Klaus Kunze

Kategorie: Philosophie Seite 21 von 23

Antirassismus als Herrschaftsideologie

Zweifelsfrei war der historische Rassismus eine Herrschaftsideologie. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts teilten die USA und europäische Mächte die Welt unter sich auf. Am Schluß herrschte England über ein Fünftel der Erde. Den Ureinwohnern brachten man, so ihre Überzeugung, die Zivilisation. Vom Prärieindianer bis zum Australneger galten die Eingeborenen als Primitive, und das nicht nur hinsichtlich ihrer fehlenden „Zivilisation“:

Charles Darwin hatte nämlich die Gesetze von Mutation und Selektion entdeckt. Die Evolutionsbiologie steckte noch in den Kinderschuhen und schwankte zwischen richtigen Beobachtungen und zu weit gehenden Schlußfolgerungen. In der Öffentlichkeit setzte sich schnell der von Darwins Gegnern befeuerte Eindruck von der Evolutionstheorie fest, sie betrachte „den Affen“ als Vorfahren „des Menschen“. Die Evolution als eine lineare Entwicklung von etwas Niederem zu etwas „Höherem“ aufzufassen, lag nahe.

Als Motor der Selektion stellte man sich lange vor, es überlebe und pflanze sich weiter fort, wer objektivierbar überlebenstauglicher sei als der andere. Weiterlesen

Die Krone der Schöpfung

Ja, wir Menschen dürfen zurecht stolz sein. „Krone der Schöpfung“ – das hört sich gut an.

Der Erfolg ist uns nicht nur mal so eben zugefallen. Unser Stolz ist wohlverdient. Verdienter Stolz gründet auf eigener Leistung.

Wir schufen die Krone der Schöpfung. Darf ich vorstellen? Hier ist sie:

Krone der Schöpfung – edelste Hundewürde vom Scheitel bis zur Sohle

Gewiß, es gibt auch anderes grandioses Menschenwerk: den Kölner Dom, Beethovens Symphonien, Homers Ilias. Aber diese Krone ist etwas Lebendiges. Das unterscheidet den Hund kategorial von allen materiellen und ideellen Werken. Er ist unser Freund und Partner.

Seit ungefähr 25000 bis 35000 Jahren begleiten uns Hunde treu an unserer Seite. Menschen schufen sie durch ständige Zucht aus Wölfen. Sie vermögen sich mit ihren wilden Verwandten zwar noch zu paaren. Es gibt aber starke, im Genom verankerte Veränderungen. Diese betreffen das Verhältnis der Hunde zu uns Menschen. Weiterlesen

Von der Rationalität des Trojanischen Pferdes

Alle sind sich einig: Die anderen sind nicht mehr recht bei Verstand! Auf beiden Seiten des verbissenen Grabenkampfes denkt man über die unvernünftige andere Seite so. Gespräche finden nicht mehr statt. Es regieren vielfach Unverständnis und Haß.

Rechte zweifeln am Verstand Linker, immer mehr Ausländer ins Land zu lassen. Für Linke sind Rechte im Zweifel unverständige Populisten.

Vernunft? Ja, die Vernunft wähnt jeder auf seiner eigenen Seite, und nur auf ihr. Außer im eigenen Lager herrschen scheinbar nur Dummheit und Irrationalismus.

Tatsächlich aber bedienen sich allerdings beide Seiten ihres Verstandes. Nur ein unvernünftiger Glaube an die eigene Rationalität spricht dem Gegner dieselbe Rationalität ab. Allerdings beruhen die – formal rationalen – Handlungen jeder Seite auf ganz verschiedenen inhaltlichen Prämissen.

Es ist – formal – durchaus rationales Handeln, wenn jemand, seinem Seelenheil zuliebe, im Kölner Dom der Jungfrau Maria eine Kerze anzündet: Erfolg wird seine zielgerichtete Handlung aber nur haben, wenn es diese Jungfrau im Himmel wirklich gibt, wenn sie ihn bemerkt, sich über die Kerze freut und beim Lieben Gott für ihn bittet. Weiterlesen

Der Naturschutz und die „All-Einheit des Kosmischen“

Die politische Linke fährt mit Grünlicht auf der falschen Fahrbahnseite. Auf der konservativen rechten Seite sorgte man sich schon vor 50 Jahren um den Naturschutz. Die Natur zu schützen und zu bewahren, ist eine urkonservative Herzenssache.

