Aus: Klaus Kunze, Mut zur Freiheit (1998), S. 232–234
Glossar
Die im Buch besonders erläuterten philosophischen und politischen Begriffe. Verweise innerhalb des Glossars sind unmittelbar anklickbar.
- affiliativ
- (lat. ad filiam) liebevoll-freundlich „wie zu einem Kinde“; Gegensatz zu agonal.
- agonal
- (griech. ἀγών: Wettkampf) kämpferisch; Gegensatz zu affiliativ.
- Aporie
- (griech. ἀπορία: Ratlosigkeit) aufgrund der Denkgesetze ausweglose Sackgasse im Denken.
- Apriori
- (lat. prior: früher) kantisch vor aller Erfahrung bestehende Vernunfteinsicht.
- Axiom (axiomatisch)
- (lat. axis: Achse, Pol): unüberprüfbare Denkvoraussetzung.
- cartesianisch:
- den Lehren des Philosophen René Descartes folgend.
- deduzieren (Deduktion)
- (lat. deducere: hinabführen) Gegensatz von Induktion: Von einem als wahr angenommenen Obersatz Folgerungen ableiten.
- deskriptiv
- (lat. describere: beschreiben) wertfrei beschreibend.
- Determinismus
- (lat. determinare: abgrenzen) Die Vorstellung, Ereignisse seien durch vorherige Ursachen restlos vorherbestimmt.
- Dezisionismus
- (von lat. decidere: ein Geschäft kurz abmachen) Gegensatz von Normativismus: die Lehre, es gebe keine werthafte, zweckgerichtete oder sinnerfüllte Ordnung ohne Schöpfer.
- Dualismus
- (lat. duo: zwei): Gegensatz: Monismus: Das dualistische Weltbild nimmt ein Diesseits und ein Jenseits als Wirklichkeiten an.
- Empirie (empirisch)
- (griech. ἐμπειρία: Erfahrung) die methodische Vorgehensweise, nur von vorfindbaren Erfahrungstatsachen auszugehen und daraus Schlüsse auf allgemeine Gesetzmäßigkeiten zu ziehen. Gegensatz zum Intellektualismus.
- Entität
- (lat. ens: das Seiende): wirklich existierende, personale Wesenheit.
- Evidenz
- (lat. evidens: klar, offenbar) fraglose, offenkundige Richtigkeit.
- Finalität (final):
- Auf ein Ziel (lat.: finis) gerichtetes, zweckbestimmtes Handeln.
- Finalnexus:
- Die Verknüpfung einer Handlung mit einem Zweck: Die Handlung geschah, um das Ziel zu erreichen.
- Heterogonie der Zwecke
- (griech. ἕτερος: der andere, γονή: Erzeugung): Die Vorstellung, obwohl eine Handlung den einen Zweck erstrebt habe, verursache sie ungewollt einen ganz anderen, aufgrund einer vorausgesetzten Teleologie schon feststehenden Erfolg.
- Hypostasie (hypostasieren)
- (griech. ὑπόστασις: substanzielles Wesen) Die Vorstellung, eine Tätigkeit oder eine Wertidee sei ein personales Wesen (wie die Justitia, die Musen etc.)
- Idealismus
- (griech. ἰδέα: Begriff, Urbild, Idee, Ideal): Landläufig: Begeistertheit von einer Idee. Erkenntnistheoretisch ist der objektive Idealismus (Ideenrealismus) der Auffassung, Ideen seien auch außerhalb unserer Köpfe real. Idealismus ist eine mögliche erkenntnistheoretische Voraussetzung für Normativismen.
- Ideenrealismus:
- Auf Platon zurückgehende These: Unabhängig vom Menschen existierten die ewige Ideen in einer Sphäre über dem Himmel. Sie seien realer als die materiellen Dinge, die bloß ihre Abbilder seien. Im mittelalterlichen Universalienstreit Gegenthese zum Nominalismus.
- Ideologem:
- Einer Ideologie entnommener Begriff mit bestimmter Bedeutung innerhalb des ideologischen Gedankensgebäudes.
- Ideologie:
- Im engeren Sinne: auf einen axiomatischen (Axiom) Wert aufgebaute Weltanschauung, die alles Sein aus einem Prinzip erklären will und ihm alles unterordnet. Im weiteren Sinne: Jede Welt-Anschauung, welche die Phänomene in einen vom Verstand erzeugten weltbildlichen Rahmen stellt.
- Immanenz:
- (lat. immanere: enthalten). Die Behauptung der aufklärerischen Metaphysik, das Geistige stecke im Materiellen und regiere es; so zum Beispiel pantheistische Vorstellungen von Spinoza oder Goethe.
- Intellektualismus
- (lat. intellegere: erkennen) Der Glaube, aus Vernunftsschlüssen allein ohne empirische Tatsachenerforschung allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten a priori (Apriori) erschließen zu können.
- Kausalnexus
- (lat. causa: Ursache, nexus: Verbindung) Die Verknüpfung einer Wirkung mit einer Ursache: Der Schluß, die Wirkung müsse eine Ursache haben.
