Klaus Kunze

Kategorie: Geschichte Seite 18 von 22

Wieviel Sozialismus brauchen wir?

Für eingefleischte Liberale befinden wir uns mitten im Sozialismus. Ihre Argumente haben etwas für sich. Es kommt immer darauf an, was man unter Sozialismus versteht. „DDR 2.0“ hört sich in ihren Ohren gruselig an. Für Linke flüstern die Worte eine Verheißung.

Für den einflußreichen Libertären Roland Baader (1940-2012) war seit Urvater Adam Smith klar: Wenn man alle Leute nur frei machen läßt, was in ihrem egoistischen Eigeninteresse liegt, entsteht aus der Quersumme allen Handelns wie von unsichtbarer Hand das Gemeinwohl. Baader rechnete vor, daß zwei Drittel aller direkt und indirekt erwirtschaftlichen Erträge in Deutschland vom Staat umverteilt werden: Sozialismus! Klarer Fall.

Für die Kollektivistin Elisabeth Wehling ist Umverteilung ein Reizwort, das sie gar nicht mag. In ihrem 2019 erschienen Buch (Politisches Framing, Wie eine Nation sich ihr Denken einredet) empfiehlt sie, wir sollten nicht mehr davon sprechen, dem Staat Steuern zu zahlen, sondern „Beiträge leisten“. Weiterlesen

Befreier und Befreite

Euphemismus als Mittel der Staatspropaganda

„Befreien Sie die ganze Welt!“, so lautet eine Aufgabe für einen Mitspieler in einem Gesellschafts-Brettspiel. Den augenzwinkernden Euphemismus „Befreiung“ statt der an sich gemeinten „Eroberung“ versteht jeder.

Euphemismen sind wohlklingende Phrasen zur Verschleierung der Wahrheit. Manchmal will oder sollte man mit salbungsvollen Worten verschleiern, was eigentlich geschieht. Nach ihrer moralischen Salbung erstrahlte so manche historische Untat als Heldentat.

Wer sich einem Patienten mit einer Todesspritze nähert, „erlöst“ ihn angeblich nur von seinem Leiden, wer Menschen zu Erschießungen zusammentreibt, „säubert“ ein Land, wer einmarschiert, „befreit“ es – alles völlig klar. Menschliche Tabubrüche darf man nicht offen beim Namen nennen, sie müssen hinter einem rechtfertigenden Begriffsnebel verschwinden. Er soll auch das eigene schlechte Gewissen verstummen lassen und mit gutem ermöglichen, was man sonst vielleicht lassen würde.

Kriege gelten als moralisch besonders fragwürdig und sind unbeliebt sowohl im Land der Angreifer als auch bei den Angegriffenen. Weiterlesen

Die kollektivistische Sozialreligion

Vom Individualismus zum Kollektivismus

Menschliche Anschauungen wandeln sich nur allmählich. Es kann Jahrzehnte und Jahrhunderte dauern, bis neue Lebensverhältnisse sich in gewandelten Anschauungen niederschlagen. Die beherrschende Sichtweise der Deutschen änderte sich in den letzten anderthalb Jahrhunderten von einer bürgerlich-individualistischen hin zu einer sozialkollektivistischen Grundstimmung.

Diese formte sich langsam aus einem sozialen Klassenbewußtsein der untersten Schichten, nahm in der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft politische Gestalt an und beherrscht heute in Form eines hypertrophen Sozialstaatsdenkens die Szene.

Die materiellen, überwiegend agrarischen Lebensverhältnisse hatten bis zum 19. Jahrhundert eine hierarchisch strukturierte Gesellschaft geformt. Die oft adligen Grundbesitzer waren ursprünglich zu militärischer Gefolgschaft verpflichtet und lebten von ihren Gütern. Sie bildeten eine noch im 18. Jahrhundert auch durch Bildung und Einfluß abgrenzbare Funktionselite mit eigenem Standesethos.

Die Überzeugung, als Adliger etwas substanziell Besonderes zu sein, verlor mit der Bildung der industriellen Massengesellschaft im 19. Weiterlesen

In der Quarantäne „wächst zusammen, was zusammengehört“

Zusammengehörigkeit in Zeiten der Coronoa-Seuche

Da sitzen sie jetzt oder bald millionenfach in ihren Wohnungen beisammen: Vater, Mutter und die Kinder. Die klassischen Familien eben, durch öffentliche Verbote nach Hause verbannt. Das öffentliche Leben kommt zum Erliegen. Wer nicht systemrelevant arbeiten muß, sieht die eigenen vier Wände und immer dieselben Nasen.

