Historiker schätzen heute, daß in der frühen Neuzeit 40000 bis 60000 Menschen als Hexen oder Hexer umgebracht wurden, weit überwiegend Frauen. Nimmt man die Hexenprozesse hinzu, die nicht mit dem Tod der Angeklagten endeten, gelangen wir europaweit zu 3 Millionen Opfern, davon die Hälfte in Deutschland. Wir reden also von einem Massenphänomen.
Das hört sich auch in Kenntnis der psychologischen und theologischen Gründe für diesen Wahn noch ziemlich abstrakt an. Darum wollen wir einmal einen typischen Fall näher betrachten und uns dann ein Urteil darüber bilden, ob und worin wir spezifisch weibliches Verhalten oder männliche Ansichten speziell über Frauen darin finden. Wir gehen dafür nach Ahlsdorf bei Eisleben ins Jahr 1652. Das Dorf hatte 1626 unter der Pest zu leiden gehabt. Sie wütete so arg, daß manchen Tag elf Personen starben. Die Bevölkerung schmolz bedeutend zusammen[i]. Sie setzte sich aus Bergleuten und Bauern zusammen: einem rauhbeinigen Menschenschlag. Weiterlesen

