Klaus Kunze

Kategorie: Philosophie Seite 22 von 23

Deutschland als Wille und Vorstellung

Schließen Sie ihre Augen, und lauschen Sie: Es lebte einst eine alte Großmutter. Manchmal kam ihre kleine Enkelin zu Besuch. Sie war der einzige, kleine Sonnenstrahl im Leben der alten Dame. Die aber sorgte sich um das Kind. Im Leben des Kindsvaters spielten nämlich Einflüsse mit, denen die Kleine nicht zum Opfer fallen sollte. Verzweifelt rief sie sogar das Familiengericht an und wollte sie zu sich nehmen. Aber das Schicksal riß die beiden für immer auseinander.

Können Sie sich die Oma gut vorstellen? Haben Sie sie bereits lieb gewonnen? Machen Sie sich ein Bild von ihr?

Dann stellen Sie sich danach bitte eine Frau vor, die wegen vierfachen Mordes verurteilt worden ist. Alle Opfer waren vermögende alte Männer. Mengen Sie nun in ihrer Vorstellung Schlafmittel in Erbsensuppe, und weben sie die Suppe in diese Geschichte ein, in der auch ein Gehilfe eine Rolle spielt, der sich mit dem Erwürgen und Verbrennen bestens auskennt. Weiterlesen

Gegengift gegen oligarchische Giftdämpfe

Früher gab es intelligente Linke. Von den intelligenten Linken der 1968er-Generation sind viele inzwischen politisch weit nach rechts gerückt. Mit zunehmendem Lebensalter gerät doch mancher in engen Kontakt mit dem realen Leben. Mein Vater pflegte mir früher schon zu sagen: „Wer mit 18 kein Kommunist ist, hat kein Herz, und wer es mit 40 noch ist, hat keinen Verstand.“

Von intellektuellen Linken liest man immer weniger. 1989 brach der real existierende Sozialismus flächendeckend zusammen. Von diesem Schicksalsschlag haben sie sich nicht erholt. Viele flüchteten sich in einen neuen gefühligen Moralismus ohne konsistente Ideologie im alten, marxistischen Sinne. Die Zeit ihrer großen weltanschaulichen Entwürfe ist vorbei.

Ein paar Epigonen gibt es noch. Sie versuchen verzweifelt, den Anschluß an das intellektuelle Niveau früherer Linker zu halten. Es gelingt ihnen nicht. Da ihnen „der Kapitalismus“ als Feindbild abhanden bekommen ist und sie keine Erlösungsutopie mehr anzubieten haben, arbeiten sich manche an einem neuen Feindbild ab. Weiterlesen

Laßt die Toten ruhen!

Nicht jeder ist dazu bereit. 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg drangen französische Soldaten in den Dom von Speyer ein und plünderten die oberen der mittelalterlichen Kaiser- und Königsgräber. Grab- und Leichenschändungen haben Tradition. Oft verbanden sie sich mit religiösem oder ideologischen Haß, der selbst den Toten keine Ruhe ließ.

Grabschändungen widersprechen in besonderer Weise einem in den meisten Kulturen bestehenden Tabu. Diesem entspricht es, wenn heute Knochen aus Afrika oder Amerika aus deutschen Museen entfernt werden, die das fundsüchtige 19. Jahrhundert hier aufgetürmt hatte. Sie werden dann gern „würdig“ den fernen Verwandten der Toten übergeben.

Das deutsche Strafgesetzbuch schützt die Ruhe der Toten und ihre Grabstätten:

(1) Wer unbefugt aus dem Gewahrsam des Berechtigten den Körper oder Teile des Körpers eines verstorbenen Menschen, eine tote Leibesfrucht, Teile einer solchen oder die Asche eines verstorbenen Menschen wegnimmt oder wer daran beschimpfenden Unfug verübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

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Die Auflösung des deutschen Volkes

Die Auflösung des deutschen Volkes

Das deutsche Volk befindet sich in heller Auflösung. Diese Auflösung wurde von langer Hand geplant und wird jetzt quasi generalstabsmäßig durchexerziert. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern das nüchterne Resultat eines Blickes auf die Fakten und auf die politischen Absichten der maßgeblichen Akteure.

Das deutsche Volk ist ein mehrdeutiger Begriff. Ursprünglich hatte es sich nicht zwingend mit Verwandtschaft zu tun. Zum folc gehörte in althochdeutscher Zeit, wer dem Kriegsvolk „folgte“. Einem wandernden Volk schlossen sich in der Völkerwanderungszeit vielerlei Leute an. Im Laufe der Jahrhunderte verband sich das Wort Volk aber fest mit dem Begriff des deutschen Volkes. Zu ihm zählte man alle Menschen deutscher Muttersprache.

