Wirklichkeit als AusgangspunktPhilosophie beginnt mit der Frage, was wirklich ist. Sie darf ihre Antworten nicht unabhängig von dem geben, was Naturwissenschaften, Geschichtswissenschaft und empirische Beobachtung über die Welt zeigen. Erst wenn geklärt ist, was ist und wie es geworden ist, beginnt die philosophische Arbeit an den Folgerungen. Jede Überzeugung hat eine psychische und biographische Entstehungsgeschichte. Daraus folgt aber nichts über ihre Wahrheit. Ob eine Aussage über die Wirklichkeit trägt, entscheidet nicht das Bedürfnis, aus dem sie entstanden ist, sondern ihre Bewährung an der Wirklichkeit. Die Wirklichkeit erscheint dabei nicht als Ansammlung unveränderlicher Substanzen. Die Dinge, die wir wahrnehmen, sind in der Zeit stabilisierte Formen innerhalb fortlaufender Prozesse. Ihre Bestandteile wirken aufeinander ein, organisieren sich und können zusammen etwas hervorbringen, das keines der Einzelteile für sich besitzt. Dieses Auftreten neuer Systemeigenschaften bezeichnen wir als Emergenz. Sie ist keine geheimnisvolle Kraft und keine metaphysische Wesenheit, sondern ein in Natur und Gesellschaft beobachtbarer Vorgang. Aus Wechselwirkungen entstehen neue Ordnungen und Formen. Diese können bestehen, sich verändern und wieder zerfallen. Damit stellt sich auch die Frage nach der Wirklichkeit geistiger und sozialer Gebilde. Keine einzelne Nervenzelle denkt, aber das organisierte Gehirn besitzt diese Fähigkeit. Ebenso bestehen Familien, Kulturen, Völker, Nationen oder Staaten aus einzelnen Menschen und sind doch nicht mit einer bloßen Aufzählung ihrer Mitglieder beschrieben. Sie können als organisierte Ganzheiten eigene Systemeigenschaften entwickeln. Von hier führen die Fragen weiter zum Menschen selbst: Was ist Bewußtsein? Was bedeutet Freiheit in einer kausal strukturierten Welt? Wie entstehen moralische Normen, wer setzt sie, und wodurch werden sie sozial wirksam, wenn es keine metaphysische Instanz gibt, die sie uns vorschreibt? Und wie können Menschen Ordnungen bewahren, wenn deren Erhaltung nicht durch irgendein Gesetz der Geschichte garantiert wird? Hier verbinden sich Rechtsphilosophie, Ontologie, Emergenztheorie und Sozialphilosophie zu einem gemeinsamen Problemzusammenhang. |
Meine Position in Kürze
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1. Wirklichkeit und OntologieWas bedeutet es, von etwas zu sagen, es sei wirklich? An die Stelle einer statischen Substanzontologie tritt die Betrachtung von Prozessen, Beziehungen und zeitweilig stabilisierten Formen. Von besonderem Interesse ist die Frage, wie aus ungeordneter Dynamik durch Selbstorganisation neue Ordnung entstehen kann. |
2. Emergenz und GestaltEin komplexes Ganzes kann Eigenschaften entwickeln, die seine Bestandteile einzeln nicht besitzen. Wasser verhält sich anders als einzelne H2O-Moleküle, ein Gehirn anders als eine einzelne Nervenzelle. Dasselbe Organisationsprinzip läßt sich auch bei Kultur und sozialen Entitäten untersuchen. |
3. Mensch und BewußtseinDer Mensch steht nicht außerhalb der Natur. Bewußtsein, Ich-Erleben, Denken und Wille sind im Laufe der Evolution entstandene Fähigkeiten komplex organisierter Lebewesen. Eine Erklärung ihrer materiellen Voraussetzungen ist aber nicht dasselbe wie ihre Reduktion auf einzelne neuronale Vorgänge. Ob Denken notwendig an ein biologisches Substrat gebunden ist, ist damit nicht entschieden. Entscheidend ist zunächst, welche Fähigkeiten ein komplex organisiertes System tatsächlich besitzt; die Bezeichnung „simuliertes Denken“ darf einen behaupteten kategorialen Unterschied nicht schon sprachlich voraussetzen. |
4. Moral ohne MetaphysikWenn keine jenseitige Instanz moralische Gebote erläßt, stellt sich die Frage nach Normen neu. Ein Sein erzeugt logisch kein Sollen. Menschen bewerten, setzen Normen und vertreten Interessen. Moralphilosophie muß deshalb auch untersuchen, wer bewertet, wer fordert und wer die Macht besitzt, Normen durchzusetzen. Auch positives Recht bedarf keiner metaphysischen Begründung, um als gesetzte Norm verbindlich zu sein. |
5. Soziale WirklichkeitGemeinschaften, Völker, Nationen und Staaten sind weder unveränderliche Substanzen noch bloße Wörter. Sie können als emergierte soziale Gestalten entstehen, solange Beziehungen und Strukturen bestehen, die das Ganze zusammenhalten und ihm eigene Eigenschaften verleihen. |
6. Freiheit und EntscheidungFreiheit ist für mich keine geheimnisvolle metaphysische Substanz. Sie bezeichnet einen Grad von Autonomie und die Möglichkeit, sich gegen Fremdbestimmung eigene Zwecke, Wertungen und Entscheidungen zu bewahren. Persönliche Freiheit und gemeinsam organisierte Freiheit können sich dabei gegenseitig verstärken. |
Mein gegenwärtiges philosophisches Hauptwerk beginnt nicht bei der Nation, sondern bei einer allgemeineren ontologischen Frage: Wie entsteht überhaupt Ordnung? Ausgehend von Chaos, Zeit, Information und Selbstorganisation untersuche ich Emergenz als einen Vorgang, durch den komplexe Systeme neue Eigenschaften entwickeln.
