Klaus Kunze

Sag mir, wo die Schmetterlinge sind!

Sag mir, wo die Falter sind!

Kinder fingen sie im Wind.

Sag mir, wo die Falter sind!

Was ist geschehn?

Für das Wegsterben und Aussterben der Insekten ist die heutige Weise verantwortlich, Land zu bewirtschaften. Es wurde Zeit, daß sich die jahrzehntealte wissenschaftliche Erkenntnis endlich breit durchgesetzt hat:

Für die säkularen Veränderungen im Artenspektrum der Lepidopteren des südlichen Niedersachsens sind bislang vor allem tiefgreifende Umwandlungen der landschafts- und Vegetationsstrukturen verantwortlich zu machen. [..] Offenkundig sind […] vor allem Falter, die eine enge Bindung an reich strukturierte, lichte und warme Laubmischwälder (z.B. Eichenmischwälder), an wenig oder extensiv genutzte Magerrasen, an ausgedehnte Heideflächen und an kraut- und blütenreiche Berg- und Feuchtwiesen aufweisen, von Rückgangserscheinungen betroffen.

Thomas Meineke, Diss.rer.nat., Göttingen 1984, S.247.
Kleiner Schmetterlingssammler 1897

Seit Beginn der menschlichen Besiedlung wurden die Waldflächen gerodet. Höhepunkt der Rodung war das hohe Mittelalter. Weiterlesen

Soldaten und Garnisonen in Südwest-Niedersachsen 1603 bis 1803

Forschung und Buchprojekt 2017 / 2020

  • Vom Landsknechts-Fähnlein zum stehenden Heer: Personengeschichte der Soldaten und ihren Familien im kurhannöverschen Raum zwischen Solling, Weser, Werra und Leine im 17. und 18. Jahrhundert –

Zu den Personalien der Offiziere der Armeen des früheren Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg, dem nachmaligen Königreich Hannover, gibt alte Literatur erschöpfend Auskunft. Die einfachen Soldaten sind dort nicht berücksichtigt. Die Ziel dieser Bearbeitung ist es, diese Forschungslücke zu füllen.


Dabei hat es die Forschung nicht entscheidend befördert, in Arbeitsgruppen für hannoversche Militärgeschichte museale Uniformknöpfe zu polieren. Auch militärische Strategie oder tapfer erkämpfte Siege motivieren uns nicht.
Ein wirkliches Verständnis, wie es eigentlich gewesen ist, kann nur bei den konkreten, individuellen Menschen ausgehen. Die Kenntnis ihrer Lebensumstände setzt die Kenntnis ihrer Person aber voraus, also steht Personengeschichtsforschung am Anfang aller Militärgeschichte und ist nicht nur deren Anhängsel. Weiterlesen

Waldgängerträume

Die Stille singt mir ein Lied
wie Traum aus uralter Zeit.
Mit ihm die Sehnsucht fliegt
über Wälder und Hügel weit.

Wie Adlerflügelrauschen
aus Eichen raunt mirs zu
Vergebens all mein Lauschen
das Herz gibt keine Ruh.

Im Traum an meinem Beine
leis winselt auf mein Freund.
Vier Pfoten zucken leise
in schlafender Urkraft des Wolfs.

Ja, träum nur, treuer Gefährte,
der Seele laß ihren Raum,
dann weinen wir gemeinsam,
ein jeder um seinen Traum:

Wenn alle untreu werden,
in dieser dunklen Nacht,
so bleiben wir doch treu,
bis unser Land erwacht.

KK

In memoriam
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Antifaschistisch vernagelte Köpfe

Man kann sich bemühen, kosmisch zu denken. Für solche Denker sind wir Menschen nur Zigeuner am Rande des Universums, kosmische Eintagsfliegen gewissermaßen. Werden wir unseren Planeten jemals verlassen können? Daß wir ihn gerade in einen übervölkerten, wüsten Müllhaufen verwandeln, wäre Anlaß genug. Raumfahrt tut not! Der Mensch

weiß nun, daß er seinen Platz wie ein Zigeuner am Ran­de des Universums hat, das für sei­ne Musik taub ist und gleich­gültig gegen seine Hoffnungen, Lei­den oder Ver­brechen.

