Ordnung aus Chaos: Die Ontologie unseres Werdens und Vergehens
Buchvorankündigung
Nichts Menschliches ist für die Ewigkeit geschaffen. Reiche entstehen und vergehen, Kulturen blühen auf und zerfallen, Völker treten auf die Bühne der Geschichte und verschwinden wieder. Aber warum geschieht das? Welche Kräfte lassen Ordnung entstehen, und welche führen zu ihrem Verfall? Mit dieser Frage beschäftigt sich das demnächst erscheinende Buch Gestalt und Verfall der deutschen Nation. Es kann vorbestellt werden.
Familien, Kirchen, Unternehmen, Staaten, Völker und Nationen existieren nicht nur in den Köpfen der Menschen. Sie sind reale Ordnungsgebilde mit Eigenschaften und Wirkungen, die sich nicht auf ihre einzelnen Mitglieder zurückführen lassen. Diese Erkenntnis betrifft nicht nur die Philosophie. Von ihr hängt ab, wie wir Kultur, Geschichte, Gemeinschaft und letztlich auch uns selbst verstehen.
Auf der Suche nach der Letztbegründung
Die moderne Aufklärung hat zahlreiche überkommene Vorstellungen beseitigt. Sie hat den Glauben an göttliche Weltpläne erschüttert, Volksgeister ins Museum der Geistesgeschichte verwiesen und viele metaphysische Erklärungen durch wissenschaftliche Erkenntnisse ersetzt. Darin lag ihre große historische Leistung. Zugleich hinterließ sie jedoch eine offene Frage. Wenn hinter den Erscheinungen keine göttlichen Mächte und keine metaphysischen Wesenheiten stehen, wodurch werden dann die komplexen Ordnungen hervorgebracht, die wir überall beobachten?
Auf diese Frage wurden sehr unterschiedliche Antworten gegeben. Manche Denkrichtungen reduzierten die Wirklichkeit auf ihre Einzelteile. Danach existieren letztlich nur Individuen; alles andere sei bloß das Ergebnis menschlicher Zuschreibungen. Andere hielten an metaphysischen Vorstellungen fest und suchten die Erklärung weiterhin in übernatürlichen Kräften oder verborgenen Wesenheiten. Beide Wege erscheinen unbefriedigend. Der eine erklärt die Ordnung weg, der andere erklärt sie durch etwas, dessen Existenz selbst fragwürdig ist.
Das vorliegende Buch sucht daher einen naturwissenschaftlichen Zugang. Sein Ausgangspunkt ist die Beobachtung, daß sich überall in der Natur neue Ordnungen herausbilden. Aus Elementarteilchen entstehen Atome, aus Atomen Moleküle, aus Molekülen lebende Zellen und aus diesen schließlich Organismen mit Eigenschaften, die in ihren Bestandteilen noch nicht vorhanden waren. Die moderne Wissenschaft bezeichnet solche Vorgänge als Emergenz. Die Frage liegt nahe, ob ähnliche Prozesse nicht auch bei kulturellen und gesellschaftlichen Gebilden wirksam sind.

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile
Tatsächlich begegnen wir dem Phänomen der Emergenz auf Schritt und Tritt. Niemand käme auf den Gedanken, eine Symphonie sei bloß die Summe einzelner Töne. Niemand würde behaupten, ein Organismus sei nichts weiter als ein Haufen Zellen. Niemand beschreibt eine Sprache als bloße Ansammlung von Lauten. Immer wieder entstehen Zusammenhänge, die neue Eigenschaften hervorbringen und sich nicht mehr auf ihre Bestandteile reduzieren lassen.
Merkwürdigerweise endet dieses Denken oft dort, wo es politisch oder gesellschaftlich interessant wird. Während man in der Naturwissenschaft selbstverständlich von Systemen, Strukturen und Organisationsformen spricht, werden Völker, Nationen und Kulturen nicht selten als bloße Fiktionen behandelt. Dabei spricht vieles dafür, daß auch sie reale soziale Gebilde darstellen. Sie bestehen nicht unabhängig von den Menschen, die sie tragen, sind aber dennoch mehr als die Summe dieser Menschen. Wer die Existenz eines Volkes bestreitet, weil es nicht mit dem Finger gezeigt werden kann, müßte konsequenterweise auch Staaten, Universitäten oder Unternehmen für irreal erklären.
