Forschungsgruppe Kreis Ohlau

Forschungsgruppe Kreis Ohlau, Schlesien, der Arbeitsgemeinschaft ostdeutscher Familienforscher
Klaus Kunze, Stegwiese 35, 51067 Köln

Göllnerhain (= Goy)    

Grundherrschaft:

1250,1295 Gallici oder Walch; 1620: Goy ist herzogliches Kammergut; 1783: „Goy, gehöret zum Domainenamte Olau“; 1819: Domainen-Amt Ohlau; 1830: Königlich (Rent-Amt Ohlau); „Besitzer des ehemaligen Amts-Vorwerks ist Johann Gottl. Winkler“; 1845: Königliches Rent-Amt, sonst Domainen-Amt Ohlau.

Namen: Göllnerhain, bis 10.1.1937 Goy, 1298, 1358 Gayo (villa)
Polnisch: nach 1945: Gaj Olawski
Ortsgründung: 1295, zum Teil mit wallonischen Siedlern
Dorfform: Angerdorf
Amtsbezirk: Marschwitz
Standesamtsbezirk: Göllnerhain
evangelische Kirche: Göllnerhain
katholische Kirche: Ohlau
Entfernung von Ohlau: 4,5 km
Eisenbahnstation: Giesdorf (seit 1910)
Koordinaten (Granitpfeiler): 50° 55’ 26,1127’’ N; 17° 14’ 28,7553’’ Ö
dgl. (Kirchturmkreuz): 50° 55’ 38,3460’’ N; 17° 14’ 50,8183’’ Ö
Höhe über Meeresspiegel: Trigon. Punkt: Pfeiler 169,47 m; Platte 167,67 m
dgl. (Kirchturmkreuz): 172,32 m (untere Dachkante)

 

1295:
30 Hufen, davon 4 Hufen Scholtisei.
1604:
24 1/3 Hufen, davon 3 Hufen Vorwerk.
1723:
1 Scholtisei, 11 Bauern, 18 Dreschgärtner und Häusler.
1783:
1 Vorwerk, 1 evangelische Kirche [erbaut 1523, abgerissen 1826], 1 Schule, 11 Bauern- und 19 andere Stellen, 169 Einwohner. „Die Sprache ist polnisch und deutsch, die Religion aber evangelisch“.
1819:
1 lutherische Filialkirche, 1 Kretscham, 1 Freischoltisei, 11 Bauergüter, 6 Freigärtner-, 8 Dreschgärtner- und 4 Freihäuslerstellen, 1 Schmiedewohnung, 16 sonstige Feuerstellen (Haushalte); 251 Einwohner (123 männlich, 128 weiblich; 216 Lutheraner, 35 Katholiken).
1830:
51 Häuser, 1 Freischoltisei, 1 herrschaftliches Vorwerk, 275 Einwohner (kath. 42), 1 evangelische Schwester-Kirche von Rosenhain, 1 evangelische Schule, 1 Lehrer, katholische Kirche zu Ohlau. „An die Stelle der 1503 oder 1523 erbauten u. schon sehr baufällig gewordenen Kirche, hat der, 1759 den 19. März, hier geborne Breslauische Tuch-Kaufmann, Joh. Gottlieb Göllner, seit dem Mai 1826, unfern davon, auf eigene Kosten eine neue aufführen und ausstatten lassen.
1845:
1 herrschaftliches Vorwerk, ehemaliges Domainen-Amts-Vorwerk, 1 evangelische Parochialkirche [Neubau von 1827, gestiftet durch Johann Gottlieb Göllner], 1 evangelische Schule, 1 Freischoltisei, 1 Wirtshaus; 47 Häuser, 305 Einwohner (65 katholisch); 3 Handwerker; 1010 Schafe, 186 Rinder, bedeutender Tabakbau und Bienenzucht.
1871:
54 Wohngebäude, 105 Haushaltungen, 458 Einwohner (davon 201 ortsgebürtig; 223 männlich, 235 weiblich; 363 evangelisch, 95 katholisch).
1885:
Flächeninhalt 597 ha, davon Ackerland 566 ha, Wiesen 7 ha, Holzungen 1 ha; Grundsteuer-Reinertrag vom Ackerland 32,00 Mark/ha, von Wiesen 11,75 Mark/ha, von Holzungen 14,10 Mark/ha. 1 Wohnplatz mit 52 Wohngebäuden, 91 Haushaltungen und 361 Einwohnern (davon 172 männlich, 189 weiblich; 309 Evangelische, 52 Katholiken).
1895:
47 Wohnhäuser, 92 Haushaltungen, 349 Einwohner (davon 163 männlich, 186 weiblich; 294 evangelisch, 55 katholisch).
1905:
50 Wohnhäuser, 81 Haushaltungen, 358 Einwohner (Muttersprache: deutsch 346, polnisch 12); Gemarkungsfläche 598,0 ha; Grundsteuer-Reinertrag 32,69 Mark/ha.
1925:
54 Wohnhäuser, 76 Haushaltungen, 355 Einwohner (davon 155 männlich, 200 weiblich; 295 evangelisch, 50 katholisch); Flächengröße 1931: 598,9 ha, Grundsteuer-Reinertrag 32,66 RM/ha.
1935:
335 Einwohner.
1939:
69 Haushaltungen, 272 Einwohner.