Jacques Monod, Zufall und Notwendigkeit, Paris 1970, München 1971, 9.Aufl.1991, S.151

Es gibt auch Menschen, deren Denken nur bis den Brettern reicht, mit denen sie sich ihre geistige Welt selbst vernagelt haben. Als Galileo Galilei (1564-1642) vor das katholische Inquisitionsgericht treten mußte, traf er auf solche vernagelten Leute. Aus obskuren alttestamentarischen Texten leiteten sie ihr Dogma ab, die Erde sei der Mittelpunkt der Schöpfung. Weiterlesen

Der Wald ist tot – es lebe der Wald!

Alle paar Jahre raunt es in den Medien: Der Wald stirbt! Es raunt umso nachdrücklicher, je lauter von Lobbyseite millionenschwere Subventionen gefordert werden. Diese seien jetzt nötig, um die Dürreschäden an den deutschen Wäldern durch Aufforstung zu beheben.

Tatsächlich stirbt vor sich hin, was wachsen soll, wo es nicht hingehört. Der Reinhardswald in Nordhessen macht gerade deutschlandweit von sich reden, weil die CDU-Grüne-Koalition in Wiesbaden großflächig gigantische Windräder hineinstellen und wohl auch roden will.

Absterbende Fichten am Waldrand, 26.10.2019

Im Reinhardswald gibt es einen urwaldähnlichen Bereich mit meterdicken Eichen, naturnahen Mischwald, aber auch Fichten-Monokulturen. Diese Fichtenbestände sind so gut wie tot. Förster prophezeien, daß im Reinhardswald bis 2020 flächendeckend die Fichten abgestorben sein werden. Sie waren dem Trockenstreß der beiden letzten Sommer nicht gewachsen. Hat eine Fichte nicht genug Wasser, bildet sie zu wenig Baumharz, um Borkenkäfer am Eindringen zu hindern. Weiterlesen

Schmetterlinge und Saurier

In welchem Zeitalter erschienen auf unserer Erde die ersten Schmetterlinge?

Friedrich Schnack, Das Leben der Schmetterlinge, 1928

Gebannt las ich die Frage am Beginn des Buches, das ich mir eben für 1 Mark antiquarisch gekauft hatte. Ich war neun Jahre alt und auf Ferienfahrt in Bad Zwischenahn mit meinem Kölner Judo-Club Wu Wang. Auf dem Buch im Wühltisch vor dem Laden prangte ein Schmettelings-Stich von Merian und stach mir ins Auge. Sofort griff ich zu. Ich habe das Buch noch als Kind unzählige Male gelesen.

Sein Lyriker Friedrich Schnack fragte sich:

Ich wüßte gern, ob damals schon Blumen blühten und welche, auf dem vom Beben geschüttelten Land, in jener menschenlosen Vorzeit, als auf der Erdenflur die Berge hüpften wie Wogen auf Meeren. Die Blumen, hatten sie ihre Schmetterlingsspeise, den Nektar, schon erfunden?

Seine Zeiten überspannende Phantasie entzündete meine kindliche Neugierde bis heute. Weiterlesen

Die linken Puritaner

Die Linke ist mutiert. Als ich 1968 Schüler war, klopfte sie gern den Spruch: „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment“. Das Establishment waren die Bösen: alte, repressive, reaktionäre Spießer, Fossilien des klerikal-faschistischen Syndroms der BRD. Und dieses gehörte natürlich weggeräumt, um alle Unterdrückten ins kommunistische Paradies zu führen.

Heute sind die linken Revolutionäre von einst selbst die Spießer. Schon Robert Mi­chels hatte 1911 festgestellt: Im Besitze der Macht geht in dem Re­vo­lutionär eine Umwand­lung vor, an deren End­punkt er, wenn nicht der welt­an­schau­lichen Legitimation, so doch der Sub­stanz nach, den Ent­thronten so ähn­lich wird wie ein Haar dem an­de­ren.

In meiner Kindheit konnte ein nackter Busen in einer Illustrierten noch den Staatsanwalt auf den Plan rufen. Bald ist es wieder soweit. Nackte Busen gelten als „sexistische Werbung“. Wer im Betrieb mit einer anziehenden Kollegin anbändeln möchte, läuft Gefahr, wegen sexueller Anmache gefeuert zu werden. Weiterlesen

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