Die harten Fakten und ihre Gründe

Bekanntlich lebten niemals alle Deutschen in einem Staat zusammen. Den verschiedenen deutschen Staaten haben immer auch Menschen angehört, die nicht deutsch sprachen. Volkszugehörigkeit ist ein faktischer Zustand, Staatsangehörigkeit ein rechtlicher. Weiterlesen

Die Uhr tickt

Konservativ sein heißt: immer zu wissen, daß die Lebensuhr tickt.

Wenn es hingegen ein Merkmal des modernen Menschen schlechthin gibt: Er lebt in einer immerwährenden Gegenwart. Für ihn gilt allenfalls die Anzeige seiner Armbanduhr. Sie treibt und hetzt ihn von Ort zu Ort. Er lebt für den Augenblick. Er muß nicht unbedingt wissen, woher er kommt. Und wohin er einst gehen wird, schert ihn nicht. Wird er verbrannt oder in einem „Friedwald“ anonym verbuddelt? Egal.

Hora volat

Die moderne Industriegesellschaft zwingt die ihre menschlichen Bestandteile zu ständigen räumlichen Rochaden: morgens nach hier, nachmittags nach dort. Der Ortswechsel wird zum Dauerzustand. Alle Konzentration gilt dem Jetzt und Hier.

Konservative Menschen dagegen leben nicht primär im Raum, die leben in der Zeit. Gerade sie wissen: Hora volat – die Stunde verfliegt. Das wirft viele Fragen auf. Das Morgen und das Übermorgen begrenzt ihren Horizont nicht. Weiterlesen

Die Macht des Symbolischen

Die Chancen rationaler Politik stehen schlecht. Die Massen-Medien-Demokratie belohnt es nicht, Interessen rational vorzutragen und zu vertreten. Ihre Spielregeln begünstigen Strömungen, die sich emotional geben und diese Gefühle in Form bestimmter Symbole gießen.

Symbolon nannten schon die antiken Griechen ein Wiedererkennungszeichen unter Freunden. Mit dem Verb symballein bezeichneten sie es, wenn ein zerbrochenes Stück wie ein Ring wieder aneinandergehalten wurde. Paßten die Teile zueinander, hatten sich die Richtigen gefunden. Symbole wurden zum festen Bestandteil menschlicher Kultur vom urchristlichen Fisch bis zum modernen Smiley. Sie symbolisieren zusammengehörende Menschen, aber auch ganze Wörter, Sätze, Gefühle oder Glaubensbekenntnisse bis hin zu komplexen Weltanschauungen.

In unserem Medienalltag haben sie das gesprochene Wort verdrängt und ersetzt. Das gilt überall da, wo eine Sendung produziert wird, um Menschen zu beeinflussen: bei der Produktreklame, in Nachrichtensendungen, in Vorabendserien. Bildsymbole erkennt jeder sofort als Symbol. Wer in der Sportschau das Symbol eines konkurrierenden Vereins sieht, schaltet innerlich schnell auf Abwehr. Weiterlesen

Sag mir, wo die Elfen sind!

Keine Angst, es gibt noch welche. Wir sehen sie nur nicht. Um Schmetterlinge zu sehen, müssen wir unsere Augen nur öffnen. Um Elfen zu sehen, müssen wir die Augen dagegen schließen.

Wir können wieder sehen lernen. Neon-Helligkeit hat unsere Augen geblendet. Alles Grelle und Bunte wird groß herausgezoomt – wozu da noch genau hinsehen? Für das Feine, das Kleine, schwanden uns die Sinne.

Hauhechel-Bläuling, Männchen, Eberhausen 21.5.2016

Und flach ist alle Tage unsere Augenwelt, flach wie ein Bildschirm. In die räumliche Tiefe zu sehen haben wir uns abgewöhnt. Darum sehen wir die Falter nicht mehr, auch wenn sie da sind. Und weil wir auch in die Seelentiefe nicht mehr schauen, sehen wir auch keine Elfen mehr.

Doch halt – huschte da nicht etwas von der Blüte aus unserem Gesichtsfeld? Ein Bläuling war es, ein Weibchen. Stahlblau prunken die Männchen, aber urlaubsbraun die Weibchen der Art. Weiterlesen

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