Der Gedankengang führt von Physik und Biologie über Bewußtsein und Person zur Kultur und schließlich zu sozialen Entitäten wie Volk, Nation und Staat. Eine Gestalt ist dabei keine unveränderliche Substanz, sondern eine in der Zeit stabilisierte Organisationsstruktur. Sie kann emergieren, ihre Identität bewahren, sich verändern und wieder zerfallen.
Die Beschreibung bleibt zunächst wertfrei. Daß eine kulturelle Form entstanden ist, begründet noch kein moralisches Gebot, sie zu erhalten. Ob wir sie bewahren wollen, bleibt eine autonome Entscheidung.
Dieses Buch fragt zunächst nicht danach, was ein politisch Rechter denkt, sondern wie sein Denken strukturiert ist. Es untersucht rationales, skeptisches, naturwissenschaftliches, realistisches, auf Entscheidungen bezogenes, geschichtliches und vergleichendes Denken als miteinander zusammenhängende Denkweisen.
Dabei sind drei Ebenen zu unterscheiden: die strukturellen Voraussetzungen des Denkens, daraus häufig hervorgehende typische Denkinhalte und konkrete politische Standpunkte. Nur die erste Ebene bildet den Gegenstand der eigentlichen Strukturtheorie. Typische Inhalte folgen nicht logisch zwingend daraus, und konkrete politische Forderungen entstehen erst in geschichtlichen Interessenkonflikten.
Ein Weltbild ist dabei nicht nur eine Sammlung einzelner Überzeugungen. Seine Grundannahmen müssen systematisch zusammenpassen und sich möglichst gegenseitig stützen, so daß Änderungen an einer tragenden Position Folgerungen für andere nach sich ziehen. Diese innere Kohärenz bleibt zugleich an der empirischen Wirklichkeit zu prüfen.
Von dort führt die Untersuchung zu den emotionalen Grundlagen von Weltbildern, zu Autonomie und Solidarität, Kultur und Identität, Macht und Moral. Ein Schwerpunkt liegt auf der Metaphysikkritik: Wenn es keine objektiv vorgegebenen Werte und Normen gibt, wird der Mensch nicht wertlos, sondern frei zur eigenen Wertsetzung.
Damit bildet das Buch eine Verbindung zwischen meinen früheren Überlegungen in Mut zur Freiheit und der späteren Ontologie von Gestalt und Verfall: Empirie und Skepsis stehen am Anfang; politische und normative Entscheidungen folgen erst danach.
Das Buch untersucht über die politische Liberalismuskritik hinaus das Verhältnis von Individuum und sozialem Ganzen. Gegen den methodologischen und ontologischen Individualismus entwickelt es den Gedanken, daß soziale Gebilde eigene Systemeigenschaften besitzen, die nicht auf ihre einzelnen Mitglieder reduziert werden können. Damit treten bereits sozialontologische und emergentistische Überlegungen hervor, die später in Das rechte Weltbild und insbesondere in Gestalt und Verfall der deutschen Nation systematisch weitergeführt werden.
Zugleich fragt das Buch nach dem Verhältnis von liberaler Ideologie, moderner Produktionsweise und Massengesellschaft. Gesellschaftlicher Wandel wird nicht monokausal aus Ideen erklärt: Veränderte Lebensbedingungen erzeugen neue Funktionsanforderungen, an die sich Ideologien anpassen und die sie ihrerseits stabilisieren können. Damit verbindet das Buch Ideologiekritik mit Sozialontologie und politischer Philosophie.
Bereits in Mut zur Freiheit stehen Fragen im Mittelpunkt, die meine späteren Arbeiten weiterbeschäftigt haben: Willensfreiheit und Determinismus, Norm und Entscheidung, Naturrecht und Wertsetzung, Ordnung und Chaos sowie die Möglichkeit eines naturwissenschaftlich begründeten Weltbildes ohne metaphysische Letztbegründung.
Der Ausgang aus vorgegebenen Glaubens- und Wertsystemen soll nicht in einen resignativen Nihilismus führen. Er eröffnet vielmehr den Raum eigener Entscheidung. Freiheit verlangt den Mut, Verantwortung für die eigenen Wertungen und Entscheidungen selbst zu übernehmen.
Die Untersuchung des deutschen Parteiensystems gehört vor allem zur politischen Philosophie und Staatslehre. Sie fragt nach dem Verhältnis von institutioneller Form und tatsächlicher Macht: Wer bestimmt die Regeln, nach denen politische Herrschaft ausgeübt wird, und wie weit entspricht die wirkliche Machtverteilung noch dem verfassungsrechtlichen Modell?
Das Buch steht damit am Anfang einer Fragelinie, die später immer wiederkehrt: Institutionen und Begriffe dürfen nicht danach beurteilt werden, was sie sein sollen, sondern danach, wie sie tatsächlich funktionieren.
Der Blog enthält zahlreiche Texte zu politischen, historischen und philosophischen Fragen. Die folgende Auswahl führt zu Aufsätzen, die für mein philosophisches Denken besonders kennzeichnend sind.
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Philosophie ist für mich kein abgeschlossenes Lehrgebäude. Neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse, historische Beobachtungen und gesellschaftliche Entwicklungen können dazu zwingen, Begriffe neu zu prüfen und bisherige Auffassungen zu verändern. Im Blog schreibe ich fortlaufend über solche Fragen.