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Ein Falter ist kein Falter.
Konrad Lorenz, Pionier der Verhaltensbiologie, prägte den Satz: "Ein Affe ist kein Affe". Damit spielte er auf das Bedürfnis an, einer Gruppe anzugehören. Die Affenhorde, das Löwenrudel, die Giraffenherde, das Bienenvolk, der Heringsschwarm: Sie sind die kleinsten Einheiten, in denen die biologische Art sich erhalten kann. Einzeltiere tragen zum Fortbestand der Art nichts bei.
Schmetterlinge bilden keine Herden und Rudel. Sie füllen ein geeignetes, vorhandenes Areal mit einer flexiblen Individuenzahl an. So viele Individuen ein Biotop ernährt, so viele gibt es dort auch. Ein Falter kommt selten allein. Wo eine Schmetterlingsart existieren kann, da gibt es sie gewöhnlich zahlreich.
Schmetterlinge können sich potentiell exponentiell vermehren. Sie ähneln darin Blumen: Sie können sich potentiell ins Unendliche aussamen, werden aber durch die verfügbare Fläche begrenzt.
Darum ist "ein Schmetterling kein Schmetterling". Die Sechsfleck-Widderchen des Halbtrockenrasens bei Scheden, dem Bramwald im Weserbergland östlich vorgelagert, bilden in ihrer Gesamtheit einen Gen-Pool. Alle Falter sind eng verwandt und verschwistert. Die Individuenzahl wird durch den verfügbaren, für die Art geeigneten Raum begrenzt. Ein einzelner Falter hat für den Bestand innerhalb dieses Biotops keine Bedeutung. Reißt man auf dem Rasen ein Grasbüschel aus, schafft man nur Platz für ein neues, das sich unweigerlich ausbreitet und dieselben Gene trägt.
In phantasievollen Romanen, zum Beispiel des Science-Fiction-Autors Isaac Asimov, werden diese Grundeinsichten weitergesponnen bis zur Idee planetenumspannender Kollektivwesen, Gruppenintelligenzen, deren Bauteile die Einzelwesen sind. Wir müssen aber einer Tierart kein personales Gesamt-Bewußtsein zuschreiben, um sie als Quasi-Individualität zu begreifen, eine kollektive Individualität, deren Bestandteile bedeutungslos sind wie das Einzelblatt eines Baumes. - |
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Foto: K. Kunze, Scheden 1.7.2007 |
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Hier arbeitet ein Pärchen an der Arterhaltung. Von Genen und Kollektivintelligenzen wissen sie nichts. Aber daß man gleichzeitig das eine tun kann und das andere nicht lassen muß, scheint klar zu sein: Wer sagt denn, daß man "dabei" nicht mal einen tüchtigen Schluck trinken darf? Die Flockenblume machts möglich.
Sechsfleck-Widderchen sind anpassungsfähiger als andere Widderchen. Sie sind in unterschiedlichen Lebensräumen zuhause. Die Speisekarte ihrer Raupen umfaßt mehr Pflanzen als die mancher Verwandten: Hornklee, Kronwicke und vermutlich Platterbse.
Trotzdem ist auch diese verbreitete Widderchen-Art im Weserbergland nicht überall verbreitet. In den Waldtälern des Bramwaldes fehlt sie jedenfalls. Unmittelbar östlich des Bramwaldes gibt es aber mehrere Vorkommen auf Halbtrockenrasen.
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Foto: K. Kunze, Scheden 1.7.2007 |