Klaus Kunze

Kategorie: Politik Seite 21 von 47

Abschied vom Absoluten – und dann?

Ist „konservative Revolution“ eine Option?

Seit Jahren flüstert man auf der politischen Rechten „konservative Revolution“. Jene rechtsintellektuelle Strömung entstand vor etwa hundert Jahren und war vor allem eines: eine Idee von Intellektuellen.

Zwar versprühten ihre Schöpfer jahrelang funkelnde Geistesblitze. Schließlich gehörten zu ihnen zeitweilig überragende Köpfe wie Ernst Jünger und Ernst Niekisch. Für eine Massenbewegung taugten deren Ideen aber nicht. Auf der Straße marschierte bald die Masse, und die ist bekanntlich zu geistigen Höhenflügen nicht imstande. Das verdankt sie nicht zuletzt den schweren Stiefeln an den Füßen, die schließlich in Deutschlands Straßen marschierten, während namhafte Rechtsintellektuelle sich vorsichtshalber aus der Schußlinie begaben.

Dennoch haben die Protagonisten der konservativen Revolution (KR) die Gedankenwelt bleibend befruchtet. Für ein praktisch brauchbares politisches Konzept taugt die KR heute so wenig wie damals. Zu fern steht sie der Auffassungsgabe und den tatsächlichen Bedürfnissen der Masse. Weiterlesen

Von der Banalität des Bösen zu des Reiches Herrlichkeit

Benötigen wir eine neue Metaphysik?

Die Reste unserer Kultur und unseres Volkes fristen im multikulturellen Experiment ein Nischendasein. Machen wir uns keine Illusionen:

Extremer als die Jugend anderer Länder strebt die deutsche nach einer kunterbunten Weltbürgerschaft, die ungenau allerlei ist, nämlich umwelt- und klimabewußt, genderneutral, antiimperialistisch, antikolonialistisch, antirassistisch und antisexistisch, nur eben bitte nicht deutsch – mit dem Nebeneffekt, daß ebensowenig von Vaterland wie von Muttersprache die Rede sein darf und folgerichtig die Kenntnis der eigenen Sprache und des kulturellen Erbes nicht nur als unnötig, sondern bereits als verdächtig gelten.

Heino Bosselmann, Kollektive Psychologie, 26.10.2021

Eine kulturelle Kluft gähnt zwischen alten Kulturträgern und einem Teil der Jugend. Die einen sind oft noch am Lateinischen oder Griechischen und alten Philosophen geschult, sie wissen um unsere Geschichte, ihre Glanzpunkte und ihre tragischen Tiefen. In solch einem tiefen Loch sehen sie soeben die Zukunft unseres Volkes verschwinden. Weiterlesen

Das geheime Deutschland: Realität oder Pararealität?

Solange ich Radio und Fernsehen ausgeschaltet halte, umfängt mich die Realität. Der Aus-Schalter ist ein Teil von ihr, ich kann ihn steuern.

Nicht steuern kann ich die Pararealität, die solche Geräte in mir erzeugen sollen: Radio-Neusprech aus Gender-Gaga, Koalitions-Vor-Vorverhandlungen, Hauen und Stechen in irgendwelchen Parteien, Skandale, Korruption. Es ist nicht meine Welt. Sie langweilt mich. Darum lasse ich sie nur selten in meinen Kopf. Ihr Anblick ekelt mich an.

Pararealität ist eine Scheinwirklichkeit, die es nur im Kopf gibt, in der Vorstellung. Die kann ein Traum sein oder auch ein Albtraum. Ich weigere mich, an den Schreckensvisionen der Medien teilzuhaben: Der Klimawandel ist ausschließlich menschengemacht und kann von Deutschland besiegt werden, die Millionen Orientalen in unserem Land sind „Flüchtlinge“, die Renten sind sicher, Corona wird uns bald alle wegraffen, die Kinderarmut nimmt zu. Weiterlesen

Wo steht der Feind?

Die großen Momente der Politik

Die großen Momente in der Politik sind bekanntlich diejenigen, in denen der Feind in aller Deutlichkeit als Feind erkannt wird. Dem Zwergen Alberich gleich verbirgt er sich gern unter semantischen Tarnkappen. Wer wollte schon so süß klingenden Verheißungen widersprechen wie Humanität, Wohlstand, Glück für alle, Gerechtigkeit und Weltfrieden?

Freilich gibt es da ein paar Spielverderber, die laut „Buh!“ schreien, wenn auf der Bühne das Rührstück von der schönsten aller Welten aufgeführt wird. Sie erkennen den Feind unter jeder Schminke und in jedem Kostüm. Doch indem sie „Da steht der Feind!“ rufen, werden sie von Saalordnern sofort hinausgeworfen. Im Textbuch steht nichts von Feindschaft, und wer das verpönte Wort ausruft, macht sich selbst zum Buhmann.