Nicht jeder: Alleinstehende sehen vielleicht immer nur ein und dieselbe Nase, nämlich beim Blick in den Spiegel. Im Freien darf man von Ferne noch anderen Leuten zuwinken. Die Prognosen des Seuchengeschehens erlauben nicht die Hoffung, der Spuk werde schnell vorübergehen.

Als die Pest Europa heimsuchte, erfand man in Italien die Quarantäne: Schiffsbesatzungen mußten 40 Tage auf einer Insel zubringen, bevor sie die Stadt betreten durften
(Bild: Die Pest 1656 in Neapel)

Menschen besitzen aber die wunderbare Eigenschaft, sich geistig schnell auf neue Verhältnisse einzustellen. Weiterlesen

Corona-Wettkampf der Systeme

Den letzten „Wettkampf der Systeme“ hatte „der Westen“ gewonnen. Die zentrale Planwirtschaft des kommunistischen Ostblocks war der dezentralen Marktwirtschaft weit unterlegen. Die Corona-Seuche gibt den Startschuß für einen neuen, andersartigen Wettkampf der Systeme:

Die Pandemie legt die Unzulänglichkeiten und Ungleichheiten offen, die das Land seit Jahrzehnten plagen. In den USA hat der private Profit Vorrang vor der öffentlichen Gesundheit. Dieses System trägt zur Verbreitung eines solchen lebensbedrohlichen Virus auf nahezu unendlich viele Arten bei. China hat schnell und entschlossen reagiert, als der Ernst der Lage deutlich wurde. Tests und Behandlungen wurden kostenlos durchgeführt, und neue provisorische Krankenhäuser wurden in Rekordzeit in den Krisenherden der Epidemie errichtet. Die Pandemie enthüllt die wahre Natur der unterschiedlichen Wirtschaftssysteme. Einige haben gezeigt, daß sie Gesundheit und menschliches Leben über alles andere schätzen. Andere, so scheint es, finden den Tod zu gewinnbringend, um sinnvolle Veränderungen vorzunehmen.

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„Regierung der USA ihres Amtes enthoben“

Die historischen Perspektiven einer Pandemie

Ist die Party vorbei? Nur als Party scheint ein Teil der jüngeren Generation das Leben verstanden zu haben. Eine ubiquitäre Eventkultur spülte immer wieder den gleichen Typus zusammen, jederzeit zu größtmöglichem Amüsement bereit. Doch nach dem Verdacht weiser alter Männer: unfähig zum selbständigen Leben wie zum Sterben, unfähig, mit Krisen und Schicksalsschlägen umzugehen wie einst die Generationen vor ihnen.

George R. Stewart malte sich 1950 das Leben nach einer Pandemie aus.

 Aus dem Augenblick zu leben wie ein Sommerfalter, der nicht an den Winter denkt, ist häufiges Merkmal der Jugend. Verantwortung des Alters ist es, in langfristigen Perspektiven zu denken und die Krise geistig einzuordnen. Irgendwozu muß es ja gut sein, ein alter, weißer Mann zu sein. Das Gedächtnis alter Männer reicht weit zurück. Ein schneller Zugriff auf das Gedächtnis, ein kurzer Griff in den Bücherschrank:

1947 warnte ein M. Weiterlesen

Huldigung der Weiblichkeit

Das Buch zum Weltfrauentag

Das aktuelle Buch zum Weltfrauentag huldigt dem ewig Weiblichen aus männlicher Sicht. Tatsächlich gibt es ewig Männliches und ewig Weibliches. Schon der Buchtitel ist eine Kampfansage an die Gender-Scharlatane, für die es nichts ewig Weibliches gibt, weil Mann und Frau nur gedankliche Konstruktionen seien. Wer sich dagegen als Mann oder als Frau selbst bejaht, lebt aus dem, was immer gilt. Er oder sie pfeift auf den Zeitgeist. Wer sich mit dem verheiratet, wird bald Witwe(r).

Eine Liebeserklärung an die weiblichen Frauen muß ein rotes Tuch sein für alle Gender-Scharlatane. Es paßt nicht in ihre Vorurteile, daß unsere Frauen in Wahrheit seit der Germanenzeit größte Hochachtung genossen. Die Phrase von der jahrtausendealten Unterdrückung der Frauen ist ein Märchen. In unserer Tradition stehen großartige, selbstbewußte Frauenpersönlichkeiten, soweit unsere historische Überlieferung reicht. Weiterlesen

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