Das Fluide der westlichen Ideologie
In der Ideologie jedes Staates verdichtet sich die objektivierbare Interessenlage seiner Mehrheitsgesellschaft oder ihrer Lenker. Es gilt ihr als nicht zu hinterfragender Grundsatz einer gerechten Weltordnung immer ausgerechnet das, was ihr nützt.
Wem die „Deutung der Orakel der Gerechtigkeit anvertraut ist“, wird erfahrungsgemäß „diese Göttin bewegen können, nichts zu antworten, was wider den eigenen Vorteil ist.“[1]
Samuel von Pufendorf, De statu Imperii Germanici, 1667
Das politische Establishment Nachkriegsdeutschlands wandte sich von der Vorkriegsideologie ab und erklärte in allen Fragen ihr jeweiliges Gegenteil für richtig. Für militärisch Besiegte erschien Wohlstand durch Handel unter Übernahme der mit dem Handel verbundenen weltanschaulichen Voraussetzungen als einzige Option. Die westlichen Siegermächte nahmen ein pazifistisches Deutschland gern in den Kreis der moralisierenden Handelsstaaten auf. Eine interventionswürdige Unmoral findet sich regelmäßig dort, wo es Rohstoffe zu sichern gilt. Weiterlesen


