Urkundliches Dokument
Der Nachwelt unseren Gruß zuvor! In Ehrfurcht und mit Wehmut nehmen wir die vergilbten Schriften in die Hand, die seit 156 Jahren von hoffenden Menschen dem Kirchturmknopf anvertraut wurden. Sie hofften und vertrauten darauf, der Knopf werde ihre Botschaften hüten und bewahren, bis diese dereinst – lange nach dem Tod ihrer Urheber, von kommenden Generationen beherzigt werden würden. Nur die wichtigsten und denkwürdigsten Nachrichten bargen sie, dem täglichen Zugriff entrückt, halbwegs zwischen Erde und Himmel. Das Jahr 2000! Was hatte dieses Wort lange Zeit für einen die Phantasie anregenden Klang. Im Jahr 2000 werde die Zukunft gewiß begonnen haben, malte sich mancher schon Jahrzehnte vorher aus und stellte sich dabei eine hochtechnisierte Welt vor, in der uns Roboter bedienen und die wir im Urlaub mit Raumschiffen zu den Sternen verlassen. Das wirkliche Jahr 2000 unterschied sich in Fürstenhagen aber nicht von 1999 und nur wenig von den gleichförmig eilenden Jahren zuvor. Die uns 1851 als ihre Nachkommen grüßten, hätten sich nicht nur über die nur wenigen Kinder im Dorfbild gewundert. Damals hatte jeder Dorfbewohner hier auch seine materielle Existenzgrundlage. Wie seit der Gründung des Dorfes im Mittelalter lebte auch 1851 noch fast jeder im Dorf als landwirtschaftlicher Selbstversorger und erwarb sich durch Handwerk etwas Zuverdienst. Neben den Kindern gehörten arbeitende Menschen zum Dorfbild: der Bauer, der Schmied, der Schweinehirte, der Leineweber, der Schuster, und selbst der Lehrer und der Pfarrer hatten ihre Gärtlein. Bedrückend fände ein Besucher aus der Vergangenheit vielleicht auch die verschwundenen Mittelpunkte geselligen Zusammentreffens: Von früher zwei Gasthäusern hat eines geschlossen. In den beiden Kaufläden und der Bäckerei haben wir nicht nur eingekauft, sie waren immer auch Orte, an denen man sich traf und Neuigkeiten austauschte. Der letzte dieser drei Läden schloß im Oktober 2007. Heute machen fahrende Händler aus anderen Ortschaften mit Hupe und Klingel auf sich aufmerksam, wenn sie durchs Dorf rollen und Brötchen, Fisch oder Lebensmittel anbieten. Ein Ersatz für ein Schwätzchen mit unserem Kaufmann oder unserem Bäcker können sie nicht bieten. Auch für die Kirchengemeinde sind die Zeiten nicht einfacher geworden. Seit 2007 ist Rita Sennert Pfarrerin und wohnt in Schoningen wie schon ihre Vorgängerin Frau Beisheim. Frau Sennert hat außer Fürstenhagen eine Reihe anderer Gemeinden zu betreuen. Die Kirche mußte zwar sprichtwörtlich im Dorf bleiben, aber das alte Pfarrhaus gegenüber, jahrhundertelang ein Mittelpunkt des Dorfes, wurde an eine Familie verkauft. Ein Raum in diesem Hause blieb aber für gemeindliche Treffen zur Verfügung, und in seinem Hinterzimmer ruhen noch die uralten Kirchenrechnungen und andere Archivalien der Kirchengemeinde. Fürstenhagen möge auch in künftigen Tagen und Jahren wachsen, blühen und gedeihen!
Klaus Kunze |
Die Kirchenrenovierung von 2007
| 2007 mußten wieder erhebliche Ausbesserungsarbeiten am der gesamten Kirche vorgenommen werden. Den gesamten Fachwerkanbau aus dem späten 16. Jahrhundert, der das Erscheinungsbild der Kirche seit Jahrhunderten prägte, wurde von der die Bauarbeiten bestimmenden Landeskirche aus Kostengründen mit braunen Dachziegeln auf Dachlatten verhängt. |
| Aus Anlaß dieser Baumaßnahmen wurde der Kirchturmknopf erneut abgenommen, die alten Urkunden fotografiert, wieder in den Knopf gelegt und um zwei weitere Dokumente für die Nachwelt ergänzt. Eines fertigte die Gemeinde aus, das andere der Ortsheimatpfleger. Dieses zweite ist nebenstehend zu lesen. |
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Der Fachwerkanbau der Kirche von Fürstenhagen aus dem 16. Jahrhundert, bevor er im Dezember 2007 mit Ziegeln zugehängt wurde. |
![]() Foto: Klaus Kunze 9.12.2007 |
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