Klaus Kunze

Kategorie: Juristisches Seite 10 von 11

In den Klauen der Paranoia

Von schuldlosen Mördern und schuldigen Politikern

Schizophrenie wäre die letzte Erkrankung, die ich mir würde zuziehen wollen. Das „basale Ich“ der Kernpersönlichkeit löst sich auf. Das Ich zerfällt in Fragmente. Eigene Gedankentätigkeiten spalten sich ab. Der Kranke nimmt sie als „Stimmen“ Dritter wahr. Er lebt in einer psychotischen Wahnwelt.

Einem Juristen und Strafverteidiger bleibt es oft nicht erspart, lange Gespräche mit Erkrankten zu führen. Das ist menschlich anstrengend und erfordert viel professionelle Distanz. Wenn die menschliche Anteilnahme groß ist, wächst auch das Grauen:

Ein Kroate, den ich jahrelang als lieben und gut katholischen Mann kannte, hatte unvermittelt seine Freundin fast umgebracht. Sie hatte sich mit knapper Not aus der Wohnung geflüchtet. In der Gewahrsamszelle beim Ermittlungsrichter erzählte er mir verzweifelt, der kroatische Geheimdienst wolle ihn umbringen. Als draußen auf dem Flur Geheimdienstler gewesen seien, hätte er unvermittelt gewußt, daß auch die Frau in seinem Bett ihn umbringen wolle. Weiterlesen

Die neuen Heiligtümer der CDU

Eine Feinderklärung und ihre Konsequenzen

Freund-Feind-Denken, hieß es bisher, sei ein Merkmal extremistischer Denkstrukturen. In einer pluralistischen Demokratie gibt es nur politische Gegner, aber keine Feinde. Diese politischen Gegner genießen denselben rechtlichen Schutz wie jeder andere auch und haben dieselbe Chance, demokratische Mehrheiten zu erringen.

Wer hingegen zum Feind erklärt wird, genießt den Schutz der Gesetze nicht mehr. Er wird erbarmungslos bekämpft und seiner Rechte enthoben.

Der linke Flügel der CDU hat die AfD zum Feind erklärt: Karin Prien, stellvertretende CDU-Vorsitzende in Schleswig-Holstein, sagte am 10.2.2020:

Die Linke bleibt unser politischer Gegner. Aber die andere Frage ist, ob das das Gleiche ist wie unsere Feindschaft zur AfD. Die einen sind politische Gegner, die anderen sind politische Feinde, weil die wollen eine andere Republik, die wollen brechen mit allem, was uns als Christdemokraten heilig ist, und mit denen kann es gar keine irgendwie geartete Form des Zusammenarbeitens oder des Miteinanders geben.

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Freie Sicht voraus!

Deutschland zwischen Bürgerkrieg und Verfassungsputsch

Es gibt Augenblicke, in denen ein Sturm kurz die trüben Wolken aufreißt und einen weiten Blick erlaubt. Die großen Momente des Politischen brechen an, wenn sich die Gegner – wie in einer eingefrorener Momentaufnahme – in aller Klarheit erkennen.

Solche Momente durchleben wir gerade. Sie erweisen, ob eine Analyse richtig war oder ob man sich hatte täuschen lassen. Seine Gegner zu täuschen gehört zum politischen Handwerk.

Wir leben – verfassungsrechtlich – in einem demokratischen Rechtsstaat. Der politische Wille sollte in rechtlich geregelter Form von unten nach oben gebildet werden: Vom Volk hin zu den Staatsorganen. Befehle von ganz oben, per ordre Mufti, sind nicht vorgesehen. Wenn sie erteilt werden und „die unten“ gehorchen, obwohl sie verfassungsrechtlich unabhängig sind, ist die Grenze zur autokratischen Staatsform berührt.

Twitter-Nachricht einer FDP-Mandatsträgerin aus MV nach Anschlag

Die Kader und Fußtruppen des Linksextremismus sind aufmarschiert. Weiterlesen

Auf dem Weg zur Diktatur der Anständigen

Wie unserer Demokratie die Demokraten abhanden kommen

„Ihr seid mir schöne Demokraten!“, soll der letzte König von Sachsen 1918 Parteivertretern zugerufen haben. Es steckt leider nicht in jedem ein Demokrat, der sich so nennt. Wo keine Demokraten mehr handelten, durfte das Volk in den letzten Tagen bestaunen.

