Klaus Kunze

Kategorie: Politik Seite 33 von 47

„Aber wenn ich an die Alternative denke …“

Mentalität im Wandel

Ein 85jähriger und ein 95jähriger sitzen auf einer Parkbank und klagen über ihre Beschwerden: das Zipperlein, Inkontinenz, Demenz; nur das Zahnweh-Alter haben sie hinter sich. „Alt sein ist nichts für Feiglinge“, seufzt der eine. Darauf der andere: „Ja, aber, wenn ich an die Alternative denke ….“

Je nach Sichtweise kann man unser Land heute als aufblühende Landschaft des modernen Multikulturalismus oder auch ganz anders sehen, als vergreisendes Altersheim, dessen junge Generationen nicht mehr fähig oder nicht mehr willens sind, das Gemeinwesen aufrechtzuerhalten. Während Vertreter der einen Sicht nicht begreifen, daß ihre Moral nicht von allen Bürgern als oberste Richtschnur akzeptiert wird, verstehen die anderen nicht, wie man die Freiheitsrechte, die Rechtsstaatlichkeit und die Nationalstaatlichkeit wieder einer machtgefräßigen Ideologie unterordnen kann: 75 Jahre nach 1945 und 31 Jahre nach 1989.

Die mentalen Lager sind sich spinnefeind und rekrutieren sich aus heterogenen Milieus: bodenständige Landbevölkerung gegenüber städtischer Massengesellschaft, Handwerker und Arbeiter gegenüber Absolventen sozialwissenschaftlicher Studien, Menschen, die für ihren Bedarf selbst aufkommen, gegenüber Empfängern staatlicher Hilfen, Deutsche gegenüber Ausländern, Atheisten gegenüber Religiösen. Weiterlesen

Tote Fische schwimmen mit dem Strom

Neuerdings bemißt sich der Wert eines Menschen nach seiner Gesinnung. Nachdem just ein Bundestagsabgeordneter überraschend starb, pries Armin Laschet ihn als „engagierten Demokraten“ und SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich als „angesehenen Sozialdemokraten“. Die meisten seiner Politikerkollegen stellten seine Gesinnung an die Spitze ihrer Würdigung.

Wahrscheinlich hätte es viel Wichtigeres gegeben, mit dem eine Lebensleistung und eine Persönlichkeit gewürdigt werden könnten. Bezeichnend für die gesellschaftliche Dominanz einer Ideologie ist es aber, alle Menschen primär politisch zu bewerten. Wer hier durchs Raster fällt, kann noch so klug oder tüchtig sein, liebenswert oder fleißig, künstlerisch begnadet oder literarisch produktiv: Das zählt alles nicht, wenn man einen Menschen nur durch die getönten Brillengläser seiner Weltanschauung betrachtet.

Auf unserer Gesellschaft lastet ein allgegenwärtiger Konformitätsdruck. Wer Karriere machen will, benötigt eine Schere im Kopf. Sie warnt ihm jederzeit, wenn er vermintes Gelände betritt. Weiterlesen

Nacht über Paris …

… oder die strukturelle Gewalt des Islam

Nacht bricht über Paris herein. Es wird dunkler in Europa. Langsam erlöschen die Lichter unserer Kultur und Zivilisation.

Das Köpfen hat in Paris eine gute Tradition. Früher köpfte man hier Gegenrevolutionäre oder wen man dafür hielt. Am 16. Oktober 2020 wurde bei Paris der Lehrer Samuel Paty auf offene Straße geköpft. Es hatte einem 18jährigen Moslem nicht gefallen, daß Paty seinen Schülern anhand von Mohammed-Karikaturen erklärt hatte, was wir in Europa unter religiöser Toleranz verstehen. Auf Twitter verbreitete sich die Ansicht:

Samuel Paty wurde enthauptet, nachdem der Islamrat diese Fatwa gegen ihn aussprach und islamisierte Eltern seit Tagen gegen ihn hetzten. Er wurde vorher schon bedroht. Muslime und der Islam könnten die Ursache für diesen bestialischen Mord sein.

Verbreitete Twitter-Meldung 17.10.2020

Das linke Establishment in unserem Lande weist reflexhaft von sich, solche Morde hätten etwas mit der Religion des Islam zu tun, Die gleichen Leute sind aber sofort zur Stelle, wenn ein Polizist auf der Straße eine dunkle Gestalt kontrolliert, festnimmt oder dabei gar Gewalt anwendet. Weiterlesen

Konformitätsdruck und -überdruck

So weit sind wir schon gekommen: Während ich an einer Landstraße in Mittelhessen eine Currywurst aß, duzte sich ein hinzukommender Kunde mit dem Inhaber des Wurststandes: Die seien „mit 30 Vermummten gekommen und hätten dem einen Hund aus dem Zwinger“ geholt, „diese roten Nazis!“

Ich fragte neugierig nach, was da geschehen sein. Damit war das Gespräch zuende. „Ich rede über so was mit niemandem, den ich nicht kenne. Das ist heutzutage viel zu gefährlich!“

Nach einer Allensbach-Umfrage meinen zwei Drittel der Deutschen, daß man hierzulande aufpassen müsse, was man sagt.

