Klaus Kunze

Kategorie: Geschichte Seite 19 von 22

Gesellschaft der Opfer – woher Angst und Haß kommen

Wir sind alle Opfer. Nur: Wessen Opfer wir und wer die Übeltäter sind, darüber streiten wir erbittert. Deutschland ist in zwei sich teils hysterisch überbietende Lager gespalten. Bei nüchterner Betrachtung sind es alte Ängste, die immer wieder auch Haß gebären.

Die Epoche von 1933 bis 1950 hat ein zutiefst zerrissenes und in sich gespaltenes, ja auf Generationen traumatisiertes Land hinterlassen. Im wesentlichen zanken um den Glorienschein, Opfer zu sein, die Opfer kommunistischer und die Opfer nationalsozialistischer Gewalt. Alle möchten Opfer oder wenigstens Betroffener sein. Diese Ehrentitel genießen Kultstatus.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge schrieb heute eine Mail mit einem Spendenaufruf:

Der Volksbund hat mit HEINZELFILM eine Kooperation zu dem Film „Der Krieg in mir“ in Kassel gestartet. Welche Spuren hat die Kriegsgeneration in uns hinterlassen? Wie prägen sie uns bis heute? Und sind Streßerfahrungen genetisch vererbbar?

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Was ist eigentlich Nationalismus?

Nationalismus stand immer in schlechtem Ruf. Es weiß auch niemand genau, was er eigentlich ist. Darum eignet er sich für Ideologien verschiedener Art vorzüglich als Projektionsfläche zur Feindbestimmung. Über eigene inhaltliche Leere kommt man leichter hinweg, wenn man einen Feind in kräftigen Farben an die Wand malen und rufen kann: „Ich bin das genaue Gegenteil von dem da!“

Leider ist „der da“, der historisch real existierende Nationalismus, ein äußerst schlüpfriges Phänomen und darum schwer zu greifen.

Nationalismus im 17. bis 19. Jahrhundert

Der Begriff entstand an europäischen Universitäten des 18. Jahrhunderts. Er bezeichnete ein noch älteres Phänomen: Zum Beispiel in Norditalien teilte sich die Studentenschaft in „Nationes“. Es organisierten sich die ausländische Studenten selbstverwaltend je nach Herkunftsstaat. Die Sitte bürgerte sich auch in Deutschland ein. Man trug die Farben seiner Herkunft als Band oder Kokarde und hielt zusammen. Weiterlesen

Herbstlaub im Wind

Leben und sterben für die Identität

Wenn ein Baum gefallen ist, geht es dem Laub schlecht. Eine Eiche, heißt es, wächst 500 Jahre, gedeiht dann 500 Jahre und braucht auch 500 Jahre, bis alles an ihr unwiderruflich tot ist.

Sägt der Mensch sie ab, geht es natürlich schneller. So fiel in Deutschland so manche Eiche. Die berühmteste war jener den Germanen heilige Baum, den der Missionar Bonifatius fällte.

Es dauerte Generationen, bis die letzten Germanen ihren alten Götterglauben ablegten. Vergessen haben sie ihre Götter nie völlig. Als Windgeist, als „der Wode“ spukte Wodan noch Jahrhunderte in den Köpfen.

Der lebende Baum gibt seinen Blättern Halt und närt sich. Sie fangen Sonnenlicht auf und geben ihm zurück, was er braucht. Ohne den Halt ihres Baumes verwehen die einzelnen Blätter zusammenhanglos im Wind. Der lebendige Germanenglaube war wie ein solcher fester Halt. Weiterlesen

Identität oder Entfremdung

Gibt es für die Rechte eine neue soziale Frage?

Sind Konservative oder Rechte Sozialmuffel? Lassen soziale Probleme sie kalt?

