Forschungsgruppe Kreis Ohlau

Forschungsgruppe Kreis Ohlau, Schlesien, der Arbeitsgemeinschaft ostdeutscher Familienforscher
Klaus Kunze, Stegwiese 35, 51067 Köln

Ohlau
  

Grundherrschaft:

bis 1149: Peter Wlast (Blasius); 1149-1206: Vinzenzstift Breslau; 1206: herzoglich; um 1400: Immediat (weitgehend selbständig, ohne Oberherrn); seit 1742 preußische (bis 1918 königlich-preußische) Kreisstadt (unterbrochen 1.10.1932-1.10.1933).

Residenzstadt:

1352-1358, 1441-1481, 1586-1595, 1654-1680 und 1697-1737.

Namen: Ohlau; 1149 Olova, 1201 Oleva, 1251 Olavia, 1332 Olow, 1570 Olaw
Polnisch: Olawa
Ortsgründung: 1144 Kirchort, vor 1234 (1218 ?) Marktort; herzogliche Gründung mit Neumarkter Recht,ab 1241 Magdeburger Recht; 1291 „civitas“
Amtsbezirk: Ohlau
Standesamtsbezirk: Ohlau
evangelische Kirche: Ohlau
katholische Kirche: Ohlau
Entfernung von Breslau: 25 km
Koordinaten (Ohlau I): 50° 58’ 35,1492’’ N; 17° 19’ 26,9821’’ Ö
dgl. (Ohlau II): 50° 55’ 14,4946’’ N; 17° 18’ 19,4048’’ Ö
dgl. (Rathausturm): 50° 56’ 38,7433’’ N; 17° 17’ 52,3376’’ Ö
dgl. (ev. Kirchturm): 50° 56’ 36,6732’’ N; 17° 17’ 46,9425’’ Ö
dgl. (kath. Kirchturm): 50° 56’ 46,4108’’ N; 17° 17’ 46,6216’’ Ö
dgl. (Baumgarten): 50° 55’ 44,7143’’ N; 17° 16’ 23,9599’’ Ö
Höhe üb. Meeresspiegel (I): Trig. Punkt: Pfeiler 127,07 m, Platte 126,18 m
dgl. (Ohlau II): Trig. Punkt: Pfeiler 139,415 m, Platte 138,517 m
dgl. (Rathausturm): Turmknopf 182,56 m
dgl. (ev. Kirchturm): „oberer Gallerierand“ 166,27 m
dgl. (kath. Kirchturm): „untere Dachkante“ 160,21 m
dgl. (Baumgarten): Trig. Punkt: Pfeiler 140,76 m, Platte 139,89 m
Eisenbahnstation: Ohlau (seit 1842)

 

