Forschungsgruppe Kreis Ohlau

Forschungsgruppe Kreis Ohlau, Schlesien, der Arbeitsgemeinschaft ostdeutscher Familienforscher
Klaus Kunze, Stegwiese 35, 51067 Köln

Lorzendorf

Grundherrschaft:

1340: Heinrich von Lorenzendorf; 1395: Vinzenz Ingram; 1471: Hans Runge; 1505: dessen Tochter Magdalena Runge und ihr Ehemann Felix Sterz; 1526: Nikolaus von Sebottendorf; 1592: Sebastian und Valentin Sebottendorf; 1599: Wenzel Stosch; 1609: Gottfried Stosch; 1657: Friedrich von Sebottendorf; 1662: Carl Ferdinand von Clausnitz; 1668: von Prittwitz; 1765 von Tschepe; 1766 von Wentzky; 1783: „Lorzendorf, eigentlich Lorenzdorf, gehöret dem Herrn von Wenzki“; 1819: Georg Friedrich Ernst von Wensky; 1830: „Erben des Landes-Aeltesten v. Wentzky“; 1838, 1845: Dr. August Zemplin.

Namen: Lorzendorf , 1315 Wawrencycz, 1340 Lorenzendorf [nach dem Lokator Lorenz = Wawrenta]
Polnisch: Wawrzecice, zuvor Wawrzenczyce [jetzt zum Kreis Strehlen gehörig]
Ortsgründung: slawische Gründung; wohl vor 1350 zu deutschem Recht ausgesetzt
Dorfform: Angerdorf (Kurzform)
Amtsbezirk: 1905 Lorzendorf
Standesamtsbezirk: Kauern, 1885, 1905, 1912 Lorzendorf
evangelische Kirche: Gaulau
katholische Kirche: Brosewitz Kreis Strehlen
Entfernung von Ohlau: 18 km
Eisenbahnstation: Strehlen
Koordinaten (Lorzendorf): 50° 51’ 4,3648’’ N; 17° 8’ 48,2668’’ Ö
Höhe über Meeresspiegel: Trig. Punkt: Pfeiler 152,51 m, Platte 151,62 m

 

1743:
5 Bauernstellen.
1773:
5 Bauernstellen, davon 1 wüst, 8 Freileute, 10 Dreschgärtner.
1783:
1 Vorwerk, 1 Mühle, 6 Bauern- und 20 andere Stellen, 180 Einwohner, „welche evangelisch sind und deutsch reden“
1819:
1 Schloß, 1 Kretscham, 5 Bauergüter, 7 Freigärtner-, 9 Dreschgärtner- und 2 dienstbare Häuslerstellen, 1 Müllerhaus, 1 Schmiedewohnung, 11 sonstige Feuerstellen, insgesamt 38 Haushalte; 226 Einwohner (115 männlich, 111 weiblich; 178 Lutheraner, 48 Katholiken).
1830:
44 Häuser, 1 großes Schloß, 1 Vorwerk, 243 Einwohner (kath. 61), evangelische Kirche für das Dominium zu Großburg, für die Gemeinde zu Gaulau, 1 evangelische Schule (gestiftet 1803), 1 Lehrer, katholische Kirche zu Brosewitz.
1845:
1 großes herrschaftliches Schloß mit 1840 angelegtem Park, 1 Vorwerk, neu erbaut 1840/42, 1 herrschaftliche Brauerei und Brennerei, 1 Windmühle, 1 Kretscham, 1 evangelische Schule (von 1803), 1 Waisenhaus, 1 Strafgefängnis; 41 Häuser, 9 Handwerker; 233 Einwohner, 31 katholisch); 883 Merinoschafe; Raps- und Honigerzeugung.
1871:
Landgemeinde: 33 Wohngebäude, 49 Haushaltungen, 195 Einwohner (davon 98 ortsgebürtig; 89 männlich, 106 weiblich; 164 evangelisch, 31 katholisch); Gutsbezirk: 4 Wohngebäude, 14 Haushaltungen, 72 Einwohner (davon 32 ortsgebürtig; 36 männlich, 36 weiblich; 66 evangelisch, 6 katholisch).
1895:
Landgemeinde: 29 Wohnhäuser, 41 Haushaltungen, 168 Einwohner (davon 71 männlich, 97 weiblich; 160 evangelisch, 8 katholisch). Gutsbezirk: 5 Wohnhäuser, 19 Haushaltungen, 86 Einwohner (davon 36 männlich, 50 weiblich; 70 evangelisch, 16 katholisch).
1885:
Landgemeinde: Flächeninhalt 100 ha, davon Ackerland 92 ha; Grundsteuer-Reinertrag vom Ackerland 23,11 Mark/ha. 1 Wohnplatz mit 34 Wohngebäuden, 47 Haushaltungen und 186 Einwohnern (davon 81 männlich, 105 weiblich; 157 Evangelische, 29 Katholiken). – Gutsbezirk: Flächeninhalt 310 ha, davon Ackerland 276 ha, Wiesen 17 ha, Holzungen 4 ha; Grundsteuer-Reinertrag vom Ackerland 27,02 Mark/ha, von Wiesen 40,73 Mark/ha, von Holzungen 13,32 Mark/ha. 1 Wohnplatz mit 4 Wohngebäuden, 13 Haushaltungen und 69 Einwohnern (davon 30 männlich, 39 weiblich; 40 Evangelische, 29 Katholiken).
1905:
Landgemeinde: 28 Wohnhäuser, 44 Haushaltungen, 164 Einwohner (Muttersprache: deutsch 164); Gemarkungsfläche 143,1 ha; Grundsteuer-Reinertrag 22,56 Mark/ha. Gutsbezirk: 4 Wohnhäuser, 17 Haushaltungen, 91 Einwohner (Muttersprache: deutsch 81); Gemarkungsfläche 242,2 ha; Grundsteuer-Reinertrag 29,09 Mark/ha.
1925:
35 Wohnhäuser, 61 Haushaltungen, 281 Einwohner (davon 130 männlich, 151 weiblich; 225 evangelisch, 56 katholisch); Flächengröße 1931: 370.7 ha, Grundsteuer-Reinertrag 26,18 RM/ha.
1935:
236 Einwohner.
1939:
62 Haushaltungen, 234 Einwohner.