„Die Konservativen haben sich leider nur selten ernsthaft mit der sozialen Frage befaßt. Es ist müßig darüber zu spekulieren, warum das so ist. Möglicherweise haben sie einfach vor der überlegenen Definitionsmacht kapituliert, die der Linken bei dieser Problematik, oft genug allerdings zu Unrecht, zugestanden wird. Vielleicht haben sie aber auch realistischerweise frühzeitig erkannt, daß Konservative und Rechte in aller Regel keine oder zumindest nur eine mäßige Ahnung davon haben, was den berühmten „kleinen Leuten“ wirklich auf den Nägeln brennt.“

Werner Olles, Die Rechte – eine Stütze der kapitalistischen und globalismushörigen Gesellschaft? Wir selbst 25.1.2020

Fragen ist immer gut und richtig. Wer nicht immer wieder alles, auch seine eigenen Positionen, in Frage stellt, wird nie Antworten finden. Weiterlesen

Gedenktag 27. Januar: Der Kaiser, den wir verdient hatten

Zum 161. Geburtstag von Kaiser Wilhelm

Hatten wir Deutschen das verdient? Es lief nicht gut für uns im 20. Jahrhundert. Modern betraten wir es, stolz auf unsere technischen Errungenschaften, stolz als Volk der Dichter und Denker. Zwei Weltkriege haben das eine zerstört, 75 Jahre Nachkriegszeit das zweite.

Unsere jeweiligen Staatsoberhäupter haben es nicht verhindert. Immer wieder ließen wir uns führen, und immer wieder führte der Weg am Ende ins Unglück. Sind wir daran selbst schuld?

Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.

Joseph de Maistre (1753-1821)

Es gibt zwei verschiedene Erklärungen für historische Weichenstellungen. Die einen sagen: „Männer machen Geschichte.“ Die anderen sehen Politiker und Staatslenker hervorgehen aus einem komplizierten sozialen Geflecht, einer Art Kräfteparallelogramm. In ihm verkörpern sich soziale Strömungen und emotionale Einstellungen idealtypisch in einer Person. Hätte diese nicht gelebt, wäre es jemand anderes gewesen. Weiterlesen

An der Nabelschnur hängen

Was uns von Juden trennte und verband

Dieser Tage hören und sehen wir wieder Politiker, die oft und gern über deutsche Geschichte reden. Dazu suchen sie sich geeignete Kapitel heraus. Als Gegenbild zu unserem heutigen Staat eignet sich das 3. Reich am besten. Hier können wir in unzähligen Fernsehproduktionen das Böse bei seinem unheilvollen Tun betrachten. Wir klopfen uns dann auf die Schulter und sind stolz, daß wir heutzutage so gut sind. Die für Feierstunden geschriebenen Reden kenne ich seit einem halben Jahrhundert auswendig.

Da ist es viel reizvoller, sich einmal mit dem Volk der Opfer zu befassen. Vielleicht finde ich ja etwas, das ich noch nicht weiß? Zahlenangaben oder Namen auf Gedenkplatten sind doch ziemlich fern und abstrakt. Aber wie waren sie wirklich, die unser damaliger – wie hieß er noch gleich? Weiterlesen

Ihr seid nicht allein!

Wir können linkem Haß und moralisierender Intoleranz widerstehen

Haßerfüllte Intoleranz beherrscht große Teile der Öffentlichkeit. Besonders anfällig sind die Medienwelt, soziale Medien des Internets und die geisteswissenschaftlichen Fakultäten der Hochschulen. Moralisierende Sektenführer und ihre Gläubigen gehen rigoros gegen Andersdenkende vor.

Wie die Bilderstürmer der Reformationszeit mit Altarbildern und Ikonen des Mittelalters aufräumten, stürmen ihre geistigen Nachkommen Kasernen und säubern sie von Erinnerungsstücken. Sie benennen Straßen um, zerstören Denkmäler und errichten die Geßlerhüte ihrer eigenen Herschaft, vor denen wir uns jetzt untertänigst verneigen sollen.

Die Bilderstürmer der Reformationszeit entfernten alles aus Kirchen, was ihrem sektiererischen Glauben widersprach.
Bilderstürmerische Ausschreitungen von Calvinisten in der Liebfrauenkathedrale von Antwerpen am 20. August 1566 (Kupferstich von Frans Hogenberg, 1588), Wikipedia

Wer sich nicht verneigt, macht sich verdächtig. Wer nicht in den Chor ihrer unisono gepredigten Parolen einstimmt, wird zum Paria. Weiterlesen

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