Euphemismus als Mittel der Staatspropaganda
„Befreien Sie die ganze Welt!“, so lautet eine Aufgabe für einen Mitspieler in einem Gesellschafts-Brettspiel. Den augenzwinkernden Euphemismus „Befreiung“ statt der an sich gemeinten „Eroberung“ versteht jeder.
Euphemismen sind wohlklingende Phrasen zur Verschleierung der Wahrheit. Manchmal will oder sollte man mit salbungsvollen Worten verschleiern, was eigentlich geschieht. Nach ihrer moralischen Salbung erstrahlte so manche historische Untat als Heldentat.
Wer sich einem Patienten mit einer Todesspritze nähert, „erlöst“ ihn angeblich nur von seinem Leiden, wer Menschen zu Erschießungen zusammentreibt, „säubert“ ein Land, wer einmarschiert, „befreit“ es – alles völlig klar. Menschliche Tabubrüche darf man nicht offen beim Namen nennen, sie müssen hinter einem rechtfertigenden Begriffsnebel verschwinden. Er soll auch das eigene schlechte Gewissen verstummen lassen und mit gutem ermöglichen, was man sonst vielleicht lassen würde.
Kriege gelten als moralisch besonders fragwürdig und sind unbeliebt sowohl im Land der Angreifer als auch bei den Angegriffenen. Weiterlesen



