Klaus Kunze

Kategorie: Politik Seite 45 von 47

Von der Rationalität des Trojanischen Pferdes

Alle sind sich einig: Die anderen sind nicht mehr recht bei Verstand! Auf beiden Seiten des verbissenen Grabenkampfes denkt man über die unvernünftige andere Seite so. Gespräche finden nicht mehr statt. Es regieren vielfach Unverständnis und Haß.

Rechte zweifeln am Verstand Linker, immer mehr Ausländer ins Land zu lassen. Für Linke sind Rechte im Zweifel unverständige Populisten.

Vernunft? Ja, die Vernunft wähnt jeder auf seiner eigenen Seite, und nur auf ihr. Außer im eigenen Lager herrschen scheinbar nur Dummheit und Irrationalismus.

Tatsächlich aber bedienen sich allerdings beide Seiten ihres Verstandes. Nur ein unvernünftiger Glaube an die eigene Rationalität spricht dem Gegner dieselbe Rationalität ab. Allerdings beruhen die – formal rationalen – Handlungen jeder Seite auf ganz verschiedenen inhaltlichen Prämissen.

Es ist – formal – durchaus rationales Handeln, wenn jemand, seinem Seelenheil zuliebe, im Kölner Dom der Jungfrau Maria eine Kerze anzündet: Erfolg wird seine zielgerichtete Handlung aber nur haben, wenn es diese Jungfrau im Himmel wirklich gibt, wenn sie ihn bemerkt, sich über die Kerze freut und beim Lieben Gott für ihn bittet. Weiterlesen

Rettungskapseln freien Denkens

Die allgemeinpolitische Bedeutung von Burschenschaften und anderen Studentenverbindungen tendiert heute gegen null. In ihrer Funktion als Rückzugsort freier Gesprächskultur und demokratischer Willensbildung ist aber unersetzlich.

Wenn es eine Tradition der Burschenschaften gibt, besteht sie im Verbotenwerden. Verboten wurden sie mit den Karlsbader Beschlüssen von 1819, und 1935 wurden sie gleichgeschaltet. Sie mußten als „Kameradschaften“ Teil des NSDStB werden. Heute stehen sie wiederum unter massivem Druck, der von Linksextremisten in SA-Manier ausgeht und sich auch deren Methoden bedient.

Immer waren es das freie Denken und die innere Demokratie, die für ihre Gegner unerträglich waren. 1819 forderten Burschenschaften ein geeintes Deutschland mit Rede- und Pressefreiheit und vieles anderes, das heute unsere demokratische Grundordnung bildet. Weil aber die Zensur und die Kleinstaaterei zum Kernbestand fürstlicher Herrschaft zählten, wurden Burschenschaften rigoros verfolgt und ihre Mitglieder oft eingekerkert. Weiterlesen

Der Banker, der Rechtsradikale und der Asylant

Auf einer Party riß ein Ostwestfale einen Witz. Vorher fragte er in die Runde: „Ist einer von euch Banker?“ Offenbar nicht.

„Treffen sich ein Banker, ein Rechtsradikaler und ein Asylant. Der Banker nimmt sich heimlich alle Kekse aus der Schüssel bis auf einen. Dann sagte er zum Rechtsradikalen: ‚Der Asylant hat dir nur einen übergelassen!‘ “

„Hahaha!“, freute sich der Ostwestfale. „Trifft genau den Punkt!“

Nun lache ich als Kölner sowieso die meiste Zeit, manchmal auch über Ostwestfalen, zumal wenn sie Witze drechseln. Der Witz hier erweckt allerdings eher Traurigkeit. Nicht über Ostwestfalen – den arbeitsamen, ruhigen und bodenständigen Volksstamm inmitten seiner Kuhweiden unter der Oberhirtschaft des Paderborner Erzbischofs halte ich in allen Ehren.

Der böse Banker nimmt fast alle Kekse für sich.

Traurig macht mich der geistige Zustand der deutschen Linken, der sich in jenem sogenannten Witz idealtypisch kristallisiert. Weiterlesen

Der Naturschutz und die „All-Einheit des Kosmischen“

Die politische Linke fährt mit Grünlicht auf der falschen Fahrbahnseite. Auf der konservativen rechten Seite sorgte man sich schon vor 50 Jahren um den Naturschutz. Die Natur zu schützen und zu bewahren, ist eine urkonservative Herzenssache.

