Klaus Kunze

Kategorie: Philosophie Seite 10 von 23

Das Vermächtnis Apollons

Erkenne dich selbst!

Gelegentlich sollten wir kurz innehalten. Lassen wir einmal unsere Gedanken fliegen und betrachten den eigenen Standpunkt und Weg aus der Vogelperspektive.

Erkenne dich selbst – Γνῶθι σεαυτόν – stand auf dem Tempel des Apollon zu Delphi. Ein solches Ich bedient sich vieler Denkwerkzeuge und -modelle, um sich den Durchblick durch das verwirrende Getümmel der Ereignisse und das Angebot an Werkzeugen zu verschaffen, sie zu verstehen. Nicht jedes Denkmodell funktioniert, und nicht jedes Werkzeug paßt. Wir bezeichnen Deutungsmodelle herkömmlich als …ismen wie Sozialismus oder Liberalismus, und jedes möchte die Welt in seiner Weise erklären.

Alle Menschen suchen nach „der Wahrheit“ und „der Wirklichkeit“, aber mit sehr verschiedenen Werkzeugkoffern. Magisches Denken hatte die Welt völlig anders gedeutet als ein Mormone, der den Schlüssel zur Wahrheit im Buch Mormon gefunden zu haben meint. Weiterlesen

Leiden an der Realität

Bauern sind nicht die Dümmsten

Ein Bauer würde niemals den Kontakt zur Wirklichkeit verlieren. Wer mit den Gummistiefeln im Mist steht, verliert nicht leicht die Bodenhaftung an das Irdische. Nur durch beherztes Zufassen kann er sein Tagewerk vollenden. Was seine Kuh ausscheidet – weiß er – fällt nach unten.

Wer sich hingegen nach mühsam geschafftem Abitur an das weitaus schwierigere Werk einer Geisteswissenschaft macht, ist höchst gefährdet. Muß wirklich alles nach unten fallen? Ist Gravitation nicht höchst ungerecht? Und sollte man sie nicht besser anders konstruieren?

Warum können Frauen nicht fliegen?

Wäre Gravitation gerecht, könnten Frauen fliegen. Es beginnt im Kopf des blassen Studenten zu denken: „Ist nicht die ganze Welt so ungerecht zu mir?“ Aus Kindern werden Leute, aus solchen großen Kindern manchmal auch Politiker. Die neueste bärbäckische Tollheit hörte ich gestern im Radio: Es gebe leider noch keine „Klimagerechtigkeit“! Weiterlesen

Zeitenwende ist immer

Alles fließt

Es gibt keine objektiv wahren, universell richtigen und absolut gültigen Normen unseres sozialen Zusammenlebens. Sie alle gelten allenfalls relativ zu bestimmten Lebensverhältnissen. Hohepriester und Gralshüter von Ewigkeitsklauseln, Ideologen und Inquisitoren, Richter und Henker der Rechtgläubigkeit, Scharlatane und Einfaltspinsel behaupten das Gegenteil. Sie sind Feinde der Freiheit.

Das ist die Freiheit, sich fort- und weiterzuentwickeln. Ohne sie erlahmt der gesellschaftliche Motor. Kollektive Einstellungen und Verhaltensweisen verändern sich, wenn die Lebensumstände sich verändert haben. Das ist immer der Fall. Eine Zeitenwende ist kein Zeitpunkt, sondern ein Prozeß. Gelegentlich wird er den Zeitgenossen bewußt. Alles fließt. Nur fließt es manchmal so langsam, daß es übersehen wird.

Veränderungen dominanter Ideologien sind ein untrügliches Zeichen, daß ein Veränderungsprozeß weit gediehen ist. Die Alten haben die Lebenserfahrungen ihrer Eltern und Großeltern tief verinnerlicht. Ihre Quintessenz bildet ein kohärentes Bündel sozialer Normen, Werte und Einstellungen. Weiterlesen

Fake-News – gibt es die?

Lüge und Wahrheit

Früher war das einfach. Da standen sich nur die gute, alte Wahrheit und die Lüge gegenüber. Wer lügt, sagte absichtlich etwas, das nicht stimmte.

Man konnte aber schon immer die Wahrheit oder was man dafür hält so schlitzohrig formulieren, daß sie in die Irre führt. Einst schrieb ein Journalist über einen anderen, der sei ein halber Idiot. Auf dessen Beschwerde schrieb er dann in der nächsten Ausgabe: „Ich habe ihn einen halben Idioten genannt. Das nehme ich mit Bedauern zurück. Er ist kein halber Idiot.“ – Unterdessen haben unsere Politiker die hohe Kunst perfektioniert, mit einer halben Wahrheit vollendet zu lügen.

