Das Rätsel um unsere personale Identität
Zu den rätselhaftesten Fragen gehörte lange die der Identität. Ist der Fluß, in den ich steige, derselbe wie der, in den ich gestern stieg? Heraklit von Ephesos hatte die Frage vor 2500 Jahren verneint: Panta rei, alles fließt. Er war der Urvater aller prozessualen Ontologien. Wenn sich aber alles stetig verändert, wie können wir dann überhaupt rechtfertigen, eine Person sei dieselbe wie neulich? Was begründet ihre Identität als Person?
Die Frage ist von höchster politischer Relevanz. Man stellt und beantwortet sie nämlich nicht nur bei Menschen. Gibt es eine diachrone Identität bei Gewerkschaften oder Vereinen? Ist der 1. FC Köln noch derselbe wie 1948? Ist die deutsche Nation 2026 noch dieselbe wie 1926? Wenn man mit radikal dekonstruktivistischem Werkzeug an diese Fragen herantritt, könnte man sie allesamt verneinen. Weiterlesen
