Forschungsgruppe Kreis Ohlau

Forschungsgruppe Kreis Ohlau, Schlesien, der Arbeitsgemeinschaft ostdeutscher Familienforscher
Klaus Kunze, Stegwiese 35, 51067 Köln


Runzen

Grundherrschaft:

1201: Vinzenzstift Breslau; 1232: Ritter Gnevomir von Chomatovo; 1315: Johann von Zezeborowicz; 1360: Jarakschius von Pogarell; 1469: Heinrich von Pogarell; 1675: Herzog; 1783: „Runzen, gehöret zum Amte Olau“; 1819: Domainen-Amt Ohlau; 1830: Königliches Rent-Amt Ohlau; 1845: „Königliches Rent-Amt Ohlau; zinst Naturalien dem Stiftsamt Brieg“.

Namen: Runzen, 1201 Comasovo, 1232 Chomatovo, 1315 Chomotow, um 1320 Runczunt, 1352 Ruenczin, 1359 Ruwinczun, 1360 Rowwinczown, 1361 Ruwinzin ; 1830 auch Runczow
Polnisch: nach 1945: Skrzypnik
Ortsgründung: slawische Siedlung, an deren Nordwestzipfel das im Dreißigjährigen Krieg untergegangene Vorwerksdorf Lämmerwitz (1323 Lemberczichowicz, 1364 Lamparthowicz, 1593 Lampersdorf) lag
Dorfform: Angerdorf
Amtsbezirk: Gusten
Standesamtsbezirk: Gusten
evangelische Kirche: Wüstebriese
katholische Kirche: Thomaskirch
Entfernung von Ohlau: 11 km
Eisenbahnstation: Polwitz
Koordinaten (Runzen): 50° 53’ 41,0009’’ N; 17° 11’ 0,8593’’ Ö
Höhe über Meeresspiegel: Trig. Punkt: Pfeiler 147,19 m, Platte 146,30 m

 

1359:
Scholtisei (4 Hufen)
1360:
18 Hufen.
1604:
29 Hufen, davon 11 Freihufen; 24 Bauern.
1743:
20 Bauernstellen.
1783:
20 Bauern- und 23 andere Stellen, 390 Einwohner, „sind evangelisch und bauen etwas Röte“.
1819:
1 Freischoltisei, 1 Kretscham, 18 Bauergüter, 11 Freigärtner- und 2 Freihäuslerstellen, 1 Schmiedewohnung, 20 sonstige Feuerstellen, insgesamt 54 Haushalte; 292 Einwohner (142 männlich, 150 weiblich; 257 Lutheraner, 35 Katholiken).
1830:
59 Häuser, 1 Freischoltisei, 340 Einwohner (kath. 41), evangelische Kirche zu Wüstebriese, 1 Ziegelei.
1845:
1 Freischoltisei, 1 Windmühle, 1 Wirtshaus, 1 Armenhaus; 54 Häuser, 354 Einwohner (56 katholisch); 7 Handwerker, 1 Höcker [Höker], 679 Schafe, 155 Rinder, 118 Schweine; Feldziegelei; Flachsbau und Bienenzucht.
1871:
73 Wohngebäude, 99 Haushaltungen, 527 Einwohner (davon 317 ortsgebürtig; 250 männlich, 277 weiblich; 486 evangelisch, 41 katholisch). Auf den Nebenwohnplatz Windmühle entfallen 1 Wohngebäude und 3 Einwohner.
1885:
Flächeninhalt 838 ha, davon Ackerland 798 ha; Grundsteuer-Reinertrag vom Ackerland 30,55 Mark/ha. 2 Wohnplätze mit 79 Wohngebäuden, 107 Haushaltungen und 546 Einwohnern (davon 260 männlich, 286 weiblich; 508 Evangelische, 38 Katholiken). Auf den Nebenwohnplatz Windmühle entfallen 1 Wohngebäude und 3 Einwohner.
1895:
72 Wohnhäuser, 106 Haushaltungen, 560 Einwohner (davon 265 männlich, 295 weiblich; 545 evangelisch, 15 katholisch). Auf den Nebenwohnplatz Windmühle entfallen 1 Wohnhaus und 6 Einwohner.
1905:
76 Wohnhäuser, 101 Haushaltungen, 523 Einwohner (Muttersprache: deutsch 523); Gemarkungsfläche 838,5 ha; Grundsteuer-Reinertrag 30,68 Mark/ha. Auf den Nebenwohnplatz Windmühle entfallen 1 Wohnhaus und 6 Einwohner.
1925:
2 Wohnplätze, 79 Wohnhäuser, 107 Haushaltungen, 497 Einwohner (davon 253 männlich, 244 weiblich; 464 evangelisch, 31 katholisch); Flächengröße 1931: 838,7 ha, Grundsteuer-Reinertrag 30,69 RM/ha.
1935:
443 Einwohner.
1939:
105 Haushaltungen, 420 Einwohner.

