Heimatkundlicher
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1615

Der Hauptmann vom
Nienoverer Fähnlein
1627 Winkelstoffel -
Der Robin Hood
des Sollings
1629 Der verzweifelte Abt
1699 Johann Diegel und die Diegel'schen Erben
1705 Das Totenbuch des
Pfarrers
1707 Hüte dich,
Bodenfelde!
1754 Die Totenklage des
Christian Friedrich
Fuchs
1757 Das Scharmützel auf
blutiger Heide
1761 Von der ehrbaren
Jungfrau zur
wollüstigen Witwe
1768 Und leise kam der Tod
1816 Der Todesschuß
vor dem Traualtar
1832 Der musikalische
Pfarrer
1837 Mutter von Nationen -
eine Bodenfelderin in
Amerika
1856 Gegensätzliche
Brüder:
Großindustrieller,
Sozialrevolutionär, Tierarzt
1904 Jacob Freudenthals
Aufklärung
1918 Das namenlose Grauen
1947 Der todkranke General

 

 

 

Lebensbilder aus dem alten Weserbergland

von Klaus Kunze

Folge 18


1953: Der entenzüchtende Reichstagsabgeordnete

Hermann Schneider, der Vater

Auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn zog Hermann Schneider 1930 als Reichstagsabgeordneter der NSdAP für den Wahlbezirk Breslau in den Berliner Reichstag ein. Er starb vergessen in Bodenfelde am 19. Mai 1953. Das Kirchenbuch vermerkt zu ihm nur: Landwirt, Witwer, 81 Jahre, 3 Monate 20 Tage alt.

Er gehörte zur gleichfalls nach Bodenfelde geflüchteten Familie seines Sohnes Hans Hermann Schneider, der von 1935-1941 Kreisleiter der NSdAP im Kreis Oels in Schlesien gewesen war.

Hermann Schneider war am 29.1.1872 in Gröppendorf in Westsachsen geboren. Er durchlief die Volksschule und das Realgymnasium sowie die Höhere Landwirtschaftsschule in Döbeln, das er mit dem Reifezeugnis verließ.

Vom 1.10.1894 bis 30.9.1895 leistete er Wehrdienst beim 1. Garde-Ulanen-Regiment in Potsdam und schlug danach ab Oktober 1895 zunächst die Beamtenlaufbahn ein. 1896 bis 1899 arbeitete er aber als Verwalter beim Geheimen Ökonomischen Rat Uhlig in Sachsenburg-Frankenberg und 1899 bis 1914 als Inspektor in Burgwerben bei Weißenfels und Dieskau. Dort lernte er seine dort geborene Frau Martha Bremme kennen, mit der er mindestens zwei Kinder hatte: den 1901 in Burgwerben geborenen Sohn Hans Hermann und einen Sohn Werner, der nach dem Krieg in Bodenfelde starb.

Weil er für den Felddienst zu alt war, trat er im August 1914 in das Landsturmbataillon Lissa als Unteroffizier der Reserve ein. Ab September 1914 war er zur Dienstleistung als Oberbeamter bei der Prinzlich von Schönburg-Waldenburgschen Güterverwaltung in Selejewo,  Provinz Posen, vom Kriegsdienst beurlaubt.

Seine Interessen galten der Tierzucht, wie sich an der Liste seiner Publikationen ablesen läßt:

 

Künstliche Geflügelzucht. Richard Carl Schmidt & Co. (Verlag für Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau, Fischerei, Bienenzucht), Leipzig, 1904.

Brut, Aufzucht und Mast von feinstem Tafelgeflügel. Richard Carl Schmidt / Reichenbach'sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1905.

Landwirtschaftliche Entenzucht. F. Pfenningstorff, Berlin, 1912.

Künstliche Brut und Aufzucht. Lehrmeister Bücherei, Leipzig, 1916.

Die Lebewesen des Ackers im Dienste der Landwirtschaft. Leipzig, Reichenbach, 1925.

Die Bearbeitung der Scholle. Eckersdorf, 1928.

Unser täglich Brot. Franz Eher Nachfolger, München 1930.

Erfolgreiche Entenzucht. F. Pfenningstorff, Berlin 1940.

   
  Hermann Schneider 1872-1953 [1]  

Seinen landwirtschaftlichen Interessen folgend arbeitete er 1919 bis 1922 als landwirtschaftlicher Oberbeamter in Koschin und war dort Vorsitzender des Kreisvereins. 1922 machte er sich als Landwirt und Pächter des Ritterguts Eckersdorf Kreis Namslau in Schlesien selbständig und bekleidete eine Reihe hoher Ämter:

 

1932 Vorsitzender des Verbands der schlesischen Rinderzüchter,

1932-33 Präsident der Landwirtschaftskammer für Niederschlesien (Breslau).

