Der Ukraine-Krieg des Finanzimperialismus gegen die alte Landmacht

Die Kriege der Angelsachsen sind Handelskriege. Sie wollen keine fernen Länder und Territorien erobern und besetzen, annektieren oder sich einverleiben. Nur die Bodenschätze und Kapitalerträge sollen aus allen Himmelsrichtungen in ihre Kassen fließen, dann ist alles gut.

Rußland führt unter Putin dagegen einen klassischen territorialen Eroberungskrieg. Putin ist Imperialist alter Schule. Er scheut kein Verbrechen und geht notfalls über Leichen. Die USA hingegen haben ein Finanzimperium aufgebaut, das sie zu globaler Größe führen wollen, zur One World. Ihrer One World. Darum ist für sie evident, daß der Krieg gegen Rußland ihre Sache ist.

Freudsche Versprecher drücken unfreiwillig aus, was der Redner wirklich denkt. Lloyd Austin, Amerikas Verteidigungsminister, sind nun gleich drei solcher Patzer unterlaufen. Eigentlich wollte er die offizielle Linie verkünden, dass «sie», die Ukrainer, den Krieg gewinnen können, wenn «wir», die USA, ihnen dabei helfen. Heraus kam dieser freudsche Wortsalat:«Uns zu befähigen, den gegenwärtigen Kampf zu gewinnen.» «Unsere, ihre, Fähigkeit, zu gewinnen.» «Sie (die Ukrainer) glauben, dass wir gewinnen können. Wir glauben, dass sie, wir, sie gewinnen können.»

Wolfgang Koydl, Die Weltwoche 27.4.2022

Joe Biden pumpte nicht Milliarde um Milliarde in den Krieg gegen Rußland, wäre die um ihr Überleben ringende Ukraine nicht seine Ukraine. Aus Sicht der westlichen Finanzoligarchen jedenfalls ist sie das. Völker und Menschenschicksale kümmern sie nicht. Sie benutzten West-Berlin und Deutschland jahrzehntelang als vorgeschobene Bauern im Schachspiel gegen die Sowjetunion. Sie haben die Sowjets, Nachrüstung um Nachrüstung, totgerüstet, bis diese wirtschaftlich kollabierte.

Die von der Sowjetmacht unterdrückten Völker erhoben sich und fielen dem Westen dankbar um den Hals, glücklich, hier “die Freiheit” vorzufinden. Sie gelobten Gefolgschaft. Der Preis der Gefolgschaft war eine neue Rolle als vorgeschobene Spielfiguren auf dem strategischen Schachbrett. So sind die Osteuropäer heute beides zugleich: strategisches Vorfeld der USA mit realer Frontstaatenoption, aber auch selbstbewußte Nationalisten.

Der Krieg um die Ukraine wird von der westlichen, globalistischen Finanzelite und ihren Präsidenten geführt gegen eine der letzten traditionellen Imperialmächte, die sich dem globalistischen Finanzkapitalismus noch widersetzt. Beide Seiten sind nicht unsere Freunde und interessieren sich nicht für unsere Freiheit und unser Wohlergehen.

In der finanzkapitalistischen liberalen One World wird die Macht der Nationalstaaten relativiert und lösen sich die Völker auf. Die Freiheitspropaganda der USA gibt vor allem ihr selbst jede denkbare Freiheit. Die Russenpropaganda ist genauso verlogen, aber leichter zu durchschauen. Putin würde sich totlachen, erführe er von Westeuropäern, die ihn für den Retter konservativer Werte halten. Was seine Werte wert sind, können wir täglich erfahren, wenn wir uns nicht selbst ideologische Scheuklappen anlegen. Wer mit seinen Panzern und Raketen einen Nachbarstaat in Grund und Boden schießt und seine Menschen knechtet, vertritt keine “konservativen Werte”.

Die Macht des Schicksals

Das ist der Name einer Oper von Giuseppe Verdi. Unsere postmoderne Zeit hat das Schicksal aus seinem Vokabular gestrichen. Es ging von der “göttlichen Fügung” altvorderer Zeiten in die risikolose Vollkaskogesellschaft über, ohne den Umweg über die schlichte Kausalität zu machen. Ihr kann niemand entrinnen, auch wenn ihr Resulat rückblickend wie ein Zufall wirkt.

Unser Schicksal ist es, an der Seite der USA in deren Handelskrieg gegen Rußland verwickelt zu sein. Wir haben es uns nicht ausgesucht. Wir waren seit dem 8. Mai 1945 nur noch Objekt der weltpolitischen Entscheidungen, nicht mehr Subjekt. Unsere politsche Klasse wollte das auch gar nicht mehr werden. Wäre 1989 die westliche Führungsmacht zusammengebrochen und nicht die östliche, würden wir Seite an Seite mit dem russischen Brudervolk irgendwelche Kastanien aus irgendeinem syrischen Feuer holen.

So aber sind wir abhängig von “unserer” Siegermacht, auch wenn wir nominell selbständig sind. Wirtschaftlich und militärisch sind wir es aber nicht. Wir sind nicht autark und offenkundig nicht fähig, auch nur das Regierungsviertel unserer Hauptstadt zu verteidigen.

