Klaus Kunze

Fliegt der Feuerfalter ins Auge des Betrachters?

Viele Schmetterlinge verhungern in offener Landschaft. Auf Wiesen, auf die Jahr um Jahr Gülle geschüttet wird, wächst nicht viel mehr als Gras.

Brauner Feuerfalter, Lycaena tityrus 5.8.2016

Die Biene rechts über dem kleinen Falter ermöglicht einen Größenvergleich zwischen den beiden blütenliebenden Insekten. Für beide bildet der blühende Steinbrech im Steingarten eine wichtige Nahrungsquelle. Futterpflanze der Raupen ist der Sauerampfer.

Es gibt nur noch wenige Wiesen in der Feldmark, die halbwegs natürlich sind und wenigstens einen Grundstock an Klee und wenigen anderen Blühpflanzen aufweisen. Auf sie stürzen sich die verbliebenen Schmetterlinge wie auf die letzte Tankstelle vor der Grenze.

Es nährt aber nicht jede Blüte jede Schmetterlingsart. Viele haben deutliche Vorlieben, die mit dem inneren Aufbau der Blüten und der Beschaffenheit des Saugrüssels zusammenhängen können. Keiner der großen Edelfalter käme auf die Idee, eine Kleeblüte anzufliegen, doch auf ihren Lieblingsbüschen, dem Sommerflieder, finden wir keine Angehörigen der Bläulingsfamilie. Weiterlesen

Die Last mit der Volksverhetzung

In Deutschland ist die Meinungsfreiheit eingeschränkt. Für Juristen und gebildete Laien ist das ein alter Hut. Sie steht nämlich unter dem Vorbehalt der allgemeinen Gesetze.

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

Art. 5 Grundgesetz

Zu den allgemeinen und allgemein akzeptierten Gesetzen zählte immer das strafrechtliche Verbot, einen anderen zu beleidigen. Weiterlesen

Wann fliegt uns unser Staat um die Ohren?

Deutschland 2019 erweckt für viele den Eindruck, als flögen unserem Staat demnächst seine gesellschaftlichen Einzelteile um die Ohren. Tiefe Klüfte des Mißverstehens klaffen zwischen einem sich internationalistisch und links verstehenden Teil und einer Noch-Mehrheit deutsch und traditionell Denkender. Die Feindseligkeit entlädt sich, wenn Redner niedergebrüllt, Autos angezündet und Andersdenkende ins Krankenhaus geprügelt werden.

Daß der Mensch des Menschen Wolf sein kann, wenn man ihn läßt, hatte der Staatsdenker Thomas Hobbes in den Religionskriegen des 17. Jahrhunderts schmerzlich beobachtet. Dem Staat als Hüter des inneren Friedens maß er die Aufgabe zu, den weltanschaulichen Haß einzuhegen. Er sollte seine Bürger vor Übergriffen Andersgläubiger schützen, mußte ihnen aber den Gehorsam abverlangen, selbst den Frieden der Gesetze zu wahren. Das neuzeitliche Staatsdenken bis zu unserem Grundgesetz sieht darin den Zweck des Staates und den Sinn des abgeforderten Verzichtes, über ungläubige Nachbarn herzufallen: Der innere Frieden soll jeden Bürger schützen und ruhig schlafen lassen. Weiterlesen

Immer wieder montags …

„Das Land ist ja frei, und der Morgen tagt …!“ Wir füllten den kleinen VW-Polo mit lautem Jubel und mit Theodor Körners Lied von 1813. Wie dessen „wilde, verwegene Jagd“ kamen wir uns fast vor, kurz hinter jener Zonengrenze, die mein Leben lang eine Albtraumgrenze gewesen war. Jetzt, Anfang Januar 1990, durften wir visumfrei einreisen und kurvten über nasse Kopfsteinpflaster der F80 ostwärts.

