Z\u00f6lle, und bis Rotterdam noch 5 Z\u00f6lle zu passiren, welche des Jahrs \u00fcber eine Million Gulden eintragen, wodurch der Handel zwischen dem Elsa\u00df oder den Departementen des Ober- und Niederrheins ganz au\u00dferordentlich bel\u00e4stiget und beschweret wird. Eben so jener mit den zwischen liegenden Staaten von Deutschland nach den Fl\u00fcssen, die in den Rhein von Norden her einstr\u00f6men. Durch die Stapelst\u00e4dte Speyer, Mainz und C\u00f6ln wird der Handel mit der Batavischen Republik sehr gehemmt, da die\u00df nicht weiter als bis C\u00f6ln ihre Schiffe senden kann, das Ausladen und auf C\u00f6llnischen Schiffen etc. weiter ihre Waaren bef\u00f6rdern mu\u00df. Wie vortheilhaft \u00fcberhaupt f\u00fcr die Franz\u00f6sische Republik, die Batavische und ganz Deutschland ein freyer Handel seyn w\u00fcrde, das bedarf kaum einer Erw\u00e4hnung. Geradezu geht er bis Basel ungehindert und von da mit der Unterbrechung des Rheinflusses von Schaffhausen in den Bodensee und unterh\u00e4lt den Handel mit Helvetien. Vermittelst der Mosel vereinigt er das freye Commerce von Lothringen an, so wie vermittelst des Maes. Durch den Mayn den Handel \u00fcber Frankfurt, W\u00fcrzburg und Bamberg in Franken. Durch den Neckar bis in die Gegend von Stuttgart in Schwaben. Endlich den der Lahn, Lippe und Ruhr. Da\u00df vermittelst der freyen Schiffahrt auf dem Rhein selbst dem Englischen Handel auf der Weser und Elbe etc. gro\u00dfer Nachtheil zuflie\u00dfen k\u00f6nne, da diese Fl\u00fcsse mit gro\u00dfen Z\u00f6llen belegt sind, ist deutlich; da allein von Pirna in Sachsen bis Hamburg 32 Z\u00f6lle auf der Elbe zu passiren sind; und \u00fcberdem der Englische Handel von Hamburg aus nach Frankfurt am Mayn \u00fcber Hannover und Cassel mit Landfuhren bestritten werden mu\u00df. Aber ganz vorz\u00fcglich mu\u00df sich der Besitz des linken Rheinufers im Falle eines Krieges sehr vortheilhaft \u00e4u\u00dfern, indem die Zufuhr aus der Batavischen Republik durch keine zwischenliegende Staaten gehemmt, unterbrochen oder die l\u00e4stigen Stapelrechte genirt werden, und durch die Z\u00f6lle vertheuert werden kann. Hiedurch k\u00f6nnen die Republikanischen Armeen ihre Zufuhr in einem Reichskriege bis nach Franken ungehindert erhalten, und selbst wenn es n\u00f6thig ist, bis in Schwaben. Was aber ganz vorz\u00fcglich f\u00fcr die Republik ist, besteht in der Stadt Maynz, welche in Zukunft mehr wie Frankfurt am Mayn die Niederlage des Franz\u00f6sischen, Batavischen und Deutschen Handels werden mu\u00df, da es ungleich bequemer zu diesem Zwecke liegt, als Frankfurt, und alle m\u00f6glichen Expeditionen erleichtert. Die Lage von Maynz ist \u00fcberhaupt von der Art, da\u00df es blo\u00df einer Uebereinkunft zwischen den beyden Republiken bedarf, um sie zum gro\u00dfen Depot alles Deutschen Handels und eines gro\u00dfen Theils des Franz\u00f6sischen mit ganz Deutschland und den Batavern zu machen. Frankfurt w\u00fcrde freilich aufh\u00f6ren das zu seyn, was es so lange war; allein keine Nation w\u00fcrde dadurch das Mindeste verlieren, wenn die Messe von Maynz jene von Frankfurt verdr\u00e4ngte. Die Nationen w\u00fcrden im Gegentheil dabey sehr gewinnen, da die Freiheit des Handels und der Schiffahrt die Preise der Waaren sehr mildern w\u00fcrde, was nicht gedacht werden kann, so lange bey Stapelrechten und Z\u00f6llen die alte Ordnung der Dinge und Frankfurt bleibt. Der freye Handel w\u00fcrde dem ganzen s\u00fcdlichen Deutschlande aufhelfen, die Concurrenz vermehren und die Manufacturen am rechten Rheinufer w\u00fcrden so bl\u00fchend werden als sie nie gewesen sind. Die Aufstellung der Stapelrechte und Z\u00f6lle aber k\u00f6nnen