So sitzen wir mit den USA und ihren anderen Vasallen in einem Boot: im amerikanischen. Wir sehen Tag um Tag den heldenmütigen Kampf des ukrainischen Volks um seine Freiheit. Mit unseren Herzen sind wir bei ihnen. Dieser Kampf ist aber zugleich auch der Kampf der USA gegen Rußland und auch ein Wettkampf der Systeme. Wem werden wir denn demnächst gehören? Woran werden wir dann glauben sollen?

Wir können aus dem Boot nicht einfach aussteigen. Wenn zwei Kriegsschiffe auf hoher See sich feindlich nähern, ist es eine schlechte Idee, über Bord zu gehen und lieber beim Feind anzuheuern, weil dessen Propaganda so verlockend klingt. Genau das ist Schicksal.

Seinem Schicksal ist ein Volk solange ausgeliefert, bis es die innere Kraft wiederfindet, sich auf sich selbst zu besinnen, seine eigene Identität zu wahren, seine Möglichkeiten auszuschöpfen und die Zukunft zu sichern. Sie Alternative besteht in einem ewigen Vasallen- und Helotendasein und letztlich der Auslöschung als Nation mit spezifischen Merkmalen.

Die USA tragen ihre Interessen in der ideologischen Form des Liberalismus vor, dessen wirtschaftliche Seite der globale Finanzkapitalismus ist. An ihm gehen die Völker zugrunde. Er verwandelt Kulturen, die Natur, ja selbst Menschen zu Waren. Ihre Staaten richtet er zugrunde und löst sie in multikulturelle, manipulierbare Gesellschaften auf.

Die Finanzkapitalismus strebt nach der Weltherschaft.

Dort drüben, jenseits des Ozeans, steht der Schuldige. Gewinnt der Amerikanismus, so wird er in 150 Jahren die Menschheit zugrunde richten, und die Erde wird als erstorbener Mars im Weltall weiterkreisen.

Joachim Fernau, Halleluja, Die Geschichte der USA, 1970, S.318 f.

Lesen Sie gern weiter in der Neuerscheinung “Staatsfeind Liberalismus”.

Zurück

Die metapolitische Aktualität der Wikinger

Nächster Beitrag

Da drüben, jenseits des Ozeans, steht der Schuldige

  1. Genau der letzte Satz zeigt auf, im welcher Zwickmühle Deutschland sitzt. Entrechtet seit 1919 und später 1945 noch seiner Ostgebiete beraubt.
    Speziell ist Deutschland gerade in der jetzigen Zeit in einer besonderen Situation: Als immer noch seit 1945 besetztes und eines großen Teiles seiner Fläche beraubten Landes und durch die immer noch gültige Feindstaatenklausel der UNO bedroht durch die jederzeit eintretende Möglichkeit der damaligen Feindstaaten besetzt zu werden!
    Tragischerweise erinnert diese heutige Situation an die Besetzung und Okkupation der damaligen deutschen Staaten durch Frankreich (Napoleon) um 1805 /1806 und zugleich an den Vormärz von 1848.

    Und der Freiherr von und zum Stein beklagte die herrschenden Zustände (1805 / 1806): “Dem preußischen Staat kann mit Flicken nicht mehr geholfen werden. Man müßte ihn neu bauen – aber tun sie das mit Männern wie jenen, die Friedrich Wilhelm III. sich zu Ratgebern gewählt hat.”
    Und er fährt fort: ” Hier in meinem Ministerium laufen täglich die Berichte darüber ein, wie das Volk au die gefahrvolle Lage reagiert. Die Bauern – leibeigene Gutsuntertanen ohne jede politische Bildung und auch ohne Interesse an einen Staat, der nur der Staat ihrer Herren ist – weisen den Franzosen die Wege, fahren ihre Fourage und Geschütze und dienen jeder Macht mit der gleichen Ergebenheit. Die Bürger stehen spöttisch am Wegrand und freuen sich offenbar darüber, daß das verhaßte Militär nun Prügel bekommen soll.”
    So schrieb Fichte (Erste Rede an die deutsche Nation 1807 / 1808 in Berlin)
     „Keine Nation, die in diesen Zustand der  Abhängigkeit herabgesunken, kann sich durch die gewöhnlich und bisher gebrauchten Mittel sich aus demselben erheben…
    Sollte eine so gesunkene Nation dennoch sich retten können, so muß dies durch ein ganz neues, bisher noch niemals gebrauchtes Mittel, vermittels der Erschaffung einer ganz neuen Ordnung der Dinge geschehen.“

    Man fühlt sich beinahe in die heutige Zeit versetzt, nur daß man heute mit anderen Begriffen arbeitet. Diese Worte in die heutige Zeit übertragen haben an ihrer Bedeutung – nationale Einheit ermöglicht erst Selbstbestimmung und verhindert imperialistische Ausbeutung und Fremdherrschaft – nichts verloren, so daß sich jeder Deutsche diesen Gedanken verpflichtet fühlen sollte und müßte.
    Mehr Infos zum Thema gibt es unter anderen hier: https://www.youtube.com/c/SilberjungeThorstenSchulte

  2. Hier waren diesmal die USA das Thema. Wer sie zum Freund hat, braucht keine Feinde mehr. Julien Reitzenstein hat recht überzeugend die andere Seite der Medaille analysiert: https://www.salonkolumnisten.com/wie-deutschland-den-krieg-missversteht/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén