Klaus Kunze

Kategorie: Geschichte Seite 21 von 22

Das Inspektoren-Frühstück und der Kölner Polizeiskandal

Als preußisches Beamtenethos auf kölsche Lebensart stieß

Von 2019 zurück ins Jahr 1919 ist nur ein kleiner Zeitsprung. Mitten im Gedrängel des Neumarktes finde ich, in einer von vielen übersehenen dunklen Ecke zwischen zwei hell erleuchteten Marktständen, einen dunklen Vorhang. Er führt in eine schwach erleuchtete Markt-Hütte. „Erleben Sie eine echte Zeitreise!“ hatte draußen die Anpreisung gelautet. Ich betrete die Hütte, bezahle, setze die Zeitmaschine in Gang und lasse mich 100 Jahre zurückversetzen.

Im Gedrängel des Weihnachtsmarktes 2019 auf dem Neumarkt in Köln

Viel leerer finde ich den Weihnachtsmarkt vor, 1919 war ein Notjahr. Der Markt heißt noch Nicolaimarkt, benannt nach dem heiligen Nikolaus. Ich schauen mich um: Die Türme von St. Aposteln grüßen mich, wie ich sie seit Kindertagen kenne.

Städte können über lange Zeiträume ihre Identität bewahren. Der rheinischen Metropole Köln ist es gelungen. Mein Besuch gilt der armen Witwe von Otto Landschulz. Weiterlesen

Deutschland als Wille und Vorstellung

Schließen Sie ihre Augen, und lauschen Sie: Es lebte einst eine alte Großmutter. Manchmal kam ihre kleine Enkelin zu Besuch. Sie war der einzige, kleine Sonnenstrahl im Leben der alten Dame. Die aber sorgte sich um das Kind. Im Leben des Kindsvaters spielten nämlich Einflüsse mit, denen die Kleine nicht zum Opfer fallen sollte. Verzweifelt rief sie sogar das Familiengericht an und wollte sie zu sich nehmen. Aber das Schicksal riß die beiden für immer auseinander.

Können Sie sich die Oma gut vorstellen? Haben Sie sie bereits lieb gewonnen? Machen Sie sich ein Bild von ihr?

Dann stellen Sie sich danach bitte eine Frau vor, die wegen vierfachen Mordes verurteilt worden ist. Alle Opfer waren vermögende alte Männer. Mengen Sie nun in ihrer Vorstellung Schlafmittel in Erbsensuppe, und weben sie die Suppe in diese Geschichte ein, in der auch ein Gehilfe eine Rolle spielt, der sich mit dem Erwürgen und Verbrennen bestens auskennt. Weiterlesen

Das Scharmützel auf blutiger Heide

In der Kiche von Wriedel in der Lüneburger Heide befindet sich ein steinernes Epitaph. Es erinnert an drei dort im Siebenjährigen Krieg gefallene Offiziere der hannoverschen Armee. Einer der drei, Leutnant Friedrich von Thangel, war ein junger Ehemann aus Bodenfelde.

Die Kriegsgeschichte meldet über das Gefecht von 1757:

Den 4.Decembr. wurde ein Hannöverisches Commando von 4 Escadrons des Breitenbachischen Regiments, nebst einigen Jägers zu Pferde und 200 Infanteristen nach Ebstorf gesendet, um das Fischersche Corps, nebst 1500 Mann französischer Cavallerie von dort zu vertreiben. Bey ihrer Ankunft fanden sie die Franzosen, unter dem Marquis von Caraman, bereits in Schlachtordnung. Die diesseitige Cavallerie mußte zuvor einen engen Weg Mann vor Mann paßiren. Hierauf aber rückte sie mit dem Pallasch in der Faust auf den Feind loß. Das Gefechte dauerte bey 8 Minuten und es wurde, von beyden Seiten entsetzlich eingehauen, bis endlich der Feind zum Weichen gebracht wurde, da denn die Unsrigen noch alles nieder hieben, was ihnen vorkam, ohne Quartier zu geben.

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Jacob Freudenthals Aufklärung

Seit Ende des 17. Jahrhunderts sind Juden in Bodenfelde an der Weser nachweisbar.[1] Ihre Anzahl hat sich durch Zuzug wesentlich erhöht, seit auf die Eroberungszüge Napoleons die Gründung des „Königreichs Westphalen“ unter dessen Bruder Jerome folgte und frühere Zuzugsbeschränkungen wegfielen. Weggefallen waren damit auch alte Verbote für Juden, bestimmte Berufe auszuüben. Gleichwohl waren und blieben alle Bodenfelder Juden, soweit das anhand der Quellen festgestellt werden kann, Händler oder Kaufleute.

Von einer Taufe eines Juden berichtet das Kirchenbuch Bodenfelde nur einmal: „Am 2.8.1818 ist der Israelit Bar Isaak mit dem Zunamen Mannsberg nach ergangenem Unterricht bei dem Herrn Pastor und in Gegenwart einer zahlreichen Versammlung öffentlich getauft worden, alt 23 Jahr – Zeugen bei dieser Handlung waren Herr Bippart Inhaber der Spiegelhütte Amelith, Herr Assessor Salfeld zu Nienover, Herr Dr. Lutz zu Uslar Herr Pastor Görk zu Lippoldsberg und Herr Kaufmann Fischer daselbst, Herr Factor Wessel ebendaselbst, Herr Gestütmeister Rente in Neuhaus. Weiterlesen

Die Hexe, die keine war

Historiker schätzen heute, daß in der frühen Neuzeit 40000 bis 60000 Menschen als Hexen oder Hexer umgebracht wurden, weit überwiegend Frauen. Nimmt man die Hexenprozesse hinzu, die nicht mit dem Tod der Angeklagten endeten, gelangen wir europaweit zu 3 Millionen Opfern, davon die Hälfte in Deutschland. Wir reden also von einem Massenphänomen.

Das hört sich auch in Kenntnis der psychologischen und theologischen Gründe für diesen Wahn noch ziemlich abstrakt an. Darum wollen wir einmal einen typischen Fall näher betrachten und uns dann ein Urteil darüber bilden, ob und worin wir spezifisch weibliches Verhalten oder männliche Ansichten speziell über Frauen darin finden. Wir gehen dafür nach Ahlsdorf bei Eisleben ins Jahr 1652. Das Dorf hatte 1626 unter der Pest zu leiden gehabt. Sie wütete so arg, daß manchen Tag elf Personen star­ben. Die Bevöl­kerung schmolz bedeutend zu­sam­men­[i]. Sie setzte sich aus Bergleu­ten und Bauern zusam­men: einem rauh­bei­nigen Men­schenschlag. Weiterlesen

Immer wieder montags …

„Das Land ist ja frei, und der Morgen tagt …!“ Wir füllten den kleinen VW-Polo mit lautem Jubel und mit Theodor Körners Lied von 1813. Wie dessen „wilde, verwegene Jagd“ kamen wir uns fast vor, kurz hinter jener Zonengrenze, die mein Leben lang eine Albtraumgrenze gewesen war. Jetzt, Anfang Januar 1990, durften wir visumfrei einreisen und kurvten über nasse Kopfsteinpflaster der F80 ostwärts.

In Leipzig ereignete sich an jenem Montag Geschichte. Meine Kinder sollten einst sagen können: „… und wir sind dabei gewesen.“ Dabei kannten sie das Land schon, in dem ihr Vater 37 Jahre zuvor geboren worden war. Grenze und Todesstreifen hatten uns nicht abschrecken können, unsere Verwandten zu besuchen.

Der Augustusplatz stand schon halbvoll. Damals hieß er Karl-Marx-Platz. Wir erklommen die Stufen der Oper, damit meine Kleinen über die Köpfe der Menge hinwegsehen konnten. Die Stimmung knisterte wie bereites Flügelrascheln eines Heuschreckenschwarmes, der gleich auffliegen will. Weiterlesen

Soldaten und Garnisonen in Südwest-Niedersachsen 1603 bis 1803

Forschung und Buchprojekt 2017 / 2020

  • Vom Landsknechts-Fähnlein zum stehenden Heer: Personengeschichte der Soldaten und ihren Familien im kurhannöverschen Raum zwischen Solling, Weser, Werra und Leine im 17. und 18. Jahrhundert –

Zu den Personalien der Offiziere der Armeen des früheren Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg, dem nachmaligen Königreich Hannover, gibt alte Literatur erschöpfend Auskunft. Die einfachen Soldaten sind dort nicht berücksichtigt. Die Ziel dieser Bearbeitung ist es, diese Forschungslücke zu füllen.


Dabei hat es die Forschung nicht entscheidend befördert, in Arbeitsgruppen für hannoversche Militärgeschichte museale Uniformknöpfe zu polieren. Auch militärische Strategie oder tapfer erkämpfte Siege motivieren uns nicht.
Ein wirkliches Verständnis, wie es eigentlich gewesen ist, kann nur bei den konkreten, individuellen Menschen ausgehen. Die Kenntnis ihrer Lebensumstände setzt die Kenntnis ihrer Person aber voraus, also steht Personengeschichtsforschung am Anfang aller Militärgeschichte und ist nicht nur deren Anhängsel.
Wenn in über 300 Jahre alten Archivalien von einer Soldatenwitwe zu lesen ist, deren Mann in Morea geblieben ist und die mit ihren Kindern bettelt, löst das Emotionen und lösen diese Gefühle Fragen aus. Weiterlesen

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