Bauergutsbesitzer 1894:

Erbscholtisei Nr. 1: Siegfried von Eicke und Polwitz; Freigut Nr. 12 und 52: Emilie Jawiersch; Gut Nr. 8: Carl Kursawe.

Im Einwohnerbuch 1935 genannte Haushaltungsvorstände (Anzahl):

Barz, Bedürftig, Bienas (3), Blavid, Blümchen, Böhm, Boesler, Bräuer, Bürger, Dombek, Emrich (4), Engler, Fiedel, Fischer, Flöter, Geflitter (2), Gieschler (2), Glatz (3), Griebsch (3), Gruß (3), Hahn, Hanke (2), Hansel, Hildebrandt, Hoffmann, Holz, Jawiersch (2), Jochmann, Kache, Kirchner, Kiuntke (2), Klose, Krawie, Kügler, Lämmchen (3), Landskron (3), Langner, Liefold, Mangliers, Melz (2), Metzner, Münch, Nutsch, Oder (3), Parche (2), Raabe (2), Scheffler, Schneider, Schölzel (2), Utikal (2), Wegmann, Wenzel, Wiehle, Zimmer.

Bauergutsbesitzer 1937:

Erbhof: Max Jawiersch; Güter ohne Nr.: Agnes Schölzel; Eduard Bürger; Martin Engler.

Literatur:

Die combin[irten] Parochieen Rosenhain u[nd] Goy; in: F. G. Eduard Anders, Statistik der Evangelischen Kirche in Schlesien, Glogau 1848, S. 227-228.

Karl Daniel Mueller, Rede bei der E[inweihung] der von dem Kaufmann Joh. Gottl. Göllner zu Breslau an seinem Geburtsorte Goy im Ohlau[er] Kreise neu erbauten evangelischen Kirche; geh[alten] am 3. Nov[ember] 1827, Breslau 1827.

z., Vom Goyer Berg waren fünf Städte zu sehen; Heimatblatt Strehlen/Ohlau 9/1965, S. 3.

Erich Quester, Der Kreis Ohlau in Urkunden der Jahre 1331 – 1398; [Artikelreihe in:] Heimatblatt Strehlen/Ohlau 11/1965-8/1966; Goy (später Göllnerhain) 1/1966, S. 5.

Karl Buschbeck, Die evangelischen Kirchen und Gemeinden im Ohlauer Land, Ulm 1968, S. 19.

Schlesische Bockwindmühle [von Göllnerhain] originalgetreu nachgebaut; Heimatblatt Strehlen/Ohlau 11/1982, S. 9.

Georg Lorenz, Vom Goyer Berg waren fünf Städte zu sehen; in: Gerhard Bock, Jahrbuch IV 1984/85 der Ohlauer Schülervereinigung, herausgegeben vom Vorstand, Velen 1985, S. 26-27.

F. v. Strampf, Goy; Heimatblatt Strehlen/Ohlau 11/1991, S. 20 f.

Heinz Quester, Predigergeschichte des Kirchenkreises Ohlau in Schlesien. In: Jahrbuch für Schlesische Kirchengeschichte, Band 76/77 (1997/98), S. 390.

Heinz Quester, Zur Geschichte der evangelischen Kirchengemeinden des Kirchenkreises Ohlau in Schlesien; in: Jahrbuch für Schlesische Kirchengeschichte, Band 82, Stuttgart 2003, S. 257-282. Darin: Göllnerhain S. 267-269.

Heinz Quester, Ortslexikon des Kreises Ohlau/Schlesien, Alfter 2007, S. 51 f.

Zur Orts- und Kirchengeschichte von Goy (s. Göllnerhain) von F. von Strampf im Heimatkalender für Stadt und Kreis Ohlau 1928, S. 94 ff.; in: Heinz Quester, Aus der Geschichte von Kreis und Stadt Ohlau in Schlesien, Alfter 2010 (Beiheft 3 zu Günther/Quester, Kreis und Stadt Ohlau in Schlesien von den Anfängen bis 1945, 3 Bände: 1982, 1988, 2003); hier S. 322-324.

Kirchenbücher:

Verfilmungen: 1826-1864 Film SLC 0887170.

Standesamtsregister:

1874-1882 Staatsarchiv Breslau (mit Lücken); 1898-1938 Standesamt Ohlau (mit Lücken).