In Leipzig ereignete sich an jenem Montag Geschichte. Meine Kinder sollten einst sagen können: „… und wir sind dabei gewesen.“ Dabei kannten sie das Land schon, in dem ihr Vater 37 Jahre zuvor geboren worden war. Grenze und Todesstreifen hatten uns nicht abschrecken können, unsere Verwandten zu besuchen.

Der Augustusplatz stand schon halbvoll. Damals hieß er Karl-Marx-Platz. Wir erklommen die Stufen der Oper, damit meine Kleinen über die Köpfe der Menge hinwegsehen konnten. Weiterlesen

Elfenflug

Schwing die Flügel, kleine Elfe,
denn es ist die höchste Zeit,
hoch im Mittag gleißt die Sonne,
Auch die andern sind soweit!

Hoch zum Himmel lasset steigen
schwirren, trunknen Elfentanz,
mit den andern uns vereinen,
lieben bis zum Abendglanz.

Auf zum Reigen! Deinen weißen
Nacken neige Du in banger Lust,
spürst die fremden Blicke schweifen
über Lenden, Po und Brust.

Fliege süße Elfe, schwebe,
jauchze hell im Sonnenstrahl,
dreh dich nackt im Tanz und wiege
dich zu unsrer Lust zumal.

Ja, das Feinste zu erhaschen,
das ist höchste Elfenlust,
zu ergreifen, zu erfassen,
Senken in Dich Kuß um Kuß.

Doch das stärkste allen Sehnens
endigt jäh den irren Flug,
und auf moosigweichem Grunde
brennet lodernd heiße Glut.

KK 2011

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Was ist eigentlich: rechts?

Gegnern ein stigmatisierendes Etikett anzuheften, gehörte schon immer zu den bewährten Stategien. Ganz körperlich gingen die Nationalsozialisten so vor und zwangen Juden, Schwule und andere, bestimmte Aufnäher zu tragen, damit jedermann sie erkennen und als minderwertig einstufen sollte. Im Mittelalter mußten Dirnen in viele Städten Bändchen in bestimmten Farben tragen, um nicht mit ehrbaren Damen verwechselt zu werden.

Ein solches entehrendes Abzeichen kann auch in einem bloßen Schimpfwort bestehen, das einer Minderheit systematisch aufgeklebt und angehängt wird: Der verbale Weg führte vom Ketzer über den Kriegsgewinnler bis zum heutigen Nazi. Immer geht es darum, bestimmten Leuten die eigene Entscheidung zu verwehren, wie sie genannt werden möchten. Aus Sicht des Rechtgläubigen sind alle anderen Gläubigen Ketzer, und aus Sicht ganz Linker sind alle anderen Leute Rechte. Ihnen gilt der „Kampf gegen Rechts“.

Soweit, so gut. Weiterlesen

Demokratieunfähig

Die radikale Linke hat nach einem Marsch durch alle Institutionen fast flächendeckend die Macht ergriffen. Sie ist demokratieunfähig, weil sie diskussionsunfähig ist.

Diskussionsunfähig ist sie, weil sie sich in eine emotionale Parallelwelt geflüchtet hat. Im moralischen Jenseits zählen keine Argumente mehr, sondern nur noch ihr fanatischer Haß auf Andersdenkende. Anders denken alle, die im Diesseits leben zwischen frühem Aufstehen, dem Weg zu Arbeit, der täglichen Sorge um ihre Kinder und ihren Alltag. Luftschlösser und Wahnwelten sind ihnen fremd.

Sie bilden die „Mitte der Gesellschaft“. Die früheren „Otto-Normalverbraucher“ haben einen engen Bezug zu den harten Fakten des Daseinskampfes. Sie sind immun gegen ideologische Wahnvorstellungen.

Von wahnhaften Zwangsvorstellungen wimmelt und brodelt es in linken Köpfen. Sie glauben inbrünstig an „das Gute“ und suchen „das Böse“ auszurotten. Das Gute verkörpert sich in erster Linie in ihnen selbst und in zweiter Linie in jeder Menge liebenswerter Minderheiten. Weiterlesen

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