Klaus Kunze

Kategorie: Philosophie Seite 12 von 23

Die bunten Seifenblasen platzen lassen

Mit Ideen und Idealen beherrscht man Menschen

Mit Religion beherrscht man Menschen: Bis hierher dürft ihr noch denken. Ab hier müßte ihr einfach glauben! Jede Herrschaft beruht entweder auf nackter Angst oder auf dem Glauben der Beherrschten, die Herrschaft stehe mit ewigen Gesetzen in Einklang.

Auch das deutsche Volk wird mit solchen Glaubenslehren eingeschüchtert und beherrscht. Nur wer sie erfolgreich untergräbt, hat eine Chance auf Freiheit.

Es gibt viel Gutes, das zwar von einem klugen Mann erkannt wird, aber doch keine so in die Augen springenden Gründe in sich hat, um andere von seiner Richtigkeit überzeugen zu können. Kluge Männer nehmen daher zur Gottheit ihre Zuflucht.

Niccolo Machiavelli, Discorsi, 1531, Buch I., 11.

Man legt seine Gesetzesbefehle einfach einer Gottheit in den Mund, dann werden sie willig befolgt. So klärte der italienische Humanist über die Funktion der Religion auf. Weiterlesen

Die Rückkehr des Schicksals

Projekt der Moderne

Der moderne Mensch versucht verzweifelt, aber erfolglos, seinem Schicksal zu entrinnen. Man kann das geistige Projekt der Moderne geradezu als den Versuch verstehen, alle Schicksalhaftigkeit aus seinem Weltbild zu verbannen.

Mittelalterliche Christen hatten sich noch in Demut vor der Macht Gottes gebeugt: Menschenschicksal liege „in Gottes Hand“ – ein personifiziertes Schicksalsverständnis. Die Neuzeit als geistesgeschichtliches Phänomen begann, als humanistische Gelehrte Gott als Schicksalsspender funktionslos machten:

Der Humanismus, repräsentativ verewigt durch die kleine Schrift Pico della Mirandolas über die Würde des Menschen, beginnt die Konstruktion seines Ideengebäudes mit einer im Grunde nur notdürftig kaschierten Gotteslästerung. Die biblische Offenbarung, wonach jeder einzelne Mensch ein Ebenbild Gottes sei, wird von seinen transzendenten theologischen Wurzeln und den praktischen Demutsermahnungen getrennt. Die jeweils einzelne Gottesebenbildlichkeit wird zur Identität des Menschseins schlechthin gemacht, wenn jeder Mensch auf Erden in den Rang eines gottgleichen Schöpfers erhoben wird und jeder als Schöpfer seines Schicksals, im Range gleich.“

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Der humanitaristische Heiligenschein

Religion ohne Gott?

Der Humanitarismus hat sich zur Religion der Selbstvergottung des Menschen entwickelt. Er erkennt nichts Höheres an die Idee vom „Menschen an sich“, dem er früher Gott vorbehaltene Attribute wie eine spirituell verstandene Würde zuspricht. Udo Di Fabio, 1999-2011 Richter am Bundesverfassungsgericht, identifizierte als materiellen Kern der Idee und den Sinn des Begriffs „Würde des Menschen“ die säkularisierte christliche Vorstellung von der Gottesebenbildlichkeit jedes Menschen.[1]

„Der moderne Ursprung dieser radikalen Idee liegt auf der Hand. Der Humanismus, repräsentativ verewigt durch die kleine Schrift Pico della Mirandolas über die Würde des Menschen, beginnt die Konstruktion seines Ideengebäudes mit einer im Grunde nur notdürftig kaschierten Gotteslästerung. Die biblische Offenbarung, wonach jeder einzelne Mensch ein Ebenbild Gottes sei, wird von seinen transzendenten theologischen Wurzeln und den praktischen Demutsermahnungen getrennt. Die jeweils einzelne Gottesebenbildlichkeit wird zur Identität des Menschseins schlechthin gemacht, wenn jeder Mensch auf Erden in den Rang eines gottgleichen Schöpfers erhoben wird und jeder als Schöpfer seines Schicksals, im Range gleich.“

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Da drüben, jenseits des Ozeans, steht der Schuldige

Die globale Aggressivität des Finanzliberalismus

Philosophisch schmeichelt sich der Liberalismus selbst, eine friedfertige Weltanschauung zu sein. Er möchte die Zeiten kriegerischer Konflikte hinter sich lassen. Eine Epoche friedlichen Handels soll Kriege überflüssig machen, die sowieso „sinnlos“ sind, nur Geld kosten und „keine Lösung“ seien.