Die traditionelle Linke war dagegen vom Ursprung her fortschrittsgläubig. Wo sie allein an der Macht war wie in der DDR, maß sie den Fortschritt geradezu in wirtschaftlichen Fünfjahresplänen, rauchenden Schornsteinen und Produktionsziffern zum Wohle der arbeitenden Klassen. Die Sozialutopie gleichen hohen Konsums für alle verlangte nach ungebremstem Wachtstum. Die Natur war kein linkes Thema.

Die SED-Genossen blieben bis 1989 auf diesem Kurs. Im wesentlichen galt das auch für die SPD-Genossen. Naturschutz trat damals unter „Bewahrung der Schöpfung“ auf, womit die Linke nun gar nichts anfangen konnte. Mit fortschreitender Entkirchlichung der Bevölkerung konnten aber auch immer weniger Konservative wie in der damaligen CDU einem Naturschutz Priorität einräumen, der als Schutz „der Schöpfung“ auftrat. Weiterlesen

Attentat auf den Weihnachtsmann und das deutsche Volk

Das Attentat war von langer Hand geplant. Die „Revisoren“ der Ordnung kannten kein Erbarmen. Da hatte diese chaotische menschliche Phantasie doch den – Weihnachtsmann erfunden! Er sollte sterben. Aber wie tötet man eine Phantasiefigur?

Terry Pratchett (1948-2015) wußte es, und mit ihm wissen es Millionen Leser seiner Fantasy-Romane. Wie kein anderer Autor hat Pratchett alle philosophischen Finessen für bare Münze genommen, persifliert und ironisch durchdekliniert. Hinter der Fassade seiner „Fanatasy“ verbergen sich profunde Kenntnis und geniale Philosophiekritik.

Terry Pratchetts Romane

Gevatter Tod als handelnde Person? Ein Pharao als lebender Gott übersteht seinen Tod? Der Weihnachtsmann müht sich durch den Schornstein abwärts und bringt Geschenke? – Willkommen in der Scheibenwelt! Hier handeln selbst die Naturgesetze wie Personen und haben es auf den Weihnachtsmann abgesehen. „Schneevater“ heißt er bei Pratchett. Wie auch „Der Tod“ ist er eine anthropomorphe Personifizierung.

Es gibt ihn, weil Menschen an ihn glauben. Weiterlesen

Deutschland als Wille und Vorstellung

Schließen Sie ihre Augen, und lauschen Sie: Es lebte einst eine alte Großmutter. Manchmal kam ihre kleine Enkelin zu Besuch. Sie war der einzige, kleine Sonnenstrahl im Leben der alten Dame. Die aber sorgte sich um das Kind. Im Leben des Kindsvaters spielten nämlich Einflüsse mit, denen die Kleine nicht zum Opfer fallen sollte. Verzweifelt rief sie sogar das Familiengericht an und wollte sie zu sich nehmen. Aber das Schicksal riß die beiden für immer auseinander.

Können Sie sich die Oma gut vorstellen? Haben Sie sie bereits lieb gewonnen? Machen Sie sich ein Bild von ihr?

Dann stellen Sie sich danach bitte eine Frau vor, die wegen vierfachen Mordes verurteilt worden ist. Alle Opfer waren vermögende alte Männer. Mengen Sie nun in ihrer Vorstellung Schlafmittel in Erbsensuppe, und weben sie die Suppe in diese Geschichte ein, in der auch ein Gehilfe eine Rolle spielt, der sich mit dem Erwürgen und Verbrennen bestens auskennt. Weiterlesen

Gegengift gegen oligarchische Giftdämpfe

Früher gab es intelligente Linke. Von den intelligenten Linken der 1968er-Generation sind viele inzwischen politisch weit nach rechts gerückt. Mit zunehmendem Lebensalter gerät doch mancher in engen Kontakt mit dem realen Leben. Mein Vater pflegte mir früher schon zu sagen: „Wer mit 18 kein Kommunist ist, hat kein Herz, und wer es mit 40 noch ist, hat keinen Verstand.“

Von intellektuellen Linken liest man immer weniger. 1989 brach der real existierende Sozialismus flächendeckend zusammen. Von diesem Schicksalsschlag haben sie sich nicht erholt. Viele flüchteten sich in einen neuen gefühligen Moralismus ohne konsistente Ideologie im alten, marxistischen Sinne. Die Zeit ihrer großen weltanschaulichen Entwürfe ist vorbei.

Ein paar Epigonen gibt es noch. Sie versuchen verzweifelt, den Anschluß an das intellektuelle Niveau früherer Linker zu halten. Es gelingt ihnen nicht. Da ihnen „der Kapitalismus“ als Feindbild abhanden bekommen ist und sie keine Erlösungsutopie mehr anzubieten haben, arbeiten sich manche an einem neuen Feindbild ab. Weiterlesen

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