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Einheimische Falter des Weserberglandes - Artenschutz
Flügelt ein kleiner, blauer Falter ...
Rand  


Einführung in das Faunengebiet Weserbergland und seine zerstörten Biotope

Im Weserbergland weisen der Solling und Teile von Bramwald und Reinhardswald nährstoffarme Böden auf. Auch das kühlfeuchte Klima trägt dazu bei, daß der Bramwald mit rund 350 Pflanzenarten zu den floristisch artenärmsten Gegenden Südniedersachsens gehört (Thomas MEINEKE, Untersuchungen zur Struktur, Dynamik und Phänologie der Groß-Schmetterlinge (Insecta, Lepidoptera) im südlichen Niedersachsen, Dissertation, Göttingen 1984). Weil Schmetterlinge unmittelbar abhängig sind vom Vorkommen ihrer jeweiligen Raupen-Futterpflanze, setzt die floristische Artenarmut der faunistischen Artenvielfalt enge natürliche Grenzen.

Im Bramwald und mit ihm in Fürstenhagen, aber ebenso in den meisten Weserberglanddörfern in vergleichbarer Lage gibt es darum erheblich weniger Schmetterlingsarten als in anderen Gebieten Südniedersachsens. Von rund 190 Tagfalterarten Deutschlands wurden in und um Fürstenhagen bisher erst 33 nachgewiesen.

Dabei wäre die hier potentiell mögliche Artenvielfalt höher, würde sie nicht durch menschliche Biotopzerstörung an der Entfaltung gehindert.

Die natürliche Vegetationsgeschichte hier hatte allerdings begonnen mit überwiegend einförmigen Eichen-Hainbuchen-Mischwäldern und - in den höheren Lagen - Rotbuchenwäldern. Der Artenbestand an Schmetterlingen war noch geringer als heute, weil es weniger offenes Land gab.

Seit Beginn der menschlichen Besiedlung wurden die Waldflächen gerodet. Höhepunkt der Rodung war das hohe Mittelalter. Es entstanden weite, offene, in Dreifelderwirtschaft extensiv genutzte Naturräume mit hoher Artenvielfalt und lichte Laubwälder mit Waldweide. Eine Anzahl östlich-kontinentaler Schmetterlingsarten breitete sich aus. Seit dem 18. Jahrhundert wurde dieses vielfältige Landschaftsbild immer schneller anhaltend umgestaltet. "In der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts nahmen die Wandlungen ein drastisches Tempo an. Dem immer rascheren Rückgang der Pflanzenarten [...] folgte fast deckungsgleich ein ebensolcher Einbruch bei den Lepidopterenarten [Schmetterlingsarten]. Die ungemein konsequent durchgeführte Intensivierung von Industrie, Besiedlung, Verkehr, Land- und Forstwirtschaft führte vor allem in den letzten 30 Jahren zu einer nie dagewesenen Reduzierung und Gleichschaltung der Vegetationsverhältnisse." (MEINEKE 1984). Seit 1984 hat die Lage sich verschlechtert.

Von den biologisch monotonen Agrarlandschaften des Weserberglandes ist Fürstenhagen eine typische und durchschnittliche. Ein Schmetterling könnte hier schlichtweg verhungern, denn dem Standort entsprechend mögliche Blumenwiesen gibt es nicht. Das Auge sieht fast nur Grüntöne. Immer effizientere, größere Maschinen und das systematische Vergiften aller Wildpflanzen und Kräuter haben die Möglichkeiten für einen Schmetterling, an einer Blüte zu trinken, bis auf wenige, schmale Wegränder verringert. 95% der Wiesen sind fast reine Grassteppen, die jährlich mehrfach mit Gülle vollgekippt und zweimal jährlich gemäht werden.Hier können nur noch wenige andere Pflanzen und kaum Schmetterlinge gedeihen.

Und an den wenigen übrigen Wegrändern, zusammengequetscht zwischen Korn- und Maisfeldern, geschieht das Unbegreifliche:

 
Giftspritzer
Foto: K.Kunze, Fürstenhagen (Bramwald) 21.5.2007

Da werden die letzten Quadratmeter Wiesenstreifen an Bach oder Weg mitten im Mai gemäht, um "sauber zu machen". Man schneidet aus Unwissenheit den Blumen den Kopf und den Raupen die Futterpflanzen unter dem Hintern weg. Der Schnitt bleibt liegen. Mit ihren Kühen würden die Bauern nicht so umgehen. Ausreichend und biologisch sinnvoll wäre, einmal jährlich im Spätherbst zu mähen.

Hier gibt es keinen anderen Artenschutz als den Schutz der Lebensräume von Tieren und Pflanzen vor dem Menschen. Es müßten "im südlichen Niedersachsen miteinander in Verbindung stehende Netze geschützter Flächen ausreichender Größe eingerichtet werden. In erster Linie kommen dafür Halbtrockenrasen, Feuchtwiesen im weitesten Sinne und naturnahe, lichte und strukturreiche Laubwälder, vorrangig Eichenmischwälder in Frage." Es müßten "nicht nur die Reste vorhandener Habitate mit hoher lepidepterologischer Wertigkeit bzw. Artendichte dringend geschützt werden, sondern es müßten zudem die in der Vergangenheit zerstörten Lebensräume zumindest teilweise entsprechend ihrer Bedeutung wiederhergestellt werden, wollte man ernsthaft eine Rehabilitation ursprünglicher Artenvielfalt und Artenstabilität, etwa wie zu Anfang des Jahrhunderts, bewirken." (MEINEKE 1984),

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