Rittergutsbesitzer 1894:

Fideikommiß: Elisabeth Freifrau von Seherr-Thoß geb. von Knappstädt.

Im Einwohnerbuch 1935 genannte Haushaltungsvorstände (Anzahl):

Adam, Bartscht, Bauer (2), Birke, Dasler, Frenzel, Gleisberg, Grundke, Hantke, Heidenreich, Helm, Hoffmann (4), Hradetzky, Jeltsch (3), Kaiser (4), Köhler, Laugwitz, Lebig, Morawe, Pfänder, Pfeiffer, Pohl (2), Rausch (2), Reisner, Rothacher, Schilling (2), Schneider (3), Scholz (2),Schreiber, Stein, Stewig (4), Strauß (2), Titze, Uebe, Wandel, Weinhold, Weiß (2), Werner (3), Wolfahrt.

Rittergutsbesitzer 1937:

Rittergut: Frau Maria Elisabeth Sabath geb. von Teichmann-Logischen.

Literatur:

Schloß Lorzendorf; in: Paul Neugebauer, Spaziergänge in und um Klein-Oels, 1924, S. 256 ff.

H. B., Ein verdienstvoller Lehrer [Alexander Dasler in Lorzendorf]; Heimatblatt Strehlen/Ohlau 3/1961, S. 22.

Erich Quester, Der Kreis Ohlau in Urkunden der Jahre 1331 – 1398; [Artikelreihe in:] Heimatblatt Strehlen/Ohlau 11/1965-8/1966; Lorzendorf 6/1966, S. 13.

Heinz Quester, Ortslexikon des Kreises Ohlau/Schlesien, Alfter 2007, S. 100 f.

Beiträge zur Vorgeschichte von Graduschwitz (sp. Grasau) und Lorzendorf, von Alexander Dasler im Heimatkalender für Stadt und Kreis Ohlau 1928, S 136 ff.; in: Heinz Quester, Aus der Geschichte von Kreis und Stadt Ohlau in Schlesien, Alfter 2010 (Beiheft 3 zu Günther/Quester, Kreis und Stadt Ohlau in Schlesien von den Anfängen bis 1945, 3 Bände: 1982, 1988, 2003); hier S. 340 f.

Standesamtsregister:

Der Standesamtsbezirk Lorzendorf (1885 bis 1912 erwähnt) ist später auf die Bezirke Kauern und Gusten aufgeteilt worden. Verfilmung: Sterbefälle 1874-1877 Film SLC 1191723.