diese L\u00e4nder so wenig von den gegenw\u00e4rtigen Besitzern derselben am Rheine erhalten, da\u00df sie im Gegentheil einer Erh\u00f6hung und Vermehrung derselben entgegen sehen k\u00f6nnen, wenn nicht die Franz\u00f6sische Republik diese Staaten \u00fcbernimmt, oder aus ihnen eine neue besondere Republik bildet. Da\u00df der Einflu\u00df dieser Procedur bis weit in die Republikanischen Departements zur Aufnahme des Manufacturwesens eingreife, ist sehr nat\u00fcrlich. Ueberhaupt scheint die Natur die Wohlhabenheit der Rheinund andern nachbarlichen L\u00e4nder blo\u00df an den Besitz derselben und Franz\u00f6sische Republikanische Hoheit oder Einflu\u00df geheftet zu sehen, da die vielen deutschen F\u00fcrsten den Handel durch Z\u00f6lle und Vexationen gleichsam das Mark aussaugen, und die Aufnahme des Commerce und der Manufacturen dadurch hindern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nothwendigkeit des Besitzes des linken Rheinufers f\u00fcr Frankreich, in Beziehung auf militairische Dispositionen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Deutschen Provinzen am linken Rheinufer, wenn sie auch keinen gro\u00dfen Widerstand leisten k\u00f6nnen, haben doch den gro\u00dfen Nachtheil, da\u00df sie alliirten Armeen feste und starke Positionen verschaffen, und bey einem Kriege wie der gegenw\u00e4rtige war, die Unannehmlichkeiten eines langen Kampfes verursachen, bis die Republikanischen Armeen nur so weit gekommen sind, ganz das linke Rheinufer von ihren Feinden zu s\u00e4ubern. Was Mainz zu bedeuten habe, wenn es von der rechten Seite des Rheins freye Zufuhr hat, hat die Erfahrung bewiesen. Ehrenbreitstein, obgleich am rechten Ufer, ist f\u00fcr die Republik von nicht minderm Belang, da es Coblenz dominirt, und eine Besatzung fassen kann, die mit jener von Mainz, die Progressen einer jeden Armee erschwert, die daselbst agiren soll, und wenigstens starke Observationskorps n\u00f6thig macht, um den R\u00fccken zu decken. Die Festungswerke von D\u00fcsseldorf m\u00fcssen aus gleichen Ursachen geschleift; Ehrenbreitstein ausgeliefert, oder ebenfalls geschleift; die T\u00eate de Pont bey Neuwied ausgeliefert oder geschleift; jene von Mainz aber nothwendig ausgeliefert und beibehalten werden, wenn die Republik wirkliche Vortheile zur Sicherheit ihrer Staaten und ihrer k\u00fcnftigen militairischen Dispositionen haben will. Ist die Republik in dem Besitze des ganzen linken Rheinufers, und der benannten Festungen, oder sind diese vernichtet, so ist das eigentliche derselben ganz unangreifbar. Denn da die Hauptfestungen des Rheins alsdann in den H\u00e4nden der Republiken sind, und wie wir wissen, so leicht nicht bey Communicationen von einer Seite hinweggenommen werden k\u00f6nnen, so k\u00f6nnen keine feindlichen Armeen, ohne ihre Macht durch gro\u00dfe Observationskorps zu theilen, irgendwo eindringen, und zwey Campagnen k\u00f6nnen beym ungl\u00fccklichsten Kriege nicht hinreichen, an die alte Grenze der Republik mit irgend einer Sicherheit vorzudringen. Von welchem Gewichte der Posten bey Lautern ist, und wie gut es seyn w\u00fcrde, wenn er immer in den H\u00e4nden der Republik bliebe, wird den Militairpersonen desselben nur zu gut bekannt seyn. Ob es aber gut sey, C\u00f6ln, Bonn etc. von dem Besitz der Republik auszuschlie\u00dfen, das getraue ich mich nicht bejahend zu beantworten. C\u00f6ln ist sowohl in den Commercial- als militairischen Verh\u00e4ltnissen viel zu bedeutend, als da\u00df man seine Acquistion gleichg\u00fcltig ansehen k\u00f6nnte. Als Handelsstadt liegt es zu nahe an der batavischen Grenze, als da\u00df man es vom gemeinsamen Interesse aller Handelspl\u00e4tze am Rheyn ausschlie\u00dfen