Das Berliner Narrenschiff
„Die Lage ist hoffnungslos“, soll Konrad Adenauer gesagt haben, „aber nicht ernst.“ Als er 1967 gestorben war, defilierte ich mit meinen Eltern im Chor des Kölner Domes an seinem Sarg entlang. Die Menschenschlange war lang, die Gesichter noch länger und sehr ernst. Alle spürten: Eine Epoche war zuende.
Ein ähnliches Gefühl eines Epochenendes beschleicht dieser Tage viele Bürger. Teile der Gesellschaft haben Narrenschiffe bestiegen und treiben den Rhein oder die Spree abwärts. Wenn ich mal einen flüchtigen Blick auf die Mattscheibe erhasche, wende ich mich peinlich berührt ab. Die Witze des neuen Witzfigurenkabinetts sind schal. Sie sind nicht nur närrisch, sondern oft einfach dumm. Aus ihren Mündern lösen sich Seifenblasen wie bunte Luftballons. Sie klatschen sich selbst dazu Beifall und lachen dazu in die Kamera.

Es ist kein Albtraum, sondern ähnelt dem Einmarsch der Hauptdarsteller auf die Bühne in Institutionen, in denen man die Ärmel gewöhnlich hinter dem Rücken zusammenbindet. Weiterlesen
