Klaus Kunze

Kategorie: Allgemein Seite 45 von 50

Die deutsche Weihnacht

von Hermann Tögel [1]

Aus fremden Landen und aus fernen Zeiten ist das Weihnachtsfest zu uns gekommen. Zuerst feierten griechische Christen am 6. Januar, weil sie an diesem Tage früher als Heiden das Geburtsfest des Fruchtbarkeits-, Wein- und Begeisterungsgottes Dionysos begangen hatten, anfangs die Vereinigung des himmlischen Christus mit dem Menschen Jesus in der Taufe, später die Geburt Jesu.

In Rom bemächtigte sich die Kirche des volkstümlichen Lichttages des „unbesiegten Sonnengottes“ und gedachte deshalb am 25. Dezember 354 zum ersten Male der Fleischwerdung Gottes in der Geburt des Kindes Jesus.[2]

Was konnten diese fremdartigen griechischen und römischen Gedanken dem deutschen Volksgemüt bieten? Es ist verständlich, daß das Geburtsfest jesu in Deutschland nicht sofort volkstümlich geworden ist. Erst nach dem Jahre tausend wird das liebe Wort „Weihnacht“ gebildet..

Aber das deutsche Volk durchtränkte das kirchliche neue Fest allmählich mit seinen warmen Gefühlen. Weiterlesen

Trump und der Gashahn

Wenn ein Glaubenssystem zusammenbricht, gibt es gewöhnlich Tränen. Die Gläubigen verstehen die Welt nicht mehr. So ereilt auch die langjährigen Funktionseliten unseres Landes seit 2015 ihr Schicksal. Die Wirklichkeit ist über sie hereingebrochen.

Ihr verträumter Glaube hatte darin bestanden, endlich die vermeintlichen Irrwege der deutschen Geschichte hinter sich gelassen zu haben. In alle vier Himmelsrichtungen gaben sie Freundschaftserklärungen an alle Welt ab. Sie wähnten, damit das Phänomen der Feindschaft endgültig besiegt zu haben. Ab jetzt, waren sie sich sicher, würde uns alle Welt nur noch freundlich behandeln. Diesem Glauben entsprach operativ der Multilateralismus. Eingebunden in ein weltweites Netz von Verträgen sollte Deutschland nie wieder gefährliche Sonderwege beschreiten. Sie sahen ja so herrlichen Zeiten entgegen.

Bestärkt wurde diese Weltsicht durch den scheinbar genialen Einfall, man könne alle zwischenmenschlichen Konflikte durch Diskurs lösen. Wenn alle einander in einer idealen Gesprächssituation nur geduldig zuhörten, würde sich gewiß ein Konsens herausbilden. Weiterlesen

Dämmerstunde

Zuckst um die Lampe im Nu,
Grauflügelein du
Wie mein Gedanke schnell
Traumlicht der Zeiten grell.

Flieg mein Gedanke geschwind,
Wir wünschen uns ein Kind.
Goldener Sonnenstrahl
Ihr erstes Lächeln einst sah.

Sause nur, Graufalter, sause
Mit deiner Flügel Gebrause
Fliehst in den Schatten zurück
Das Licht bracht dir kein Glück.

„Mama die Schule ist aus,
Komm flink zu dir nach Haus!“
Jauchzender Wirbelwind
In Haus und Hof unser Kind.

Grauer Falter, will dich fassen,
Kann von deinem Reiz nicht lassen.
Mußt mir stets enteilen,
Auf einem Fleck nie weilen.

Such dich in Zeit und Raum,
Mein blonder Mädeltraum.
Gedankenspuk in mir:
Warst du wirklich hier?

Es dämmert der Morgen, die Lampe erlischt
Durchs offene Fenster Graufalter zischt.
So kurz war die Zeit mit dir.
Ich danke dir dafür.

KK 1.8.2015

Kiefernschwärmer sind Dämmerstundenfalter
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Die Sache mit dem Neger

Wer die Sprache regelt, lenkt das Denken. Das wußte schon George Orwell. Er lebte in der Zeit des Totalitarismus. Stalinistische und nationalsozialistische Herrschaftstechniken suchten Worte aus dem allgemeinen Sprachgebrauch zu verdrängen und dadurch das Bewußtsein zu verändern. In Orwells weltberühmten Klassiker „1984“ müssen die Menschen „Neusprech“ benutzen. Es gibt vorgeschriebene und verbotene Worte.