Das Problem reicht freilich noch tiefer. Selbst wenn man anerkennt, daß soziale Gebilde existieren, bleibt die Frage offen, wodurch sie zusammengehalten werden. Was verleiht ihnen ihre Gestalt? Warum besitzen manche Gemeinschaften eine erstaunliche Beständigkeit, während andere rasch wieder zerfallen? Warum entwickeln manche Kulturen eine hohe schöpferische Kraft, während andere stagnieren? Und weshalb verschwinden schließlich selbst die mächtigsten Reiche der Geschichte?
Ordnung oder Chaos?
Hier tritt ein zweiter Begriff in den Vordergrund: die Entropie. In den Naturwissenschaften bezeichnet sie die Tendenz komplexer Strukturen, sich aufzulösen. Ordnung ist kein Selbstläufer. Jede Form muß gegen die Kräfte ihres Zerfalls behauptet werden. Dies gilt für Organismen ebenso wie für Kulturen. Auch Staaten, Nationen und Zivilisationen sind nicht selbstverständlich vorhanden. Sie müssen entstehen, sich stabilisieren und sich ständig erneuern, wenn sie Bestand haben wollen.
Der Gedanke des Verfalls hat in der Geistesgeschichte eine lange Tradition. Schon die antiken Historiker beobachteten Aufstieg und Niedergang von Staaten. Spengler machte den Verfall von Kulturen zum Mittelpunkt seines Werkes. Bis heute beschäftigt viele Menschen die Frage, ob der Westen eine Phase des Niedergangs durchläuft oder lediglich einen tiefgreifenden Wandel erlebt.
Doch die Frage nach dem Verfall setzt die Frage nach der Gestalt voraus. Man kann den Zerfall einer Ordnung nur verstehen, wenn man zuvor verstanden hat, wie diese Ordnung entstanden ist. Wer ausschließlich über Niedergang spricht, gleicht einem Arzt, der sich nur für Krankheiten interessiert, ohne jemals nach den Bedingungen von Gesundheit gefragt zu haben.
Deshalb beginnt die Untersuchung nicht bei der Nation, sondern bei den Grundlagen. Sie beschäftigt sich mit Chaos und Ordnung, mit Zeit und Information, mit Emergenz und Entropie. Sie fragt, warum die Welt überhaupt Gestalten hervorbringt und weshalb diese Gestalten eine Zeitlang Bestand haben können. Erst von dort führt der Weg zu den höheren Ebenen der Wirklichkeit: zum Leben, zum Bewußtsein, zur Kultur und schließlich zu den sozialen Entitäten, die wir Völker und Nationen nennen.
Dabei ergibt sich ein Bild, das sich sowohl von traditionellen als auch von modernen Denkgewohnheiten unterscheidet. Es bedarf keiner Volksgeister, keiner göttlichen Schöpfungsakte und keiner verborgenen metaphysischen Kräfte, um die Existenz von Nationen zu erklären. Ebenso wenig zwingt uns die Ablehnung solcher Vorstellungen dazu, Nationen als bloße Einbildungen abzutun. Zwischen Metaphysik und Dekonstruktivismus eröffnet sich ein dritter Weg.
Dieser Weg führt zu einer Auffassung von Wirklichkeit, in der Gestalten aller Art als reale Phänomene erscheinen. Ein Wirbel im Wasser ist real. Ein Wald ist als Wald real: Es gibt nicht bloß viele Bäume. Ein Organismus ist real. Eine Sprache ist real. Eine Kultur ist real. Warum sollte dies bei einem Volk anders sein? Seine Realität besteht nicht darin, daß es ein materieller Gegenstand wäre. Sie besteht vielmehr in den Beziehungen, Strukturen und Wechselwirkungen, die seine Mitglieder miteinander verbinden.
