Der Kampf um den Begriff der bürgerlichen Mitte
Im großen Spiel um politische Positionen und Begriffe ist plötzlich die bürgerliche Mitte der Hauptpreis. Jeder möchte zu ihr gehören. Aber wie im Gesellschaftsspiel der Reise nach Jerusalem gibt es immer zu wenig Plätze.
Linke können sich auf die Schenkel klopfen vor Lachen. Ungläubig staunend stehen sie links eines Bürgertums, das sich wechselseitig die Bürgerlichkeit bescheinigt oder auch abspricht, je nach Parteipräferenz. Der Nachweis, zu bürgerlichen Mitte zu gehören, wird hoch gehandelt wie vor 1945 der Ariernachweis oder danach der Persilschein für die „Unbelasteten“.
Die Linke war nie bürgerlich. Sie ist Kind des proletarischen Milieus. Die Bürger waren immer die Besitzbürger, verspottet von roten Funktionären aber heimliches Vorbild des proletarischen Fußvolks, das auch gern bürgerlichen Besitz gehabt hätte. Jene alten Zeiten sind vorbei. Die Milieus der Arbeiterklasse haben sich aufgelöst. Übrig gelassen haben sie eine Massenklientel, die nicht mehr von ihrer Hände Arbeit lebt und keine bürgerlichen Besitztümer hat. Weiterlesen

