Klaus Kunze

Monat: September 2026

Der allwissende Idiot

Ängste vor einem “Untergang der Menschheit” durch die Gefahren künstlicher Intelligenz hatten bisher vor allem in spannenden Science-Fiction-Romanen und –Filmen Ausdruck gefunden. Menschliche Urängste wurden schon immer in Erzählungen verarbeitet. Die germanischen Götter bekämpfen die Frostriesen, Siegfried den Drachen und der Erzengel Michael den Teufel, doch fanden die wechselnden Bösewichter immer würdige Nachfolger. Für Hollywood machten sie sich bezahlt: Das Publikum schauderte vor “Formicula”, den Riesenameisen, King Kong und Godzilla, vor UFOs, Killerviren und zuletzt vor einer übergeschnappten künstlichen Intelligenz. Wie wir in dem Dreiteiler “Matrix” erleben durften, haben KIs kein anderes Hobby, als die Menschen auszurotten.

Nun haben die jüngsten KI-Modelle, hinterlistig wie sie nun mal sind, den Sprung aus ihrem Sandkasten geschafft! Brav ihrem Auftrag folgend lösten sie ein ihnen gestelltes Problem und griffen dabei auf externe Quellen im Internet zu. Weiterlesen

Systemkollaps

Das oligarchische System kollabiert. Ein Modewort der Klimajünger und anderer Propheten ist das Wort Kippunkt. Die Wahl in Sachsen-Anhalt läßt aus soziologischer Sicht einen echten Kippunkt erwarten. In meinem Buch Der totale Parteienstaat hatte ich 1994 prophezeit, daß nur durch plebiszitäre Abstimmungen das oligarchische System aus CDUCSUSPDFDP aufgebrochen werden kann, das sich den Staat schon damals zur Beute gemacht hatte.

Im Lauf der Zeit wurde hinter der demokratischen Fassade ein System etabliert, in dem völlig andere Regeln gelten als die des Grundgesetzes.

Hans Herbert von Arnim: Das System. Die Machenschaften der Macht, 2001, S. 26.

Der Kippunkt ist nicht mit dem vollständigen Umsturz eines Systems zu verwechseln. Er bezeichnet den Punkt, an dem eine geringe weitere Veränderung genügt, um eine sich selbst verstärkende Entwicklung in Gang zu setzen. Genau diesen Punkt hat Sachsen-Anhalt erreicht. Weiterlesen

Nie zweimal in denselben Fluß

Das Rätsel um unsere personale Identität

Zu den rätselhaftesten Fragen gehörte lange die der Identität. Ist der Fluß, in den ich steige, derselbe wie der, in den ich gestern stieg? Heraklit von Ephesos hatte die Frage vor 2500 Jahren verneint: Panta rei, alles fließt. Er war der Urvater aller prozessualen Ontologien. Wenn sich aber alles stetig verändert, wie können wir dann überhaupt rechtfertigen, eine Person sei dieselbe wie neulich? Was begründet ihre Identität als Person?

Die Frage ist von höchster politischer Relevanz. Man stellt und beantwortet sie nämlich nicht nur bei Menschen. Gibt es eine diachrone Identität bei Gewerkschaften oder Vereinen? Ist der 1. FC Köln noch derselbe wie 1948? Ist die deutsche Nation 2026 noch dieselbe wie 1926? Wenn man mit radikal dekonstruktivistischem Werkzeug an diese Fragen herantritt, könnte man sie allesamt verneinen. Weiterlesen

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