- Metaphysik
- (griech. μετά: dahinter; φύσις: körperliche Natur) Oberbegriff für Lehren, die aus einer transzendenten Seinsordnung (Transzendenz) wie einer göttlichen oder aus immanenten Seinsprinzipien (Immanenz) wie „die Natur“ die Forderung ableiten, der Mensch solle diesen Ordnungsprinzipien gehorchen.
- Monismus
- (griech.: μόνος: einzig) Das monistische Weltbild kennt im Gegensatz zum Dualismus nur ein Diesseits.
- Naturrecht:
- Eine Metaphysik, die aus einer behaupteten immannten Seinsordnung (der menschlichen Natur) die Forderung ableitet, alle Menschen sollten den rational erschlossenen Prinzipien dieser Natur gehorchen.
- Nihilismus
- (lat. nihil: nichts) Gegensatz zum Idealismus: Die These, alle Werte seien nichts als Vorstellungen des Denkens.
- Nominalismus:
- (lat.: nomen = Name). Ontologische These, nach der nur die mit einem Eigennamen bezeichenbaren Einzeldinge real sind. Die bloßen Sammelnamen („Hunde“) sind weniger real, Begriffe wie „die Bläue“ oder „die Güte“ gar nicht. Im mittelalterlichen Universalienstreit Gegenthese zum Ideenrealismus.
- Normativismus
- (lat. norma: Richtschnur, Regel) Die These, der Kosmos oder das menschliche Handeln sei von einer Seinsordnung erfüllt und gehorche deren Normen. Der Normativismus behauptet ein objektives Sollen unabhängig von einer befehlenden Person. Gegensatz von Dezisionismus; Oberbegriff über theologische und metaphysische Weltbilder im weitesten Sinne.
- Ontologie (ontologisch):
- Erkenntnistheorie, Lehre vom Seienden. Sie fragt danach, ob die Vorstellungen und Wahrnehmungen des Menschen wirklich oder bloße Einbildung sind.
- Pluralismus:
- (lat. plural, Mehrzahl). Die Wertschätzung des Vielfältigen gegenüber dem Einheitlichen.
- Positivismus (positivieren):
- Die Behauptung: Es existiere real nur das von Menschen gesetzte („positive“) Recht.
- Postulat (postulieren):
- unüberprüft Vorausgesetztes; Unüberprüfbares voraussetzen (Axiom).
- Prima causa
- (lat. erste Ursache). Die angebliche erste Ursache aller spätere, die ihrerseits keine Ursache mehr haben soll.
- Rationalismus (rationalistisch)
- (lat. ratio, Berechnung, Erwägung, Vernunft) Der Begriff wird landläufig mit Intellektualismus gleichgesetzt. Tatsächlich bedeutet er: Anwendung der Vernunft (lat.: ratio). Anders als der reine Intellektualismus legten die meisten historischen Rationalismen aber ihren Lehren gewisse normative Prinzipien stillschweigend zugrunde. Rationalistisch war die tief gläubige Scholastik, die Gott mit Vernunftsschlüssen beweisen wollte, rationalistisch war die Hauptströmung der Aufklärung, der ein bestimmtes, angeblich in der Natur wurzelndes normatives Menschenbild zugrunde lag, u.a.
- Realismus:
- Die Auffassung, der Mensch solle sein Handeln nur an wirklich Vorhandenem ausrichten. Gegensatz: Idealismus.
- Relativismus:
- Die These, alle Werte entstünden durch menschliches Vergleichen zweier Güter. Dabei wird das eine relativ höher bewertet als das andere. Darum seien Werte immer relativ und niemals absolut.
- reservatio mentalis
- (lat.): innerer geheimer Vorbehalt des Gegenteils eines äußerlichen Verhaltens; historisch zum Beispiel beim Glaubensbekenntnis eines Zwangsgetauften.
- Scholastik
- (lat. schola: Schule): Mittelalterliche Philosophie, die mittels rationaler Ableitungen die Existenz Gottes beweisen wollte.
- Teleologie (teleologisch)
- (griechisch τέλος: Zweck); die Vorstellung, ein Geschehensablauf sei zweckgerichtet.
- Teleonomie:
- Eignung einer Eigenschaft zur biologischen Arterhaltung. Im Gegensatz zur philosophischen Teleologie wohnt dem rein kausal aufzufassenden Begriff kein finales Element inne.
- Transzendenz:
- (lat.: transcendere, überschreiten). Die Behauptung der theologischen Metaphysik, außer dem Diesseits gebe es ein transzendentes Jenseits. Von dort stammt alles Geistige, von hier alles Materielle.
- Universalismus:
- Die Behauptung, ein Gesetzmäßigkeit gelte aus sich selbst heraus allumfassend.
- Voluntarismus:
- (lat. voluntas, freier Wille) Gefühlsmäßige Neigung, den eigenen Willen zu betonen. Wertschätzung des freien Willens.