Eine von den Westmächten gern gehegte Legende besagt, die „Demokratien des Westens“ bildeten eine Wertegemeinschaft. Zu ihren höchsten Werten zählten sie den Frieden, die Menschenrechte und die Völkerverständigung.
In Deutschland nimmt man Proklamationen guter Absichten traditionell ernst. Wir waren schon immer ein gutmütiges und unpolitisches Volk. Was jemand tatsächlich tut, nehmen wir nicht so ernst wie seine angeblichen Absichten. Unsere politische Klasse scheint tatsächlich an jene heile Welt zu glauben, in der das Böse durch multilaterale Verträge gebannt ist und Frieden und individuelle Freiheit durch Menschenrechte garantiert sind. Wozu sich noch militärisch rüsten, wenn wir doch rechtsverbindliche Abkommen haben?
Sie wähnen, die großen Fragen der Weltgeschichte würden nicht durch Blut uns Eisen entschieden, sondern durch Reden und Parlamentsbeschlüsse, durch Verträge und moralische Proklamationen.
Von diesem Traum vermochte sie bisher keine historische Kenntnis abzuhalten. Weiterlesen
