Klaus Kunze

Kategorie: Politik Seite 45 von 47

Der Banker, der Rechtsradikale und der Asylant

Auf einer Party riß ein Ostwestfale einen Witz. Vorher fragte er in die Runde: „Ist einer von euch Banker?“ Offenbar nicht.

„Treffen sich ein Banker, ein Rechtsradikaler und ein Asylant. Der Banker nimmt sich heimlich alle Kekse aus der Schüssel bis auf einen. Dann sagte er zum Rechtsradikalen: ‚Der Asylant hat dir nur einen übergelassen!‘ “

„Hahaha!“, freute sich der Ostwestfale. „Trifft genau den Punkt!“

Nun lache ich als Kölner sowieso die meiste Zeit, manchmal auch über Ostwestfalen, zumal wenn sie Witze drechseln. Der Witz hier erweckt allerdings eher Traurigkeit. Nicht über Ostwestfalen – den arbeitsamen, ruhigen und bodenständigen Volksstamm inmitten seiner Kuhweiden unter der Oberhirtschaft des Paderborner Erzbischofs halte ich in allen Ehren.

Der böse Banker nimmt fast alle Kekse für sich.

Traurig macht mich der geistige Zustand der deutschen Linken, der sich in jenem sogenannten Witz idealtypisch kristallisiert. Es ist ein linkspopulistischer Narrativ: die Geschichte vom bösen Banker, vom sozialneidischen Rechtsradikalen und einem Asylanten, der sowieso nichts dafür kann. Weiterlesen

Der Naturschutz und die „All-Einheit des Kosmischen“

Die politische Linke fährt mit Grünlicht auf der falschen Fahrbahnseite. Auf der konservativen rechten Seite sorgte man sich schon vor 50 Jahren um den Naturschutz. Die Natur zu schützen und zu bewahren, ist eine urkonservative Herzenssache.

Die traditionelle Linke war dagegen vom Ursprung her fortschrittsgläubig. Wo sie allein an der Macht war wie in der DDR, maß sie den Fortschritt geradezu in wirtschaftlichen Fünfjahresplänen, rauchenden Schornsteinen und Produktionsziffern zum Wohle der arbeitenden Klassen. Die Sozialutopie gleichen hohen Konsums für alle verlangte nach ungebremstem Wachtstum. Die Natur war kein linkes Thema.

Die SED-Genossen blieben bis 1989 auf diesem Kurs. Im wesentlichen galt das auch für die SPD-Genossen. Naturschutz trat damals unter „Bewahrung der Schöpfung“ auf, womit die Linke nun gar nichts anfangen konnte. Mit fortschreitender Entkirchlichung der Bevölkerung konnten aber auch immer weniger Konservative wie in der damaligen CDU einem Naturschutz Priorität einräumen, der als Schutz „der Schöpfung“ auftrat. Weiterlesen

Das Inspektoren-Frühstück und der Kölner Polizeiskandal

Als preußisches Beamtenethos auf kölsche Lebensart stieß

Von 2019 zurück ins Jahr 1919 ist nur ein kleiner Zeitsprung. Mitten im Gedrängel des Neumarktes finde ich, in einer von vielen übersehenen dunklen Ecke zwischen zwei hell erleuchteten Marktständen, einen dunklen Vorhang. Er führt in eine schwach erleuchtete Markt-Hütte. „Erleben Sie eine echte Zeitreise!“ hatte draußen die Anpreisung gelautet. Ich betrete die Hütte, bezahle, setze die Zeitmaschine in Gang und lasse mich 100 Jahre zurückversetzen.

Im Gedrängel des Weihnachtsmarktes 2019 auf dem Neumarkt in Köln

Viel leerer finde ich den Weihnachtsmarkt vor, 1919 war ein Notjahr. Der Markt heißt noch Nicolaimarkt, benannt nach dem heiligen Nikolaus. Ich schauen mich um: Die Türme von St. Aposteln grüßen mich, wie ich sie seit Kindertagen kenne.

Städte können über lange Zeiträume ihre Identität bewahren. Der rheinischen Metropole Köln ist es gelungen. Mein Besuch gilt der armen Witwe von Otto Landschulz. Weiterlesen

Attentat auf den Weihnachtsmann und das deutsche Volk

Das Attentat war von langer Hand geplant. Die „Revisoren“ der Ordnung kannten kein Erbarmen. Da hatte diese chaotische menschliche Phantasie doch den – Weihnachtsmann erfunden! Er sollte sterben. Aber wie tötet man eine Phantasiefigur?

