„Ich funktioniere bloß noch!“, klagte die junge Mutter. „Ich muß auch erst mal wieder zu mir selbst finden,“ antwortete ihre Freundin. „Alle zerren sie an mir, jeder in eine andere Richtung.“
Wie diese beiden fühlen sich viele Menschen zerrieben zwischen den Anforderungen von Familie, Beruf und einem Freizeit- und Urlaubrest, in dem sie sich vielleicht noch der Zeittaktung von Bahn und Flugzeug aussetzen. Ein Empfinden menschlicher Überforderung nimmt überhand. Es schlägt sich in Burn-out-Syndromen oder Depressionen nieder. Menschen besuchen „Selbstfindungskurse“ oder erhoffen sich Trost in esoterischer Weltflucht.
Diesen persönlichen Empfindungen entsprechen Beobachtungen dessen, was als gesellschaftlich erwünschtes Verhalten gilt. Jeder muß die ihm gestellten Anforderungen penibel erfüllen, weil das Ganze sonst nicht mehr funktioniert. Verschläft ein Lokführer, kommen die morgendlichen Pendlern zu spät zur Arbeit. Chaos bricht aus. Die auf Effizienz getrimmte industrielle Massengesellschaft funktioniert nur mit funktionierenden Menschen.
In ihrer Funktionslogik nimmt sie Menschen nicht mehr als Individuen wahr, sondern nur in ihrer jeweiligen Funktion. Weiterlesen