Es wird nicht mehr auf die Argumente gezielt, die man gebracht hat, sondern sofort auf die eigene Person, wobei Stichworte ausreichen, um ein extremistisches Weltbild zu unterstellen und hierzu Aussagen bewußt verkürzt werden.

Söhnke Paulsen, Sozialer Tod für “falsche” Meinung – Dieter Nuhr spricht von modernen Pogromen, 1.10.2020

Früher kannte ich Ängste, seine Meinung zu sagen, nur aus der DDR. Weiterlesen

Das deutsche Volk – juristisch verabschiedet

Autor des Grundgesetzes

Die Präambel unseres Grundgesetzes benennt „das deutsche Volk“ als seinen Autor: es habe sich „diese Verfassung gegeben.“ Das Volk war die Henne und das Grundgesetz ihr Ei.

Aus diesem Ei schlüpfte ein Küken, das über 70 Jahre lang über die Freiheit der Personen wachte. Deren Menschenwürde zu schützen gab sie dem Staat als oberste Verpflichtung auf.

Politische Kräfte, auch bereits Juristen, möchten das Grundgesetz jetzt umfunktionieren und zu einem Vogel machen, der seine eigene Mutter und Autorin verschlingt: das deutsche Volk. Vorläufig wird allerdings noch nicht gefressen, aber von ganz oben scharf beobachtet.

Objekt des staatlichen Argwohns sind sogenannte Identitäre. Das Verwaltungsgericht Berlin hat deren Antrag am 18. Juni 2020 vorläufig abgelehnt, nicht mehr vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden. Der Beschluß ist noch nicht rechtskräftig und liegt dem Oberverwaltungsgericht vor. Weiterlesen

Auf dem Weg zur moralischen Weltmacht?

Sie können das Wort „moralisch verpflichtet“ nicht mehr hören? Ich auch nicht mehr. Gerade darum sollten Sie aber weiterlesen. Es geht Ihnen nämlich wie dem Hund, der die Worte Maulkorb und Leine nicht mehr hören mag. Eine durchgesetzte Moral ist ein Mittel sozialer Disziplinierung. Zwangsläufig müssen wir uns mit den uns angelegten Leinen und moralischen Nasenringen auseinandersetzen, mit denen man uns durch die Manege führt.

Das Wort „unmoralisch“ ist zur Killerphrase geworden. Gutmenschen tragen sie als Waffe vor sich her wie einen Spieß, mit dem ein schlichter Landsknecht selbst den schönsten Ritter vom Pferd holen konnte. Solche Killerphrasen haben keinen greifbaren Inhalt. Sie sind leere Worthülsen. Über alles und jeden gießen Spießbürger die Einheitssauce ihrer Moral aus. Es wäre gefährlich, die guten Leute einfach ihrem moralischen Delirium zu überlassen. Zu dessen Symptomen gehört nämlich oft eine besserwisserische Arroganz gegenüber allen, die nüchtern geblieben sind. Weiterlesen

Weltbürgerkrieger

Der ewige Deutsche lebt noch. Vielen umliegenden Nationen ist er oft auf die Nerven gegangen: als besserwisserischer, belehrender Prinzipienreiter wollte er die Welt am deutschen Wesen genesen lassen.

Heute hat er wieder ein Gesicht: Heiko Maas. Dessen Ähnlichkeit mit seinem früheren deutschen Ministerkollegen und Erzpropagandisten deutscher Überlegenheit mag rein zufällig sein. Zuweilen stabilisieren Kleinwüchsige ihr Selbstbewußtsein durch ein besonders großes Mundwerk.

Der ewig besserwisserische Deutsche lebt noch.

In den Trümmern seines militärischen Größenwahnes brachte sich Maas‘ Amtsvorgänger selbst um. Maas seinerseits zertrümmert gerade genußvoll in moralischem Größenwahn die diplomatischen Beziehungen zu zwei der mächtigsten Staaten der Erde: USA und Rußland. Sich beide zugleich zu Feinden machen und es mit ihnen aufnehmen? Für propagandistische Schönredner ist das kein Problem. Am Endsieg unserer gerechten Sache kann kein Zweifel bestehen.

„Maas kritisierte insbesondere den Aufruf Trumps zur doppelten Stimmabgabe und dessen Kritik an der Briefwahl.

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