Freier Handel hingegen soll zu Wohlstand und Frieden führen. Alle Menschen werden Brüder, wo sein sanfter Flügel weilt. Damit sie aber allesamt Brüder werden können, müssen vorher leider die nicht liberalen Störenfriede dieser Welt besiegt und muß eine den Handelsfrieden sichernde globale Herrschaftsordnung errichtet werden.

… „Der Bruderkrieg enthält noch mehr Beunruhigendes. Er ist kein lokales Phänomen. Er kündigt sich global an – in diesem Fall nicht gegen den Westen, sondern durch ihn. Dessen erklärtes Ziel ist nämlich die Verbrüderung der Menschheit, das im Doppelursprung von Industrieller Revolution in England und politischer Revolution in Frankreich im späten 18.

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Reconquista im Zeichen des Kreuzes oder bloße Crux der Rechten?

Naturrecht – Kreuz oder Crux der Rechten?

Selten genug beschäftigt sich der Kölner „Deutschlandfunk“ mit rechtsintellektuellen Themen. Am 1.April glaubte ich beim zufälligen Zuschalten fast an einen Aprilscherz, als er über das Renovatio-Institut berichtete: Dieses wolle das Patriarchat einführen.

Rechte Christen träumen von der Rückkehr des Patriarchats, berufen sich auf gottgegebenes Naturrecht und bekämpfen die „Gender-Ideologie“. Der Krieg gilt als Stunde der Männlichkeit. Ein rechtskatholischer Thinktank ist das „Renovatio-Institut für kulturelle Resilienz“, als intellektueller Kopf gilt der belgische Historiker David Engels

Andrea Becker, DLF 1.4.2022

Die christlichen Ultras publizieren seit längerer Zeit im Internet bemerkenswerte Analysen. In Gefolgschaft ihres Gottes, des Erzengels Michael und des scharfsinnigen Althistorikers David Engels sehen sie die Rettung des untergegangenen Abendlandes in der Aufrichtung eines neuen Reiches Christi, einer Renovatio Imperii. Dieses allein könne mit dem Teufel fertig werden, der schon in unseren Hallen haust. Weiterlesen

Kampf um Kiew – ein Glaubenskrieg?

Während sich der Verstand erst die Schuhe anzieht, hat das Gefühl sich schon lange für eine Richtung entschieden. Alles Für und Wider im Kampf um unsere deutsche Position im Ukrainekrieg ist von vorrationalen Ängsten, Wünschen, Bedürfnissen und Hoffnungen geprägt. Rational begründen wir am Ende, was diesen Emotionen entspricht. Sie verraten uns, daß das Bombardieren von Frauen, Kindern und Krankenhäusern böse ist.

Am nachhaltigsten wirken menschliche Emotionen als Quellen von Religion und Metaphysik. Erfolg hat eine Religion, wenn sie ihren Gläubigen die Gewißheit vermittelt, nach von Gott gegebenen ewigen Gesetzen zu handeln. In solchen Gesetzen nehmen emotionale Grundbedürfnisse Gestalt an wie Liebe, Gerechtigkeit oder Erlösung von Übeln. Diese bilden das Böse. Wer Gottes Willen erkennt und vollstreckt, kann nichts Unrechtes tun. Vom „Deus lo vult“, mit dem Papst Urban II. am 27. November 1095 zum Kreuzzug aufrief, zieht sich ein roter Faden vergossenen Blutes bis hin zum Patriarchen Kyrill, der just zum heiligen Krieg gegen die Ukraine aufrief:

Gott solle „alle feindlichen, teuflischen Kräfte aus unserem gemeinsamen Leben“ vertreiben, predigt der Patriarch.

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Das Scheitern des Liberalkonservatismus

Meuthens Rücktritt war die richtige Konsequenz

Liberalkonservative: Gibt es die überhaupt? Es ist leicht, sich selbst oder einem anderen ein Etikett aufzukleben. Es ist aber nicht immer drunter, was vorne draufsteht. Manche Etiketten verdecken nur die inhaltliche Leere.

Liberalkonservativ nennen kann sich jeder. Die Adjektive hören sich für viele Ohren sympathisch an. Man kann auch sozial und liberal sprachlich verbinden, Wirtschaft und liberal und vieles mehr. Das politische Wortgeklingel ist wohlfeil. Bei näherem Hinsehen aber ist der Begriff konservativ aber leer. Er besagt nur, daß jemand irgend etwas Bestehendes erhalten möchte.

Ein konservativer Genosse im Reiche Maos war Maoist, ein konservativer Sozialdemokrat möchte, daß die Sozialdemokratie bleibt wie sie ist, ein Konservativer zu Kaiser Wilhelms Zeiten war natürlich Monarchist. Und ein Liberalkonservativer wie Jörg Meuthen? Ganz einfach, er ist ein Liberaler, der den Liberalismus bewahren möchte. Weiterlesen

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