1783:
1 königliches Amtshaus o. Schloß, 1 Landhaus für den jedesmaligen General, 1 Hauptwache, 1 Rathaus,1 evangelische Pfarrkirche, 1 polnische Kirche [1822 abgevrochen], 1 evangelische Schule, 1 katholische Schloßkapelle, 1 kleine katholische (Rochus-)kirche, 1 Hospital, 1 Klingelhaus, 1 „Tabacksfabricke“, 1 Stockhaus, 1 Schießhaus; 264 Bürgerhäuser („wovon 155 in der Stadt, 109 aber in der Vorstadt liegen“); Anzahl der Einwohner im Jahr 1618: 1500 Einw., 1670: 1540 Einw., 1750: 1802 Einw., 1780: 2006 Einw., 1782: 2031 Einw.; „Haupt-Nahrungszweige: Bierbrauerey, Tobacksbau und Spinnerey, Ackerbau (viel Cichorie statt des Koffees), Gewinn von Wiesen, Künste und Handwerke, Gewinnung der Seide und Wartung der Seidenwürmer, Handel“; 1 Apotheke, 1 Bader, 8 Bäcker, 2 Barbiere, 1 Bildhauer, 1 Brauer, 1 Büchsenmacher, 5 Büttner, 2 Corduaner, 9 Destillateurs, 1 Drechsler, 1 Färber, 13 Fischer, 19 Fleischer, 1 Gärtner, 3 Glaser, 1 Gürtler, 2 Handschuhmacher, 2 Hutmacher, 3 Korbmacher, 1 Kunstpfeifer, 1 Kupferschmied, 3 Kürschner, 13 Leinweber, 3 Maurer, 1 Mehlmüller, 1 Nadler, 2 Nagelschmiede, 1 Papiermüller, 2 Perückenmacher, 1 Pfefferküchler, 3 Posamentier, 8 Rade- und Stellmacher, 3 Riemer, 3 Rotgerber, 4 Sattler, 3 Schleifer, 2 Schlosser, 3 Schmiede, 12 Schneider, 1 Schornsteinfeger, 16 Schuster, 3 Seifensieder, 5 Seiler, 2 Steinschneider, 1 Stricker, 4 Tabakspinner, 5 Tischler, 3 Töpfer, 38 Tuchmacher, 1 Tuchwalker, 1 Uhrmacher, 2 Wachszieher, 1 Weißgerber, 1 Weingärtner, 1 Ziegelstreicher, 4 Zimmerleute sowie 10 Krämer.
1819:
1 lutherische Mutterkirche, 387 Feuerstellen (Haushalte); 3012 Einwohner (1364 männlich, 1648 weiblich; 2293 Lutheraner, 4 Reformierte, 683 Katholiken, 32 Juden). Hinzu kommt: Schloßbezirk mit 1 Schloß, 2 andere Feuerstellen; 67 Einwohner (27 männlich, 40 weiblich; 39 Lutheraner, 15 Katholiken, 13 Juden).
1830:
Königliche Kreisstadt; Stadtmauer fast abgetragen; Brieger Tor steht noch. 274 Wohnhäuser, 297 Ställe, Scheuern und Schuppen; 3650 Einwohner (kath. 792, jüd. 49), „in 395 bürgerlichen und 369 schutzverwandten Hausständen“. „Besatzung: „der Staab und die 1ste und 2te Eskadron vom 4ten schlesischen (braunen) Husaren-R[e]g[i]m[en]t. Civilbehörden: 1 königl Landräthliches-, 1 Kreis-Steuer-, 1 damit verbundenes Unter-Steuer-Amt des Haupt-Steuer-Amtes Oels, 1 Domainen-Rent-Amt im königl. sonst herzogl. […] erweiterten Schlosse.“ - 1 Post-Amt, 1 königl. Land- und Stadt-Gericht, Magistrat und Versammlung der Stadt-Verordneten im 1823 neu erbauten Rathaus „mit Stadtwaage , Rathskeller, Kaufgewölben, und an der Nordecke mit einem zwei Mal durchsichtigen 95 preuß. Ellen hohen Thurm, worauf eine künstliche Uhr“ von 1718.- 1 ev. Pfarrkirche „St. Blasius, gewiß schon 1245, evang. 1534, kath. 1699, zurückerstattet 1707, 1 Pastor, 2 Diakone, 2 ev. Pfarrhäuser, 1 kath. Curatialkirche, einst Schloßkapelle, 1 kath. Begräbniskirche (St. Rochus), 1 ev. Stadtschule mit 4 Lehrern und 1 Lehrerin, „1 Diakon ist Rector, das Schulhaus neu seit 1822, das Lehrer-Wohnhaus seit 1325“; 1 kath. Schule, 1 Lehrer; „1 Stadt-Hospital, mit Kranken-Anstalt für Dienstbothen und Gesellen“; 1 Stockhaus, 2 Spritzenhäuser, 1 königl. Wachthaus, 1 Reitbahn, 1 königliches Lazarett, 2 Zollhäuser, 1 Röhrmeister-Wohnhaus mit Wasserknst an der Ohlau, 1 Schießhaus, 1 Badehaus, 1 Apotheke, 1 Färberei, 1 königl. Brennerei, 1 Brauerei, 5 Essigsiedereien, 1 Stadt-Wassermehlmühle, 1 andere Wassermühle und 1 Papiermühle gehören zu Thiergarten, 2 Lohmühlen, 1 Kalkbrennerei, 2 Stadtziegeleien; 8 Gasthäuser, 12 Speise- und Schankwirte, 1 Wochenmarkt am Sonnabend; 4 Kram-, Roß- und Viehmärkte; 19 Kaufleute, 44 Tabakspinnereien, Tabakbau auf 750 Morgen.
1845:
1 königliches (sonst herzogliches, 1830 von der Stadt erkauftes) Schloß mit 7 Häusern, 1 Rathaus (von 1823), 7 weitere städtische Amtsgebäude,1 evangelische Pfarrkirche (St. Blasius), mit 2 Pfarrhäusern, 1 katholische Pfarrkirche (Ad St. Apostolos); 1 katholische Begräbniskirche (St. Rochus); 1 evangelische Stadtschule, 1 katholische Schule; ferner unter anderem: 1 Leichenhaus, 1 Stadthospital, 1 königliches Lazarett, 1 Stockhaus, 2 Spritzenhäuser, 1 königliches Wachthaus, 1 Reitbahn, 1 Schießhaus, 1 Apotheke, 1 Färberei, 1 Steindruckerei, 1 Stadtbrauerei, 1 Stadtbrennerei, 1 Privatbrauerei, 1 Privatbrennerei, 1 Essigsiederei, 1 Stadt-Wassermehlmühle, 1 Kalkbrennerei, 2 Stadtziegeleien, 10 Gasthäuser, 14 Speise- und Schankwirtschaften usw.; 290 Wohnhäuser, 4706 Einwohner (3369 evangelisch, 1196 katholisch, 141 jüdisch), nicht mitgezählte 609 Militärpersonen; 220 Handwerksmeister, darunter nur noch 1 Tuchmacher, 26 Kaufleute, 30 kleinere Händler, 32 Tabakspinnereien; bedeutender Tabakbau, geringerer Getreide- und Gartenbau; 309 Rinder, 218 Schweine und 190 Pferde.
1871:
9 Wohnplätze, 341 Wohngebäude, 213 Einzel- und 1497 Familien-Haushaltungen, 7488 Einwohner (davon 3459 ortsgebürtig, 3610 männlich, 3878 weiblich; 7461 Preußen, 27 Nicht-Preußen, 4829 Evangelische, 2447 Katholiken, 1 sonstiger Christ, 211 Juden), 1642 Kinder unter 10 Jahren. Auf die Nebenwohnplätze entfallende Wohngebäude und Einwohner: Bleiweißfabrik 1 und 12, Brett-Schneidemühle 1 und 1, Schießhauspark 1 und 6, städtische Ziegelei 1 und 13, Werthersche Ziegelei 1 und 16, Möbsche Ziegelei im Sterz 1 und 17, Knochenmühle „zum Watt“ 1 und 7, Waldwärterhaus im Sterz 1 und 4.
1885:
Flächeninhalt 1265 ha, davon Ackerland 740 ha, Wiesen 192 ha, Holzungen 146 ha; Grundsteuer-Reinertrag vom Ackerland 27,42 Mark/ha, von Wiesen 37,99 Mark/ha, von Holzungen 1136 Mark/ha. 10 Wohnplätze mit 483 Wohngebäuden, 1956 Haushaltungen und 8575 Einwohnern (davon 4158 männlich, 4417 weiblich; 5580 Evangelische, 2817 Katholiken, 4 sonstige Christen, 174 Juden); 432 aktive Militärpersonen. Auf die Nebenwohnplätze entfallende Wohngebäude und Einwohner: Bleiweißfabrik 3 und 27, Knochenmühle zum Watt 1 und 15, König’s Ziegelei im Sterz 1 und 3, Kronig’s Ziegelei im Sterz 2 und 26, Schießhauspark 1 und 5, Stadtmühle 2 und 17, Städtische Ziegelei 2 und 14, Waldwärterhaus im Sterz 1 und 2, Werther’sche Ziegelei 2 und 13.
1895:
Gesamt-Flächeninhalt 1266,4 ha; 7 Wohnplätze, 449 bewohnte Wohnhäuser, 22 andere bewohnte Baulichkeiten, 259 Einzel- und 1867 Familien-Haushaltungen sowie 16 Anstalten für gemeinsamen Aufenthalt, 9181 Einwohner (davon 4431 männlich, 4750 weiblich; 682 aktive Militärpersonen, 6095 Evangelische, 2961 Katholiken, 9 andere Christen, 116 Juden). Auf die Nebenwohnplätze entfallende Wohngebäude und Einwohner: Königs Ziegelei im Sterz 1 und 2, Kronigs Ziegelei im Sterz 1 und 18, Rottersche (= Werthersche) Ziegelei 1 und 36, Schießhauspark 1 und 8, städtische Ziegelei 1 und 13, Waldwärterhaus im Sterz 1 und 2.
1905:
Gesamt-Flächeninhalt 1266,5 ha; Grundsteuer-Reinertrag 25,35 Mark/ha; 7 Wohnplätze, 535 bewohnte Wohnhäuser, 14 andere bewohnte Baulichkeiten, 344 Einzel- und 1877 Familien-Haushaltungen, 9233 Einwohner (davon 4468 männlich, 4765 weiblich; 675 aktive Militärpersonen, 6166 Evangelische, 2991 Katholiken, 4 andere Christen, 72 Juden); Muttersprache: deutsch 9124, polnisch 73, eine andere Sprache 6, deutsch und eine andere Sprache 30. Auf die Nebenwohnplätze entfallende Wohngebäude und Einwohner: Abdeckerei 1 und 7, Kronigs Ziegelei im Sterz 2 und 7, Rottersche Ziegelei 2 und 14, Schießhaus 1 und 7, Städtische Ziegelei 1 und 10, Waldwärterhaus im Sterz 1 und 5.
1925:
13 Wohnplätze, 775 Wohnhäuser, 2987 Haushaltungen, 11412 Einwohner (davon 5498 männlich, 5914 weiblich; 7473 evangelisch, 3568 katholisch, 53 Juden, 92 Bekenntnislose. Flächengröße 1931: 2054,4 ha; Grundsteuer-Reinertrag 29,32 RM/ha.
1939:
Stadt Ohlau: 3810 Haushaltungen, 13136 Einwohner. –
[Landkreis Ohlau: 559,75 km², 14744 Haushaltungen, 53187 Einwohner (männlich 26186, weiblich 27001, evangelisch 64,7 %, katholisch 34,3 %; tätig in Land- und Forstwirtschaft 18821, in Industrie und Handwerk 16016, in Handel und Verkehr 6550); 87 Gemeinden, 183 Wohnplätze, 76 öffentliche Volksschulen.]