Was konstituiert unsere kollektive Identität?
Damit erhält auch die Diskussion über Identität einen anderen Charakter. Die Frage lautet dann nicht mehr, ob Identitäten konstruiert oder natürlich seien. Sie lautet vielmehr, unter welchen Bedingungen sie entstehen, wodurch sie Stabilität gewinnen und weshalb sie sich verändern. Eine solche Betrachtungsweise ersetzt moralische Urteile nicht, sie geht ihnen jedoch voraus. Bevor entschieden werden kann, was sein soll, muß verstanden werden, was ist.
Die historische Aufklärung hat die Mythen zerstört. Sie hat gezeigt, was nicht existiert. Sie hat Götter, Dämonen, Schöpfungsmythen und metaphysische Spekulationen einer kritischen Prüfung unterzogen. Diese Arbeit war notwendig. Sie kann jedoch nicht das letzte Wort sein. Wer nur zerstört, erklärt noch nicht. Wer nur dekonstruiert, hat die Wirklichkeit noch nicht verstanden. Die Vollendung der Aufklärung liegt nicht in einem nur destruktiven Nihilismus, sondern in der Erkenntnis, daß auch unsere Ideale und Vorstellungen als Denkprozesse in uns real sind, daß sie die soziale Wirklichkeit bestimmen und Grundbausteine unserer sozialen Existenz sind.
Die Frage lautet nicht, wie man zu irrealen Glaubensgewißheiten zurückkehren kann. Sie lautet vielmehr, wie Ordnung, Form, Bewußtsein, Kulturen und Nationen in einer Welt entstehen konnten, die kein übernatürlicher Ordner lenkt. Wenn wir das verstanden haben, wissen wir auch, wodurch sie gefährdet sind und wie wir ihre Zerstörung verhindern können.
Die deutsche Nation existiert real
Das vorliegende Buch führt von den Grundlagen der Naturwissenschaft über Philosophie und Kulturtheorie bis zur Frage nach der deutschen Nation. Diese erscheint nicht als ewiges Wesen und auch nicht als bloße Fiktion, sondern als historisch gewachsene soziale Gestalt. Wie jede Gestalt besitzt sie eine Entstehungsgeschichte, eine Entwicklung und möglicherweise auch ein Ende.
In „Gestalt und Verfall“ wird auf eine weitere Kulturtheorie, auf jede Ideologie und auf Positionen verzichtet, die nur „Meinungssache“ sind. Statt dessen werden die aktuellen und weitgehend unstrittigen Ergebnisse der Physik, der Human- und der Gesellschaftswissenschaften herangezogen, die den noch zu wenig beachteten Begriff der Emergenz verwenden. Aus rein zufälligen Zuständen können sich unter bestimmten Bedingungen immer komplexer strukturierte Formen entwickeln. Durch solche Prozesse können neuartige Gebilde entstehen, deren Systemeigenschaften sich nicht mehr allein mit denen ihrer Bestandteile erklären lassen. Obwohl unser Universum der ständigen Entropie unterliegt, bildeten sich ständig Ordnungsstrukturen heraus: vom ersten Atom bis hin zu uns Menschen und unseren sozialen Gemeinschaften.
Die deutsche Nation ist damit kein Sonderfall der Geschichte, sondern Teil eines allgemeinen Gesetzes. Wie alle Gestalten ist sie geworden, nicht gemacht. Wie alle Gestalten kann sie bestehen oder vergehen. Wer verstehen will, was Völker zusammenhält, Kulturen hervorbringt und Zivilisationen trägt, muß tiefer fragen als die Tagespolitik. Er muß nach den Kräften suchen, die Ordnung aus Chaos entstehen lassen. Diesen Kräften geht Gestalt und Verfall der deutschen Nation nach.
Das wird voraussichtlich am 15.7.2026 erscheinen.
Softcover, 19,80 €, 174 Seiten,
ISBN 978-3-949780-39-4.
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