Bauergutsbesitzer 1894:

Erbscholtisei Nr. 1: Gustav Klee; Gut: Max Kunisch; Gut: Robert Klee.

Im Einwohnerbuch 1935 genannte Haushaltungsvorstände (Anzahl):

Benke, Böhm , Budek, Dampke, Diebitz, Dittrich, Eistert, Fabian, Fischer, Freitag, Frost, Gebauer, Gleiß, Goy, Groch, Großer, Grundtke, Gruß, Grzyl, Hanke (3), Hein (2), Hellmich (2), Hieronymus (2), Hiller, Hoche, Hoffmann (2), Hubrich (2), Hunger (3), Illner, Jobke, Kache, Kador, Kaps, Karpe, Kaudel, Keil, Kern, Kille (3), Kirchner, Klee (2), Klose (5), Kluge, Korneck, Kornek, Kretschmer, Künisch, Kunze (2), Kutsche, Lämmchen, Langer, Langner (2), Linke, Lorenz, Maier, Mehlhase, Münch, Nicolai (2), Nitschke, Pajunke, Pantke, Patzulla, Pflaume, Pogarell, Pokade, Reichert, Sambale (5), Sarne (2), Schlossareck, Schmidtchen, Schmoy, Schnelle, Schnoy, Scholz (6), Schönbrunn (2), Schuster, Siegemund, Simon, Springer, Sternagel, Stozedulla, Strahler, Thiel, Wallor, Welz (2), Werner (3), Winkler(2), Wittau, Wuttke.

Bauergutsbesitzer 1937:

Erbscholtisei Nr. 1 und Gut Nr. 6 (Erbhof): Alfred Klee (Familienbesitz seit 1810); Erbhof: August Illner (Familienbesitz seit dem 17. Jahrhundert; Gut Nr. 2: Gotthard Simon; Güter: Witwe Bertha Scholz geb. Simon; Georg Scholz; Oskar Kille.

Literatur:

Emil Opitz, Die Arten des Rustikalbesitzes und die Laudemien und Markgroschen in Schlesien, Breslau 1904; darin: Schulze 1360 mit 3 Lehnhufen S. 10; Laudemienfreiheit 1567-1719 S. 72; Freibesitz 1604 in Runzen S. 176; 1727 ebd. S. 264-266.

Runzen [im] Meßtischblatt Nr. 3018; in: Herbert Knothe, Beispiele schlesischer Dorfformen, Breslau 1938, Tafel XXII, Abbildung 47.

Erich Quester, Der Kreis Ohlau in Urkunden der Jahre 1331 – 1398; [Artikelreihe in:] Heimatblatt Strehlen/Ohlau 11/1965-8/1966; Runzen 7/1966, S. 5.

Herbert Kille, Erinnerungen an Runzen u[nd] Wüstebriese, Kr. Ohlau; Heimatblatt Strehlen/Ohlau 5/1978, S. 6 f.

Bernhard Kille, „Kille“ [Runzen]; Heimatbl. Strehlen/Ohlau 11/1999, S. 31; Ergänzung 7/2000, S. 22.

Bernhard Kille, Stammfolge Klee in den Kreisen Frankenstein und Ohlau (Schlesien) [hier: in Runzen]; in: Archiv ostdeutscher Familienforscher, 16. Band, Lieferung 11 (2/2006), S. 332-335.

Heinz Quester, Ortslexikon des Kreises Ohlau/Schlesien, Alfter 2007, S. 134 f.

Waldemar Kille, [Ortsplan von] Runzen und Wüstebriese; Heimatblatt Strehlen/Ohlau 9/2010, S. 32.