Die traditionelle Linke war dagegen vom Ursprung her fortschrittsgläubig. Wo sie allein an der Macht war wie in der DDR, maß sie den Fortschritt geradezu in wirtschaftlichen Fünfjahresplänen, rauchenden Schornsteinen und Produktionsziffern zum Wohle der arbeitenden Klassen. Die Sozialutopie gleichen hohen Konsums für alle verlangte nach ungebremstem Wachtstum. Die Natur war kein linkes Thema.

Die SED-Genossen blieben bis 1989 auf diesem Kurs. Im wesentlichen galt das auch für die SPD-Genossen. Naturschutz trat damals unter „Bewahrung der Schöpfung“ auf, womit die Linke nun gar nichts anfangen konnte. Mit fortschreitender Entkirchlichung der Bevölkerung konnten aber auch immer weniger Konservative wie in der damaligen CDU einem Naturschutz Priorität einräumen, der als Schutz „der Schöpfung“ auftrat. Weiterlesen

Das Inspektoren-Frühstück und der Kölner Polizeiskandal

Als preußisches Beamtenethos auf kölsche Lebensart stieß

Von 2019 zurück ins Jahr 1919 ist nur ein kleiner Zeitsprung. Mitten im Gedrängel des Neumarktes finde ich, in einer von vielen übersehenen dunklen Ecke zwischen zwei hell erleuchteten Marktständen, einen dunklen Vorhang. Er führt in eine schwach erleuchtete Markt-Hütte. „Erleben Sie eine echte Zeitreise!“ hatte draußen die Anpreisung gelautet. Ich betrete die Hütte, bezahle, setze die Zeitmaschine in Gang und lasse mich 100 Jahre zurückversetzen.

Im Gedrängel des Weihnachtsmarktes 2019 auf dem Neumarkt in Köln

Viel leerer finde ich den Weihnachtsmarkt vor, 1919 war ein Notjahr. Der Markt heißt noch Nicolaimarkt, benannt nach dem heiligen Nikolaus. Ich schauen mich um: Die Türme von St. Aposteln grüßen mich, wie ich sie seit Kindertagen kenne.

Städte können über lange Zeiträume ihre Identität bewahren. Der rheinischen Metropole Köln ist es gelungen. Weiterlesen

Attentat auf den Weihnachtsmann und das deutsche Volk

Das Attentat war von langer Hand geplant. Die „Revisoren“ der Ordnung kannten kein Erbarmen. Da hatte diese chaotische menschliche Phantasie doch den – Weihnachtsmann erfunden! Er sollte sterben. Aber wie tötet man eine Phantasiefigur?

Terry Pratchett (1948-2015) wußte es, und mit ihm wissen es Millionen Leser seiner Fantasy-Romane. Wie kein anderer Autor hat Pratchett alle philosophischen Finessen für bare Münze genommen, persifliert und ironisch durchdekliniert. Hinter der Fassade seiner „Fanatasy“ verbergen sich profunde Kenntnis und geniale Philosophiekritik.

Terry Pratchetts Romane

Gevatter Tod als handelnde Person? Ein Pharao als lebender Gott übersteht seinen Tod? Der Weihnachtsmann müht sich durch den Schornstein abwärts und bringt Geschenke? – Willkommen in der Scheibenwelt! Hier handeln selbst die Naturgesetze wie Personen und haben es auf den Weihnachtsmann abgesehen. „Schneevater“ heißt er bei Pratchett. Wie auch „Der Tod“ ist er eine anthropomorphe Personifizierung. Weiterlesen

Deutschland als Wille und Vorstellung

Schließen Sie ihre Augen, und lauschen Sie: Es lebte einst eine alte Großmutter. Manchmal kam ihre kleine Enkelin zu Besuch. Sie war der einzige, kleine Sonnenstrahl im Leben der alten Dame. Die aber sorgte sich um das Kind. Im Leben des Kindsvaters spielten nämlich Einflüsse mit, denen die Kleine nicht zum Opfer fallen sollte. Verzweifelt rief sie sogar das Familiengericht an und wollte sie zu sich nehmen. Aber das Schicksal riß die beiden für immer auseinander.

Können Sie sich die Oma gut vorstellen? Haben Sie sie bereits lieb gewonnen? Machen Sie sich ein Bild von ihr?

Dann stellen Sie sich danach bitte eine Frau vor, die wegen vierfachen Mordes verurteilt worden ist. Alle Opfer waren vermögende alte Männer. Mengen Sie nun in ihrer Vorstellung Schlafmittel in Erbsensuppe, und weben sie die Suppe in diese Geschichte ein, in der auch ein Gehilfe eine Rolle spielt, der sich mit dem Erwürgen und Verbrennen bestens auskennt. Weiterlesen

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