Die Wiederkehr der Metaphysik
Die Aufklärung hat alle Metaphysik philosophisch zertrümmert. Von der fixen Idee eines Jenseits, in dem Götter und Dämonen wohnen und das Gute oder Böse erfinden, blieben nur erlosche Opferkerzen und ein paar verstreute Oblatenkrümel. Das Naturrecht verlegte später die Quelle des Gut und Böse in den Menschen hinein: unmenschlich, wer Böses tut![1]
Spätestens seit Nietzsche leben aufgeklärte Menschen weit jenseits von gut und böse. Sie wissen: Menschen sind zu allem fähig, sogar dazu, mit bestem Gewissen zu begehen, was andere für böse halten. Leben wir im postmetaphysischen Zeitalter? Haben Naturwissenschaften und Rationalität die Gespenster aus dem religiösen „Jenseits“ gebannt, die unserer Natur als „normative Eigenschaften“ angeblich immanent sind?
Aufgeklärt zu sein gelingt immer nur kleinen intellektuellen Minderheiten. Wir erleben mit dem gesellschaftlich dominanten Moralismus eine wirkmächtige Wiederkehr der Metaphysik. Er beurteilt alle gesellschaftlichen Fragen aus dem Blickwinkel metaphysisch grundierten Ideologien. Weiterlesen