Auch Hunde können denken, wenngleich nicht begrifflich. Wir Menschen vermögen uns durch abstrakte Symbole ausdrücken: als Worte und Begriffe stehen sie für eine Sache. Jeder sprachliche Begriff beinhaltet zugleich eine bestimmte Denkweise. Ohne das jeweils passende Wort können wir einen bestimmten Gedanken gar nicht denken und ein ein Gefühl nicht mehr nachempfinden, das uns jemand durch ein Wort nahebringen möchte.

In vielen Sprachen gibt es Wörter für Emotionen, die sich nur schwer in eine andere Sprache übersetzen lassen. So bezeichnet etwa der portugiesische Begriff »saudade« ein Gefühl der tiefen Melancholie, das durch das Verlangen nach etwas entsteht, was abwesend oder verloren ist.

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Die Krone der Schöpfung

Ja, wir Menschen dürfen zurecht stolz sein. „Krone der Schöpfung“ – das hört sich gut an.

Der Erfolg ist uns nicht nur mal so eben zugefallen. Unser Stolz ist wohlverdient. Verdienter Stolz gründet auf eigener Leistung.

Wir schufen die Krone der Schöpfung. Darf ich vorstellen? Hier ist sie:

Krone der Schöpfung – edelste Hundewürde vom Scheitel bis zur Sohle

Gewiß, es gibt auch anderes grandioses Menschenwerk: den Kölner Dom, Beethovens Symphonien, Homers Ilias. Aber diese Krone ist etwas Lebendiges. Das unterscheidet den Hund kategorial von allen materiellen und ideellen Werken. Er ist unser Freund und Partner.

Seit ungefähr 25000 bis 35000 Jahren begleiten uns Hunde treu an unserer Seite. Menschen schufen sie durch ständige Zucht aus Wölfen. Sie vermögen sich mit ihren wilden Verwandten zwar noch zu paaren. Es gibt aber starke, im Genom verankerte Veränderungen. Diese betreffen das Verhältnis der Hunde zu uns Menschen. Weiterlesen

Der wohlgeformte Popo der Neandertalerin

Wer die Geschichte deutet, definiert damit die Gegenwart und weist die Richtung für die Zukunft. Frühere Ereignisse sind nie aus sich selbst heraus als bloße Fakten verständlich. Selbst in der Antike schilderte man die Vergangenheit – oder was man von ihr zu wissen glaubte – vor dem Hintergrund waltender Götter. Die Bibel legt davon ebenso Zeugnis ab wie Griechen seit Homer und Herodot.

Wer die Macht hat, die Ursachenzusammenhänge zwischen menschlichem Handeln und göttlichem Willen verbindlich zu interpretieren, errichtete und stabilisierte zugleich ein irdisches Herrschaftssystem. In diesem nahm er als oberster Interpret oder Hohepriester eine prominente Stellung ein.

Im 19. Jahrhundert ersetzten einige die Verzahnung menschlicher Geschichte mit Gottes Willen oder Gnade durch den Glauben an den historischen Materialismus. Dieser stellt den Geschichtsablauf als Teleologie dar, als zwangsläufige Entwicklung hin zu einem historisch notwendigen und darum unabdingbaren Endpunkt (Telos): der klassenlosen Gesellschaft. Weiterlesen

Von der Rationalität des Trojanischen Pferdes

Alle sind sich einig: Die anderen sind nicht mehr recht bei Verstand! Auf beiden Seiten des verbissenen Grabenkampfes denkt man über die unvernünftige andere Seite so. Gespräche finden nicht mehr statt. Es regieren vielfach Unverständnis und Haß.

Rechte zweifeln am Verstand Linker, immer mehr Ausländer ins Land zu lassen. Für Linke sind Rechte im Zweifel unverständige Populisten.

Vernunft? Ja, die Vernunft wähnt jeder auf seiner eigenen Seite, und nur auf ihr. Außer im eigenen Lager herrschen scheinbar nur Dummheit und Irrationalismus.

Tatsächlich aber bedienen sich allerdings beide Seiten ihres Verstandes. Nur ein unvernünftiger Glaube an die eigene Rationalität spricht dem Gegner dieselbe Rationalität ab. Allerdings beruhen die – formal rationalen – Handlungen jeder Seite auf ganz verschiedenen inhaltlichen Prämissen.

Es ist – formal – durchaus rationales Handeln, wenn jemand, seinem Seelenheil zuliebe, im Kölner Dom der Jungfrau Maria eine Kerze anzündet: Erfolg wird seine zielgerichtete Handlung aber nur haben, wenn es diese Jungfrau im Himmel wirklich gibt, wenn sie ihn bemerkt, sich über die Kerze freut und beim Lieben Gott für ihn bittet. Weiterlesen

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