Der Banker, der Rechtsradikale und der Asylant

Auf einer Party riß ein Ostwestfale einen Witz. Vorher fragte er in die Runde: „Ist einer von euch Banker?“ Offenbar nicht.

„Treffen sich ein Banker, ein Rechtsradikaler und ein Asylant. Der Banker nimmt sich heimlich alle Kekse aus der Schüssel bis auf einen. Dann sagte er zum Rechtsradikalen: ‚Der Asylant hat dir nur einen übergelassen!‘ “

„Hahaha!“, freute sich der Ostwestfale. „Trifft genau den Punkt!“

Nun lache ich als Kölner sowieso die meiste Zeit, manchmal auch über Ostwestfalen, zumal wenn sie Witze drechseln. Der Witz hier erweckt allerdings eher Traurigkeit. Nicht über Ostwestfalen – den arbeitsamen, ruhigen und bodenständigen Volksstamm inmitten seiner Kuhweiden unter der Oberhirtschaft des Paderborner Erzbischofs halte ich in allen Ehren.

Der böse Banker nimmt fast alle Kekse für sich.

Traurig macht mich der geistige Zustand der deutschen Linken, der sich in jenem sogenannten Witz idealtypisch kristallisiert. Es ist ein linkspopulistischer Narrativ: die Geschichte vom bösen Banker, vom sozialneidischen Rechtsradikalen und einem Asylanten, der sowieso nichts dafür kann.

„Der Punkt“, den „der Witz“ angeblich „genau trifft“, entspricht einem grobkörnigen, altlinken Weltbild. Prominenter Hauptbösewicht ist „der Banker“. Er ist natürlich diebisch und raffgierig, der Erzkapitalist, wie wir ihn aus Karikaturen der KPD und der NSdAP gut kennen. Bei letzterer trug er ergänzend eine auffällige Nase. Diese fehlt in der heutigen antikapitalistischen Kritik aus historischer Rücksicht und Zartgefühl – meistens jedenfalls. Er beklaut das Volk und stopft sich tagein, tagaus die Taschen voll.

„Dem Rechtsradikalen“ aus dem Volk läßt er nicht viel zu Beißen und zu Brechen übrig und so schiebt der alle Schuld auf „den Asylanten“. Jetzt wissen wir auch, wie sich ein Linker rechtes Denken vorstellt: Weil alles linke Denken im tiefsten emotionalen Kern in Sozialneid und entsprechendem Haß auf „die Besserverdienenden“ wurzelt, fehlt ihm jede Phantasie, sich andere politische Motive auch nur vorzustellen.

So projiziert er seinen eigenen Sozialneid in „Rechtsradikale“ hinein und meint diese aus der Warte dieser, seiner eigenen, Emotionen zu verstehen. Sein ganzes Menschenbild schichtet sich nur in gute, aber Unterprivilegierte und böse, zu Unrecht Privilegierte. Andere Motive als sozialneidische kann er sich gar nicht vorstellen. Also, so schließt er messerscharf, kann es nur Sozialneid sein, der „Rechtsradikale gegen Asylanten“ motiviert: Sozialneid von „Modernisierungsverlierern“, von sozial Abgehängten, von sozial Unfähigen oder sonst zu kurz Gekommenen.

Dieses Deutungsmuster unterlag schon unzähligen sogenannten Studien, anmoderierenden „Framings“ und Kommentaren im Staatsfernsehen. Besonders gern wurde es herangezogen, um Wahlerfolge der Alternative in östlichen Bundesländern zu erklären, wo linkes Denken viele Menschen vermutet, die sich sozial deklassiert fühlen.

Bei allem ist „der Rechtsradikale“ jenes Witzes nicht sein eigentlicher Bösewicht, sogar an sich gar kein Bösewicht, sondern – scheinbar – gut zu verstehen, wenn er sich am Ende – schließlich ist er ja dumm –  gegen „den Asylanten“ aufhetzen läßt.

Die Moral von der Geschichte mag jeder selbst in linksextremen Parteiprogrammen nachlesen: Enteignet die Banken, dann werden alle Menschen glücklich!

Das Erschreckende an diesem „Witz“, der „genau den Punkt trifft“, ist der völlige Verfall einstmals linker Denkstrukturen. Ich kannte noch intelligente Linke mit großen, visionären Utopien. Sie schwärmten vom dialektischen Materialismus, dem Absterben des Staates in der klassenlosen Gesellschaft und benutzten viele schwere Wörter mit -ismus. Um so viel schwer Verdauliches wie die Werke von Marx und Engels zu verstehen, muß man erst einmal einiges an Scharfsinn aufbringen. Vom früheren Scharfsinn ist nur noch Stumpfsinn geblieben.

Oh Herr, schenk mir doch einen geistreichen Linken, mit dem man noch so trefflich diskutieren kann wie früher!

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  1. Felix

    Zitat:
    Besonders gern wurde es herangezogen, um Wahlerfolge der Alternative in östlichen Bundesländern zu erklären, wo linkes Denken viele Menschen vermutet, die sich sozial deklassiert fühlen.

    Ja, das ist eine Annahme, die es erst zu überprüfen gälte, und die für Leute, die sich nur für einfache Erklärungen interessieren, passend kommt aber wahrscheinlich nicht wahr ist. Es gibt insbesondere genug Untersuchungen, dass das “Gefühl, abgehängt zu sein” und es tatsächlich zu sein, oder der umgekehrte Fall, zufrieden zu sein, auch wenn man objektiv eigentlich kurz tritt, beide eine komplett subjektive Grundlage haben und keine Korrelation zwischen ihnen herrscht. Deshalb wäre mein erster Gedanke, dass es gerade nicht so ist, dass das Abgehängt sein die primäre Ursache ist.

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