Die häufigsten Familiennamen (6 und mehr im Einwohnerbuch 1935):

Adler (7), Anders (10), Arlt (6), Bartsch (13), Barwisch (13), Berger (15), Bernock (6), Bittner (6), Böhm (10), Brade (9), Brockel (9), Dittrich (7), Dziallas (21), Fabian (7), Fechner (6), Fiebig (7), Fischer (10), Förster (8), Frost (26), Fuchs (9), Gerlach (8), Glatz (18), Goy (6), Grieger (10), Großer (6), Hahn (7), Hanke (14), Hartmann (9), Haschke (6), Hentschel (10), Herbst (6), Herrmann (17), Hildebrandt (6), Hoffmann (24), Janus (8), Karbstein (6), Kinast (7), Klipsch (11), Klose (29), Knispel (6), König (13), Kraske (6), Krause (17), Krecker (10), Kretschmer (13), Lampert (6), Landskron (9), Langer (6), Langner (16), Laske (12), Loch (11), Lux (7), Melzer (6), Menzel (6), Mond (7), Müller (33), Neugebauer (6), Neumann (16), Nitschke (6), Nowak (7), Nutsch (8), Oguntke (6), Otto (9), Paul (6), Plattner (7), Pohl (20), Pruß (7), Pusch (12), Reichelt (8), Riedel (10), Richling (9), Rogoll (15), Rother (8), Ruhm (9), Sambale (12), Sperlich (10), Schaar (7), Schindler (14), Schmidt (39), Schneider (38), Scholz (56), Schölzel (8), Schröter (7), Schubert (8), Seidel (8), Simon (6), Thomas (9), Titze (7), Trippner (7), Tschechne (6), Unger (9), Wagner (9), Weiß (12), Wensky (8), Wenzel (14), Wiesner (6), Winkler (13), Woischke (7), Wuttke (9).

Gutsbesitzer 1937:

Freigut Annahof: Frau Else von Köller geb. Latzel; Gut mit Kretscham (Erbhof): Friedrich Damzog; Gut Lindenstraße 1: Otto Feder; Gut Lindenstraße 7: Alfred Klante; Gut Lindenstraße 12: Ernst Lustig; Gut Lindenstraße 15 (Erbhof): Albert Post; Gut Lindenstraße 19: Friedrich Dindaß; Gut Lindenstraße 20: Selms Uttikal; Gut Lindenstraße 22: Ferdinand Teutscher.

Literatur:

[siehe unter LITERATUR sowie HEIMATBLATT 1954 ff. und HEIMATBLATT 1990 ff.]

Kirchenbücher:

Kirche St. Blasius und Speratus: Verfilmt: Taufen 1584-1661, Trauungen und Begräbnisse 1591-1661 Film SLC 1551844; Taufen 1670-1694, von 1700 bis Dez. 1707 katholisch, Dez. 1707 bis 1711 evgl.; Film SLC 1551845.

Polnische Evangelische Kirche (bis 1818): Verfilmt: Taufen 1630-1680 Film 1SLC 551844.

Kirche St. Peter und Paul: Verfilmt: Taufen 1685-1900, Trauungen 1686-1900, Begräbnisse 1685-1900, Filme SLC 1551845 bis SLC 1551852.

Kirche St. Michael (1877 für Altlutheraner errichtet): Kirchenbücher: nicht bekannt.

Standesamtsregister:

Standesamt I Berlin: Geburten 1874-1945, Heiraten und Sterbefälle 1877-1945 jeweils mit Lücken. – Staatsarchiv Breslau: 1874-1882. – Standesamt Ohlau: Geburten, Heiraten und Sterbefälle 1898-1943. - Verfilmungen: 1874-1876 Film SLC 1191725; 1874-1877 Film SLC 1191726; S 1876-1877 Film SLC 1191727.