Auf der öffentlichen Bühne herrscht der Zeitgeist. Hinter den Kulissen herrschen, die ihn erzeugen. Weiterlesen

Die Wiederkäuer und ihre Kämpfe

Am Vorabend der Wahl

Der „Wahlkampf“ ist langweilig. Ein gut eingespieltes Parteiensystem wird die Plätze an den staatlichen Futterkrippen wieder einmal unter sich aufteilen. Es bietet dem Publikum alle paar Jahre das Schauspiel der ewigen Wiederkehr des Gleichen.

1994 habe ich geschrieben:

Vor diesem Hin­­ter­grund er­­scheinen al­le klas­si­schen Ge­wal­ten zu­züg­lich moder­ner Me­dien­ge­walt als in den Hän­den eines Par­teienkar­tells, dessen Teilsy­ste­me nach au­ßen hin Schau­kämpfe austragen, in­haltlich aber nicht für Al­ter­nati­ven ste­hen. Ihr Wahl­kampf ist Schwin­del, weil er pro­gram­ma­ti­sche Ver­schie­den­heit vortäuscht. „Es ist das glei­che wie die Kämp­fe zwi­schen ge­wis­sen Wiederkäuern, deren Hör­ner in einem sol­chen Winkel ge­­wach­sen sind, daß sie einander nicht verletzen kön­nen. Wenn er aber auch nur ein Schein­gefecht ist, so ist der doch nicht zwecklos, son­­dern hilft, die be­sondere gei­sti­ge Atmosphäre auf­recht“ und ihre „Ge­­­sell­schafts­struktur intakt zu halten.“[1]

Klaus Kunze, Der totale Parteienstaat, 1994

Jahrezehntelang beschwor man die Wähler, bei dieser jeweiligen „Richtungswahl“ gehe es um alles oder nichts. Weiterlesen

Wie wir im Fluiden aufgelöst werden

Das Fluide der westlichen Ideologie

In der Ideologie jedes Staates verdichtet sich die objektivierbare Interessenlage seiner Mehrheitsgesellschaft oder ihrer Lenker. Es gilt ihr als nicht zu hinterfragender Grundsatz einer gerechten Weltordnung immer ausgerechnet das, was ihr nützt.

Wem die „Deu­tung der Ora­kel der Gerechtigkeit an­ver­traut ist“, wird er­fah­rungs­ge­mäß „die­se Göttin be­we­gen können, nichts zu antwor­ten, was wi­der den ei­ge­nen Vorteil ist.“[1]

Samuel von Pufendorf, De statu Imperii Germanici, 1667

Das politische Establishment Nachkriegsdeutschlands wandte sich von der Vorkriegsideologie ab und erklärte in allen Fragen ihr jeweiliges Gegenteil für richtig. Für militärisch Besiegte erschien Wohlstand durch Handel unter Übernahme der mit dem Handel verbundenen weltanschaulichen Voraussetzungen als einzige Option. Die westlichen Siegermächte nahmen ein pazifistisches Deutschland gern in den Kreis der moralisierenden Handelsstaaten auf. Eine interventionswürdige Unmoral findet sich regelmäßig dort, wo es Rohstoffe zu sichern gilt. Weiterlesen

„Menschenverachtung“: Bannstrahl des gutmenschlichen Exorzismus

Vor Zeiten hatte war Blasphemie die schlimmste Sünde: Wer Gott leugnete oder schmähte, dem wurde schon mal kräftig eingeheizt. Heute ist „Menschenfeindlichkeit“ die Erzsünde unserer Tage.

Linke reden schnell von „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“. Haß gegen Reiche oder gegen „alte, weiße Männer“ gilt dagegen bei Linken als Tugend – ist das keine „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“?

Rainer Zitelmann auf Twitter 4.9.2021

So mahnte heute der liberale Publizist Rainer Zitelmann. Der Vorwurf der Menschenfeindlichkeit oder -verachtung ist zur stehenden Phrase aggressiven Gutmenschentums geworden. Mit „Menschenverachtung“ ist aber nicht gemeint, man dürfe keine individuelle Person verachten. Auch eine ganze Gruppe darf man durchaus beleidigen, schmähen und verachten, wie Zitelmann erkennt: weiße alte Männer zum Beispiel.

Wer jemandem den Vorwurf der Menschenverachtung wie einen Bannstrahl entgegenschleudert, verachtet ihn ja offenkundig auch und muß sich denselben Vorwurf gefallen lassen. Das merkt er allerdings nicht, weil er mit „Menschenverachtung“ etwas ganz anderes meint: Der andere mißachte nämlich die Heiligkeit des Menschen an sich, deren Abglanz ihm wie ein Splitter einer höheren Wesenheit innewohnt. Weiterlesen

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