Klassische Lüge: Sinon log, die Griechen hätten das Konstrukt des Holzpferdes als Geschenk an die Götter zurückgelassen.
(Miniatur des Trojanischen Pferdes , aus dem Vergilius Romanus , einem Manuskript von Virgils , Aeneis Anfang des 5.
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Die Menschenwürde als verfassungsrechtliche Wundertüte

Am 6. November 2022 auf einer Anwaltstagung gehaltener Vortrag

1. Naturrecht 2

2. Genügt die Fähigkeit zur Selbstbestimmung für „Würde“?. 4

3. Kants Objektformel 5

4. Methodologischer Individualismus. 7

5. Ideologische Uminterpretation. 7

6. Versorgung aus der Wundertüte. 9

Die Menschenwürde fungiert heute als verfassungsrechtliche Wundertüte. Unsere obersten Verfassungshüter entnehmen ihr, was immer von der Politik nachgefragt wird und ideologisch jeweils erwünscht ist. Sie bildet die Einbruchstelle eines rechtsphilosophischen Ladenhüters in unser positives Recht: des Naturrechts. Dieses wiederum enthält beliebige Inhalte je nach ideologischer Haltung des Naturrechtlers. Es bildet das Gängelband, an dem man uns führt.

Der Verfassungsrechtler Duttge formulierte 2007,

die Menschenwürde als solche gelte inzwischen vielen »als mehr oder minder ausfüllbare Leerformel[1] mit gefährlich expansiven Zügen – eine Wanderdüne ohne Halt«, bedeutend und wohlklingend, als »Opium fürs Volk«[2] schnell in aller Munde, tatsächlich aber ohne greifbaren Sinngehalt, in Wahrheit eine »terra incognita«.

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Über den moralischen Tellerrand hinaus gedacht

Sterben für Uigur?

„Sterben für Danzig? fragten französische Zeitungen 1939 skeptisch, als das Deutsche Reich sich die alte Stadt Danzig wieder angliederte. Durch das Versailler Diktat war sie ihrem Mutterland gegen den Willen seiner Bewohner entrissen worden.

Sterben für Uigur? Manche deutschen Fundamentalisten würden das offenbar in Kauf nehmen. Der Grüne Bütikofer und A. Baerbock werden nicht müde, vom Reich der Mitte „Einhaltung der Menschenrechte“ zu fordern, oder jedenfalls, was die Grünen darunter verstehen.

Nach neuen Enthüllungen über Menschenrechtsverletzungen gegenüber den Uiguren hat Außenministerin Annalena Baerbock von Peking transparente Aufklärung verlangt. Der Grünen-Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer forderte im Dlf, wirtschaftliche Interessen klar zu reduzieren. Deutsche Firmen wie BASF oder VW sollten sich aus China zurückziehen.

Deutschlandfunk 25.5.2022

Wie ein Wirtschaftskrieg sich für uns einfache Bürger anfühlt, weiß inzwischen jeder, und solche Kriege sind nur zu häufig Vorboten eines militärischen Konflikts. Weiterlesen

Wer stellt die Systemfrage?

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern

Ein Topf mit Suppe auf dem Herd beginnt von unten zu blubbern. Die ersten Blasen bilden sich von unten, wo es zuerst heiß und unerträglich wird. Bevor die erkalteten Fettaugen oben endlich in Bewegung geraten, brodelt der ganze Topf. Und wenn der Deckel zu fest drauf sitzt, fliegt er dem verschlafenen Koch um die Ohren.

In Dresden prophezeite mir eine Kellnerin zu Füßen der Frauenkirche, es komme ein Bürgerkrieg. Das hat mich verblüfft. Wenige Tage zuvor erst hatte ich diese Möglichkeit hier anhand von Ray Galios Buch „Weltordnung im Wandel“ erläutert.

Die Kellnerin hatte das nicht gelesen. Aber an die Wende 1989 konnte sie sich gut erinnern. „Das können wir auch noch mal!“ Die wirtschaftliche Not werde steigen. „Das lassen wir uns nicht gefallen!“ Noch jede Regierung strauchelte, die ihren Bürgern nicht das Brot auf dem Teller ließ. Weiterlesen

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