Sept.1933–1935 Landeshauptabteilungsleiter II der Landesbauernschaft Schlesien,

Herbst 1935 wegen Überschreitens der Altersgrenze als Landeshauptabteilungsleiter zurückgetreten (durfte aber den Titel eines »Altlandeshauptabteilungsleiters« führen).

Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für das Saatenanerkennungswesen, des Verbands der Schlesischen Herdbuchgesellschaft,

des Verbands der deutschen Privatpächter und des Verbands der deutschen Landes-Kultur-Genossenschaft,

Mitglied des Vorstands des Spirituosenverwertungsverbandes und der Kartoffelflockenzentrale, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Veredlung der wirtschaftlichen Düngemittel, Vorsitzender des Verwaltungsrats buchführender Landwirte Schlesien.

 

1929 trat er in die NSdAP ein:

 

1. 11.1929 NSDAP (Nr. 162.440), Kreisleiter des Kreises Namslau der NSDAP,

14.5.1936 Allgemeine SS (Nr. 276.597),

14.5.1936 SS-Sturmbannführer, 20. 4.1937 SS-Obersturmbannführer,

23. 11.1936–1945 Bauernreferent des SS-Sturmbanns II/16 (Breslau),

1937–1939 Reichsinspekteur für die Erzeugungsschlacht,

20. 4.1939 SS-Standartenführer,

Nov. 1943 SS-Oberführer,

1.6.1944 unter Beibehaltung seiner Dienststellung als Bauernreferent des SS-Sturmbanns II/16 zum SS-Führer in der 16. SS-Standarte ernannt.

 

Seine SS-Zugehörigkeit und Parteimitgliedschaft hinderte ihn offenbar nicht, auch ein hohes Kirchenamt als Mitglied der Kreis-, Provinzial- und Generalsynode des Provinzialkirchenrats Schlesien auszuüben.

Als er in hohem Alter nach dem Krieg Bodenfelde erreichte, trat er dort nicht in Erscheinung und blieb nicht in besonderer Erinnerung.

Der Sohn Hans Hermann Schneider

Sein am 8.8.1901 in Burgwerben geborener Sohn Hans Hermann Schneider starb 1973 in Bodenfelde und hinterließ seine Witwe Frieda geborener Mascher[2] und sieben Kinder. Sechs Kinder waren zwischen 1935 und 1944 in Breslau geboren, die jüngste Tochter 1954 in Göttingen.


Sogenanntes Schloß in Alt Ellguth Kr. Oels

 

Breslau war das nächstgelegene Krankenhaus zum Wohnort der Familie in Alt Ellguth Kreis Oels nahe der polnischen Grenze. Dort hatte der Vater Hermann Schneider 1930 ein altes Rittergut von 611 ha gekauft, dessen Eigentümer zuvor gewesen waren:

die Familie Bojanowski (17. und 18. Jahrhundert), Leutnant Friedrich Heinrich von Schickfuß (1845), Unterkammern (Kammerherr) Otto Wilhelm von Zastrow (1856, 1858), Reuter und Ludwig (1861), Reuter (1866), Kaufmann Ebel (1872, 1876), Heinrich Grundmann (1886, 1894), Karl Roenckendorff (1902), Gottfried Steves (1905), Landbank AG aus Berlin (1909), Eduard Herbst ( ab 1911, mindestens bis 1926), Erben von Eduard Herbst (1930), Hermann Schneider und Landwirt Hans Hermann Schneider (Eigentümer seit 1930).[3]

 

Das Gebäude war um 1886 gebaut worden und wurde nebst Vertreibung der deutschen Bevölkerung[4] aus Alt-Ellguth 1945 als Staatsvermögen des polnischen Staates betrachtet.


Erwähnung Hans Hermann Schneiders als Kreisleiter im Namslauer Stadtblatt vom 10.2.1935

 

Hans Hermann Schneider war Ostern 1912 in das Realgymnasium der Franckeschen Stiftungen in Halle aufgenommen worden. 1935 bis 1941 war er im Kreis Oels Kreisleiter. Wegen „Zugehörigkeit zum politischen Führungskorps der NSdAP“ wurde er 1949 laut Strafregister Nr.421 durch die zu 2 Jahren und 6 Monaten Gefängnishaft verurteilt. Als Beruf wurde Landwirt angegeben.

Wie sein Vater starb auch er in Bodenfelde, ohne in irgendeiner Weise in Erscheinung zu treten.



[1] Foto:

 https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000005/images/index.html?nativeno=563

[2] Frieda Mascher *Bodenfelde 27.7.1912 Tochter des Kaufmanns und Fabrikanten Ludwig Mascher aus einer freikirchlichen Familie.

[3] Quelle: http://palaceslaska.pl/index.php?option=com_content&view=article&id=788:bukowaslaska&catid=10&Itemid=28

[4] Bevölkerungliste 1905: http://www.gca.ch/ortschaften_a/index.html#a7