Es mangelt unserem Land zunehmend nicht an Demokratie, sondern an Demokraten. Wenn es eine Krise der Demokratie gibt und die letzten Tage schlecht für sie waren, ist das kein demokratietheoretisches Problem. Das demokratische System wird aber aufhören, demokratisch zu funktionieren, wenn sich die Demokraten innerlich von ihm verabschieden. Sie führen die Demokratie noch im Mund und im Namen, während sie eine neue Gesellschaft mit zunehmender Gesinnungsdiktatur errichten.

Das hysterische Aufheulen des polit-medialen Chors, die maßlosen und absurden Nazivergleiche, Schmähungen und Beschimpfungen, der auf Kommando entfesselte linksextreme Straßenterror und die physischen Drohungen auch gegen die eigene Familie: AfD-Politiker kennen solche Hexenjagden, für den FDP-Mann war es eine neue Erfahrung.

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COMBAT 18: ein wackeliges Verbot

Bei sieben Männern in mehreren Bundesländern klingelte es heute früh um sechs. Es war nicht der Milchmann. Mehr oder weniger freundliche Polizeibeamte stellten den Herren die langerwartete Verbotsverfügung des Bundesinnenministers zu, fast 80 Seiten Kleingedrucktes.

Das Vereinsgesetz lautet:

§ 3 (1) Ein Verein darf erst dann als verboten (Artikel 9 Abs. 2 des Grundgesetzes) behandelt werden, wenn durch Verfügung der Verbotsbehörde festgestellt ist, daß seine Zwecke oder seine Tätigkeit den Strafgesetzen zuwiderlaufen oder daß er sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder den Gedanken der Völkerverständigung richtet; in der Verfügung ist die Auflösung des Vereins anzuordnen (Verbot). Mit dem Verbot ist in der Regel die Beschlagnahme und die Einziehung

1.    des Vereinsvermögens,

2.    von Forderungen Dritter, soweit die Einziehung in § 12 Abs. 1 vorgesehen ist, und

3.    von Sachen Dritter, soweit der Berechtigte durch die Überlassung der Sachen an den Verein dessen verfassungswidrige Bestrebungen vorsätzlich gefördert hat oder die Sachen zur Förderung dieser Bestrebungen bestimmt sind.

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Freiheit, die ich meine

Wie unsere Freiheit in einer Flut von Regelungen erstickt wird

Um 1810 dichtete Max von Schenkendorf das bekannte Lied

Freiheit die ich meine, die mein Herz erfüllt,
komm mit deinem Scheine, süßes Engelsbild!
Magst du nie dich zeigen der bedrängten Welt?
Führest deinen Reigen nur am Sternenzelt?

Wo sich Gottes Flamme in ein Herz gesenkt,
das am alten Stamme treu und liebend hängt,
wo sich Männer finden, die für Ehr‘ und Recht
mutig sich verbinden, weilt ein frei Geschlecht.

Die wunderschöne Dichtung verwendet eine sprachliche Metapher. Tatsächlich wohnt die Freiheit nicht als Person im Himmel. Sie ist keine Wesenheit, sondern eine Abwesenheit.

Denken Sie sich eine leere Kugel. In ihr ist nichts, gar nichts, völliges Vakuum. Sie ist völlig frei von jeder Materie. Diese Freiheit von Materie in der Vakuumkugel entspricht genau der Freiheit in jeder Beziehung. Freiheit ist immer ein Nichts, eine Leere, eine Abwesenheit. Weiterlesen

Ersatzteillager der Gesellschaft

Den Zustand einer Kultur erkennt man daran, wie ein Volk mit seinen Toten umgeht

Wie ein Volk mit seinen Toten umgeht, sagt viel aus über seinen gesellschaftlichen Zustand. Kultur ist es, wenn ein Kopfjäger seinem Opfer den Schädel abschlägt, eine in Gold gefaßte Trinkschale daraus fertigt, sie mit zauberischen Runen versieht und sie rituell verwendet. Zivilisation ist es, wenn er dafür lebenslänglich ins Gefängnis muß.

In der Vorgeschichte hatte man ein lockeres Verhältnis zu menschlichen Überresten. Ritzspuren auf prähistorischen Knochenfunden verraten, daß sie manchmal geschätzt wurden, vor allem, wenn sie noch frisch waren. Wenn Körperteile nicht mehr frisch sind, kann man sie nicht mehr verwerten. Steinzeitköche wußten das ebensogut wie Transplantationsmediziner. Für sie sind Lebern oder Herzen in mehrfacher Hinsicht Herzenssachen: wertvoll für Patienten, wertvoll für die Wissenschaft und die Reputation des Arztes, und sie sorgten – bis zum Organspendeskandal – für „Chefarzt-Boni.“ Weiterlesen

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