k\u00f6nnte. Nur ein Gesammtinteresse kann es schadlos f\u00fcr Mainz, Speier und Stra\u00dfburg machen. Es mu\u00df allenthalben unter gleichen Gesetzen mit jenen St\u00e4dten und L\u00e4ndern stehen, oder es erh\u00e4lt ein Privatinteresse, unter welchem jenes gemeinsame nothwendig leidet. In militairischer Hinsicht, so ist die Uferstrecke von Andernach, oder von der Mosel bis zur Maas schon darum h\u00f6chst bedeutend, weil C\u00f6ln und D\u00fcsseldorf alsdann freye Passagen und Angriffe der Republik \u00fcber den Rhein er\u00f6ffnen; was meiner Einsicht nach nicht gut ist, weil gerade von daher die gewesenen Oesterreichischen Niederlande am leichtesten und zweckm\u00e4\u00dfigsten anzugreifen sind. Offenbar hat die gro\u00dfe Republik in Zukunft mehr Preu\u00dfen als Oesterreich zu beobachten und sich dagegen zu sichern Ursache, da ersteres die Vortheile nie verg\u00fcten wird, welche seinen Erbfeinden durch den Frieden mit der Republik zuflossen, und wodurch es ansehnlich durch Centralisirung seiner Besitzungen und Staatskr\u00e4fte gest\u00e4rkt wurde. Preu\u00dfen wird zu allen Zeiten, wenn das Einverst\u00e4ndni\u00df zwischen der Republik und dem Kaiser aufrichtig erhalten wird, die Republik f\u00fcr seine geschworene Feindin ansehen, und dies macht Maa\u00dfregeln nothwendig, die allein durch den Besitz des ganzen linken Rheinufers erhalten werden k\u00f6nnen. In dem Falle aber, da\u00df die gro\u00dfe Republik das linke Rheinufer ganz zur\u00fcckgeben und die alte Verfassung der L\u00e4nder wieder herstellen wollte, so m\u00fc\u00dften nothwendig alle die angef\u00fchrten Vortheile hinwegfallen, wodurch ihre Finanzen einen zweyj\u00e4hrigen R\u00fcckzug ersparen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nothwendigkeit des linken Rheinufers f\u00fcr die Franz\u00f6sische Republik in politischer und Finanz-Beziehung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Offenbar ist nichts gerechter als der Anspruch der gro\u00dfen Republik auf diesen Land-District. Es ist nicht hinl\u00e4nglich, da\u00df das besondere Interesse eines Staats die Besitznehmung gewisser L\u00e4nder erfordere; denn dieses w\u00fcrde am Ende auf eine politische R\u00e4uberey auslaufen. Nein! diese Forderungen m\u00fcssen so sehr den Grunds\u00e4tzen der Gerechtigkeit angemessen seyn, da\u00df selbst der Feind nichts Wahres und Gr\u00fcndliches dagegen einwenden kann. Ganz Europa wei\u00df, da\u00df die Coalition gegen die damalige Franz\u00f6sische Monarchie zu Pillnitz lange vorher abgeschlossen war, ehe die Franz\u00f6sische Nation gen\u00f6thigt wurde, den feindlichen Angriffen zuvorzukommen, und zu zwingen, den Krieg an den Kaiser zu erkl\u00e4ren. Preu\u00dfen erkl\u00e4rte den Krieg an Frankreich ohne alle gerechte Ursachen und ohne den geringsten Grund dazu zu haben. Das Deutsche Reich vollends that eine Kriegserkl\u00e4rung ohne alle Grunds\u00e4tze der Gerechtigkeit und Billigkeit zu Rathe ziehen. Edel und gro\u00df benahm sich die Franz\u00f6sische Nation, ganz unter ihrer W\u00fcrde die Deutsche. Einige Gravamina der geistlichen Chur- und F\u00fcrsten legten den Grund zum Streite. Ein paar Bisch\u00f6fe verlangten, da\u00df eine Nation von 30 Millionen Menschen sich nach ihrem Eigensinne richten und de\u00dfhalb eine Verfassung in Beziehung auf ihre verlangte Vorrechte aufgeben solle. Die Franz\u00f6sische Republik erbot sich zu mehr als hinl\u00e4nglichen Entsch\u00e4digungen. Das Deutsche Reich w\u00fcrde sie befriedigend erkannt haben, so aber f\u00fcrchtete es die Drohungen von Preussen mehr, als es die Gerechtigkeit achtete. Es erw\u00e4hlte den Krieg, und im Bewu\u00dftseyn, da\u00df es durch den Frieden nichts verlieren werde, zog es die Verheerung seiner Staaten dem Genu\u00df des Rechts vor. Es bedurfte wahrlich nur einer geringen Localkenntni\u00df, um sich zu \u00fcberzeugen, da\u00df Deutschland der Hauptschauplatz des Krieges werden mu\u00dfte, und da\u00df der Krieg Verheerungen im Gefolge habe, welche Deutschlands Forderungen weit \u00fcbersteigen w\u00fcrden. Aber Deutschland, das alles umsonst haben konnte, was es gerechter Weise fordern konnte, zog den Krieg vor \u2013 wollte Krieg \u2013 und Frankreich mu\u00dfte es sich gefallen lassen. Es ist unzweifelhaft, da\u00df Frankreich viele hundert Millionen erspart haben w\u00fcrde, wenn es von einem Anfall von den Deutschen Gr\u00e4nzen her nicht h\u00e4tte abwehren m\u00fcssen. Es ist nat\u00fcrlich, da\u00df der Friede bereits seit einigen Jahren wieder hergestellt w\u00e4re, wenn Deutschland Frieden gemacht h\u00e4tte. Alle Millionen, welche der l\u00e4ngere Krieg bis jetzt von Franz\u00f6sischer Seite erforderte, und eine Menge erschlagene B\u00fcrger w\u00e4ren nicht verwendet worden. Deutschland, bist du Sieger in deinem ungerechten Streite geworden, da\u00df du verlangen kannst, die gro\u00dfe Republik soll deiner Ungerechtigkeit umsonst alle die Millionen aufopfern, die dein un\u00fcberlegter Starrsinn ihr abn\u00f6thigte? Du bist im Unrecht, bist \u00fcberwunden, und verlangst von deinem Sieger, er soll deine Ungerechtigkeit entgelten, vergebens seine Sch\u00e4tze, und was mehr als dieses ist, das Blut tapferer B\u00fcrger verschwendet haben? Du willst Geldes vorschie\u00dfen und verlangst deine Integrit\u00e4t? \u2013 Welche Ungerechtigkeit! \u2013 welcher Wahnsinn! Bezahle alle aufgewendete Millionen, wecke die ermordeten B\u00fcrger wieder auf, wenn du dies kannst, so verlange jenes. Freilich ist das Blut der Republikaner in den Augen von dreyhundert kleinen Monarchen so wenig werth, da\u00df sie dreist genug seyn k\u00f6nnen, zu fordern, der Sieger soll es sich zur Ehre sch\u00e4tzen, es umsonst vergossen zu haben. Doch das kann Deutschland nicht mit allen seinen Staaten bezahlen. Aber den Ersatz der Kriegskosten, den ist es durchaus schuldig. Die Franz\u00f6sische Republik handelt mit unbegrenzter M\u00e4\u00dfigung, wenn sie blo\u00df mit dem linken Rheinufer zufrieden seyn will. Alles Einkommen seiner L\u00e4nder reicht noch nicht hin, die j\u00e4hrlichen Zinsen zu bezahlen, die das Capital der seinerwegen verwendeten Kriegskosten erheischt. Und wen trifft denn das Ungl\u00fcck? Gerade die geistlichen F\u00fcrsten, deren eigenn\u00fctzige Forderungen den ersten Vorwand zum Kriege gaben. Die Vorsehung ist gerecht, sie arbeitet den Sieg dem zu, auf dessen Seite das Recht ist, sie bestraft die Werkzeuge des Kriegs, die Ermordungen und Verheerungen. Die gro\u00dfe Republik erh\u00e4lt ungef\u00e4hr 2,000,000 neue B\u00fcrger, von denen sie erst einen sehr gro\u00dfen Theil zu ihrem Systeme bilden lassen mu\u00df, die noch nicht alle solche Grunds\u00e4tze haben, die sie der Vorrechte freyer Menschen werth machen. Eine gerechte und weise Politik schreibt die Besitzergreifung dieser kleinen L\u00e4nder vor. Sie nicht zu nehmen, w\u00e4re ein Raub an dem Verm\u00f6gen ihrer B\u00fcrger, das sie im Kriege verwendete. Sie ist sich selbst einen Ersatz und ihrer Ehre ein Denkmal schuldig, da\u00df sie gesiegt habe und nicht besiegt wurde. W\u00fcrde irgend ein Monarch etwa m\u00e4\u00dfiger in seinen Forderungen seyn, wenn er auch nicht den tausendsten Theil des Rechts, dagegen aber eben solch einen Sieg in seiner Hand h\u00e4tte? Und was soll aus dem Gleichgewichte von Europa werden, wenn die \u00f6stlichen M\u00e4chte sich 12,000 Quadratmeilen eines ihnen nicht zugeh\u00f6rigen Staates theilen? Sind 6 bis 700 daf\u00fcr ein hinl\u00e4nglicher Ersatz? Aber Frankreich bedarf es nicht, dies in Anschlag zu bringen und dadurch die ungerechte Theilung von Polen zu sanctioniren. Ihre Anspr\u00fcche sind stark genug \u2013 gerecht und voller M\u00e4\u00dfigung. In Beziehung auf die Finanzlage der gro\u00dfen Republik, so ist sie es gerade ganz allein, welche diese L\u00e4nder am besten benutzen kann, und die ungleich mehr abwerfen, als man sich vielleicht denkt. Man kann annehmen, da\u00df in diesen s\u00e4mmtlichen Staaten zwei Drittheile aus f\u00fcrstlichen und geistlichen Domainen bestehen. Viele Districte enthalten die fruchtbarsten Gegenden Deutschlands, und geben dem G\u00fcterbestande einen au\u00dferordentlichen Werth. Alle diese den F\u00fcrsten, Stiftern und Kl\u00f6stern geh\u00f6rige L\u00e4ndereyen werden nat\u00fcrlicher Weise Nationaleigenthum. K\u00e4men diese Gegenden wieder ans Reich, so w\u00fcrden sie keinem Menschen n\u00fctzlicher werden, als schwelgenden Dompfaffen, m\u00fc\u00dfigen Priestern und singenden Nonnen. Der Unterthan bliebe ein Sclave nach wie vor, und m\u00fc\u00dfte Zehnden, Frohndienste und dergleichen unertr\u00e4glichen fernerhin leisten; andere Abgaben nicht mitgerechnet, die er dem Landesherrn quartalis zu entrichten verbunden ist. Wie ungleich gl\u00fccklicher mu\u00df er sich nicht als ein freyer Mensch befinden, wo er zwar seine Abgaben, wie jeder Staatsb\u00fcrger, zu entrichten hat, aber doch nicht auf eine Weise, und zu Zwecken, welche alle Vernunft emp\u00f6ren. Denn es ist doch wahrlich ein Unterschied zum allgemeinen Besten beyzutragen, und mit Schwei\u00df und M\u00fche zu arbeiten, damit Domherren, Priester, M\u00f6nche und Nonnen eine schwelgerische Tafel f\u00fchren, und ihre Zeit im Wohlleben hinbringen k\u00f6nnen. Da\u00df, wenn die Republik jene geistliche Domainen, die nie bey der Staatsadministration in Ausgabe gebracht wurden, nur in bisheriger Form bewirthschaften l\u00e4\u00dft, und einzieht, sie auf ein reines Einkommen von 50 bis 60 Millionen Livres, von ihren s\u00e4mmtlichen Acquisitionen von Germersheim bis ans atlantische Meer, rechnen k\u00f6nne, ist unbezweifelt. Ja, ich m\u00f6chte fast sagen, da\u00df sie vierzig Millionen j\u00e4hrlich rein von den L\u00e4ndern zwischen der Queich und der Maas ziehen werde, die von der Landesadministration \u00fcbrig bleiben, und ich finde diese Rechnung nicht \u00fcbertrieben, wenn ich auf die Hofhaltungen aller daselbst gewesenen F\u00fcrsten, und den Renten der Stifter, Domcapitels etc. j\u00e4hrlich eine Ersparung von 10,000,000 Thalern oder 40,000,000 Livres rechne. Aber dieses kann auch blo\u00df die Franz\u00f6sische Republik gewinnen, Deutschland aber nie so hoch in Anschlag bringen, da es bey Bewirthschaftung dieser L\u00e4nder durchaus davon keinen Beitrag oder Nutzen zieht, der nicht in der unbedeutenden Erb\u00e4rmlichkeit der allgemeinen Summe der Kammerziele von 91,078 Thaler verschwinde, die ohnehin so schlecht eingehen, da\u00df bereits im Jahre 1788 die Reste 60,545 Rthlr. betrugen. Der Gewinn der gro\u00dfen Republik ist also kein eigentlicher Verlust f\u00fcr das Reich, und wenn dieses seinen wahren Vortheil kennt, so ersetzt es den verlierenden deutschen weltlichen F\u00fcrsten ihre Verluste, aus dem christ-katholischen Seckel des Eigenthums, wie der K\u00f6nig David that, der die Schaubrode vom Altare nahm, da ihn hungerte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den ersten Blick liest sich diese \u00dcberschrift abwegig. Sind es nicht die Linksextremisten, die Deutschland am meisten hassen? 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