Terry Pratchett (1948-2015) wußte es, und mit ihm wissen es Millionen Leser seiner Fantasy-Romane. Wie kein anderer Autor hat Pratchett alle philosophischen Finessen für bare Münze genommen, persifliert und ironisch durchdekliniert. Hinter der Fassade seiner „Fanatasy“ verbergen sich profunde Kenntnis und geniale Philosophiekritik.

Terry Pratchetts Romane

Gevatter Tod als handelnde Person? Ein Pharao als lebender Gott übersteht seinen Tod? Der Weihnachtsmann müht sich durch den Schornstein abwärts und bringt Geschenke? – Willkommen in der Scheibenwelt! Hier handeln selbst die Naturgesetze wie Personen und haben es auf den Weihnachtsmann abgesehen. „Schneevater“ heißt er bei Pratchett. Wie auch „Der Tod“ ist er eine anthropomorphe Personifizierung.

Es gibt ihn, weil Menschen an ihn glauben. Weiterlesen

Deutschland als Wille und Vorstellung

Schließen Sie ihre Augen, und lauschen Sie: Es lebte einst eine alte Großmutter. Manchmal kam ihre kleine Enkelin zu Besuch. Sie war der einzige, kleine Sonnenstrahl im Leben der alten Dame. Die aber sorgte sich um das Kind. Im Leben des Kindsvaters spielten nämlich Einflüsse mit, denen die Kleine nicht zum Opfer fallen sollte. Verzweifelt rief sie sogar das Familiengericht an und wollte sie zu sich nehmen. Aber das Schicksal riß die beiden für immer auseinander.

Können Sie sich die Oma gut vorstellen? Haben Sie sie bereits lieb gewonnen? Machen Sie sich ein Bild von ihr?

Dann stellen Sie sich danach bitte eine Frau vor, die wegen vierfachen Mordes verurteilt worden ist. Alle Opfer waren vermögende alte Männer. Mengen Sie nun in ihrer Vorstellung Schlafmittel in Erbsensuppe, und weben sie die Suppe in diese Geschichte ein, in der auch ein Gehilfe eine Rolle spielt, der sich mit dem Erwürgen und Verbrennen bestens auskennt. Weiterlesen

Gegengift gegen oligarchische Giftdämpfe

Früher gab es intelligente Linke. Von den intelligenten Linken der 1968er-Generation sind viele inzwischen politisch weit nach rechts gerückt. Mit zunehmendem Lebensalter gerät doch mancher in engen Kontakt mit dem realen Leben. Mein Vater pflegte mir früher schon zu sagen: „Wer mit 18 kein Kommunist ist, hat kein Herz, und wer es mit 40 noch ist, hat keinen Verstand.“

Von intellektuellen Linken liest man immer weniger. 1989 brach der real existierende Sozialismus flächendeckend zusammen. Von diesem Schicksalsschlag haben sie sich nicht erholt. Viele flüchteten sich in einen neuen gefühligen Moralismus ohne konsistente Ideologie im alten, marxistischen Sinne. Die Zeit ihrer großen weltanschaulichen Entwürfe ist vorbei.

Ein paar Epigonen gibt es noch. Sie versuchen verzweifelt, den Anschluß an das intellektuelle Niveau früherer Linker zu halten. Es gelingt ihnen nicht. Da ihnen „der Kapitalismus“ als Feindbild abhanden bekommen ist und sie keine Erlösungsutopie mehr anzubieten haben, arbeiten sich manche an einem neuen Feindbild ab. Weiterlesen

Laßt die Toten ruhen!

Nicht jeder ist dazu bereit. 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg drangen französische Soldaten in den Dom von Speyer ein und plünderten die oberen der mittelalterlichen Kaiser- und Königsgräber. Grab- und Leichenschändungen haben Tradition. Oft verbanden sie sich mit religiösem oder ideologischen Haß, der selbst den Toten keine Ruhe ließ.

Grabschändungen widersprechen in besonderer Weise einem in den meisten Kulturen bestehenden Tabu. Diesem entspricht es, wenn heute Knochen aus Afrika oder Amerika aus deutschen Museen entfernt werden, die das fundsüchtige 19. Jahrhundert hier aufgetürmt hatte. Sie werden dann gern „würdig“ den fernen Verwandten der Toten übergeben.

Das deutsche Strafgesetzbuch schützt die Ruhe der Toten und ihre Grabstätten:

(1) Wer unbefugt aus dem Gewahrsam des Berechtigten den Körper oder Teile des Körpers eines verstorbenen Menschen, eine tote Leibesfrucht, Teile einer solchen oder die Asche eines verstorbenen Menschen wegnimmt oder wer daran beschimpfenden Unfug verübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

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